Jannik Pörner beendet seine Profi-Laufbahn. Foto: Wölper

Schluss für den letzten der ersten Bundesliga-Stunde

Jannik Pörner beendet seine Laufbahn nach 8 Jahren SVG

Seit acht Jahren spielt die SVG Lüneburg in der Volleyball-Bundesliga, und er ist ein Mann der ersten Stunde. Doch nun klappt Jannik Pörner – im Juli erst 28 Jahre alt werdend – dieses Kapitel zu. Der Diagonalangreifer beendet nach insgesamt 148 Pflichtspielen für die LüneHünen die Profi-Laufbahn und wechselt ins Privat- und Berufsleben, mit drei Silbermedaillen (Pokalfinals) und vier Bronzeplaketten (Playoff-Halbfinals) als Erinnerungsstücken. Damit ist aus der Premierensaison der SVG künftig kein Spieler mehr dabei.

Erste Highlights gleich als Youngster

Als Junioren-Nationalspieler samt Teilnahme an der EM-Endrunde 2012 in Dänemark und Polen tat Pörner mit dem Wechsel 2014 vom damaligen Zweitligisten KMTV Eagles Kiel einen neuen Karriereschritt und wurde schnell in Lüneburg heimisch. Mit 26 bzw. 25 Pflichtspielen machte er dem etablierten Falko Steinke den Platz streitig, obwohl dieser im ersten Jahr noch auf mehr Einsatzminuten kam. Die Anfangsjahre werden Pörner auch immer besonders in Erinnerung bleiben: „Sportlich war natürlich gleich 2014/15 genial: als Neuling ins Pokal-Endspiel und in der Bundesliga im Halbfinale. Aber auch das Jahr danach war großartig, als wir im Playoff-Halbfinale fast Berlin ausgeschaltete hätten, zweimal nur knapp mit ganz wenigen Punkten Unterschied 2:3 verloren haben.“

Als Steinke-Nachfolger kam dann Eric Fitterer (USA), der sich in die Top 10 der Topscorer schmetterte, zudem in den Elementen Block und Aufschlag überzeugte – Pörners Karriere stockte, zumal er sich nie auf den Sport allein beschränkte, sondern parallel eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte und danach einen Teilzeit-Job im Ausbildungsbetrieb Sparkasse Lüneburg antrat. Sich nur auf Volleyball zu fokussieren, war nicht sein Ding. So musste der 2,03-Meter-Mann auch akzeptieren, dass der nächste Konkurrent, Ryan Sclater, ihm das Nachsehen gab und bei der SVG in zwei Jahren zum kanadischen Nationalspieler reifte. Pörner, ein Teamplayer wie er im Buche steht, ordnete sich nicht nur erneut unter, sondern freute sich mit über die positive Entwicklung des ganzen Vereins.

Für ihn aber kamen gesundheitliche Rückschläge hinzu. Wer kennt es nicht, das Sprichwort „Sport ist Mord“? Den Mann mit der Trikotnummer 7 erwischte es ausgerechnet dann oft, wenn er gerade besonders gut drauf war, zog sich Bänderrisse zu, fing sich eine Grippe ein oder litt in der letzten Saison lange unter einem Bandscheibenvorfall. „Ich möchte die Jahre trotzdem nicht missen, hatte trotzdem Spaß auf dem Feld. Manche haben eben eine bessere und manche eine nicht so gute körperliche Konstitution, um die Belastungen eines Profis wegstecken zu können. Zuletzt hätte ich ja auch fast noch einmal eingreifen können.“ Da aber machte dann Corona einen Strich durch die Hoffnungen, weshalb er auch nicht wie Michel Schlien und Tyler Koslowsky die große Abschiedsbühne beim Viertelfinale gegen Frankfurt bekommen konnte. So kam er nur auf 17 Saisoneinsätze.

