
SVG geht als Erster in die Playoffs
Starke Reaktion auf zähen Start: LüneHünen gewinnen 3:1 in Karlsruhe
Dieser letzte Spieltag der Hauptrunde hielt, was sich die Bundesliga-Fans wohl erhofft hatten: Nach gleichzeitigem Start lagen am Ende nur wenige Minuten zwischen den beiden für die Tabellenspitze entscheidenden Partien: Erst machte Verfolger Berlin im engen Finish einen 3:1-Sieg in Herrsching klar. Dann nagelte auch die SVG ihre Tabellenführer-Position fest, sicherte sich einen 3:1 (21:25, 25:21, 25:15, 25:19)-Sieg bei den Baden Volleys SSC Karlsruhe. Die LüneHünen treffen im anstehenden Playoff-Viertelfinale nun auf die WWK Volleys Herrsching (Beginn der Serie am Samstag, 28. März, Tickets im Online-Shop).
Doch vor dem Jubel nach 102 Spielminuten war für die Lüneburger erneut ein echter Arbeitseinsatz gefragt. Die Hausherren ließen sich von der guten Stimmung der 1095 Zuschauer anstecken, schüttelten die für ihre Tabellenposition fehlende Relevanz ab und zeigten lange einen guten Auftritt zum Saisonausklang.
“Karlsruhe hat sehr gut gespielt, hat sehr gut angefangen, ist viel Risiko im Aufschlag und Angriff eingegangen”, zollte Stefan Hübner dem Auftritt der Gastgeber Respekt. “Dieser Mut ist belohnt worden. Daher war es kein einfacher Start. Da war es wichtig, dass wir geduldig geblieben sind. Wir haben den Rhythmus gewechselt, das hat gutgetan.”
Baden Volleys mit starkem Start
Der Chefcoach hatte die Start-Sechs gegenüber dem Spiel gegen den VCO Berlin gleich auf fünf Positionen geändert. Während den LüneHünen beim Start vorerst der Schwung fehlte, legten die Hausherren gut los, kamen vor allem mit dem Diagonalangreifer und Badener Saison-Topscorer John Obi immer wieder durch und waren auch reaktionsschnell in der Abwehr. Fast durchweg lag Karlsruhe mit einem Punkt vorn (8:7, 13:12, 16:15, 19:18), hatte bereits vor der Crunchtime mehr Effizienz im Angriff (63:41 %). Danach holten sich die Gastgeber das Momentum: Obi stellte mit seinem achten Punkt auf eine Drei-Punkte-Führung (21:18). Auch eine SVG-Auszeit konnte Karlsruhe nun nicht mehr stoppen: Ein Aufschlagfehler von Axel Enlund – der erste auf SVG-Seite im Spiel! – markierte den Karlsruher Satzgewinn.
Chefcoach Hübner reagierte auf den zähen Start, wechselte zum zweiten Satz Christopher Byam, Cole Young und Daniel Gruvaeus ein. Doch zunächst war Geduld gefragt. Das Lüneburger Spiel lief jetzt zwar schon flüssiger, doch erneut hielten die Gastgeber gut mit (3:3, 8:8, 16:16). Beim 17:16 lag Karlsruhe sogar noch einmal vorn, doch nach einer Auszeit zeigte die SVG eine starke Reaktion. Jackson Howe avancierte zu “Mister Momentum”, holte mit einem Angriff und zwei Blocks gleich drei Punkte in Folge, nach einem Gruvaeus-Angriff lag die SVG klar vorn (17:20). Das Howe-Dreierpack riss auch die Kollegen mit: Byam punktete doppelt, Young legte mit einem Block und zwei Angriffen drei Punkte drauf, machte dabei auch mit seiner wuchtigen Aktion in der Mitte den Satzausgleich klar (21:25).
Im dritten Satz holte sich die SVG schnell die Führung (3:4, 4:6). Als Karlsruhe noch einmal heran kam, machte Ethan Champlin per Pipe-Angriff die Hoffnungen zunichte (8:10). Es folgten starke Block-Moment von Howe gegen Obi und den eingewechselten Alexander Benz (9:13). Vor allem Obi blieb weiter gefährlich, doch die SVG hatte nun gute Lösungen. Bei Gruvaeus’ Pipe (13:18) nahm Baden-Volleys-Coach Guido Görtzen schon die zweite Auszeit. Längst war Champlin auf Touren gekommen, machte beim 14:20 schon seinen fünften Punkt des Satzes. Auch Howe baute seine Bilanz aus, kam nach einem weiteren Block gegen Benz (15:23) auf starke fünf Blockpunkte allein im dritten Abschnitt. Ein Karlsruher Abwehrfehler markierte den SVG-Satzgewinn und zog den Strich unter eine Fünf-Punkte-Serie der Gäste.
