LüneHünen haben bisher in der Hauptstadt aber noch nie gepunktet
Die LüneHünen surfen bisher auf einer Euphoriewelle durch die Saison – bringt dieser Rückenwind jetzt auch noch einen besonderen Schub, wenn das letzte Auswärtsspiel des Jahres bei den Berlin Volleys ansteht? Der Auftritt am Sonntag (16 Uhr) im Volleyball-Tempel Max-Schmeling-Halle ist zweifellos noch einmal ein emotionaler Höhepunkt, und beim weiter schwächelnden Meister ist die vor Selbstvertrauen strotzende SVG anders als sonst mal nicht nur ein krasser Außenseiter.
Es könnte tatsächlich noch ein spezielles Weihnachtsgeschenk für die Fans geben. Selten war die Gelegenheit wohl günstiger, aus der Hauptstadt etwas mitzubringen. Endlich einmal, muss man sagen. Denn so grandios sich die Heimbilanz der SVG gegen diesen Gegner liest, so trübe war bisher ihre Ausbeute bei den Duellen an der Spree.
Einmal schon fast an der Spree überrascht

Ausschließlich Niederlagen setzte es bisher bei insgesamt acht Vergleichen, fünfmal sogar ohne jeden Satzgewinn. Zweimal hieß es immerhin 1:3. Die große Ausnahme war in der Saison 2015/16 das Playoff-Halbfinale, in dem die SVG mit 2:3 den Kürzeren zog – in einem der knappsten Matches, das die LüneHünen je abgeliefert haben. 106:107 Ballpunkte waren am Ende am Schreibertisch notiert, nachdem die SVG einen 0:2-Satzrückstand ausgeglichen hatte, sich dann aber im Tiebreak 12:15 geschlagen geben musste.

Eine ähnliche „Schlacht“ gab es ja gerade erst im Pokal, bekanntlich aber mit einem Happyend: dem Einzug ins Finale, der den ganzen Verein samt Fans immer noch elektrisiert. Komplett gegensätzlich ist die Stimmungslage in Berlin. Am Mittwochabend setzte es in der Champions League den nächsten Tiefschlag. Beim 0:3 in Danzig wurden erneut fehlendes Selbstvertrauen und der Mangel an Führungsspielern, die das Ruder herumreißen können, beklagt.
„Angriffseffizienz indiskutabel“

Trainer Cédric Enard hob danach zur Generalkritik an: „Unsere Angriffseffizienz war heute indiskutabel. Es hapert am Zusammenspiel zwischen Jan (Anm.: gemeint ist Zuspieler Jan Zimmermann) und seinen Angreifern. 50 Prozent Angriffsquote über die Mitte sind beispielsweise einfach zu wenig. Wir müssen aus der Annahme heraus konstanter werden.“

Der sonst so wortgewaltige Manager Kaweh Niroomand, der kürzlich noch den Monat Dezember als richtungsweisend für die Saisonziele einstufte, gibt sich angesichts des schleppend laufenden Umbruchs mittlerweile kleinlaut: „Man muss Geduld haben, und das kann uns auch Titel kosten.“
Von Nachwehen des Pokalspiels erholt?

Berlins Probleme nimmt SVG-Chefcoach Stefan Hübner aber keineswegs zum Anlass für eine Kampfansage. „Sicher ist das für die keine einfache Situation – das macht sie aber nicht weniger gefährlich oder weniger gut. Wie stark sie spielen können, haben wir im Pokalspiel gesehen“, erinnert er kurz, und widmet sich dann seinem Team: „Für uns ist wieder die Herausforderung, unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, nachdem gegen Giesen einige Dinge nicht wie gewohnt geklappt haben.“

Die zwei Matches der letzten Woche innerhalb von knapp 48 Stunden sollten nun auch verdaut sein, zwei freie Tage danach taten gut. Zumal der ein oder andere Spieler kränkelte bzw. Wehwehchen beklagte. „Die Nummer neulich war ja auch nicht alltäglich“, blickt Hübner schmunzelnd zurück, „das hat erstmal Nachwehen hinterlassen. Jetzt wollen wir aber unser Spiel wieder gut hinkriegen.“