Gesundheitliche Rückschläge als roter Karriere-Faden

Eine Saison zum Vergessen also? „Das würde ich nicht sagen. Es ist nur schade, wie sie geendet ist, das hätte ich mir anders vorgestellt. Immerhin habe ich noch ein drittes Pokalfinale miterlebt.“ Und, das sein hinzugefügt, ein lang ersehntes Spielen in der neuen Arena sowie Auftritte im Europapokal – dort sogar mit einem besonderen Erlebnis: Im Hinspiel des CEV Cups gegen Ribnica Kraljevo war Pörner mit 18 Punkten Topscorer beim 3:0-Triumph und wurde mit Sprechchören noch lange gefeiert. Da zwickte schon die Bandscheibe. Das Halbfinale im DVV-Pokal gegen Herrsching am 22. Dezember sollte dann sein letzter (Kurz-)Auftritt werden.

In dieser Phase ergab sich aber auch eine beruflich neue Perspektive bei der Sparkasse: Eine Stelle als „Innovations-Manager für Digitalisierung“ wurde frei. „Darauf hatte ich richtig Bock und habe mich erfolgreich beworben. Das macht das Karriereende jetzt leichter.“ Der Übergang war fließend, inzwischen arbeitet er in Vollzeit. Und freut sich zudem, künftig mehr Zeit für Freundin, Haus und Hund zu haben. Deshalb ist auch vorerst nicht geplant, in der zweiten Mannschaft aufzutreten oder z.B. als Jugendtrainer einzusteigen. „Ich will das alles jetzt erst einmal sacken lassen.“ Und was wird auf Dauer hängen bleiben? „Ich fand es spannend, in Deutschland herumzureisen und andere Gegenden kennenzulernen. Und es war einfach schön, dass ich durch Volleyball viele Freunde aller möglichen Nationalitäten gefunden und andere Kulturen kennengelernt habe.“ Freundschaften, die bis heute halten wie zum Spanier Carlos Mora Sabaté, einst ja Zuspieler bei der SVG.

„Das Pech mit gesundheitlichen Rückschlägen zieht sich leider wie ein roter Faden durch seine Laufbahn, vor allem auch dann, wenn er selbst gegen stärkere Konkurrenten gerade am Drücker war. Aber Jannik gehörte wie Michel Schlien immer zu meinen verlängerten Armen, hat unsere Spiel-Philosophie verinnerlicht und mit an die anderen vermittelt“, blickt Chefcoach Stefan Hübner zurück, der auch Pörners Führungsqualitäten sehr schätzte: „Er hatte Vorbildfunktion, war ein Ruhepol und hatte stets gute Antennen für die Befindlichkeiten der Mitspieler.“ Eben ein Teamplayer, ungeheuer wichtig für das Mannschaftsgefüge und stets mit helfenden Händen oder moralischer Unterstützung zur Stelle – auch, wenn es ihm selbst nicht so gut ging.

Bundesliga-Spieltag zusammengefasst

Schon nach zwei Spielen der „best-of-5“-Serie hat Friedrichshafen gegen Düren überraschend die Chance, ins Endspiel einzuziehen. Die Nordrhein-Westfalen, die eine konstantere Saison als der Gegner spielten, fanden auch im zweiten Duell kein Mittel gegen die Blockstärke des VfB. Zuerst versuchten sie es wieder mit den zuletzt so starken Jung-Angreifern Erik Röhrs und Flip John, dann kamen Sebastian Gevert auf Diagonal und Marcin Ernastowicz zum Zug und sorgten für Hoffnung, doch die Häfler hatten auf alles eine Antwort

Einen schwarzen Tag erwischte Berlin, war in Frankfurt in den ersten beiden Sätzen überhaupt nicht und im dritten Satz erst spät auf dem Feld. Mit den Einwechselungen von Cody Kessel (für Tim Carle), Marek Sotola (für Ben Patch) und Oldie Georg Klein (für Jeff Jendryk) bekam der Meister sich und das Match nach und nach in den Griff. Schon gleich zu Beginn hatte der angeschlagene Ruben Schott für Samuel Tuia Platz machen müssen. Nach der Abwehr von drei Matchbällen retteten sich die Gäste in Satz vier und dominierten diesen dann nach Belieben, doch im Tiebreak war Frankfurt um den wie aufgedreht auftrumpfenden Daniel Malescha (29 Punkte bei 65% Erfolgsquote) wieder voll da.

