Kategorie: Bundesliga-Team

Die SVG Lüneburg hat derzeit viel zu Jubeln

Auf Platz 4 geklettert

Mit Playoff-Ticket noch nicht satt

Punktekonto soll gegen Friedrichshafen weiter wachsen

Die Saisonverlängerung mit dem Einzug ins Playoff-Viertelfinale ist für die SVG Lüneburg perfekt, nun geht es darum, sich die bestmögliche Ausgangsposition zu verschaffen und so die Chance zu erhöhen, das Ende noch ein Stück weiter nach hinten hinauszuschieben. Platz 4 steht seit dem 3:0 (25:19, 25:17, 25:19)-Erfolg bei den Bisons Bühl am Donnerstag zu Buche – der Optimal-Fall, mehr geht nicht mehr. Um ihn zu festigen, müsste das Konto aber noch aufgestockt werden. Am besten nun gleich im letzten Heimspiel der Hauptrunde. Zu dem kommt an diesem Sonnabend (19 Uhr) der VfB Friedrichshafen in die Gellersenhalle, zu verfolgen auf sporttotal.tv im kommentierten Live-Stream.

Die LüneHünen gönnten ihren Fans mal einen entspannten Abend, buchten ihren 10. Saisonsieg in Bühl cool und souverän. Nur im Eingangssatz sah es eine zeitlang so aus, als könnte es Probleme geben. Die Süddeutschen, erstmals wieder nach langer Verletzungspause mit dem im Hinspiel so starken Argentinier Tomas Lopez in der Starting Six, begannen mutig und engagiert, nahmen sicher an, blockten gut und verwandelten ihre Angriffe konsequent – 8:5 bei der ersten und 16:13 bei der zweiten technischen Auszeit. Die SVG nahm es gelassen hin und drehte an einigen Stellschrauben der Verbesserung.

Nach dem 18:14 für Bühl kam bei der SVG Gijs van Solkema zum Aufschlag und legte eine starke Serie hin. Alejandro Kolevich, Coach der Badener, versuchte mit zwei Auszeiten gegenzusteuern, vergeblich. Erst beim 18:22 setzte van Solkema ein Service ins Aus, doch danach legte die SVG noch drei Punkte drauf, insgesamt ein 10:1-Lauf zum Satzgewinn, den Jordan Ewert nach einem Hammer-Aufschlag von Viktor Lindberg perfekt machte.

10:1-Lauf Ausgangspunkt für entspannten Abend

Was folgte waren zwei Sätze, in denen die Gäste nichts mehr anbrennen ließen und unaufgeregt ihr Spiel durchzogen, auch wenn zwischenzeitlich der meist komfortable Vorsprung mal wieder schrumpfte. Die Annahme um Libero Tyler Koslowsky (64%) war stabil, in ihr war meist Lindberg (60% positiv) beschäftigt, kam daher im Angriff nicht wie zuletzt zum Zuge. Kein Problem: Richard Peemüller auf Diagonal und die Mittelblocker lieferten mit Quoten von 50% an aufwärts – und Ewert sowieso. Er war mit 19 Punkten (Quote 62%) mal wieder bester Scorer und wurde auch MVP.

Hinzu kam ein erneut vorzügliches Blockspiel, bei dem dieses Mal Florian Krage die meisten Punkte machte (4, dazu 6 im Angriff und ein Ass). Im Service hielten sich die Fehler in Grenzen, nur 8 im gesamten Match. Es lief eben einfach. In Durchgang zwei wuchs der Vorsprung zunächst auf 6:2, dann ging es über 8:5, 12:7, 16:12 und 20:15 in die Crunchtime. Und da sorgte van Solkema für ein Highlight, als er dem Gegner einen Ball mit der Hinterhand ins Feld zauberte statt ihn einem Angreifer zuzuspielen. Erneut Ewert nach einem Lindberg-Aufschlag mit Wirkung machte den Satz zu.

Die Hausherren versuchten es in Abschnitt drei mit einigem neuen Personal, besonders Simon Gallas brachte nochmal Schwung und wurde sogar noch MVP, zu sehr aber wollte die SVG den schnellen Sieg, führte lange klar (8:5 und 16:12) und konnte noch eine Schippe drauflegen, als es plötzlich nochmal eng wurde (15:16). Schnell war der alte Abstand wieder hergestellt (16:19), zwei Angriffe Bühls ins Aus beendeten das Match und ließen der SVG nicht einmal mehr Zeit, noch Auswechselungen vorzunehmen. „Es lief ja auch, und vorher wollte ich durch unnötige Wechsel keine Unruhe reinbringen“, drückte Chefcoach Stefan Hübner seine ganze Zufriedenheit aus. Und er bilanzierte: „Nach dem 10:1-Lauf Ende des ersten Satzes haben wir unheimlich bissig weitergespielt und Bühl nie wirklich eine Chance gelassen, wieder reinzukommen.“

SVG: van Solkema, Lindberg, Krage, Peemüller, Ewert, Schlien, Koslowsky; eingewechselt: keiner.

Letztes Hauptrunden-Heimspiel gegen Friedrichshafen

Und nun geht es, nur 48 Stunden später, sofort weiter, wenn sich an diesem Sonnabend (19 Uhr) der VfB Friedrichshafen erneut vorstellt. Ende November waren die Häfler schon einmal zum Pokalspiel hier und setzten sich 3:0 durch, wenn auch in zwei der drei Sätze erst in der Verlängerung. Dieses Duell jetzt ist ein Nachholspiel aus der Hinrunde, eine Woche später ist der VfB dann am Bodensee erneut der Gegner. Zwei Aufgaben, die vor kurzem noch alles andere als Bonusspiele waren, zu dominant war der VfB durch die Saison marschiert.

Doch dann wurden die Süddeutschen von Corona ausgebremst. Sechs positive Fälle (3 Spieler und das komplette Trainerteam) sorgten für Quarantäne und eine 14-tägige Pause. Erst seit einer Woche läuft der Trainingsbetrieb wieder, beim Comeback am Donnerstagabend tat sich der VfB schwer gegen Giesen (3:2). Immerhin aber scheinen alle Spieler gesund. Doch vor der weiten Fahrt zur SVG war ein enges 5-Satz-Match sicher nicht das Wunschergebnis.

Doch auch für die SVG sind es gerade harte Wochen, es wartet jetzt das sechste Spiel in 22 Tagen zum Abschluss des Monats Februar. Wie sagte doch kürzlich schon Kapitän Michel Schlien? „Das ist jetzt zwar ein anstrengendes Programm. Aber ich will mich nicht beklagen. Das hat Friedrichhafen ja auch. Und wir konnten im Gegensatz zu denen wenigstens trainieren. So aus dem Rhythmus gerissen zu werden, ist ja auch nicht einfach.“

NACHHOLSPIELE ZUSAMMENGEFASST

Die Erfolgsserie Dürens hält an, die powervolleys sind auf dem besten Weg, als Tabellenzweiter in die Playoffs einzuziehen. Ein 3:0 gegen Herrsching war der sechste Sieg ohne Satzverlust in Serie. Da sollte das letzte Match gegen Unterhaching nur noch eine Formsache sein. Dahinter braucht Frankfurt, spätestens im direkten Duell gegen Bühl am letzten Spieltag, theoretisch noch einen Punkt für das Playoff-Ticket.

Die Begegnungen aus dieser Woche:

Bisons Bühl – SVG Lüneburg 0:3
(19:25, 17:25, 19:25)
73 Min., 0 Zuschauer
MVP: Gallas – Ewert
Scorer: Kronthaler (10), Vaskelis (7), Lopez (6), Gallas, Jurkovics (je 5), Szabo (3), Henning (2), Stöhr (1) – Ewert (19), Peemüller (13), Krage (11), Lindberg (8), Schlien (5), van Solkema (2)

VfB Friedrichshafen – TSV Giesen Grizzlys 3:2
(25:22, 26:28, 25:23, 23:25, 15:12)
130 Min., 0 Zuschauer
MVP: Weber – Eshenko
beste Scorer: Weber (29), Juhkami (24), Balean (12), Mote (10) – Wagner (24), Menner, van Tilburg (je 15), Eshenko (11)

powervolleys Düren – WWK Volleys Herrsching 3:0
(25:21, 25:19, 27:25)
84 Min., 0 Zuschauer
MVP: van Berkel – J. Tille
beste Scorer: Gevert (15), Brand, van Berkel (je 11) – Mantha (14), Penrose (11), van der Ent (8)

NEWS AUS DER SZENE

Um in der Champions League ins Halbfinale vorzustoßen, brauchen die Berlin Volleys wohl ein Wunder. Das Viertelfinal-Hinspiel in der Max-Schmeling-Halle gegen Itas Trentino ging 1:3 (19:25, 23:25, 28:26, 17:25) verloren, die international in dieser Saison noch ungeschlagenen Italiener waren vor allem stärker im Block und im Aufschlag und hatten im holländischen Diagonalen Nimir AbdelAziz den überragenden Akteur (28 Punkte). Bester Scorer bei Berlin war Timothee Carle (18). Im letzten Newsletter hatte sich übrigens ein Schreibfehler eingeschlichen: Diagonalangreifer Benjamin Patch hat bei den Berlinern nicht bis 2026 verlängert, sondern bis 2024.

Ganz neuer Pokalsieger gesucht

Showtime im DVV-Pokal: Am Sonntag werden in der Mannheimer SAP-Arena die diesjährigen Endspiele der Frauen und Männer angepfiffen, auch sie Corona bedingt ohne Zuschauer. Und erstmals seit gefühlten Ewigkeiten wird es dabei einen neuen Gewinner geben. Bei den Männern stehen mit den Netzhoppers KW-Bestensee und den United Volleys Frankfurt zwei Novizen vor dem Triumph.

Seit 1998 wird die Siegerliste dominiert von den Namen Friedrichshafen und Berlin, zwischendurch drang Haching in seiner Blütezeit in diese Phalanx ein, holte immerhin viermal den Cup (2009-2011 und 2013). Seit 2014 aber haben immer entweder Friedrichshafen oder Berlin als Pokalsieger im Konfetti-Regen gestanden. Nun also wird sich das ändern.

Die Netzhoppers brachten das Kunststück fertig, mit drei Tiebreak-Erfolgen nach Mannheim zu kommen – und jeweils nach einem 0:2-Satzrückstand. Auf ein 3:2 gegen Vorjahresfinalist Düren folgte ein noch überraschenderes 3:2 beim Titelverteidiger, bei den Berlin Volleys. Und dann folgte noch ein 3:2 gegen Herrsching. Ebenfalls durch ein Fünf-Satz-Match zog Frankfurt ins Finale ein, gewann 3:2 beim Rekord-Pokalgewinner VfB Friedrichshafen, der sich zuvor bei der SVG Lüneburg durchgesetzt hatte.