SVG spielt ihre Dominanz aus
Im vierten Satz machte die SVG ihre Favoritenrolle endgültig deutlich, setzte sich früh klar ab (2:8), lag durch eigene Aktionen und auch zwei, drei Karlsruher Fehler fast schon uneinholbar vorn (3:10). Eine Aufschlagserie von Champlin brachte fünf Punkte in Folge – mittendrin schon die zweite Karlsruher Auszeit mt einem erkennbar frustrierten Coach: “Schlagt doch mal zurück – das sieht schrecklich aus!”, hielt Görtzen seinem Team entgegen. Doch die SVG hatte nun richtig Dampf, Champlin ließ der Auszeit ein Ass folgen (5:14). Mit dem Neun-Punkte-Vorsprung im Rücken wechselte Hübner, brachte Libero Joris Backhaus und Zuspieler Neo Laumann, auch Enlund kam wieder aufs Feld. Der junge Schwede feierte per Punkte-Doppelpack einen guten Einstieg (15:22, 15:23). Auch Backhaus sicherte sich einen starken Moment, holte mit einer “Pancake”-Rettungstat den ersten Matchball (15:24). Jetzt ging die SVG-Konstanz nochmal kurz verloren, Karlsruhe feierte mit einem Obi-Block sowie Ass und Angriff von Eli Irizarry (19:24) eine Mini-Aufholjagd. Irizarry gehörte dann aber auch der entscheidende Moment: Sein Aufschlagfehler besiegelte den SVG-Erfolg.
“Wir hatten die Geduld, der Gegner konnte das Niveau dann zum Ende auch nicht halten”, fasste Hübner den Sieg-Lauf der SVG zusammen – und freute sich über das starke Hauptrunden-Ergebnis: “Der 1. Platz … sensationell! Das erste Mal für den Verein. Das ist schon cool, so eine reguläre Saison mit nur zwei Niederlagen. Da wurde die Konstanz des Teams belohnt. Und jetzt gehen wir weiter mit Schwung in die nächsten Aufgaben.”
Als MVP wurde Zuspieler Santeri Välimaa gekürt. Bester Scorer war John Obi (24 Punkte), die beste Bilanz auf Lüneburger Seite holten Ethan Champlin (17) und Jackson Howe (15). Am Spielende hatten die Gäste auch die Angriffsbilanz zu ihren Gunsten gedreht (52:47 Prozent Quote), mit Champlin, Howe und Byam lag gleich ein Trio deutlich über 50 Prozent. Stark auch die Blockbilanz: 14:3 Punkte waren hier ein Schlüssel zum Erfolg, Howe (acht Blockpunkte) zeigte einen Glanzauftritt. Auch in der Annahme lag die SVG klar von, hatte eine Positiv-Quote von 58 Prozent (Karlsruhe: 38 Prozent), eine Perfekt-Quote von 31 Prozent (Karlsruhe: 9 Prozent).
SVG: Champlin, Kunstmann, Välimaa, Elser, Howe, Enlund – Takahashi; eingewechselt: Larsen, Byam, Young, Gruvaeus, Laumann, Backhaus
(gm)
Weitere Stimme zum Spiel
Cole Young (SVG-Mittelblocker): “Es fühlt sich großartig an, nach einem schweren Spiel heute die Nummer Eins der Liga zu sein. Ein paar von deren Jungs haben ein starkes Spiel gemacht, wir haben ihnen dann eine Schlacht geliefert und uns durchgesetzt. Ihre Aufschläge waren hart, aber unsere Annahme war richtig gut. Auch die Fans in der Halle waren gut drauf, haben viel Stimmung gemacht. Das bringt manchmal Teams von der Rolle, aber auch das haben wir gut hinbekommen. Als es drauf ankam, waren wir fokussiert. Auch, als wir nochmal ein paar Punkte abgegeben haben, hatten wir den nächsten Punkt klar im Blick. Jetzt freuen wir uns auf den CEV-Cup … und dann geht’s ab in die Playoffs!”