Eric Fitterer

Der VFB Friedrichshafen ist der Rekordmeister im Deutschen Volleyball. 13 Mal Deutscher Meister, 13 Mal Deutscher Pokalsieger, 1 Mal Champions League Sieger. Und alle diese Titel fallen in die Zeit von Trainer Legende Stelian Moculescu (66). Doch Moculescu hat nach der vergangenen Saison sein Traineramt niedergelegt. Und ausgerechnet im letzten Jahr seiner glanzvollen Trainerkarriere sollte ihm kein Titel vergönnt sein. Ein weiteres Jahr ohne Titel? Das wäre selbst für den Rekordmeister nicht vorstellbar. Also haben die Friedrichshafener auf dem Trainermarkt zugeschlagen und mit Vital Heynen (47) nicht nur den langjährigen Deutschen Nationaltrainer, sondern auch einen allseits anerkannten Top-Trainer verpflichtet.
Und der hat gleich eine Herkules-Aufgabe vor sich. Denn neben den Titeln hat nicht alles geglänzt in den vergangenen Jahren beim VFB Friedrichshafen. Mit der Vielzahl an Erfolgen stellte sich auch eine gewisse Genügsamkeit beim verwöhnten Friedrichshafener Publikum ein. Und internationale Topspieler, grade von den Fans ins Herz geschlossen, folgten oftmals dem Ruf finanzkräftiger Vereine. Doch das soll sich zukünftig unter Heynen ändern.

Der charismatische Belgier setzte bei seiner Zusammenstellung des Teams im Kern auf Deutsche Nationalspieler. Holte beispielsweise aus Hersching Daniel Malescha (22) an den Bodensee und aus Paris das ehemalige VFB-Eigengewächs Markus Steuerwald (27). Insgesamt umfasst der 13er Kader nun 8 Deutsche Spieler. „Ich kenne die Erfolgsgeschichte in Friedrichshafen. Aber ich werde nicht versuchen, etwas zu kopieren. Wir wollen erfolgreich sein und Identifikation schaffen“, sagte Vital Heynen vor seinem Amtsamtritt. Und das ist ihm zum Saisonstart bisher mehr als gelungen. Denn gleich zum Auftakt stellte er sicher, dass der VFB keine Saison ohne Titel erleben würde. Mit einem dominanten 3:0 besiegten die Friedrichshafener im Supercup Finale in Berlin – hier spielen die zwei besten Teams der vergangenen Saison gegeneinander – den Triple Sieger Berlin Recycling Volleys. Und auch zum Saisonstart am 1. Spieltag überzeugten die Friedrichshafener beim 3:0 gegen den TV Rottenburg, bei dem zumindestens auf dem Papier Welten zwischen den beiden Teams lagen. Übrigens in einer sehr gut besuchten Halle und einer deutlich verbesserten Stimmung. Heynen so scheint es, hat den VFB schnell wieder revitalisiert. Auch wenn es am vergangenen Spieltag einen ersten Rückschlag hinzunehmen gab. Mit 0:3 verloren die Friedrichshafener mehr als überraschend bei den SWD Powervolleys Düren. „Das, was Düren espielt hat, das ist Volleyball, wie ich ihn mag. So haben wir den Supercup gegen Berlin gewonnen, so hat Düren uns heute geschlagen“, ist sich Heynen aber auch hier für ein Kompliment nicht zu schade. Doch die Friedrichshafener haben das Spiel analysiert und Vital Heynen ruft das Spiel gegen die SVG Lüneburg zu einem ganz besonderen Spiel aus: „Das ist das bislang wichtigste Spiel des Jahres“.

Denn nun ist die SVG Lüneburg der nächste Gegner des VFB Friedrichshafen. Die selbsternannten Lünehünen konnten den VFB Friedrichshafen in der vergangenen Saison erstmals in der heimischen Gellersenhalle besiegen. Auswärts ist dieses noch nicht gelungen. Zudem trifft Stefan Hübner auf einen alten Weggefährten. Denn er war die vergangenen Jahre der Co-Trainer der Nationalmannschaft, eben neben dem Chef-Trainer Vital Heynen. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Vital ist ein Trainer, der sich und sein Team immer weiter verbessern möchte. Und dabei auch neue Wege geht“, sagt Hübner. Genauso wie Stefan Hübner, der mit seinem Trainerteam akribisch die Gegner analysiert und in der jungen Bundesliga-Geschichte bekanntermaßen bereits für einige positive Erfolge gesorgt hat. Zuletzt spielte die SVG Lüneburg in der Liga beim Triplesieger Berlin Recycling Volleys stark. In der Berliner Max-Schmeling-Halle, dem Volleyball-Tempel in Deutschland, hatte die SVG jeweils im 1. und 3. Satz einen Satzball. „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung in dieser frühen Phase der Saison. Am Ende haben wir Paul Carroll (Australischer Top-Spieler der Berliner) nicht in den Griff bekommen. Er hat den Unterschied ausgemacht“, so Hübner. Am Wochenende ist die Rollenverteilung beim VFB Friedrichshafen nicht ganz so klar. „Sie haben eine gute Mannschaft. An guten Tagen ist es schwer sie zu schlagen. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken, wir haben ein homogenes Team und werden vorbereitet in das Spiel gehen“, sagt Stefan Hübner. Zur Hilfe könnte ihm dabei der interne Konkurrenzkampf werden. Auf der Diagonalposition hat Hübner beispielsweise mit dem zuletzt überzeugenden Eric Fitterer und dem ebenfalls starken Jannik Pörner die Auswahl. Genauso wie auf anderen Positionen auch. „Wir haben einige Möglichkeiten, das ist gut“, sagt Hübner.
Das Spiel wird wie gewohnt live auf www.sportdeutschland.tv übertragen. Anpfiff ist um 19:30 Uhr.