Beide Kontrahenten hatten zuletzt große Verletzungssorgen. Bei den Brandenburgeren wurde Routinier Dirk Westphal schon seit Wochen wegen Rückenproblemen Schonung verordnet und nur ganz wenig eingesetzt, noch länger und komplett fehlt sogar schon der monatelang überragende Zuspieler Byron Keturakis. Für ihn wurde wenige Stunden vor Schließung der Transferliste noch ein Ersatz verpflichtet: Der Pole Kamil Droszynski mit Erfahrung in der PlusLiga (Belchatow und Olsztyn). Im Pokalfinale ist er aber nicht spielberechtigt – das sind laut Regelwerk nur Spieler, die schon im Halbfinale zum Kader gehörten.

Beide Endspiele live im Free-TV

Diese Bestimmung trifft auf der Gegenseite auch auf Spät-Transfer Facundo Imhoff (Mittelblock) und auf Zuspieler Leon Dervisaj zu. Er, bis Ende November noch bei der SVG, wurde zum Jahreswechsel verpflichtet, als sich abzeichnete, dass der belgische National-Zuspieler Matthias Valkiers wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert werden muss. Immerhin haben die Hessen mit Mario Schmidgall noch einen erfahrenen Ersatzmann, während bei den Netzhoppers nur Grünschnabel Adrian Klooss als Ersatz zur Verfügung steht.

Eine Premiere gibt es schon vorab im Frauen-Finale (14.15 Uhr) an gleicher Stelle: Der SC Potsdam kämpft erstmals um den Cup, nachdem er im Halbfinale Vorjahresfinalist MTV Stuttgart ausgeschaltet hat. Gegner ist mit dem SSC Schwerin eine in vielen heißen Pokalfights erfahrene Mannschaft, bisher sechsfacher Gewinner (zuletzt 2019), der sich im Halbfinale gegen Titelverteidiger Dresdner SC durchsetzte. Beide Spiele werden live im Free-TV gezeigt. Sport1 beginnt die Übertragung um 14.15 Uhr mit dem Frauen-Finale und zeigt anschließend ab 17 Uhr das Männer-Finale.

Wieder ein Punkt durch Michel Schlien, die Fingerspitzen sind dran am Ball

Der Griff nach den Playoffs

Terminhatz geht weiter

Erfolg beim direkten Konkurrenten Bühl erübrigt alle Rechenspiele – LüneHünen ohnehin noch nicht satt

Sollte noch ein leiser Zweifel an der Playoff-Teilnahme bestehen, so können und wollen ihn die LüneHünen nun als Krönung ihrer Erfolgsbilanz im noch jungen Jahr 2021 ausräumen. An diesem Donnerstag (19 Uhr, Live-Stream auf sporttotal.tv) steht das Nachholspiel bei den Volleyball Bison Bühls auf dem Programm, und wenn das fleißige Punktesammeln der letzten Wochen weitergeht, ist das Ticket für die Runde der besten Acht gebucht.

Gleichzeitig zum Match Bühl (8./25 Punkte) gegen die SVG (5./28) spielt noch Giesen (9./23) bei Spitzenreiter Friedrichshafen. Gehen die Rand-Hildesheimer aus Giesen leer aus, reicht den LüneHünen schon ein Punkt, um auf der Zielgeraden der Hauptrunde nicht mehr aus dem Kreis der ersten Acht verdrängt werden zu können. Doch geht es nach Kapitän Michel Schlien, sollen sich solche Rechenspiele ohnehin erübrigen.

Ehrgeizigem Schlien reicht ein Punkt nicht

„Wir spielen gegen einen Gegner auf Augenhöhe, da wollen wir natürlich gewinnen. Und ich selbst schaue gar nicht mehr so sehr nach unten zu Platz 8 oder 9 – ich möchte mehr. Ob wir noch Vierter werden können, liegt nicht mehr in unserer eigenen Hand. Aber wenn wir uns auf Platz 5 festbeißen könnten, wäre das doch eine gute Ausgangsposition.“ Nachfrage: Was hält er in dieser Saison noch für möglich? Schlien: „Als Vierter oder Fünfter ist das Halbfinale machbar. Wenn man sich eine gute Ausgangsposition verschafft, ist in dieser Saison, wo es so eng ist, alles möglich.“

Diese Perspektive ergibt sich nicht zuletzt aus den Leistungen des 28-Jährigen, der beim 3:2 zuletzt gegen Giesen mal wieder eindrucksvoll seine Stärke im Block unterstrich. 7 direkte Blockpunkte schraubten seine Bilanz in diesem Bereich auf runde 50 Zähler, im Bundesliga-Ranking baute er so seine souveräne Führung noch aus. Mannschaftskollege Florian Krage folgt mit 35 auf Platz 2. Nach eigenem Empfinden spielt Schlien gar nicht so eine überragende Saison: „Gut vielleicht, aber nicht herausragend oder außergewöhnlich. Blockpunkte habe ich eigentlich schon immer recht viele gemacht.“ Ein Blick in die Statistiken zeigt aber: mehr waren es nur 2018/19, nämlich 54. Aber nun stehen ja auch noch drei Matches in der Hauptrunde aus. Und damals gab es eine 12 Teams starke Bundesliga (jetzt 11), also automatisch noch zwei Spiele mehr.

Wie auch immer – das komplette Team hat sich, wie versprochen, im Vergleich zur Hinrunde auch mit verletzungsbedingt geschrumpften Kader mächtig gesteigert und ist noch längst nicht satt. „Alle zehn Spieler sind wichtig, und alle machen ihre Sache gut. Mit denen kann man noch einiges erreichen“, unterstreicht der dienstälteste SVG-Spieler noch einmal seinen Optimismus. Und so ist es auch realistisch, dass die Revanche für das 1:3 im Hinspiel gelingt, auch wenn Gegner Bühl gerade einen Weg aus seinem tiefen Tal findet.

Tomas Lopez macht Bühl wieder stärker

Der ehemalige Tabellenführer (nach dem 4. Spieltag) war tief gefallen und hatte seit Ende November nur noch in den Spielen gegen VCO Berlin (zweimal) und Unterhaching gepunktet, bis am 17. Februar beim 3:1 in Hildesheim bei den Giesen Grizzlys der Knoten platzte. Entscheidend für die Misere war der wochenlange Ausfall von Außenangreifer Tomas Lopez. Der Argentinier fehlte lange mit gebrochenem Mittelfußknochen, zuletzt war er, wenn auch nur in Teileinsätzen, wieder auf dem Feld. Im Hinspiel war er mit 23 Punkten und zudem einer Annahmequote von 68% herausragender Spieler.

„Wir wissen, dass das wieder schwierig wird. Aber das Hinspiel war schon eng und wir wollen den Schwung unserer letzten Spiele wieder mit aufs Feld nehmen“, ist SVG-Chefcoach Stefan Hübner guter Dinge, dass seine Mannen noch einen Kraftakt schaffen, das i-Tüpfelchen auf ihre Erfolgsserie 2021 setzen und sich für ihre harte und konzentrierte Arbeit belohnen. Wobei er in diesen intensiven Wochen jetzt ein besonderes Auge auf genug Regeneration hat: „So viel Training ist gar nicht mehr möglich. Es geht eher darum, die Energie zu managen.“ Schließlich steht auch nach der Rückfahrt Donnerstagnacht am Sonnabend schon die nächste Aufgabe im Heimspiel gegen Friedrichshafen bevor.

NEWS AUS DER LIGA

Diagonalangreifer Benjamin Patch hat seinen Vertrag bei den Berlin Volleys um drei Jahre bis 2024 verlängert. Der US-Amerikaner kam 2018 in die Hauptstadt.

Mittelblocker Luuc van der Ent, Nationalspieler der Niederlande, hat bei den WWK Volleys Herrsching um ein Jahr verlängert.

NEWS AUS DER SZENE

In Frankfurt haben die Diskussionen um eine neue Sportarena wieder Fahrt aufgenommen. Seit Jahren gibt es zwei konkurrierende Pläne für eine Multi-Funktionshalle mit mehreren tausend Zuschauern, eine am Flughafen oder eine an der Stadtgrenze zum benachbarten Offenbach. Gedacht als eine Spielstätte für Basketball und Volleyball (jeweils 1. Liga) und Eishockey (2. Liga) und als ein Veranstaltungsort für große Kulturveranstaltungen. Das Projekt “Kaiserlai” an der Stadtgrenze schien letztes Jahr beerdigt, als ein Großinvestor absprang, alles lief auf einen Bau von “The Dome” am Flughafen hinaus. Doch nun hat Basketball-Bundesligist Skyliners Frankfurt neue Pläne für die Halle am Kaiserlai präsentiert – allerdings in Eigenregie, denn Volleyball- und Eishockeyclub haben sich längst zu “The Dome” bekannt.

Zuspieler Simone Gianelli, Mittelblocker Srecko Lisinac und Außenangreifer Ricardo Lucarelli spielen bei Trentino

Volleyball Champions League

Herkulesaufgabe für Berlin Volleys

Hohe Hürde Trentino türmt sich im Viertelfinale auf

Die internationalen Klub-Wettbewerbe im Volleyball gehen in die heiße Phase. Während im CEV-Cup und im Challenge-Cup in dieser Woche schon die Halbfinal-Hinspiele anstehen (Rückspiele kommende Woche), startet die Champions League mit den Viertelfinal-Hinspielen in die K.o.-Phase. Und mit dabei sind noch die Berlin Volleys.

Das Team von Trainer Cedric Enard erwartet an diesem Donnerstag Trentino Itas in der Max-Schmeling-Halle (19.30 Uhr, nur im kostenpflichtigen Live-Stream zu sehen). Die italienische Topmannschaft mit reichlich Titelgewinnen, mehrmals Club-Weltmeister (zuletzt 2018) und auch drei Triumphen in der Königsklasse (2009 – 2011), schloss in der Heimat gerade die Hauptrunde als Dritter ab.

Welche hohe Hürde sich da auftürmt, zeigt ein Blick in den Kader der Gäste. Zuspieler Simone Gianelli führt auch im italienischen Nationalteam, einem der besten der Welt, Regie. Der brasilianische Außenangreifer Ricardo Lucarelli wurde mit Berlins Eder zusammen 2016 Olympiasieger. Diagonalangreifer Nimir Abdel-Aziz aus den Niederlanden ist derzeit Topscorer der Königsklasse und mit Abstand bester Aufschläger (28 Asse). Im Mittelblock türmt sich Srecko Lisinac auf, u.a. 2019 Europameister mit Serbien. In der Saison 2013/14 spielte er in Berlin.

