Mit dieser positiven Energie, die hier Hannes Gerken, Dalton Solbrig und Tyler Koslowsky zeigen, sind die LüneHünen gleich viel stärker

Pokal-Viertelfinale

Dieses Highlight weckt Erinnerungen

Friedrichshafen kommt euphorisiert vom 3:0 gegen Berlin

SVG Lüneburg gegen VfB Friedrichshafen: Das ist gerade im Pokal eine besondere Geschichte. Wer erinnert sich nicht an die Finals 2015 in Halle/Westfalen und 2019 in Mannheim, jeweils vor tausenden von Zuschauern? Beide Male waren die LüneHünen zwar chancenlos, wie auch beim Viertelfinale in der Saison 2017/18 am Bodensee, und verloren stets 0:3. Dennoch ist natürlich auch die Neuauflage an diesem Mittwoch (19 Uhr) in der Corona bedingt verwaisten Gellersenhalle ein Highlight – wieder zu sehen im kommentierten Stream auf sporttotal.tv.

Weg ins Endspiel kurz wie noch nie

Auch jetzt sind die Kräfteverhältnisse wieder klar. Die Süddeutschen kommen als haushohe Favoriten. Sollte es im SVG-Lager oder bei den Fans Träume von einer Überraschung gegeben haben, bekamen die wohl am Wochenende einen herben Dämpfer. Da entzauberten die Häfler zur Einweihung ihrer neuen Arena auf dem Messegelände die Berlin Volleys mit 3:0. Doch ebenso wie dieses überraschend deutliche Statement werden im Sport manchmal völlig unerwartete Geschichten geschrieben. Daran denkt wohl auch SVG-Chefcoach Stefan Hübner, wenn er zu den Erfolgsaussichten gegen den VfB bemerkt: „Im Pokal gibt es, wenn man weiterkommen will, nur eins: gewinnen. Man tritt in jedem Spiel an, um zu gewinnen. Und zudem war der Weg ins Finale noch nie so kurz wie in dieser Saison…“

In der Tat sind bis zur Rückkehr nach Mannheim „nur“ zwei Siege nötig. Die Erstligisten sind nach neuem, der Covid-19-Pandemie angepasstem Modus in dieser Saison unter sich, unterklassige Teams blieben außen vor. Der Gewinner aus SVG – VfB hätte dann auch im Halbfinale am 10. Dezember Heimrecht gegen den Sieger aus Bisons Bühl – United Volleys Frankfurt. Träume sind ja nicht verboten und haben mit der Realität auch meistens nicht viel zu tun…

Die Realität ist, dass Friedrichshafen wieder einen exquisiten, hoch interessanten 14er-Kader beisammen hat und wohl auch mit komplettem Team anreist, nachdem Libero Markus Steuerwald gerade zum zweiten Mal Vater geworden ist und nicht mehr auf heißen Kohlen sitzt. Speziell wegen dieses anstehenden freudigen Ereignisses hatten die Häfler im Saisonverlauf ja noch einen zweiten Libero im US-Amerikaner Avery Aylsworth verpflichtet, nachdem zuvor für den Notfall Co-Trainer Thomas Ranner für diesen Zusatz-Job auf dem Spielberichtbogen stand.

Exquisiter 14er-Kader voll großer Namen

Der neue Zuspieler Dejan Vincic, zweimal Vize-Europameister mit Slowenien, lenkt jetzt das Spiel, im Außenangriff spielt mit Nicolas Marechal ein französischer Europameister. Im Mittelblock gönnt sich der VfB den Luxus mit vier hochkarätigen Zugängen, nachdem spät noch Marcus Böhme dazukam, der schon 270 Mal das DVV-Trikot trug und ebenso ein Weltenbummler ist wie die Vorgenannten. Und im Diagonalangriff konkurrieren die deutschen Jung-Nationalspieler Linus Weber und Lukas Maase wie auch beim Bundestrainer im Verein um Einsatzzeiten. Und das ist nur ein Teil-Blick auf das Aufgebot.

