Ein Bild mit Symbolkraft. Geradezu kopflos spielten die LüneHünen gegen Herrsching, das in Dorde Ilic (Mitte) seinen erfolgreichsten Scorer mit 15 Punkten hatte.

Heftige Watschn für die LüneHünen

Enttäuschender Auftritt in der CU Arena nach dem Umzug – Spiel 2 folgt schon Sonnabend

War es die ungewohnte Anfangszeit am frühen Nachmittag und die damit völlig veränderten Abläufe für den ganzen Tag? War es die Premiere des ersten kompletten Spiels im Free-TV? Haben die LüneHünen all ihre Energie beim Umzug nach Hamburg gelassen, bei dem sie tatkräftig mit anpackten? Oder war es einfach „nur“ ein rabenschwarzer Tag? Das Heimspiel gegen die WWK Volleys Herrsching geriet jedenfalls mit einem 0:3 (19:25, 23:25, 22:25) zu einer Pleite, wie sie die SVG Lüneburg bisher selten bis gar nicht in nun sechs Jahren Bundesliga erleben musste, ließ viele Fragen offen und sorgte für noch mehr betretene Gesichter. Zumal nun am Mittwoch das schwere Spiel in Frankfurt bevorsteht und dann, am 8. Februar (19 Uhr), Berlin seine Visitenkarten in der CU Arena abgibt.

Selbst Chefcoach Stefan Hübner hatte hinterher Mühe, seine Manöverkritik in besonnene Worte zu kleiden: „Es waren viele Dinge dabei, die wir im Moment einfach nicht gut machen. Wir haben während des Spiels versucht, Lösungen und neue personelle Kombinationen zu finden, aber nichts hat gefruchtet. Wir haben uns im Angriff schwer getan, der Aufschlag hatte nicht das Niveau, das er schon mal hatte und die Blockarbeit war auch nicht gut, nicht sauber gegen Herrschings Schnellangreifer.“

Wutausbruch von Hübner hilft auch nicht

Im Match selbst hatte Hübner schon früh – und zurecht – seinem Ärger Luft verschafft. Wie schon eine Woche zuvor in Friedrichshafens (1:3) sah er sich zu zwei frühen Auszeiten genötigt, bei Nummer zwei und einem Stand von 4:11 versuchte er, mit einem Wutausbruch aufzurütteln. Denn vom ersten Ball an boten seine Mannen den Gästen die Punkte regelrecht auf dem Präsentierteller an. Viel musste Herrsching anfangs nicht tun, profitierte von der hohen Eigenfehlerquote der Gastgeber. Desaströs wurde es, als der Gästeblock immer häufiger zupackte, die Schnellangriffe saßen und so der Abstand bis auf 13:23 wuchs. Watschn sagt man dazu auf bayrisch.

Erst am Ende dieses fürchterlichen ersten Satzes, als Viktor Lindberg mit drei Assen in Folge noch einmal von 16:24 auf 19:24 verkürzte, schien die SVG in der neuen Heimat für den Rest der Saison angekommen. Dabei taten 1100 Fans alles, um auch dort für eine „höllische“ Atmosphäre zu sorgen. Hochkonzentrierte Herrschinger, die längst die Chance auf ihren ersten Auswärtssieg überhaupt gegen die SVG witterten, beeindruckte das aber nicht.

Durchgang zwei wurde nun wenigstens ausgeglichen, zeitweise führten die LüneHünen sogar mit drei Punkten (9:6). Direkte Blockpunkte, Schnellangriffe, selbst Hinterfeldangriffe über die Mitte (Pipe) brachten die Hausherren scheinbar in einen Rhythmus, doch Mitte des Satzes war die Führung dahin. Denn die Süddeutschen schlugen die SVG letztlich mit deren eigenen Waffen: Zu stets druckvollen Aufschlägen kam immer häufiger das von Zuspieler Johannes Tille (später MVP, bei der SVG: Anton Brehme) eingesetzte erste Tempo. Die langen Mittelblocker Mart van Werkhoven (2,06 m) und vor allem Dorde Ilic (2,08 m) versenkten so Ball um Ball. Ilic war in diesem zweiten Satz achtmal erfolgreich und am Ende mit 15 Punkten sogar bester Scorer.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Und weil die SVG ihrerseits zu viele Chancen liegenließ, die Bälle einfach nicht „tot“ bekam, wurde aus einem 15:15 ein 15:19, obwohl Hübner zu der obligatorischen technischen Auszeit auch noch zwei persönliche Auszeiten in schneller Folge nahm. Mühsam kämpfte sich sein Team wieder heran, hatte gar den Satzausgleich in Reichweite. Doch dann kam Jalen Penrose, erfolgreichster Asse-Sammler und einer der Topscorer der Liga. Bis dahin hatte er kaum ein Service über das Netz gebracht und war auch sonst nicht groß aufgefallen. Nun wendete er mit Assen zum 23:24 und 23:25 noch das Blatt.

Die LüneHünen versuchten sich noch einmal aufzuraffen, führten in Satz drei auch 7:5, als die Gäste daraus aber ein 7:8 und dann 9:13 machten, schien die Moral gebrochen. Zumal Herrsching auch auf ein schwer erkämpften Ausgleich (16:16) wieder ziemlich mühelos Antworten fand. Da kam nicht einmal mehr wirklich Stimmung auf, als Libero Tyler Koslowsky einen Penrose-Aufschlag zu einem SVG-Punkt direkt ins gegnerische Feld abwehrte (21:24). Wenig später war das ungleiche Duell vorbei und Jannik Pörner, zusammen mit Lindberg bester SVG-Scorer (je 11), konstatierte nach dem Versuch einer nüchternen Analyse letztlich in Kurzform treffend: „So können wir gegen keinen gewinnen.“

Die SVG spielte mit: Lindberg, Schlien, Pörner, Michelau, Brehme, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Krage, Ronkainen, Scheerhoorn, Durkin.