Kein Wunder, dass Berlins Außenangreifer Samuel Tuia nach der Auslosung sagte: „Wir brauchen zwei perfekte Tage.“ Immerhin haben die Mannen um Kapitän Sergey Grankin, selbst lange Zeit im großen Verletztenlager, ihre Personalprobleme weitgehend überwunden und zeigen ansteigende Form – und wieder mehr Selbstvertrauen. Das drückt Tuia nun so aus: „Wir glauben an unsere Chance in diesem Match.“ Das Rückspiel steigt dann am 4. März.

Inner-italienisches Duell mit deutscher Beteiligung

Aus deutscher Sicht ist auch das inner-italienische Duell zwischen Modena und Perugia von besonderem Interesse. In Perugia, das die Hauptrunde als 1. abschloss, spielen außer dem wohl weltbesten Volleyballer Wilfredo Leon (Außen) auch die deutschen Nationalspieler Jan Zimmermann (Zuspiel) und David Sossenheimer (Außen). Trainiert wird das Team von Vital Heynen, wobei es Gerüchte gibt, dass der Ex-Friedrichshafener und Ex-Bundestrainer am Saisonende nach zwei Jahren wieder geht. In Modena, das mit Jenia Grebennikov (Frankreich) über einen der weltbesten Liberos verfügt, ist Nationalspieler Moritz Karlitzek unter Vertrag. Zudem gibt es Gerüchte, das der deutsche Kapitän Lukas Kampa (Wegiel/Polen) zur neuen Saison dorthin wechselt und US-Zuspieler Nummer 1, Micah Christenson, ablöst.

In den weiteren Viertelfinals erwartet Cucine Lube Civitanova, der italienische Königsklassen-Gewinner 2019, den aktuellen polnischen Spitzenreiter Kedzierzyn-Kozle. Zenit Kazan (Russland), der mehrfache Champions-League-Triumphator des vergangenen Jahrzehnts, gastiert im polnischen Belchatow.

Von Berlins Erfolg hängt deutscher Halbfinal-Modus ab

Vom Abschneiden der Berliner hängt übrigens dann auch ab, wie die entscheidende Phase in den Bundesliga-Playoffs gespielt wird. Kommen die Hauptstädter in der Königsklasse weiter, wird das Playoff-Halbfinale nur im Modus „best of 3“ gespielt, ansonsten „best of 5“.

Zunächst aber steht ja ab 10. März das Viertelfinale („best of 3“) an – und das wegen der anhaltenden Corona-Pandemie in etwas modifiziertem Ablauf. Um die Reisen quer durch Deutschland etwas einzudämmen, genießen die schlechter platzierten Teams der Hauptrunde, also 5. bis 8., zunächst Heimrecht. Spiel zwei findet dann am 13. März bei den besser Platzierten, also 1. bis 4., statt und schon einen Tag später bringt ebenfalls dort ein eventuell nötiges drittes Spiel die Entscheidung. Ab Halbfinale, geplant ab dem Wochenende 20./21. März, das dann auch zeitlich länger gestreckt ist, hat – wie früher – jeweils der besser Platzierte zum Auftakt Heimrecht.

BUNDESLIGASPIELE ZUSAMMENGEFASST

Als viertes Team nach Friedrichshafen, Düren und Berlin haben jetzt auch die WWK Volleys Herrsching die Playoff-Teilnahme so gut wie sicher. Acht Punkte Vorsprung auf Rang 9 bei drei noch ausstehenden Matches, darunter daheim gegen eben den Neunten Giesen, sorgen für klare Verhältnisse – aber die Bayern würden nur zu gern ihren 4. Rang verteidigen. Ob dieses Ziel realistisch ist, zeigt sich schon am Mittwoch, wenn die Aufgabe in Düren ansteht. Die Dürener wollen Platz 2 von Berlin zurückerobern.

Am Donnerstag kann dann auch die SVG schon mit einem Punkt in Bühl das Ticket buchen, wenn gleichzeitig Giesen in Friedrichshafen leer ausgeht.

Alle Begegnungen des Wochenendes:

SVG Lüneburg – TSV Giesen Grizzlys 3:2
(16:25, 25:22, 25:18, 21:25, 15:12)
126 Min., 0 Zuschauer
MVP: Peemüller – Eshenko
Scorer: Ewert (21), Peemüller (16), Lindberg (13), Schlien (11), Krage (5), van Solkema (4), Pörner (2), Craft (1) – Wagner (22), van Tilburg (20), Menner (9), Eshenko (7), Mayaula, Seybering (je 6), Röling (5), Kern (3), Schippmann (1)

powervolleys Düren – Bisons Bühl 3:0
(25:18, 25:20, 25:22)
75 Min., 0 Zuschauer
MVP: Burggräf – Thiel
beste Scorer: Brand (14), Ernastowicz (13), Gevert (11) – Gallas (10), Jurkovics (9), Vaskelis, Lopez (je 8)

Netzh. KW-Bestensee – Berlin Volleys 1:3
(29:31, 22:25, 25:21, 11:25)
109 Min., 0 Zuschauer
MVP: Allik – Patch
beste Scorer: Allik (15), Weir (11), Goralik, Mönnich (je 9) – Patch (16), Carle (14), Brehme (13)

WWK Volleys Herrsching – TSV Unterhaching 3:0
(25:20, 25:22, 25:22)
71 Min., 0 Zuschauer
MVP: J. Tille – Suck
beste Scorer: Wieczorek (14), Kaminski (11), van der Ent, Ferch (je 7) – J. Sagstetter (10), Zahar, Topuzliev (je 7)

NEWS AUS DER SZENE

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hat jetzt nach reiflicher Überlegung beschlossen, den Spielbetrieb in den 3. Ligen und Regionalligen wegen der anhaltenden Corona-Pandemie einzustellen, zumal viele Hallen auch zu Impfzentren umfunktioniert wurden. Damit kann auch die SVG Lüneburg II in der 3. Liga West nicht mehr ans Netz. Meister, Auf- und Absteiger wird es nicht geben, jede Mannschaft kann für die neue Saison wieder in der Klasse melden, in der sie zuletzt beheimatet war. Der Nordwestdeutsche Volleyballverband NWVV (Niedersachsen und Bremen) hatte schon Mitte Dezember beschlossen, den Spielbetrieb von der Oberliga abwärts für diese Saison auszusetzen.

Die Deutschen Meisterschaften im Beachvolleyball finden auch weiterhin in Timmendorfer Strand statt. Der Ende 2020 ausgelaufene Vertrag über die Ausrichtung wurde jetzt um drei Jahre verlängert. Das Turnier für dieses Jahr ist vom 2. bis 5. September geplant.

Der Block stand auch wieder im Nordderby gegen Giesen

Wichtige Punkte durch Derbysieg

Diese zwei Punkte sind Gold wert

3:2 gegen Giesen ein großer Schritt Richtung Playoffs

Im seit langem erbitterten Ringen um die Playoff-Teilnahme ist die SVG Lüneburg der Gewinner des Wochenendes. Während die Rivalen Bühl und KW-Bestensee leer ausgingen, landete die SVG den neunten Saisonsieg gegen einen weiteren Konkurrenten. Dass das 3:2 (16:25, 25:22, 25:18, 21:25, 15:12) gegen die Giesen Grizzlys dazu ein Erfolg im stets prestigeträchtigen Nordderby war, war dieses Mal aber nur ein Nebenaspekt. Viel wichtiger waren die Punkte, die Chefcoach Stefan Hübner frohlocken ließen: „Für die Playoffs sieht es jetzt für uns nicht so schlecht aus.“ Bei nun fünf Zählern Abstand auf Platz 9, der das Aus nach der Hauptrunde am 6. März bedeutet, ist allerdings noch längst nicht alles klar, zumal das Restprogramm noch zwei Vergleiche gegen Spitzenreiter Friedrichshafen bereit hält. Zuvor aber geht es am Donnerstag nach Bühl.

Das, was am Sonnabend in der Gellersenhalle zu sehen war, bezeichnet man in der heutigen Sportlersprache als „dreckigen Sieg“, wahrlich nicht schön anzusehen. Der SVG kann es egal sein, zwei wichtige Punkte sind auf dem Konto. Am Mittwoch zuvor war es nur einer nach einer starken, auch spielerisch sehr ansehnlichen Vorstellung beim 2:3 in Berlin. Dieses Match hatte zwar dem ohnehin gewachsenen Selbstvertrauen nochmal einen Schub gegeben. Doch davon war gegen Giesen zunächst nichts zu sehen, eher Nervosität angesichts der Bedeutung dieses Derbys prägte anfangs das Geschehen.

Nicht schön, aber erfolgreich als Fazit

Im ersten Satz fand die SVG schlicht nicht statt. Der schnelle Rückstand (2:5) schwoll geradezu bedrohlich bis auf zehn Punkte an (7:11, 7:14, 12:18, 12:22), die Grizzlys nahmen die LüneHünen regelrecht in die Zange und punkteten durch den Diagonalen Hauke Wagner und Außen Stijn van Tilburg (je 7) fast nach Belieben. „Im ersten Satz war unsere Abwehr sehr schlecht, da waren wir noch nicht wach“, musste Hübner konstatieren und versuchte eine Erklärung: „Man darf nicht vergessen, dass unser Kader seit Wochen von 12 auf 10 Spieler geschrumpft ist und wir quasi alle drei Tage spielen. Das geht an die Substanz, das merkt man jetzt schon hier und da. Deshalb ein Riesenkompliment an die Jungs, wie sie dieses Spiel noch gedreht haben.“

Der Startpunkt dazu war ein erhöhter Aufschlagdruck im zweiten Satz, den Viktor Lindberg mit einem Ass eröffnete. Gijs van Solkema (zum 8:6) und der nach dem ersten Satz für Jannik Pörner eingewechselte Richard Peemüller (12:11) ließen später noch zwei Asse folgen, bei insgesamt 25 Aufschlägen gab es nur zwei Fehler. Zudem kam Jordan Ewert zunehmend auf Touren (5 Punkte) und der Block packte nun schon fünfmal zu. Da Giesen aber nun verstärkt das 1. Tempo über Mittelblocker Magloire Mayaula einsetzte, bog die SVG erst spät auf den Erfolgspfad ein, als sie aus einem 18:20 ein 21:20 machte. Und dann stach wie schon zuletzt zum Satzgewinn in Berlin der Joker: Der gerade eingewechselte Will Craft sorgte für das vorentscheidende 24:21.

Van Solkema mit Aufschlagserie und Schlien-Blocks in Serie

Die Mannen um Libero Tyler Koslowsky, der viele Meter machte und längst verlorene geglaubte Bälle noch rettete, schienen wieder in der Spur und beherrschten Satz 3 klar. Zumal Zuspieler van Solkema nun auch zu Schnellangriffen servierte und zudem eine Aufschlagserie mit Wirkung inklusive seines zweiten Asses hinlegte. Und dann gab es da ja noch Monster-Blocker Michel Schlien, der wieder einmal insgesamt sieben direkte Punkte (plus 4 im Angriff) auf sein Konto buchte, 5 allein in diesem Satz. Die Führung war gerade von 16:14 auf 20:14 angewachsen, da packte der Kapitän zweimal in Folge zu. Und dann legte er beim 24:18 und 25:18 noch zweimal nach.

