Wenn die Großen der Volleyball-Branche locken, hat die SVG Lüneburg keine Chance, ihre Spieler zu halten – nun geht Kapitän Scott Kevorken von Bord. Der absolute Leistungsträger und Führungsspieler der letzten drei Jahre spielt in der neuen Saison für den deutschen Rekord-Meister und -Pokalsieger VfB Friedrichshafen.
„Das war für mich keine leichte Entscheidung“, geht Kevorken neben der Vorfreude auf neue Aufgaben auch mit einem weinenden Auge. Denn der Mittelblocker hat sich hier in jeder Hinsicht überaus wohl gefühlt. „Lüneburg is a beautiful city with beautiful people !“, bringt der US-Amerikaner seine Empfindungen auf den Punkt. Doch nun lockt die internationale Perspektive, die Chance, um Titel zu spielen und in der Champions League mitzumischen.
Lüneburg wird dabei immer mehr zum Sprungbrett in die große, weite Volleyballwelt. Das kann man bedauern, ist aber auch eine Anerkennung dafür, welch gute Arbeit bei der SVG geleistet wird. Zuvor schafften ja Spieler wie Tijmen Laane (Polen, inzwischen Belgien), Steven Marshall (Berlin), Nick del Bianco (Frankreich) oder kürzlich auch Carlos Mora Sabaté zum holländischen Champions-League-Starter Abiant Lycurgus Groningen den Sprung vom Ausbildungsverein SVG zu einem Topklub.
SVG-Trainer Stefan Hübner nimmt den Verlust recht gelassen: „Ich freue mich, dass wieder einer der Gelegenheit bekommt, zu einer Top-Adresse zu gehen. Es ist für ihn sicher der richtige Moment, nochmal etwas Neues zu machen.“
Da auch Kevorkens Freundin Molly McCage in den Süden wechselt und sich sportlich verbessert – sie geht vom 1. VC Wiesbaden zum Vizemeister und aktuellen Pokalgewinner MTV Stuttgart – macht der Wechsel auch in dieser Hinsicht Sinn. Friedrichshafen und Stuttgart liegen nur knapp 200 Kilometer auseinander.
Kevorken war nach dem Bundesligaaufstieg 2014 aus Kalifornien vom College-Team UC Irvine gekommen, bestritt insgesamt 75 Pflichtspiele und entwickelte sich zu einem herausragenden Mittelblocker der Bundesliga. Am Bodensee hat er nun starke Konkurrenz im Norweger Andreas Takvam – zuletzt zweitbester Scorer Friedrichshafens – und im deutschen Jung-Nationalspieler Günthör. Dagegen ist Nationalspieler Georg Klein nach Berlin gewechselt. Ein  weiterer Mittelblocker soll aber noch zum VfB kommen.
„Meine Zeit in Lüneburg war eine der tollsten Phasen in meinem Leben. Seit ich Profi geworden bin, war die SVG der einzige Club, den ich als meine Heimat bezeichnen würde. Der Volleyball, der da gespielt wird, ist von phantastischer Qualität, und Trainer Stefan Hübner hat mir nicht nur viel über diesen Sport, sondern auch über das Leben beigebracht. Was mir aber am meisten in Erinnerung bleiben wird, sind die Beziehungen, die ich in dieser Zeit geknüpft habe – einige mir zunächst fremde Menschen sind geradezu ein Teil meiner Familie geworden. Ich werde niemals ihre Großzügigkeit, Unterstützung und Freundlichkeit vergessen. Alles, was ich nun sagen kann, ist: Herzlichen Dank an all die, die dafür gesorgt haben, dass ich mich stets so willkommen gefühlt habe. Sie werde ich immer in meinem Herzen behalten“, schreibt Scott Kevorken zum Abschied.