Tyler Koslowsy ("TK") hat sich nach 5 Jahren emotional von der SVG Lüneburg und den Fans verabschiedet. Foto: Behns

Tyler Koslowsky: „Ich würde alles genauso wieder machen“

 Libero geht mit junger Familie – erst einmal – nach Kanada

Die Entscheidung kam nicht aus heiterem Himmel, aber sie kam eher als befürchtet: Tyler Koslowsky verlässt die SVG Lüneburg nach fünf Jahren und wird sogar seine Profi-Karriere beenden – aus rein privaten Gründen. „Für uns als Familie ist das der richtige Zeitpunkt“, erklärt „TK“. Denn es geht darum den künftigen Lebensmittelpunkt für sich, Ehefrau Jule und Töchterchen Lilly zu finden: Kanada oder Deutschland.

Wenn die Zweijährige erst einmal schulpflichtig ist, muss die Entscheidung feststehen, „dann müssen wir wissen, was wir wollen“. Und bis dahin soll sie auch zweisprachig aufwachsen. Derzeit wird im Hause Koslowsky vor allem deutsch gesprochen, was der Vater inzwischen perfekt beherrscht. „Wir haben uns zunächst für mindestens ein Jahr in Kanada entschieden. Jule ist da zum Glück beruflich flexibel. Dann schauen wir weiter, ob wir es alle auf Dauer mögen. Es kann passieren, dass wir länger bleiben, es kann aber auch sein, dass wir zurück kommen. Das ist im Moment völlig offen“, so der Libero, der im Oktober 29 Jahre alt wird.

Testen, ob Kanada der neue Lebensmittelpunkt wird

Natürlich ist nach erfolgreichen fünf Jahren bei der SVG mit 128 Pflichspieleinsätzen und mit vier Medaillen aus zwei Pokalfinals und zwei Playoff-Halbfinals auch Wehmut dabei. „Aber ich freue mich auch auf Kanada, zum Beispiel auf meine Großeltern, die Lilly bisher noch nicht persönlich kennengelernt haben. Wegen Corona werden es im Juli drei Jahre sein, dass ich nicht drüben war. Und immer nur auf Facetime chatten und sich da sehen, ist nicht schön.“ Als er 2017 kam, sprach er vom „Abenteuer Europa“. Hat sich das denn gelohnt? „Auf jeden Fall, ich würde alles genauso wieder machen“, bekräftigt der Mann aus Abbotsford in der Provinz British Columbia südwestlich von Vancouver.

Dort in der Nähe, in Langley, wird die junge Familie bei TK’s Eltern erst einmal wohnen. Geplant ist dann auch ein Roadtrip, eine Rundreise zu anderen Verwandten und Freunden. Beruflich ist noch alles offen. „Ein bestimmtes Ziel habe ich noch nicht, vielleicht etwas in Richtung Trainer, oder ich hätte auch Lust, im Bereich Wirtschaft und Sport zu arbeiten. Ich habe noch gute Kontakte zu meiner früheren Uni, die werden helfen“, erzählt der Ex-Student der Trinity Western University mit Bachelor-Abschluss in Sportwissenschaften sowie einer Zusatz-Qualifikation in Wirtschaft. Und: „Jule wird jobben und Lilly wird in den Kindergarten gehen.“

Was war im Rückblick prägend in den fünf Jahren? „Oh, so viel. Die zweite Saison 2018/19 war großartig, die Kanada-Connection mit Ryan Sclater, Ray Szeto, Adam Schriemer und anderen wie Cody Kessel. Wir haben alle nach der Saison noch viel zusammen unternommen. Schön war auch, dass ich mit dem Trainer schnell eine gute Verbindung aufgebaut habe – sehr wichtig für meine Leistungen. Natürlich auch der gute Kontakt zum Lüneblock und zu vielen anderen Leuten, was es mir erleichtert hat, die Sprache zu lernen. Und nicht zuletzt, dass ich hier meine Frau kennengelernt habe und unser Kind hier geboren ist. Eine tolle Zeit, nach der es schon auch ein bisschen traurig ist, zu gehen.“

Nicht nur sportlich enorm wichtig gewesen

Spektakuläre Angriffe und Blocks, auch geniale Zuspiele sind die Herzstücke im Volleyball, die dafür zuständigen Spieler stehen in fast jedem Match im Mittelpunkt. Eher undankbar ist da der Job des Liberos. „Aber er hat einige Ausrufezeichen gesetzt, hat uns mit seine Stärken besonders in der Feldabwehr weitergeholfen, hat viele Bälle erlaufen und im Hechtsprung geholt – und auch im Zuspiel ein gutes Niveau. Im Pokalfinale gerade hat er wohl sein stärkstes Spiel für uns gemacht, auch in der Annahme,“ beschreibt Chefcoach Stefan Hübner die sportlichen Vorzüge von TK. Mindestens ebenso wichtig waren Hübner aber die menschlichen Qualitäten: „Er hat sich immer sehr für das Team und den Verein eingebracht, war wichtig für unsere Kultur. Ich hatte immer einen regen Austausch mit ihm, über viele Dinge, über den Sport hinaus. Menschlich ist es ein großer Verlust, dass er geht.“