Doch der Niedersachsenrivale gab noch lange nicht klein bei, neues Personal sorgte für neuen Schwung, das Match blieb völlig offen, die Führung wechselte oftmals hin und her, obwohl bei den Hausherren Lindberg (6), Ewert und Peemüller (je 4) zuverlässig punkteten. Beim 17:15 durch ein Lindberg-Ass sah es noch gut aus für die SVG, doch dann drehte Giesen das Ergebnis auf 18:19 und gab die Führung nicht mehr her. Der eingewechselte Jacob Kern sorgte schließlich für den Tiebreak – mit einem Ass per Netzroller, insgesamt das vierte Ass der Gäste auf diese Art. Das passte zu einem rundum merkwürdigen Spiel wie die Unterbrechung beim 17:17, als ein Teil des Lichtes erlosch, weil sich jemand gegen den Schalter lehnte; oder eine längere Pause schon im ersten Satz, als der PC am Schreibertisch abstürzte; oder auch viele strittige Bälle und emotionale Diskussionen.

Jordan Ewert läuft im Tiebreak nochmal heiß

Sei’s drum, auf dem Feld wurde weiter hart gearbeitet, die Teams schenkten sich nichts. Als es zum Tiebreak aufs Feld ging, wirkte einer besonders entschlossen: Jordan Ewert. Und der 23-Jährige, letztlich mit 21 Punkten wieder einmal bester Scorer der LüneHünen, bei dem man ja nie weiß, auf was aus seinem vielfältigen Schlagrepertoire er beim nächsten Angriff zurückgreift, wurde von dem Mitspielern noch einmal heiß gemacht. 3:3, 5:4, 6:4, 7:4 – diese vier Punkte setzte der US-Amerikaner dem Gegner allein bis zum letzten Seitenwechsel (8:7) ins Feld. Als Florian Krage und Gijs van Solkema dann auch noch zwei Asse auspackten und die SVG 11:8 führte, war die Vorentscheidung gefallen. Ewert blieb es vorbehalten, den Deckel drauf zu machen – geradezu wütend im zweiten Versuch, nachdem er im ersten noch geblockt wurde. MVP wurde aber Peemüller (16 Punkte), bei den Gästen Mittelblocker Pearson Eshenko mit 7 Zählern und einer starken Angriffsquote von 78%. Mehr Punkte sammelten jedoch, wie fast immer bei Giesen, Wagner (22) und van Tilburg (20).

„Das sind zwei wichtige Punkte gegen einen guten Gegner, der nie aufgegeben hat – schon ein echter Playoff-Fight, in dem schon zu sehen war, dass wir in der heißen Phase der Hauptrunde sind. Für uns geht es jetzt wegen der vielen Spiele mit kleinerem Kader auch darum, gut zu regenerieren und trotzdem den Rhythmus und das Niveau zu halten, um weitere Punkte zu sammeln“, freute sich Hübner, dass die Erfolgsbilanz der letzten Wochen eine Fortsetzung fand.

SVG: Schlien, van Solkema, Lindberg, Krage, Pörner, Ewert, Koslowsky; eingewechselt: Peemüller, Gerken, Craft.

Weiter, immer weiter scheint Traner Stefan Hübner seine Mannen anzufeuern

Niedersachsenderby gegen Giesen

Keine Zeit für hängende Köpfe

Beim 2:3 in Berlin lag für die LüneHünen eine noch größere Überraschung in der Luft

„Wir haben gar keine Zeit, den Kopf hängen zu lassen“, lautete das Gebot der späten Stunde am Mittwochabend für Chefcoach Stefan Hübner nach dem über weite Strecken großartigen Auftritt bei den Berlin Volleys. 2:3 (25:23, 25:19, 20:25, 19:25, 14:16) hatte die SVG Lüneburg verloren und dabei nach einer 2:0-Satzführung und einem Matchball im dramatischen Tiebreak den neunten Saisonsieg nur haarscharf verpasst. Doch schon geht es nun weiter: An diesem Sonnabend (19 Uhr), zu verfolgen im kommentierten Live-Stream auf sporttotal.tv, kommen die TSV Giesen Grizzlys in die Gellersenhalle.

Was hätte das für ein Riesenschritt in die Playoffs werden können in der Max-Schmeling-Halle, wo die LüneHünen nur 2018/19 schon mal mit einem 2:3 einen Zähler ergattern konnten. „Mit dem Spiel selbst war ich sehr zufrieden, das Ergebnis wünscht man sich natürlich besser“, resümierte Hübner. Und Mittelblocker und MVP Florian Krage traf wohl in einem Kurz-Interview nach dem Match den Nagel auf den Kopf: „Im ersten Moment ist das sehr ärgerlich. Aber in zwei Stunden sieht das schon wieder anders aus. Es freut einen immer, einen Punkt mitzunehmen, vor allem in dieser Halle. Und hier zu gewinnen, ist enorm schwer, eben selbst bei einer 2:0-Führung.“

SVG gibt dem Favoriten lange viele Rätsel auf

Möglich aber war ein Sieg dieses Mal und wäre auch nicht unverdient gewesen. Denn in den ersten beiden Sätzen stellte eine glänzend aufgelegte SVG den Champions-League-Viertelfinalisten vor viele Rätsel, legte zunächst mal ein 4:1 vor und blieb auch couragiert, als Berlin ein 5:6 drehte und sein 7:6 bis auf 14:9 ausbaute. Besonders Richard Peemüller war im Eingangssatz kaum zu halten, sammelte 6 Punkte. Sein Pendant im Diagonalangriff, Ben Patch, schien dagegen am SVG-Block zu verzweifeln, punktete nur dreimal und blieb dann erst einmal auf der Bank, als ihn der gerade eingewechselte Will Craft zum 25:23-Satzball geblockt hatte. Wie schon vermehrt in den letzten Spielen hatten die LüneHünen wieder einmal in der Crunchtime zugepackt, waren beim 20:19 endlich wieder in Führung gegangen und hatten diese nicht mehr hergegeben.

In Durchgang zwei steigerten sich die Gäste dann sogar noch, Zuspieler Gijs van Solkema verteilte die Bälle äußerst variabel. Viktor Lindberg kam jetzt richtig in Fahrt (7 Punkte), Jordan Ewert (6) wurde noch durchschlagskräftiger als im ersten Satz, im Block packten die LüneHünen weiterhin effektiv zu. Zudem passte die Annahme um Libero Tyler Koslowsky ebenso wie die Feldabwehr, sodass viele lange Rallys an die SVG gingen. Über eine 8:6-Führung bei der ersten und 16:12 bei der zweiten technischen Auszeit wuchs der Vorsprung bis auf 6 Punkte (22:16). Und als der eingewechselte Jannik Pörner eine Mega-Rally inklusive Fußabwehr von Sergey Grankin mit dem 24:19 abschloss, war klar: Auch dieser Satz ging an den Außenseiter.

„In den ersten beiden Sätzen waren wir sehr gut, haben nahezu alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Aber dann hat Berlin den Aufschlagdruck erhöht und wir sind in der Annahme geschwommen“, blickte Hübner später auf den ersten Wendepunkt zurück. Für den höheren Aufschlagdruck sorgte vor allem der neu gekommene Eder – wohl dem, der einen Olympiasieger zwei Sätze lang draußen lassen kann. Der Brasilianer servierte mit Wirkung, sodass der zurückgekehrte Patch immer wieder veredeln konnte (8 Punkte).

Zwei Ex-LüneHünen bringen Berlin in die Spur

Zudem hielten zum SVG-Leidwesen auch die ehemaligen Mitspieler Cody Kessel und Anton Brehme ihr bis dahin gezeigtes Niveau und waren maßgeblich am Umschwung beteiligt. Als die SVG einen 14:16-Rückstand auf 17:16 umdrehte, keimte kurz Hoffnung auf ein schnelles Ende auf, doch Berlin war jetzt voll im Rhythmus. Und als die Gastgeber zweimal in Folge Peemüller geblockt hatten und der gleich noch einen Angriff versemmelte, war beim 21:18 alles wieder gerade gerückt. Brehmes Block gegen Ewert zum 25:20 sorgte schließlich für den vierten Satz.

Dort legte Patch weiter zu, hämmerte 9 Punkte bei einer Quote von 88% ins Feld und ließ mit seiner Sprungkraft selbst den SVG-Blocks kaum noch eine Chance. Da zudem Brehme (5 Punkte) mit seinen Schnellangriffen ein ums andere Mal zuschlug, war schnell klar: Der Abend dauert noch länger – und kann im Tiebreak kaum gut für die Gäste enden. Doch, oh Wunder: Die LüneHünen kamen mit Macht zurück. Jetzt holte Ewert noch einmal alles heraus (7 Punkte). Beim letzten Seitenwechsel führte die SVG 8:6, steckte dann auch weg, dass Berlin einen 8:10-Rückstand in ein 11:10 umdrehte, konterte auf 13:11 und hatte beim 14:13 Matchball – den Kessel abwehrte. Als der gerade eingewechselte Youngster Robin Baghdady im Block den nächsten Ewert-Angriff kassierte und Peemüller seinen nächsten Schmetterball ins Aus setzte, war auch die Hoffnung auf zwei Punkte geplatzt.

Die SVG spielte mit: van Solkema, Lindberg, Krage, Peemüller, Ewert, Schlien, Koslowsky; eingewechselt: Pörner, Gerken, Craft.

Auch gegen Giesen wieder ein 6-Punkte-Spiel

Nun kommen also am Sonnabend die Giesen Grizzlys – weit mehr als ein Prestige trächtiges Nordderby wie sonst. Mit vier Punkten weniger rangieren die Hildesheimer seit Mittwochabend auf Platz 9, als sie erstmals seit 8 Spielen beim 1:3 gegen Bühl leer ausgingen. Sonst gab es immer mindestens einen Punkt, unter anderem im Hinspiel (3:2) und gegen Berlin (2:3). Schon insgesamt 7 Tiebreak-Matches haben die Gäste absolviert, ein Zeichen, wie kampfstark sie sind. Schließlich wurde als Saisonziel auch die erstmalige Teilnahme an den Playoffs ausgegeben.

Die Chancen darauf haben in erster Linie der Diagonale Hauke Wagner und Außenangreifer Stijn van Tilburg, beide Woche für Woche die besten Scorer und auch unter den Top 10 der Bundesliga, erhalten. Nun aber wird es eng für die Grizzlys, die es aber in drei von vier Matches gegen direkte Konkurrenten noch in eigenen Händen haben, für ein Happyend zu sorgen. Wie sagte doch SVG-Coach Hübner gerade wieder? „Jedes Spiel ist jetzt wie ein Endspiel.“ Das trifft unverändert auf alle Teams der Plätze 4 bis 9 zu.

