Stark in der Annahme und gleichzeitig fleißige Punktesammler waren im Heimspiel zuletzt gegen Herrsching Viktor Lindberg (l.) und Jordan Ewert

Verletzungspech kann die gute Stimmung nicht drücken

Thole fällt länger aus, Solbrig für den Rest der Saison

Bittere Pille für die SVG Lüneburg, tragische Zuspitzung einer Pechsträhne für Dalton Solbrig: Für den Mittelblocker ist diese Saison beendet. Schon für das Auswärtsspiel an diesem Sonnabend (19.30 Uhr/live-Stream auf sporttotal.tv) bei den powervolleys Düren ist er nicht mehr einzuplanen, der US-Amerikaner ist frisch operiert und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Und da auch Außenangreifer Konrad Thole wegen Hüftproblemen vorerst passen muss, ist der Kader der LüneHünen nicht nur für dieses schwere Match, sondern auch für die folgenden Aufgaben bedenklich geschrumpft.

„Jetzt sollte wirklich nichts mehr passieren“, weiß Chefcoach Stefan Hübner und fügt mit Galgenhumor an: „Wir werden abends eine Kerze anzünden und ein Gebet sprechen.“ Denn Abhilfe zu schaffen und personell noch einmal nachzulegen, wird ein anspruchsvolles Unterfangen. Nicht nur, weil die Zeit davonläuft, weil die Transferliste für diese Saison demnächst schließt. In Corona-Zeiten ist es, Stichwort Quarantäne-Bestimmungen, doppelt schwierig. Ganz abgesehen vom finanziellen Aspekt. „Die Tendenz geht dahin, so durchzukommen“, sagt deshalb der Coach auch trotz sechs Spielen allein im geballten Februar.

Pechvogel Dalton Solbrig ist schon operiert

Danach könnte zumindest Thole wieder zur Verfügung stehen. Solbrig kann nur noch die Daumen drücken. Er hat sich zu einem wahren Pechvogel entwickelt, kam bisher erst auf sechs Einsätze. Der 24-Jährige brachte ja im Sommer schon eine Verletzung mit, die ihn weit zurückwarf, kämpfte sich heran, fiel dann wegen einer Krankheit aus, kämpfte sich erneut zurück und zeigte dann Ende November bis Mitte Dezember sein Potenzial – vor allem in Hinspiel gegen Düren. Da wurde er sogar MVP nach herausragenden 12 Punkten, darunter 7 Blocks, bei einer Angriffsquote von 83%. Aber auch in den Spielen danach gegen Unterhaching, die Berlin Volleys und Giesen kamen starke Auftritte dazu. Und nun also nach einigen schmerzhaften Wochen eine Fußoperation wegen einer Knochenabsplitterung.

„Auf die Stimmung im Team wirkt sich das alles aber nicht negativ aus“, versichert Hübner, der beobachtet hat, wie alle gut und konzentriert weitergearbeitet haben. Die drei Siege zuletzt haben das Selbstvertrauen um einiges wachsen lassen. „Die Energie ist gut, das Vertrauen in die eigene Leistung ist da. Ich bin zumindest zuversichtlich, dass wir jetzt ein gutes Spiel abliefern – ob es für etwas Zählbares reicht, wird man sehen. Aber alle freuen sich auf das Spiel in Düren, wenn das auch schwierig wird. Denn die spielen ohne Frage eine starke Saison, sind ja auch auf allen Positionen doppelt gut besetzt und wollen mindestens erstmal ihren dritten Platz festigen.“ Und die LüneHünen versuchen, im Gerangel um die Playoff-Plätze weiter die Ellenbogen auszufahren. So eng war es in der Region hinter dem Führungstrio noch nie, da stehen sechs Teams dicht beisammen.

Im Hinspiel war beim 1:3 mehr drin

Düren muss sich da im Gegensatz zur vergangenen, abgebrochenen Saison keine Sorgen mehr machen. In der entscheidenden Phase werden die powervolleys dabei sein. Zwar gab es auch bei den Westdeutschen im Lauf der Zeit wieder einige Ausfälle wie Libero Blair Bann, die Mittelblocker Michael Andrei und Tim Broshog oder auch Außenangreifer Björn Andrae. Doch der auf 14 Mann aufgestockte Kader und die Tatsache, dass sich Youngster wie Libero Ivan Batanov, Zuspieler Eric Burggräf und zuvorderst Tobias Brand (Außen) immer mehr in den Vordergrund spielen sowie die Neuzugänge Lucas van Berkel (Mittelblock) und Marcin Ernastowicz (Außen) gut eingeschlagen haben, sorgten für konstante Leistungen. Zwischendurch ging es so sogar auf Platz eins.

Aber die SVG verkaufte sich schon im Hinspiel teuer, das 1:3 war einer jener Auftritte, wo mehr drin war, wo die Sätze zwei und vier (jeweils 23:25) auch zugunsten der LüneHünen hätten ausgehen können. Wäre da nur etwas mehr Cleverness gewesen und auf der anderen Netzseite nicht der wieder einmal herausragende Sebastian Gevert (24 Punkte). Gegen den besten Aufschläger und den Topscorer der Liga kommt auch jetzt wieder viel Arbeit auf die SVG-Annahme und auf den Block zu.

NEWS AUS DER LIGA

Das kurz vor Weihnachten ausgefallene Heimspiel der LüneHünen gegen Friedrichshafen ist nun neu angesetzt: Die Häfler kommen am Sonnabend, 27. Februar (19 Uhr) in die Gellersenhalle. Dieser Termin war noch frei, weil wegen der Pokalfinals der Männer und Frauen tags darauf von vornherein kein kompletter Bundesliga-Spieltag vorgesehen war.

Die Friedrichshafener ziehen mittlerweile an der Tabellenspitze einsam ihre Kreise. Den Klassiker bei den Berlin Volleys gewannen sie am Mittwochabend bemerkenswert souverän, obwohl mit Zuspieler Dejan Vincic (Wade) und Mittelblocker Marcus Böhme (Rücken) zwei Stützen fehlten. Aber der zweite Zuspieler Joe Worsley trumpfte auf, setzte vor allem den überragenden Linus Weber immer wieder hervorragend ein. Unglaubliche 32 Punkte sammelte der Diagonalangreifer.

In einem echten Spitzenspiel wirkten die Häfler entschlossener. Und die Berliner, die von den genesenen Langzeitverletzten anfangs nur Sergey Grankin einsetzten und Ben Patch sowie Samuele Tuia noch auf der Bank ließen, hatten noch einigen Sand im Getriebe. Die Ex-LüneHünen Anton Brehme und Cody Kessel gehörten immerhin zu ihren besten Scorern. Platz 1 in der Hauptrunde dürfte damit nach 15 von 20 Matches fest vergeben sein, aber um die Meisterschaft geht es ja erst in den Playoffs…

Berlin Volleys – VfB Friedrichshafen 1:3
(22:25, 27:29, 25:23, 22:25)
106 Min., 0 Zuschauer
MVP: Patch – Weber
beste Scorer: Carle (14), Patch (12), Brehme (9), Kessel (8) – Weber (32), Fiel, Marechal (je 13), Juhkami (11)