Auch bei den Fans war der immer gut gelaunte, emotionale und volksnahe Mann mit der Rückennummer 1 ohnehin sehr beliebt. Aber, wie heißt es doch in einem bekannten Abschiedssong: Niemals geht man so ganz. Das trifft auf „TK“ schon wegen privater Verbindungen zu. Die Schwiegereltern wohnen schließlich in Schleswig-Holstein, da ist ein Abstecher nach Lüneburg auf jeden Fall immer drin, sollte Kanada endgültig die Heimat werden, es nur noch Besuche in Deutschland geben. Und dort steht demnächst noch ein längerer Aufenthalt an, bevor es Mitte Mai über den großen Teich geht.

Bundesliga-Spieltag zusammengefasst

Der Rekord-Meister und -Pokalsieger hatte schwer zu kämpfen, um weiter im Rennen zu bleiben: Im einzigen Playoff-Viertelfinale, das über die volle „best-of-3“-Serie ging, konnte sich der VfB Friedrichshafen im entscheidenden dritten Match erst nach fünf Sätzen behaupten, nachdem er den Auftakt 2:3 verloren und Duell zwei mit 3:0 gewonnen hatte.

Die Halbfinals laufen nun im Modus „best of 5“, drei Siege sind also nötig zum Weiterkommen. Schon am Mittwoch geht es weiter mit den Auftaktspielen. Friedrichshafen muss zu den powervolleys Düren (19 Uhr), die Berlin Volleys erwarten die United Volleys Frankfurt (19.30 Uhr) – beide zu sehen online auf Twitch, im Kanal spontent (Düren) bzw. sponten­t_one (Berlin).

Das letzte Viertelfinale im Stenogramm, 3. Spiel:

VfB Friedrichshafen – WWK Volleys Herrsching 3:2

(25:20, 23:25, 25:13, 21:25, 15:10 – Stand: 2:1)

123 Min., 799 Zuschauer (in Ulm)

MVP: Cacic – Ferragut

Scorer: Vicentin (15), Cacic (13), van Berkel (12), Maase (11), Aganits, Vincic (je 5), Hirsch (3), Muniz (1) – Schumann (20), Peter (16), Ferragut (13), van der Ent (9), Ilic, Mantha (je 5), Ferch, Herr (je 1)

NEWS aus der Liga

Der künftige Kader des TSV Haching München nimmt schon langsam Form an. Mit dem finnischen Außenangreifer Jere Heiskanen (21) vom Playoff-Viertelfinalisten Karelian Hurmos steht der erste Neuzugang fest. Seinen Vertrag verlängert hat Universalspieler Mohamed Chefai (Libero und Außenangriff), gehen wird dagegen Kapitän Jonas Sagstetter. Der Außen war mit Stationen zuvor bei den AlpenVolleys Haching und in Eltmann der Spieler mit der meisten Bundesliga-Erfahrung.

Bei den powervolleys Düren fällt Mittelblocker und Kapitän Michael Andrei auf unbestimmte Zeit aus: Spätfolgen nach Corona-Erkrankung.

NEWS aus der Szene

Diagonalangreifer Linus Weber, der mit Kioene Padova als 11. gerade den Abstieg aus der italienischen SuperLega knapp abgewendet hat, wird für die Saison-Endphase in Katar als Zugang von Al Rayyan gemeldet. Christian Fromm dagegen, während dieser Saison aus Cannes gekommen, muss mit Vibo Valentia (2 Punkte hinter Padova) absteigen.

In der Champions League bricht in dieser Woche die Endphase an. Am Mittwoch gibt es die Halbfinals mit einem polnischen und einem italienischen Duell: Jastrzebski Wegiel – ZAKSA Kedzierzyn-Kozle und Sir Safety Perugia – Itas Trentino.

Beach-NEWS

Beim ersten Saisonturnier in der höchsten Kategorie Elite 16 im Rahmen der neuen „World Beach Pro Tour“ wurden Cinja Tillmann/Svenja Müller im mexikanischen Rosarito gute Neunte. Karla Borger/Julia Sude und Lukas Pfretzschner/Robin Sowa waren in der Qualifikation hängengeblieben.

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