MITTWOCHSPIELE ZUSAMMENGEFASST

Die mit vier Dreiern – darunter gegen die Berlin Volleys – so fulminant in die Saison gestarteten Bisons Bühl, Tabellenführer nach dem 4. Spieltag, haben den freien Fall gestoppt. Das 3:1 am Mittwochabend in Hildesheim bei den Giesen Grizzlys ließ die Schwaben Platz 9 wieder verlassen. Ein Kurz-Comeback feierte dabei ihr argentinischer Topscorer Tomas Lopez mit zwei Einwechselungen nach langer Verletzungspause.

Das Internatsteam VC Olympia Berlin beendete die Saison bereits mit einem 0:3 daheim gegen KW-Bestensee, das mit diesen fest eingeplanten Punkten die SVG auf Rang 7 verdrängte, aber schon zwei Matches mehr ausgetragen hat

 Berlin Volleys – SVG Lüneburg 3:2
(23:25, 19:25, 25:20, 25:19, 16:14)
119 Min., 0 Zuschauer
MVP: Brehme – Krage
Scorer: Patch (26), Kessel (15), Brehme (14), Tuia (8), Eder (7), Grankin, Michelucci (je 4), Moraes (2), Baghdady (1) – Ewert, Lindberg (je 19), Krage (13), Peemüller (12), Schlien (7), Pörner (4), Craft (1)

TSV Giesen Grizzlys – Bisons Bühl 1:3
(25:22, 20:25, 24:26, 23:25)
105 Min., 0 Zuschauer
MVP: Wagner – Jurkovis
beste Scorer: Wagner (20), van Tilburg (16), Mayaula (12) – Kronthaler (21), Gallas (18), Jurkovics (14)

VC Olympia Berlin – Netzh. KW-Bestensee 0:3
(20:25, 23:25, 20:25)
87 Min., 0 Zuschauer
MVP: John – Weir
beste Scorer: Röhrs, John (je 14), Schulz (5) – Weir, Mönnich (je 12), Goralik (9)

NEWS AUS DER LIGA

Das für diesen Sonnabend vorgesehene Match Frankfurt gegen den VfB Friedrichshafen, auch als Übertragung im Free-TV auf Sport1 geplant, musste abgesagt werden. Die Häfler, die wegen sechs Coronafällen (3 Spieler und das Trainerteam) in der letzten Woche aus der Champions League aussteigen mussten, sind nach der nötigen Quarantäne gerade erst wieder mit den nicht betroffenen Spielern ins Training eingestiegen. Für die positiv Getesteten endet die Quarantäne am Wochenende, dann folgen weitere Tests und medizinische Checks, bevor auch sie wieder ins Training dürfen.

Schon die dritte Vertragsverlängerung melden die powervolleys Düren, Mittelblocker Tim Broshog hat um ein Jahr verlängert. Der 33-Jährige geht dann in seine 6. Saison in Düren.

Dürens nächstes Spiel gegen Bühl läuft an diesem Sonnabend ab 18 Uhr als Live-Spiel im Free-TV auf Sport1 gleich im Anschluss an das Match Dresden – Wiesbaden aus der Frauen-Bundesliga (ab 16.25 Uhr).

Florian Krage hat sich zu einem der besten Mittelblocker der Liga entwickelt

Jeder Punkt ist wichtig

Hoffnung auf eine Überraschung

LüneHünen wollen auch bei den Berlin Volleys bestehen

Mittwoch, Samstag, Donnerstag, Samstag – dieser Spielrhythmus inklusive zweier Auswärtsfahrten gibt jetzt bei der SVG Lüneburg den Takt an. Eingeleitet wird das letzte Viertel der Hauptrunde an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) mit der schweren Aufgabe bei den Berlin Volleys, zu sehen wieder im Live-Stream auf sporttotal.tv. Angesichts der jüngsten Leistungen beider Teams sind die Hoffnungen auf eine Überraschung nicht völlig unrealistisch.

Die Trauben hängen allerdings wieder ungleich höher als zuletzt gegen Frankfurt und erst recht gegen Unterhaching (jeweils 3:0), auch wenn der zehnfache Meister aus der Hauptstadt zuletzt nicht in Topform auftrumpfte und auf Platz 3 abrutschte. Einzig sein 3:0 gegen die Bisons Bühl war überzeugend, davor standen gegen Friedrichshafen ein ernüchterndes 1:3 und in Giesen ein glücklicher 3:2-Erfolg, und der letzte Auftritt in Frankfurt endete mit der schon vierten Saison-Niederlage (2:3). Nummer 5 steht im Pokal zu Buche (2:3 gegen KW-Bestensee).

Champions-League-Euphorie überdeckt Bundesliga-Tief

Aufgehübscht wurde diese für Berlin wahrlich ungewöhnliche Bilanz jedoch in der Champions League, groß war in der vergangenen Woche der Jubel über den Einzug ins Viertelfinale (mehr dazu s. unten, „News aus der Szene“). Wegen des Rückspiel-Gruppenturniers im fernen russischen Kasan wurde das Bundesliga-Match gegen die SVG vom Wochenende auf jetzt verlegt. Und da das Viertelfinale dann am nächsten Donnerstag ansteht, könnte es ja sein, dass die Mannen von Trainer Cédric Enard nun gegen die LüneHünen nicht zu 100 Prozent bei der Sache sind ..

Die zeitweise enormen Verletzungssorgen sind aber inzwischen weitgehend Vergangenheit. Zuspieler Sergey Grankin, Topscorer Ben Patch auf Diagonal und Außen Samuel Tuia, alles Langzeitausfälle, haben inzwischen ebenso ihre Comebacks gegeben wie der zwischendurch auch arg vermisste Außen Timothee Carle. Der Franzose trumpfte ja im Hinspiel gegen die SVG (3:0) beeindruckend auf. Damals, Anfang Dezember, war die SVG trotz tapferer Gegenwehr chancenlos.

Inzwischen steht da aber eine ganz andere Mannschaft auf dem Feld, eingespielt und selbstbewusst nach fünf Siegen in sechs Spielen des neuen Jahres. So wurde denn auch gerade Kapitän Michel Schlien in einem Zeitungsartikel zitiert: „Wir sind immer für eine Überraschung gut. Wenn wir uns auf unser Spiel besinnen, bin ich überzeugt, dass wir auch in Berlin punkten können.“ Gerade im Mittelblock ist ja die SVG eine Macht. Schlien führt weiter mit großem Vorsprung die Bundesliga-Rangliste bei den Blockpunkten an (42), vor dem mittlerweile auf Rang zwei gekletterten Florian Krage (30 Punkte), der zuletzt immer stärker wurde.

Mittelblocker rücken in den Mittelpunkt

Auf der Gegenseite spielt im Mittelblock mit Anton Brehme ein Ex-LüneHüne, der in der Hauptstadt einen bemerkenswerten Karriereschritt gemacht hat. Ist der 21-Jährige fit, spielt er auch – auf der Bank sitzt einer der beiden Brasilianer. Lange war Olympiasieger Eder an Brehmes Seite, zuletzt aber bekam der Routinier (37) immer öfter eine Pause und Renan Michelucci durfte ran, auch in der Champions League. Und Brehme setzte auch in der Königsklasse Akzente. Beim 3:0 gegen Ljubljana sammelte er 12 Punkte, darunter vier Asse. „Vielleicht war das das beste Match, das ich persönlich im BR Volleys-Trikot absolviert habe. Endlich hat mein Aufschlag mal wieder funktioniert“, so sein eigenes Urteil nach diesem Match.

Während sein Team mindestens Platz 3 sicher hat, geht es dahinter im Ringen um die Playoff-Teilnahme unvermindert spannend zu. Drei weitere Anwärter auf die Plätze 4 bis 8 sind neben der SVG am Mittwoch im Einsatz, da wäre es gut, etwas von der Spree mitzubringen. Und dann geht es ja am Sonnabend in der Gellersenhalle gegen Giesen wieder um die big points.

BUNDESLIGASPIELE ZUSAMMENGEFASST

Das Führungstrio war am Wochenende spielfrei, so stand einmal mehr der spannende Kampf um die Playoff-Plätze 3 bis 8 im Mittelpunkt. Und da holten Herrsching und KW-Bestensee jeweils einen Dreier, und auch im direkten Duell Giesen – Frankfurt punkteten beide (2:3). Bemerkenswert dabei auf Frankfurter Seite: Mittelblocker Noah Baxpöhler, ehemals SVG, verwandelte 12 von 14 Angriffen, Erfolgsquote also 86 Prozent.

Das spielfreie Bühl rutschte auf Platz 9 ab, kann das aber schon am Mittwoch mit einem Erfolg in Giesen wieder ändern. Dann will auch KW-Bestensee seine Position mit einem Sieg beim VCO Berlin festigen. Das Internatsteam landete gerade in seinem schon vorletzten Saisonspiel den ersten Sieg in Unterhaching und gab die Rote Laterne damit an den Gegner ab.

Alle Begegnungen des Wochenendes:

TSV Unterhaching – Netzh. KW-Bestensee 1:3
(22:25, 25:23, 19:25, 17:25)
103 Min., 0 Zuschauer
MVP: Graven – Mönnich
beste Scorer: Topuzliev (16), J. Sagstetter, Petrusic (je 13) – Allik, Mönnich (je 17), Weir, Timmermann (je 13)

Giesen Grizzlys – United Volleys Frankfurt 2:3
(25:23, 18:25, 18:25, 25:20, 20:22)
119 Min., 0 Zuschauer
MVP: Menner – Baxpöhler
beste Scorer: Wagner (22), van Tilburg (14), Menner (11), Mayaula (10) – Grozer (19), Malescha (18), Imhoff (17), Schöps (16), Baxpöhler (14)

WWK Volleys Herrsching – VC Olympia Berlin 3:1
(25:17, 18:25, 25:16, 25:14)
98 Min., 0 Zuschauer
MVP: J. Tille – Eckardt
beste Scorer: Mantha (13), Ilic, Penrose (je 12), Ferch (9) – Schulz (14), Röhrs, John (je 9)

TSV Unterhaching – VC Olympia Berlin 1:3
(26:24, 26:28, 23:25, 20:25)
110 Min., 0 Zuschauer
MVP: J. Sagstetter – Röhrs
beste Scorer: Topuzliev (22), J. Sagstetter (17), Suck, Zahar (je 7) – Röhrs (22), John (19), Hüther (12)

NEWS AUS DER LIGA

Nach Jung-Libero Ivan Batanov hat auch Kapitän und Routinier Michael Andrei (35) bei den powervolleys Düren verlängert. Der Mittelblocker unterschrieb für ein weiteres, das dann insgesamt 8. Jahr.