Spiel drei findet jeweils wieder am kommenden Mittwoch statt: Düren – Friedrichshafen um 19 Uhr und Berlin – Frankfurt um 19.30 Uhr, beide zu sehen im Stream auf www.twitch.tv/spontent (Düren) bzw. www.twitch.tv/spontent_one (Berlin).

Die Halbfinals im Stenogramm, 2. Spiel:

United Volleys Frankfurt – Berlin Recycling Volleys 3:2

(25:22, 25:22, 26:28, 14:25, 15:9 – Stand: 1:1)

133 Min., 1100 Zuschauer

MVP: Malescha – Sotola

Scorer: Malescha (29), Staples (17), Baxpöhler (9), Lindberg (8), Weir (6), Dervisaj (3), Reinhardt (2), Schöps (1) – Sotola (13), Kessel (12), Tuia (10), Mote, Patch (je 9), Klein (6), Carle (5), Jendryk (3), Grankin (2)

VfB Friedrichshafen – powervolleys Düren 3:0

(25:23, 31:29, 26:24 – Stand: 2:0)

95 Min., 1225 Zuschauer (in Ulm)

MVP: Pekovic – Brand

Scorer: Cacic (17), Vicentin (14), Böhme (9), Hirsch (8), Vincic, van Berkel (je 5), Maase (3) – Gevert (17), Brand (16), Ernastowicz (9), Röhrs (6), Pettersson (3), Broshog (2), John (1)

NEWS aus der Liga

Bei den Giesen Grizzlys hat der spanische Diagonalangreifer Augusto Renato Colito für eine zweite Saison unterschrieben. Den Verein verlassen werden dagegen die Außen Stijn van Tilburg und Romans Sauss.

Mittelblocker James Weir hat als fünfter Spieler seinen Vertrag bei den United Volleys Frankfurt für eine zweite Saison verlängert.

NEWS aus der Szene

Mit der Unterstützung von Libero Leonard Graven und Außenangreifer Patrick Rupprecht, die vom TSV Haching München nach Beendigung deren Bundesligasaison noch ausgeliehen wurden, hat der TSV Dachau den Aufstieg in die 2. Liga (Süd) geschafft. Das von Ex-Nationalspieler Patrick Steuerwald trainierte Team will zeitnah zurück in die Bundesliga.

In der Frauen-Bundesliga beginnen in dieser Woche die Playoffs mit dem Viertelfinale („best of 3“): Stuttgart – Vilsbiburg, Dresden – Wiesbaden, Potsdam – Aachen (alle Di.) und Schwerin – Suhl (Mi.).

Mit einem heiß umkämpften 3:2 (25:20, 21:25, 25:23, 22:25, 19:17)-Sieg gegen Tours VB ist Chaumont VB nach zwei verlorenen Finals erstmals in der Vereinsgeschichte Pokalsieger in Frankreich geworden. Zum dritten Mal in Folge wurde PAOK Saloniki Pokalsieger in Griechenland durch ein 3:0 gegen Foinikas Syros, eine Insel in der Ägäis.

CS Arcada Galati hat sich die Meisterschaft in Rumänien gesichert, punktgleich mit Dinamo Budapest. Den Titel in Zypern holte Omonia Nikosia – der dritte in Folge und der sechste insgesamt.

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Die Männer der SVG Lüneburg II kamen in der Aufstiegsrunde der Regionalliga Nordwest zu einem kampflosen 3:0-Erfolg, weil Gegner GfL Hannover nicht in der Gellersenhalle antrat und das Match auch nicht neu angesetzt wird.

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