Wild entschlossen - diese Einstellung strahlte wie die ganze SVG-Mannschaft auch Konrad Thole beim überraschenden Sieg in Frankfurt aus

Was für ein Achtungszeichen!

LüneHünen überraschen mit rundum starkem Auftritt

Ist die Erwartungshaltung nur gering, dann ist der Überraschungseffekt umso größer. Und für den sorgten die LüneHünen zum Start in die neue Bundesligasaison. 3:1 (25:14, 24:26, 25:20, 25:23) bei den United Volleys Frankfurt, drei Punkte beim haushohen Favoriten, beim Zweiten der letzten Saison – was für ein Achtungszeichen einer Mannschaft, der man nach einer alles andere als optimistisch stimmenden Vorbereitungsphase so einen Coup nicht zugetraut hätte. Selbst Chefcoach Stefan Hübner musste zugeben: „Ich habe nicht erwartet, dass wir schon so ein Level abrufen können.“

Hübner schickte die Starting Six der letzten Testspiele aufs Feld: Michel Schlien und Florian Krage im Mittelblock, Jannik Pörner im Diagonalangriff, Konrad Thole und Jordan Ewert Außen sowie Leon Dervisaj als Zuspieler und Tyler Koslowsky als Libero. Und die legten los, als hätten sie in den vergangenen Wochen alles in Grund und Boden gespielt, strotzten vor Selbstbewusstsein und Entschlossenheit. Und traten taktisch diszipliniert auf. Die Aufschläge kamen druckvoll, möglichst unter Umgehung des starken neuen United-Liberos Satoshi Tsuiki. Das Blockspiel war mal wieder eine Klasse für sich, defensiv wie offensiv. Insgesamt 17 herausragende direkte Blockpunkte standen am Ende zu Buche, allein starke 6 von Schlien. Die eigene Annahme stand gut, die Feldabwehr war hellwach. Und die von Dervisaj variabel eingesetzten Angreifer verwerteten ihre Chancen effektiv.

Überragender 1. Satz gibt noch mehr Selbstvertrauen

Der Eingangssatz war eine klare Angelegenheit. Mit zwei erfolgreichen Blocks setzte die SVG gleich ein Zeichen, Thole sorgte mit drei Punkten, darunter ein Ass, für das 8:5 bei der ersten technischen Auszeit, das vor allem Pörner und Ewert auf 16:8 und 20:10 bis zur Crunchtime ausbauten. Pörner und Ewert sammelten je 6 Punkte in diesem Satz, der vor Selbstbewusstsein strotzende Thole 5. „Dieser erste Satz war überragend“, lobte Hübner denn auch.

Durchgang zwei wurde enger, weil die Frankfurter es nun mehr mit variablen Angriffen und nicht immer nur mit Wucht versuchten, auch mal Lobs einstreuten. Doch die SVG registrierte es nur cool, behielt ihre Linie bei und legte ab dem 9:9 wieder eine klare Führung vor, nicht zuletzt, weil Schlien urplötzlich sein Service umstellte und mal wieder einen Hammer-Sprungaufschlag auspackte wie beim legendären Pokalhalbfinale gegen Berlin vor zwei Jahren – 9:13. Der eingewechselte Viktor Lindberg mit einem Ass und Krage mit einem Schnellangriff zu einem seiner insgesamt 8 Punkte stellten schließlich scheinbar entscheidend auf 14:19.

Doch die Hausherren hielten dagegen, besonders der Diagonale Daniel Malescha war immer öfter zur Stelle, Tim Grozer servierte Aufschläge mit Wirkung und Ex-LüneHüne Noah Baxpöhler machte im Mittelblock ebenfalls ein gutes Spiel. Dem 23:23-Ausgleich setzte die SVG einen Satzball entgegen, doch United hatte das bessere Ende für sich – 1:1, mehr als ärgerlich. „Und auch der Beginn des dritten Satzes war dann nicht gut, aber die Mannschaft hat sich wieder gefangen, weil sie einfach cool geblieben ist und sich immer nur auf den nächsten Ball konzentriert hat“, stellte Trainer Hübner einigermaßen erstaunt fest.

So fanden die LüneHünen ihren Rhythmus wieder und zunehmend immer mehr eine Antwort auf United-Aktionen, verloren auch nicht die Ruhe, als es im dritten Satz 15:12 für den Gegner stand. Thole, lange abgetaucht aber nie verzagend, kam mit Macht zurück, verbuchte in dieser Phase auf einmal drei seiner sechs Punkte (insgesamt 17) bis zum 16:17. Ewert sammelte weiter fleißig Zähler (15). Auch Pörner, der am Ende bester Scorer (19) und MVP war, war immer wieder zur Stelle, vor allem schließlich in der Crunchtime, und baute den Vorsprung von 20:19 auf 24:20 aus.

Durch nichts aus der Ruhe zu bringen

In Satz vier versuchte es Frankfurts Trainer Juan Manuel Serramalera, bisher in der Bundesliga noch ohne Niederlage, noch einmal mit Umstellungen, ließ vor allem auch den früheren Nationalteam-Kapitän Jochen Schöps lange aufs Feld. Und der 37-Jährige zeigte, was er noch drauf hat, hielt mit 7 seiner insgesamt 8 Punkte das Geschehen bis zum 23:23 offen, obwohl die SVG zwischendurch mit vier Punkten führte (16:12, 20:16). Aber die SVG ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen, auch nicht durch eine nötige Auswechselung von Ewert wegen eines gerissenen Schnürsenkels und auch nicht durch einen völlig mißratenen Thole-Aufschlag unter dem Netz hindurch. Krage verwandelte schließlich den ersten Matchball. „So ein Start gibt Energie für die weitere Arbeit“, freute sich Hübner, dass da nun offenbar ein neues Team immer besser zusammenwächst.

Schade nur, dass der Stream aus der Fraport Arena unterirdisch schlecht war, die Kamera oft auf dem Aufschläger gerichtet blieb und nur selten zu verfolgen war, wo das Service landete. Das können nun die SVG-Fans in den nächsten drei Heimspielen in Serie live in der Gellersenhalle wieder besser verfolgen – oder von ihrem Double als Pappkamerad bei der Aktion #MeinPlatz verfolgen lassen…

Die SVG spielte mit: Ewert, Schlien, Pörner, Thole, Krage, Dervisaj, Koslowsky; eingewechselt: Solbrig, Gerken, Peemüller, Lindberg.