Die Finals im DVV-Pokal rücken näher, da gilt es, die TV-Zeiten vorzumerken. Sport1 überträgt am 28. Februar live ab 14.15 Uhr zunächst das Frauen-Finale Schwerin – Potsdam und danach das Männer-Finale Frankfurt – KW-Bestensee ab 17.00 Uhr bzw. mit Vorberichten, sobald das Frauen-Finale beendet ist.

NEWS AUS DER SZENE

Kracher-Duelle in der Champions League

Durch die Berlin Volleys ist die Bundesliga auch im Viertelfinale noch in der Champions League vertreten. Der VfB Friedrichshafen musste sich dagegen, wie berichtet, im Heimturnier Corona bedingt in die Zuschauerrolle zurückziehen. Das Ticket in die K.o.-Runde nahm Trentino vom Bodensee mit – die italienische Topmannschaft der letzten zwei Jahrzehnte wurde nun den BR Volleys zugelost. Das Hinspiel daheim steigt schon in der kommenden Woche, am 25. Februar, das Rückspiel eine Woche später (noch ohne genauen Termin).

Gegen Kasan hatten die Berliner im Rückspiel-Gruppenturnier wie beim 0:3 im Hinspiel erneut keine Chance (0:3), Sloweniens Meister Ljubljana aber schlugen sie wie Anfang Dezember in der Max-Schmeling-Halle noch einmal 3:0. Hinzu kamen 6 Punkte von den Polen von Wegiel, die wegen Coronafällen im Team zu beiden Turnieren nicht antreten konnten. Trotz somit insgesamt 12 Punkten wurde es eng, Berlin brauchte Schützenhilfe, um unter den 3 besten von 5 Gruppenzweiten zu landen. Roeselare/Belgien leistete diese Schützenhilfe überraschend mit einem Erfolg gegen Modena (3:0), zudem kam Warschau nicht über ein 2:3 gegen Kemerovo hinaus und hatte, punktgleich mit Berlin, das Nachsehen im Vergleich der Pool-Zweiten.

Als Zweite kamen auch Belchatow/Polen und Cucine Lube Civitanova/Italien weiter, zudem die Gruppensieger Perugia/Italien, Modena/Italien, Kasan und Kedzierzyn-Kozle/Polen. Auf der Strecke blieben Schwergewichte wie der russische Meister Novosibirsk und der aktuelle russische Tabellenzweite Kemerovo oder der Dritte aus Frankreich, Tours. Bei der Viertelfinal-Auslosung ergab sich dann noch das inner-italienische Duell Modena – Perugia, Belchatow erwartet Kasan und Champions-League-Titelverteidiger Lube (Sieger 2019) spielt gegen Polens Tabellenführer Kedzierzyn-Kozle.

Florian Krage und Richard Peemüller stoppen einen Angriff des früheren LüneHünen Noah Baxpöhler

Frankfurt abgeblockt

LüneHünen machen jetzt auch die big points

Chancen auf Playoffs mit weiteren 3 Punkten gestiegen

Für solche Triumphe ist der Begriff „big points“ erfunden worden: Mit einem 3:0 (25:21, 25:20, 27:25) im Nachholspiel gegen die United Volleys Frankfurt machte die SVG Lüneburg einen großen Schritt in Richtung Playoff-Teilnahme. Vorerst bedeutet dieser dritte Sieg im dritten Heimspiel diesen Jahres eine Verbesserung auf Tabellenplatz 5, gleichauf mit dem Vierten Frankfurt, der aber schon zwei Spiele mehr ausgetragen hat. Und: Zu Nicht-Playoff-Rang 9 beträgt der Abstand jetzt 5 Zähler. Kein Wunder, dass Chefcoach Stefan Hübner in Gedenken an die durchwachsene Bundesliga-Hinrunde zu dem Resümee kam: „Die Mannschaft hat sich wieder auf den Weg gebracht, ihre selbst gesteckten Ziele erreichen zu können.“

In der Tat halten die LüneHünen, die ja eine bessere Rückrunde versprochen hatten, bisher Wort. 14 von 18 möglichen Punkten holten sie bisher in 2021, gingen nur gegen den Tabellenzweiten Düren leer aus. Allerdings stehen auch noch zwei Duelle gegen Friedrichshafen und eins bei den Berlin Volleys aus. Das in der Hauptstadt folgt am kommenden Mittwoch,dieses Match wurde verlegt, weil die Berliner in dieser Woche im russischen Kasan um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League kämpften. Am Wochenende ist die SVG somit spielfrei.

Spektakulärer Kampf um jeden Punkt

Gegen Frankfurt trumpfte die SVG in einem spannenden Schlagabtausch auf hohem Niveau groß auf, zeigte vor allem gleich einmal, warum ihre Blockstärke so gefürchtet ist: Block Florian Krage 1:0, Block Richard Peemüller 2:0 – so der Einstieg in den Eingangssatz. Und der starke Krage, der sonst meist mit Schnellangriffen punktet, ließ im Verlauf dieses Durchgangs noch drei weitere Blocks folgen. Nebenmann Michel Schlien dagegen, in der Bundesliga-Rangliste der erzielten Blockpunkte weit vorne, punktete zweimal mit Schnellangriffen – vertauschte Rollen also.

Aber nicht nur das bereitete den Gästen einiges Kopfzerbrechen. Insgesamt stand der Block (13 Punkte) sauber und stabil, war an vielen Bällen dran, auch wenn unmittelbar kein Punkt heraussprang. Die SVG schlug auch gut auf, überzeugte in der Annahme mit Viktor Lindberg (75%) und Jordan Ewert (50%) und hatte in der Feldabwehr unter anderem einen allgegenwärtigen Libero Tyler Koslowsky. Gepaart mit großem Kampfgeist, ergab das auch in vielen, langen und spektakulären Rallyes Punkte.

Einer dieser epischen Ballwechsel leitete die Entscheidung im ersten Abschnitt ein, auch wenn der Punkt zum 17:17 an den Gegner ging. Danach zog Hübner eine Auszeit, um seine Mannen durchschnaufen zu lassen, und die kamen klasse zurück: wieder eine lange Rallye, die Ewert mit einem Pipe beendete, dann zwei Lindberg-Asse, schließlich legte Ewert noch nach, 21:17, die Vorentscheidung. Ewert machte mit dem 25:21 auch diesen Satz zu, in dem er 7 seiner insgesamt 17 Punkte buchte. Damit war er wieder einmal bester Scorer und wurde auch MVP. Bei den Gästen erhielt diese Auszeichnung Ex-LüneHüne Noah Baxpöhler, der Mittelblocker sammelte starke 9 Punkte, 8 davon im Angriff (Quote 67%).

In Satz zwei starteten die Hessen besser (3:5), doch nach der ersten technischen Auszeit hatte die SVG das Geschehen vor allem dank der Block-Qualitäten wieder im Griff. 5 Blockpunkte summierten sich nun, allein 3 gingen, ungewöhnlich genug, auf das Konto von Peemüller. Aus einem 7:8 wurde ein 10:8, doch das packende Geschehen blieb offen. Bei den Gästen drehte nun der Diagonale Daniel Malescha auf (6 Punkte), Tim Grozer präsentierte bei seinem Comeback nach langer Verletzungspause seine Aufschlagstärke, beim 16:17 hätte das Spiel kippen können.

Doch die Hausherren konterten auf 20:17, zwei Auszeiten von Gästetrainer Juan Manuel Serramalera schnell hintereinander konnten das Unheil nicht mehr aufhalten, zumal Ewert und Lindberg (je 5 Punkte) im Angriff höchst effektiv blieben und der starke Gijs van Solkema die Bälle sehr variabel verteilte. Bei Frankfurt versuchte sich seit Mitte des zweiten Satzes Leon Dervisaj als Zuspieler für Mario Schmidgall. Doch nach 24 Minuten machte dann ein Ass von Krage diesen Abschnitt zum 2:0 zu.

Frankfurt versuchte es nun vermehrt mit Lobs und erwischte so die SVG mehrmals buchstäblich auf dem falschen Fuß. Doch auch darauf stellten sich TK & Co ein. 8:6 führte United bei der ersten technischen Auszeit, noch 16:15 bei der zweiten. Die SVG wendete das Blatt, Frankfurt erkämpfte sich die Führung zurück, weil Malescha heiß lief (7 Punkte). Als dann in der Crunchtime aus dem 19:19 ein 19:21 wurde, lag ein vierter Satz in der Luft.

Mega-Rallye auch beim vierten Matchball

Hübner zog noch einmal eine Auszeit, aus der kam insbesondere Lindberg wild entschlossen zurück: zwei Punkte, 21:21, Auszeit United. Dann blockte Jakob Günthör bei seinem Comeback nach Verletzungspause Lindberg – der wütend mit dem 22:22 aus der Diagonalposition antwortete. Ewert ließ die Führung folgen, United nahm die nächste Auszeit. Danach ein Lindberg-Aufschlag mit Wirkung, 24:22. Doch die Gäste gaben sich noch nicht geschlagen, erst der vierte Matchball brachte schließlich die Entscheidung – typisch für dieses Duell wieder mit einer unglaublichen Rallye, die schließlich Ewert im vierten Versuch zum 27:25 abschloss.

„Immer im letzten Drittel der Sätze haben wir das sehr gut gemacht, sind ruhig geblieben, haben einen guten Rhythmus gefunden und mit Aufschlägen Druck gemacht. Das hatte viel Ähnlichkeit mit dem Spiel in Düren, als die immer zum Schluss aufgedreht und die Sätze für sich entschieden haben. Heute lief es mal für uns“, freute sich Trainer Hübner über den 8. Sieg im 15. Spiel, der alle Optionen offenhält.

SVG: Lindberg, Krage, Peemüller, Ewert, Schlien, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Pörner, Gerken.

SVG Lüneburg – United Volleys Frankfurt 3:0
(25:21, 25:20, 27:25)
81 Min., 0 Zuschauer
MVP: Ewert – Baxpöhler
Scorer: Ewert (17), Lindberg (12), Peemüller(11), Krage (8), Schlien (7), van Solkema (1) – Malescha (18), Grozer (10), Baxpöhler (9), Imhoff (5), Reinhardt (4), Dervisaj (2), Schmidgall, Hüger (je 1)

NEWS AUS DER LIGA

Libero Ivan Batanov, auch schon im Nationalteam erprobt, hat bei den powervolleys Düren um zwei Jahre verlängert. Der 20-Jährige kam 2019 vom VCO Berlin und bekommt in Düren trotz der Konkurrenz von Kanadas Libero Nummer 1, Blair Bann, immer mehr Spielanteile.

Außenangreifer Rodrigo Quiroga fällt bei den United Volleys Frankfurt mit einem Muskelfaserriss in der Wade vorerst aus, war schon beim 0:3 gegen die SVG am Mittwoch nicht mehr dabei.

