Frust lass nach - die Mienen der LüneHünen sprechen Bände. Foto_Behns

Rück- statt erhoffter Fortschritt

LüneHünen mutlos, zaghaft und fehlerhaft

Einen Schritt vor, zwei Schritte zurück – die SVG Lüneburg versucht vergeblich, sich aus der tiefen Krise zu befreien. Die 0:3 (15:25, 19:25, 17:25) -Heimniederlage am Sonnabend in der Hamburger CU Arena vor 1100 Zuschauern gegen die powervolleys Düren erinnerte fatal an das 0:3-Desaster gegen den gleichen Gegner im Pokal-Achtelfinale Anfang November. Die Gäste zogen damit in der Tabelle an den nun sechsmal in Serie sieglosen LüneHünen vorbei auf Platz 6.

Der zarte Aufwärtstrend, der zuletzt erkennbar war, ist schon wieder Makulatur, die Mißerfolgsserie wächst sich zu einer Dauerkrise aus. Und das zehrt mittlerweile unübersehbar bei einigen Spielern auch am Nervenkostüm. Nichts mehr erinnerte an den glanzvollen 3:0-Triumph der Punkte-Hinrunde in Düren, obwohl Chefcoach Stefan Hübner fast die identische Starting Six von damals aufs Feld schickte und deshalb überraschend den in den letzten Wochen so starken Anton Brehme zunächst auf der Bank ließ.

Angriffsquote nur miserable 33 Prozent

Doch im Gegensatz zu einem vom ersten Ballwechsel an aggressiven Gegner trat die SVG ohne jedes Selbstvertrauen, mutlos, zaghaft und höchst fehlerhaft auf und führte im gesamtem 70-Minuten-Kurz-Match genau einmal: beim 2:1 im ersten Satz. In dieser Szene wurde übrigens Dürens Ausfallliste noch länger, Außenangreifer Tobias Brand knickte um und konnte nicht weiterspielen. Die Nordrhein-Westfalen steckten es wild entschlossen weg.

Brands „Ersatz“ Egor Bogachev war sofort voll da, Oldie Björn Andrae, bald 39 Jahre alt, zeigte – drahtig wie eh und je – in allen Spielelementen sein immer noch großes Können, der junge Libero Ivan Batanov, noch keine 20, unterstrich sein großes Talent und wurde MVP. Und da auch Diagonalangreifer Sebastian Gevert mal wieder aufdrehte (mit 19 Punkten bester Scorer), stand die SVG schnell auf verlorenem Posten. Allerdings nicht nur wegen der Stärke des Gegners, sondern auch wegen viel zu vieler eigener Unzulänglichkeiten wie einer miserablen Angriffsquote von 33 Prozent.

„Schlechte, zu zögerliche Angriffe, Schwierigkeiten im eigenen Side-Out, zu viele Aufschlagfehler, in Annahme und Abwehr oft zu spät dran“, zählte Hübner schonungslos auf und kam zum Fazit: „Das war sicher kein Befreiungsschlag.“ Man kann anfügen: Eher das Gegenteil. Auch seine sich durch das gesamte Match ziehenden Personal-Rochaden verpufften weitgehend, wobei der Trainer darin aber zu Recht noch das wenige Positive fand: „Jannik Pörner und Konrad Thole, der immer mehr zu einer Alternative wird, haben es nach ihren Einwechselungen gut gemacht.“ Und auch Michel Schlien, der Silber-MVP wurde, bezog er in sein Lob mit ein, „aber drei Spieler sind eben zu wenig, es müssen mehr als drei sein, um wieder erfolgreich werden zu können“.

Drei Asse von Schlien nur kurzer Hoffnungsschimmer

Den Spielverlauf zu schildern, erübrigt sich angesichts der ungleichen Kräfteverhältnisse weitgehend. Satz eins blieb bis zur ersten technischen Auszeit offen, dann zog Düren von 8:9 auf 8:12 und 9:15, dann auf 12:19 und 13:22 davon. In Durchgang zwei fiel die Vorentscheidung früher, als aus einem 6:6 ein 6:12 und 12:17 wurde. Ein Block von Pörner und drei Asse in Serie von Schlien machten noch einmal Hoffnung auf die Wende – die aber ebenso schnell verflog, als Düren aus einem 18:19 ein 18:23 machte. Und in Abschnitt drei erlahmten dann auch allmählich die Schlachtrufe vieler geschockter Fans, als die LüneHünen über 5:5, 5:8, 10:16, 12:19 und 14:22 mit wachsenden Rückständen in die nächste Pleite steuerten.

„Es ist irgendwie jedes Mal das Gleiche. Wir arbeiten jeden Tag hart, aber es hat keinen Effekt“, brachte Libero Tyler Koslowsky die allgemeine Ratlosigkeit auf den Punkt. „Irgendetwas müssen wir vielleicht ändern – was, weiß ich aber auch nicht. Für mich ist es ohnehin schwer, ich kann ja nicht selber punkten. Ich versuche vor allem auch im Training mit einer guten Emotionalität zu helfen und immer positiv zu bleiben. Im Spiel ist das natürlich schwerer.“ Dass der SVG ein Leader fehlt, wird aber immer deutlicher.

Die SVG spielte mit: Lindberg, Krage, Scheerhoorn, Ronkainen, Schlien, Durkin, Koslowsky; eingewechselt: Michelau, van Solkema, Brehme, Pörner, Thole.