„Natürlich hat der VfB eine sehr gute Mannschaft. Aber wenn wir so fighten wie gerade gegen Düren, wieder dieses Gesicht zeigen, haben wir in jedem Spiel unsere Chancen – ob das dann auch zu einem Sieg reicht, weiß ich natürlich nicht“, setzt Hübner darauf, dass seine Mannen zumindest mit der gleichen Dynamik und Aggressivität das Spielfeld beackern und wieder so eine positive Energie ausstrahlen. Hilfreich wären dann dazu sicher eine bessere Aufschlagquote und insgesamt mehr Konstanz.

Die weiteren Spiele: Berlin Volleys – Netzhoppers KW-Bestensee (Mittwoch, 19.30), WWK Volleys Herrsching – TSV Giesen Grizzlys (Donnerstag, 20.00).

SPIELTAG ZUSAMMENGEFASST

Im zerrissenen Bundesliga-Spielplan standen nur drei Begegnungen auf dem Programm, aber die hatten es in sich: Die bisher stets siegreichen Bisons Bühl kassierten ihre erste Niederlage nach einer 2:0-Führung gegen Giesen, sind aber dennoch wieder Tabellenführer, weil die Berlin Volleys das ewig junge Gigantenduell in Friedrichshafen glatt mit 0:3 verloren und so von der Spitze stürzten. Am kommenden Wochenende – nach dem Intermezzo im Pokal-Viertelfinale – stehen dann sechs Matches an: Frankfurt spielt zweimal, bei den Berlin Recycling Volleys (18 Uhr, live im Free-TV auf Sport1) und tags darauf beim VCO Berlin.

Die Begegnungen:

SVG Lüneburg – powervolleys Düren 1:3
(20:25, 23:25, 25:22, 23:25)
115 Min., 0 Zuschauer
MVP: Solbrig – Broshog
Scorer: Ewert (16), Peemüller (15), Solbrig (13), Lindberg (9), Krage (7), Schlien (3), Gerken (2), Craft (1) – Gevert (23), Broshog, B. Andrae (je 13), Ernastowicz (12), M. Andrei (7)

VfB Friedrichshafen – Berlin Volleys 3:0
(26:24, 25:20, 25:22)
83 Min., 0 Zuschauer
MVP: Juhkami – Kessel
beste Scorer: Weber (17), Juhkami (16), Böhme (9) – Tuia (13), Patch (11), Kessel (7)

Bisons Bühl – TSV Giesen Grizzlys 2:3
(28:26, 25:17, 19:25, 21:25, 10:15)
123 Min., 0 Zuschauer
MVP: Stöhr – Wagner
beste Scorer: Lopez (23), Kronthaler (16), Vaskelis, Henning (je 10) – van Tilburg, Wagner (je 20), Menner (17), Mayaula (14)

NEWS AUS DER LIGA

Bei den Berlin Volleys fällt nach Zuspieler Sergey Grankin (Muskelfaserriss in der Wade) auch Außenangreifer Timothee Carle vorerst aus. Der Franzose zog sich im Training einen Faserriss in der Bauchmuskulatur zu, fehlte schon beim 0:3 in Friedrichshafen. Als Ersatz-Zuspieler hinter Pierre Puyol wurde für den Notfall, der im Sommer 2019 abgetretene Sebastian Kühner reaktiviert.

Improvisieren mussten am vergangenen Donnerstag die Volleys Herrsching vor ihrem Auftritt bei VCO Berlin. Libero Ferdinand Tille, tags zuvor beim 3:2 in Bestensee noch dabei, reiste ab, weil seine hochschwangere Freundin unmittelbar vor der Geburt stand – Tille schaffte es noch rechtzeitig. Libero beim 3:1 gegen VCO spielte Außenangreifer Jori Mantha.

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