Bereits viel Grund zum Jubeln hatten die LüneHünen in diesem Jahr

Unberechenbarer Gegner

Nun zählen die Punkte doppelt…

3:0 gegen Unterhaching war ein Aufgalopp – Frankfurt ist jetzt um ein Vielfaches stärker

Der 3:0-Sieg gegen Kellerkind Unterhaching ist abgehakt, jetzt bricht die Zeit der Wochentagsspiele an. Und die haben es in sich: Zum zweiten Heimspiel in kurzer Folge gastieren an diesem Mittwoch (19 Uhr) zunächst die United Volleys Frankfurt in der Gellersenhalle. Eine Woche später müssen die LüneHünen zu den Berlin Recycling Volleys, am 25. Februar, einem Donnerstag, nach Bühl zum vielleicht alles entscheidenden Duell um die Playoff-Teilnahme. Doch auch das anstehende Match gegen Frankfurt ist eines, in dem die Punkte quasi doppelt zählen – im kommentierten Live-Stream wieder auf sporttotal.tv zu sehen und zu hören.

Frankfurt 3, Berlin 2 – und das nach einem 0:2-Satzrückstand. Derart ließen die Hessen am Wochenende aufhorchen und unterstrichen noch einmal, wie schwer einzuschätzen sie in dieser Saison sind. Das liegt in erster Linie an durchgängig immensen Verletzungsproblemen, die die Bildung einer fast komplett neuen Mannschaft noch erschwerten. Gerade einmal zwei Spieler waren – auch Corona geschuldet – im Sommer aus dem alten Kader übrig geblieben. Unter den Neuen waren dann neben namhaften Transfers auch eine Handvoll Youngster aus dem nahen Internat. Und da United dann im Saisonverlauf noch mit weiteren Zugängen nachlegte, stehen nun 17 Spieler (!) im Aufgebot.

Noah Baxpöhler freut sich auf die Rückkehr

Einer der ersten, die in der Sommerpause am Main unterschrieben hatten, war Nationalspieler Noah Baxpöhler, zurück in der Bundesliga nach einem einjährigen Abstecher beim französischen Erstligisten Toulouse. Davor war der Mittelblocker bekanntlich zwei Jahre lang sehr erfolgreich und bei den Fans beliebt ein LüneHüne. Jetzt kehrt der 27-Jährige also erstmals zurück. „Ich freue mich sehr, zurück in meine alte Heimat zu kommen und alte Gesichter und vor allem Freunde wiederzusehen. Es wäre allerdings um so schöner gewesen, wenn das Spiel vor Zuschauern stattgefunden hätte,“ schreibt er dazu.

Mit Leon Dervisaj kommt noch ein Spieler, der kurz das SVG-Trikot trug. Er ist einer von den Neuen, die im Saisonverlauf noch verpflichtet wurden. Dazu zählen auch zwei argentinische Nationalspieler mit Rodrigo Quiroga im Außenangriff und Facundo Imhoff im Mittelblock und ferner Außenangreifer Jonas Reinhardt vom Zweitligisten Mainz. Denn im Außenangriff hat Frankfurt die meisten Sorgen, da bekommt von den Youngstern Linus Hüger regelmäßig Einsatzzeit. Und dorthin wich auch schon mehrmals der Diagonale Daniel Malescha aus. Für den spielte dann wiederum Ikone Jochen Schöps auf Diagonal.

Auch für diese Personalrochaden sind Verletzungen die Ursache. Denn eigentlich hat Außen Tim Grozer einen festen Platz, fehlte aber zuletzt wegen Knie- und davor schon länger wegen Fuß-Problemen. Nur noch selten und kurz kam in den letzten Wochen Mittelblocker Jakob Günthör zum Zug, ihn plagt wie schon zu Friedrichshafener Zeiten der Rücken. Und der belgische Nationalteam-Zuspieler Nummer 1, Matthias Valkiers, ist wegen einer Bandscheiben-Operation schon ganz außer Gefecht.

Trotz Verletzungsproblemen ist United klar im Aufwind

Trotz allem haben sich die Hessen aus den zunächst unteren Regionen der Tabelle mittlerweile auf Platz 4 vorgearbeitet, gewannen fünf ihrer letzten sechs Spiele (13 Punkte) und stehen drei Zähler besser da als die SVG. Und im Pokalfinale stehen sie ja am 28. Februar auch. Das belegt, welche Qualitäten in diesem Team stecken, das nicht mehr vergleichbar ist mit dem von der SVG 3:1 gewonnenen Hinspiel. „Ohnehin ist ja nicht einfach zu sagen, wer bei denen spielt – und wo“, verweist SVG-Chefcoach Stefan Hübner auf die ständig wechselnde Starting Six beim Gegner. Das erleichtert zudem wohl nicht gerade das Videostudium. „Das geht aber ohnehin nicht ins kleinste Detail“, erwidert Hübner, „die Spieler können auch das ein oder andere spontan und selbst auf dem Feld regeln.“

Und durch nun schon vier Siege in fünf Spielen in diesem Jahr ist die Brust der Lüneburger ohnehin breiter geworden. „Die Jungs trainieren gut, haben eine gute Energie. Es passt soweit alles“, beschreibt Hübner die Stimmungslage, mal abgesehen vom Fehlen der verletzten Dalton Solbrig und Konrad Thole, und will die Bedeutung des Matches gar nicht kleinreden: „Das sind die Spiele, die für die endgültige Tabelle ausschlaggebend sein können.“ Ebenso ist auch Noah Baxpöhler bewusst, dass ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel ansteht: „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe sein und zudem auch ein sehr wichtiges Spiel für die Playoffs – dafür wollen wir Frankfurter auf jeden Fall punkten.“ Es wird aus SVG-Sicht auf jeden Fall spannender als zuletzt.

BUNDESLIGASPIELE ZUSAMMENGEFASST

Der Frankfurter Sieg gegen Berlin war  DAS  Ergebnis des Spieltags, davon profitierten aber auch die powervolleys Düren, die auf Platz 2 kletterten und neben der eigenen Wochenend-Ausbeute von 6 Punkten und 6:0 Sätzen auch die vorzeitige Vertragsverlängerung um zwei Jahre von Trainer Rafal Murczkiewicz feierten.

Vorerst wieder aus den Playoff-Plätzen 1 bis 8 herausgefallen ist KW-Bestensee. Die Netzhoppers haben aber die bis 8. Februar verlängerte Transferperiode genutzt und auf den letzten Drücker noch einen Zuspieler verpflichtet, weil Stamm-Spiellenker Byron Keturakis erneut von Rückenproblemen geplagt wird. Als Ersatz für ihn kam aus der polnischen PlusLiga Kamil Droszynski (AZS Olsztyn). Dieser feierte gegen Düren bereits sein Debüt.

Corona bedingt abgesagt wurde das Friedrichshafener Spiel gegen Giesen.

Alle Begegnungen des Wochenendes:

SVG Lüneburg – TSV Unterhaching 3:0
(25:16, 25:21, 25:19)
71 Min., 0 Zuschauer
MVP: Craft – Petrusic
Scorer: Craft (16), Lindberg (14), Pörner (10), Krage, Schlien (je 6), van Solkema (2), Peemüller (1) – Topuzliev (15), Petrusic (10), J. Sagstetter (8), Zahar (3), Suck, B. Sagstetter, Thom (je 1)

Netzh. KW-Bestensee – powervolleys Düren 0:3
(13:25, 21:25, 17:25)
69 Min., 0 Zuschauer
MVP: Ratajczak – Ernastowicz
beste Scorer: Jackson (10), Allik (9), Westphal (6) – Gevert (13), Ernastowicz, van Berkel (je 11)

United Volleys Frankfurt – Berlin Volleys 3:2
(21:25, 20:25, 25:23, 25:23, 15:10)
123 Min., 0 Zuschauer
MVP: Schmidgall – Brehme
beste Scorer: Malescha (17), Imhoff (12), Baxpöhler, Schmidgall, Quiroga (je 11) – Patch (25), Michelucci, Tuia (je 14), Brehme (12)

Bisons Bühl – WWK Volleys Herrsching 0:3
(14:25, 24:26, 21:25)
71 Min., 0 Zuschauer
MVP: Gallas – Mantha
beste Scorer: Gallas (16), Kronthaler (10), Stöhr (7) – Matha (14), Penrose (12), van der Ent (10)

VC Olympia Berlin – powervolleys Düren 0:3
(19:25, 17:25, 18:25)
68 Min., 0 Zuschauer
MVP: John – Burggräf
beste Scorer: John (16), Röhrs (8), Schulz (3) – Schumann (14), Ireland (10), Ernastowicz (8)

NEWS AUS DER SZENE

Bittere Pille für Friedrichshafen

Es ist wieder Zeit für die Champions League, aber die Freude ist nicht ungetrübt. Im Pool E sollte Friedrichshafen eigentlich Gastgeber für das Rückrunden-Turnier zum Einzug ins Viertelfinale sein – und hat sich nun selbst die Zuschauerrolle verordnet. Nachdem drei Spieler und der komplette Trainerstab positiv auf das Covid-19-Virus getestet wurden, zog sich der VfB von einer Teilnahme zurück. Das Tunier findet aber dennoch jetzt am Bodensee statt, nun nur noch mit Karlovarsko/Tschechien, Novosibirsk/Russland und Trentino/Italien. Jeder aus dem Trio bekommt die Punkte vom VfB kampflos. Im Pool C mit den Berlin Recycling Volleys muss Wegiel wie schon beim Hinspiel-Turnier wegen zweier Corona-Fälle im Team auf eine Teilnahme verzichten. Alle drei Spiele der Polen werden mit 3:0 für die Gegner gewertet. Berlin trifft somit nur noch auf Ljubljana (Dienstag) und auf Gastgeber Kasan (Mittwoch).

In der Champions League der Frauen haben der SSC Schwerin und der MTV Stuttgart das Viertelfinale verpasst. Beide wurden in der Gruppenphase in ihren Pools Dritte, konnten bei den Rückspiel-Turnieren jeweils nur eines von drei Spielen gewinnen. Die Europacup-Wettbewerbe der Frauen laufen damit gänzlich ohne deutsche Beteiligung weiter.

***

Der ehemalige LüneHüne und Weltklasse-Beachvolleyballer Julius Thole hat im Olympiajahr die erste Spielpraxis gesammelt, startete beim international besetzten Indoor-Turnier „Nations Clash“ in Düsseldorf – in vier Matches allerdings mit Dan John (Schüttorf) für seinen eigentlichen Partner Clemens Wickler, der zunächst wegen Kniebeschwerden aussetzte und dann noch für zwei weitere Matches einstieg. Heraus kam nach je 3 Siegen und Niederlagen letztlich Platz 4.

