Der Block steht mit Blake Scheerhoorn, Michel Schlien und Antti Ronkainen stoppen Frankfurts starken Japaner Masahiro Yanagida

Toller Auftritt bleibt gegen Frankfurt unbelohnt

Lange, spektakuläre Ballwechsel, Kampf bis zum letzten Aufschlag, begeisterte Fans: Diese Attribute gehören bei Spielen der LüneHünen einfach dazu und sie waren in der Gellersenhölle am Sonnabend wieder wie in den besten Zeiten vorhanden. Was noch fehlte beim Heimauftritt gegen die United Volleys Frankfurt war das dazu passende Ergebnis, denn die SVG verlor nach dramatischen 130 Minuten mit 1:3 (31:29, 27:29, 23:25, 24:26). Geduld ist also weiterhin gefragt bei der Entwicklung der neuen Mannschaft.

Couragiert wollten die Hausherren auftreten nach der 0:3-Pokalenttäuschung gegen Düren zuletzt, und das wurde vom ersten Ballwechsel an deutlich. Hohes Risiko bei druckvollen Aufschlägen und mutige Aktionen im Angriff, gepaart mit einer stabilen Annahme: so wurde dem Favoriten Frankfurt die Hölle heiß gemacht von Kapitän Viktor Lindberg & Co. „Das war viel besser als zuletzt – nur leider noch nicht gut genug in den wichtigsten Phasen“, sah nicht nur der Schwede deutliche Fortschritte.

„Unser Spiel entwickelt sich, wir finden langsam unsere Identität. Die Fehlerquote im Aufschlag ist noch zu hoch, aber ansonsten bin ich mit dem Prozess sehr zufrieden – wenngleich ich natürlich auch gerne etwas fürs Punktekonto gehabt hätte,“ lautete das Resümee von Chefcoach Stefan Hübner. Der schickte in der Starting Six wieder Blake Scheerhoorn im Diagonalangriff aufs Feld, flankiert von Zuspieler Gijs van Solkema. Und das Zusammenspiel dieser beiden funktionierte gleich. Der Kanadier punktete ebenso gut (5) wie auf der gegenüber liegenden Seite des Feldes Lindberg (6). Überraschend trug sich aber auch van Solkema fleißig in die Scorerliste ein: je 2 Blocks und Asse allein in Satz eins.

Siebter Satzball bringt die Führung

Da bei United aber Milija Mrdak (Diagonal/7) und Masahiro Yanagida (Außen/6) ebenso durchschlagskräftig waren, blieb das Geschehen jederzeit offen. Über 8:6 und 16:15 in den technischen Auszeiten ging es für die Hausherren plötzlich mit einem Rückstand (18:19) in die Crunchtime, bis schließlich ein Ass van Solkemas zum 24:23 den ersten Satzball brachte. Doch erst mit Nummer 7 zum 31:29 machte Lindberg den Sack zu.

Genauso spannend war Durchgang zwei, hin und her ging es, oft auch in langen Ballwechseln und mit spektakulären Rettungsaktionen auf beiden Seiten. Bei den Gästen punkteten vor allem Mrdak und Yanagida, bei der SVG Scheerhoorn und Lindberg. Und dann kam bei den Hessen doch noch der bis dahin geschonte Floris van Rekom, der sich im Dienstag-Spiel gegen Friedrichshafen verletzt hatte. Der Holländer sollte – auch als emotional Leader – noch zu einem entscheidenden Faktor werden. Zunächst sorgte er maßgeblich dafür, dass United ein 19:21 ausglich und schließlich den Satz – erneut in der Verlängerung (29:27) – gewann.

In Durchgang drei dann bekam van Rekom immer mehr Bälle und versenkte besonders auch die schwierigen. 8 seiner insgesamt 17 Punkte verbuchte er allein in diesem Satz bei einer Erfolgsquote von 88 % (gesamt am Ende 75 %). Trotz insbesondere immer wirkungsvollerer Schnellangriffe durch die Mitte und vorzüglichem Blockspiel mit Anton Brehme und dem längst eingewechselten Florian Krage wurde so aus einem 8:4 für die SVG erst ein 14:16, dann ein 19:23 und der Satzverlust, 1:2 also.

Tiebreak bis zum letzten Ball möglich

In Abschnitt vier warfen die LüneHünen nochmal alles rein, wollten unbedingt den Tiebreak. Brehme und Krage punkteten weiter gut in Block und Angriff (je 3), auch Antti Ronkainen drehte nochmal auf (6) und der für Scheerhoorn gekommene Jannik Pörner fügte sich gut ein (3). Über 8:3, 12:8 und 17:15 schien die SVG auf Satz 5 zuzusteuern, doch United stellte mit drei Zählern in Folge auf 17:18 und ließ danach nur noch ein paarmal den Gleichstand zu – zuletzt beim 24:24. Van Rekom, der MVP wurde (Lindberg bei der SVG), blieb es schließlich vorbehalten, mit dem 24:26 den Deckel drauf zu machen.

Bei der Ursachenforschung für die Niederlage fand wohl der starke Libero Tyler Koslowsky schließlich den entscheidenden Grund: „Uns fehlt vielleicht noch ein wenig der Killerinstinkt. Aber wir haben gut gespielt, darauf können wir aufbauen.“ Und Hübner befand: „Das war heute mit Abstand unser bestes Spiel im Angriff aus der Annahme heraus, und das ist das wichtigste Element in einem Spiel. Am Rest arbeiten wir fleißig weiter.“

Das soll sich spätestens schon im nächsten Heimspiel am kommenden Sonnabend gegen KW-Bestensee niederschlagen – Fans sollten sich Tickets dafür also schnell sichern. Zuvor aber müssen die LüneHünen am Mittwoch noch zum Meister Berlin Volleys.

Die SVG spielte mit: Lindberg, Brehme, Scheerhoorn, Ronkainen, Schlien, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Durkin, Thole, Pörner, Krage.