Stark in der Annahme, sicher im Abschluss mit 16 Punkten - Will Craft war der Mann des Abends beim SVG-Sieg

Souveräner Heimsieg

Glatter Gang zum nächsten Dreier

Mit Will Craft steht mal ein anderer Spieler im Mittelpunkt

So leicht wird es in dieser Saison nicht wieder: Mit einem 3:0 (25:16, 25:21, 25:19)-Erfolg gegen den TSV Unterhaching buchten die LüneHünen die im spannenden Ringen um die Playoff-Teilnahme dringend benötigten drei Punkte, verließen den undankbaren 9. Platz wieder und kletterten in der Tabelle auf Rang 6. Ein Pflicht-Dreier angesichts der noch ausstehenden Aufgaben bis zum Ende der Hauptrunde. Schon am kommenden Mittwoch, erneut in der Gellersenhalle, wartet mit Frankfurt ein ganz anderes Kaliber. Die Hessen verteidigten gerade Platz 4 mit einem 3:2-Triumph gegen Meister Berlin.

SVG lässt von Beginn an nichts anbrennen

„Vor allem mit dem Start war ich sehr zufrieden. Die Jungs hatten die richtige Einstellung, sind das sehr konzentriert angegangen und haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, lautete das Fazit von Chefcoach Stefan Hübner, der mit Will Craft noch einen Spieler herausstellte: „Er hat das wirklich gut gemacht. Und ich freue mich, dass er auch MVP geworden ist und heute mal im Mittelpunkt steht. Denn Will geht sensationell mit seiner Rolle um. Er hat ja bisher nicht viel Spielanteile bekommen, aber er ist wirklich immer, bei jedem Spiel und in jedem Training, gut gelaunt und immer voller positiver Energie,“ drückte er seine Wertschätzung für den 27-Jährigen aus.

Craft bekam eine Chance statt des geschonten SVG-Topscorers Jordan Ewert und fiel nicht nur – wie berichtet – mit neuem Äußeren (Glatze) auf, sondern auch mit einer rundum starken Leistung. Nach Libero Tyler Koslowsky bekam Craft die meisten Bälle in der Annahme (59% positiv) und überzeugte da ebenso wie im Angriff, wo er 12 seiner 16 Chancen zu Punkten machte (75%). Mit zusätzlich drei Blocks und einem Ass kam der US-Boy so auf 16 Punkte als bester SVG-Scorer und erhielt am Schluss verdient und von den Teamkameraden gefeiert die goldene MVP-Medaille.

Der Mann des Abends war auch sofort voll da, sammelte schon im Eingangssatz 8 Punkte, darunter bei einer Aufschlagsserie das Ass zum 7:3. Kaum nach stand ihm der erneut starke Viktor Lindberg (7), der alle Varianten seines Repertoires ausspielte. So standen die Süddeutschen zunächst auf verlorenem Posten und drohten Mitte des Satzes unterzugehen: Block Michel Schlien, Block Craft, Block Schlien – innerhalb kurzer Zeit war das Ergebnis auf 16:8 gestellt. Dieser Vorsprung wuchs dann weiter.

Zu wenig Gegenwehr für eine Überraschung

Zu Durchgang zwei kamen die Gäste mit einer veränderten Aufstellung, u.a. mit neuem Zuspieler (Eric Paduretu) und neuen Diagonalangreifer, Juro Petrusic, der später auch ihr MVP wurde. Insgesamt 10 Punkte sammelte er noch bei einer guten Quote von 62% und war so zweitbester Scorer seines Teams hinter dem schon in den letzten Wochen starken Simeon Topuzliev (15). In der Abwehr und Annahme stellte der 16-jährige Libero Leonard Graven sein Talent unter Beweis. Für eine Überraschung in der Gellersenhalle war das alles aber zu wenig. Nach der zweiten technischen Auszeit ging es erst von 9:8 auf 12:8, dann von 14:12 auf 17:12. Spätestens, als Craft die längste Rallye des Spiels mit dem 20:15 abschloss, war auch dieser Satz gelaufen.

„Dann haben wir etwas den Faden verloren, haben nicht mehr so gut angegriffen und sind etwas hektisch geworden“, monierte Trainer Hübner die nächsten Minuten, „aber die Jungs haben ja wieder die Kurve gekriegt.“ Zeitweise führte Unterhaching mit zwei Punkten, die Unordnung im SVG-Spiel zeigte sich auch, als einmal Zuspieler Gijs van Solkema als dritter Mann in der Kette zum Schmettern gezwungen wurde. Doch nach der technischen Auszeit (7:8) brachte erst ein entschlossener Lindberg, dann ein noch entschlossenerer Jannik Pörner die LüneHünen wieder auf Kurs. Pörner punktete nach einem 12:12 dreimal in Folge, zweimal mit Bällen, die abgewehrt an der Hallendecke landeten – was ja dann bald in der neuen Arena wegfällt… Als dann auch Craft noch einmal mit vier von fünf verwandelten Angriffen, darunter ein Pipe, aufdrehte, war das 3:0 unter Dach und Fach.

SVG: Lindberg, Krage, Pörner, Craft, Schlien, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Peemüller, Gerken.

Bloß nicht stolpern heißt für die SVG am Wochenende das Motto gegen Unterhaching

Favoritenrolle bestätigen

Leichtsinn ist fehl am Platz

SVG-Auftakt zu einem strammen Februar-Programm

Mit sechs Spielen an 22 Tagen hat es der Monat Februar in sich für die SVG Lüneburg. Vier Auftritte davon sind Heimspiele, vor allem da gilt es, fleißig Punkte für eine Teilnahme an den Playoffs zu sammeln. Und gleich der Auftakt an diesem Sonnabend (19 Uhr) in der Gellersenhalle gegen den TSV Unterhaching soll und muss den nächsten Dreier bringen, um wieder in diese Tabellenzone vorzudringen. Denn derzeit steht Platz 9 zu Buche und genau dort schaut man am Ende in die Röhre, wenn am letzten Hauptrunden-Spieltag unter sechs ziemlich gleichwertigen Teams fünf Tickets für die entscheidende Saisonphase verteilt werden.

„Die Tabelle ist derzeit so ein bisschen wie die Börsenkurse, die ändern sich auch andauernd. Da muss man jetzt nicht ständig hinschauen“, gibt sich Chefcoach Stefan Hübner unbeeindruckt von den Schwankungen von Runde zu Runde. „Für uns geht es einfach darum, unsere Leistung abzurufen und gut zu spielen, den Schwung zu halten, mit dem wir in dieses Jahr gegangen sind.“ Das gelang nach zunächst drei Siegen zuletzt beim 0:3 in Düren nicht mehr ganz so gut. „Das waren jeweils bis zur Crunchtime offene Sätze, dann hat Düren, unter anderem mit Aufschlagstärke, abgeliefert, als sie mussten. Wir haben ihnen das erlaubt – das müssen wir künftig wieder besser machen“, weiß der Trainer.

Unterhaching besser als derzeitiger Tabellenstand

Denn auch gegen den kommenden Gegner gilt es, die Konzentration hochzuhalten und das Zusammenspiel im Team weiter zu entwickeln. Die Bilanz der Bayern sollte nicht zu Leichtsinn verführen. Zwar holten sie erst zwei Punkte durch ein 3:2 bei VCO Berlin, doch irgendwann werden sie einem Etablierten eine unliebsame Überraschung bereiten. Denn die Leistungen dieses Mixed-Teams aus vielen Youngstern und einigen wenigen Routiniers werden stabiler. Die Sätze enden zunehmend knapper, gelegentlich springt auch ein Satzgewinn heraus. So auch im Hinspiel beim 3:1-Erfolg der LüneHünen. Trainer Patrick Steuerwald, ein ehemaliger Zuspieler, der früher auch ein paar Länderspiele zusammen mit Stefan Hübner bestritt, arbeitet akribisch daran, das Team zu entwickeln und die Talente zu fördern.

Als größtes Versprechen auf die Zukunft gilt derzeit der noch 16-jährige Libero Leonard Graven. Insgesamt acht Spieler gehören den Jahrgängen 2000 bis 2004 an, meist aus dem Münchner Umland. Denn der TSV, der zu früheren Zeiten viele Stars verpflichtete, hat sich nun nach der Bundesliga-Rückehr dem Motto „local heroes“ verschrieben. Die Talente sollen sich dabei in Ruhe entwickeln, zumal der Abstieg in dieser Saison ausgesetzt wurde. So wird in Unterhaching den Fortschritten der Youngster mehr Beachtung geschenkt als der Platzierung, spielen die Routiniers nur noch wenig. Die Tabelle ist ohnehin etwas trügerisch. Die SVG ist die einzige Mannschaft mit nur 13 Spielen, hinkt also ohnehin etwas hinterher. Die Konkurrenten haben teils schon 15, das Führungsduo Friedrichshafen/Berlin sogar 16. So bringt es tatsächlich wenig, den derzeitigen Rang als alleinigen Maßstab zu nehmen. Sicher ist aber: Mit einem Dreier jetzt steigen die Chancen auf die Playoffs.

Wichtige drei Punkte für die Playoff-Teilnahme

Nach den Verletzungen von Dalton Solbrig (Saison-Aus) und Konrad Thole (Comeback-Termin ungewiss) wird die SVG nun auf dem Transfermarkt nicht mehr tätig, obwohl die VBL die Transferliste wegen der Corona-Krise ausnahmsweise über den üblichen Januar hinaus bis zum 8. Februar geöffnet hält. Ein Last-Minute-Wechsel war ja bezüglich eines Mittelblockers noch eine Überlegung, da diese Position nur noch mit zwei Spielern besetzt ist. „Alles, was wir national angedacht und versucht haben, hat nicht funktioniert. Und international werden wir, schon aus finanziellen Gründen, nichts versuchen“, hat Hübner dieses Thema ad acta gelegt.

Bei der Übertragung des Live-Streams auf sporttotal.tv werden einige Fans vielleicht dennoch stutzen, weil sie glauben, in der SVG-Mannschaft ein unbekanntes Gesicht zu sehen – es handelt sich dann um Außenangreifer Will Craft. Der US-Amerikaner hat sich für eine gute Sache eine Glatze schneiden und rasieren lassen. Craft wollte mit dieser Aktion aufmerksam machen auf Kinder, die wegen Krebsbehandlungen ihre Haare verloren haben. In den USA gibt es die St. Baldrick’s Foundation, die Spenden zur Unterstützung von Wissenschaftlern sammelt, die an besseren Behandlungsmethoden für krebskranke Kinder arbeiten und nach Heilmitteln forschen. Diese Stiftung unterstützte nun Craft mit seiner Aktion, die schulterlangen Haare zu opfern. Mehr als 2100 US-Dollar an Spenden kamen zusammen.

Volleyball Bundesliga