
Machtdemonstration gegen Dachau
LüneHünen beim 3:0 mit starkem Auftritt
Diese SVG ist einfach nicht zu stoppen: Trotz eines intensiven Spielpensums und der jüngsten Reisestrapazen nach dem CEV-Cup-Spiel in Poitiers zeigten sich die LüneHünen im Heimspiel gegen den ASV Dachau erneut von ihrer besten Seite. Mit 3:0 (25:13, 25:12, 25:12) setzte sich die SVG vor 3200 Fans in der ausverkauften LKH Arena durch. Und das in nur 60 Spielminuten – dem kürzesten Spiel der bisherigen Saison.
“Wir waren unglaublich fokussiert und konzentriert, sind am Ende in einen Rausch gekommen”, war Stefan Hübner nach dem Spiel beeindruckt vom souveränen Auftritt seines Teams.
Der Chefcoach hatte sein Team gegenüber dem Spiel in Poitiers auf drei Positionen geändert, brachte unter anderem Axel Larsen in der Starting Six. Dass im Spielverlauf weitere Wechsel folgten, änderte am Gesicht des makellosen SVG-Auftritt nichts. Die LüneHünen zogen ihr Spiel dominant durch und zeigten – trotz des deutlichen Vorsprungs – ein echtes Volleyball-Feuerwerk.
SVG ist schnell im Flow
Sorgen um den ersten Satzgewinn waren schnell verflogen. Die SVG baute ihren Vorsprung von Spielbeginn an immer weiter aus (4:2, 8:5, 11:6). Mit viel Druck auf die Gäste und viel Einsatz des gesamten Teams in der Abwehr ließ die SVG Dachau nicht ins Spiel kommen. Und selbst, als nach einer intensiven Rally mit starker Rettungstat von Sho Takahashi der Punkt an die Gäste ging (13:8), feierten die Fans in der Arena ihr Team für seinen Einsatz – und auch Coach Hübner freute sich euphorisch mit.
Spätestens, als Larsen zweifach per Ass punktete (15:8, 17:8), war die SVG völlig im Flow. Jetzt kamen nicht nur Neo Laumann und Axel Enlund ins Spiel, sondern auch Shane Holdaway. Der Mittelblocker feierte damit nach monatelanger Verletzungspause sein Heimdebüt im SVG-Trikot – ein emotionaler Moment mit viel Applaus von den Fans.
Ihm und seinen Kollegen gelang jetzt faktisch alles: Joscha Kunstmann knallte einen Angriff rein, Ethan Champlin legte ein Ass nach – 22:11. Ein Aufschlagfehler von Luca Russelmann besiegelte nach nur 20 Minuten den ersten Satzgewinn der SVG. Und der fiel überaus dominant aus, wie 50:15 Prozent positive Annahme und 59:18 (!) Prozent Angriffsquote belegten.
Auch im zweiten Satz ließ die SVG nichts anbrennen, legte stark los. Nach zwei weiteren Larsen-Assen nahm Dachau-Coach Patrick Steuerwald eine Auszeit, doch die bremste die Hausherren nicht. Sechs Punkte in Folge holte sich die SVG, es folgte eine frühe zweite ASV-Auszeit. Der Niveauunterschied wurde nun sehr deutlich, Steuerwald war sichtlich unzufrieden mit dem Auftritt seines Teams. Das kam weiter nicht ins Spiel und nur kurzzeitig zu Entlastung: Liga-Topscorer Marius Büchi brachte den Ball im Briefkasten unter, machte damit seinen zweiten Punkt des Spiels (12:6). Kurz nach einem Ass von Jackson Howe war der SVG-Vorsprung aber schon auf zehn Punkte gewachsen (16:6).
Trotz des klaren Vorsprungs warfen sich die Hausherren stark in jeden Ball, die Abwehr um Libero Sho Takahashi holte auch so manch “unrettbaren” Ball noch – ein Auftritt, den die Fans nach tollen Aktionen immer wieder euphorisch feierten. Und auch das Team hatte Spaß, immer wieder huschte nach guten Momenten ein Lächeln über die Gesichter der SVG-Cracks. Die 2:0-Satzführung machte Shane Holdaway klar, der den Ball zum Aus in den Dachauer Block knallte.
12:0-Start belegt Dominanz der Hausherren
Richtig deutlich wurde der dominante SVG-Auftritt im dritten Satz. Mit einer Aufschlagserie von Santeri Välimaa setzten sich die Hausherren ab – er bestritt fast den halben Satz von der Linie, musste erst nach dem 12:1 wieder rotieren. Doch hinter der schieren Zahl steckte noch mehr, denn die LüneHünen holten ihre Punkte auch mit sehenswerten Aktionen, etwa einem Välimaa-Ass oder zwei Blocks in Folge von Howe (8:0). Schon beim 10:0 war Hallenmoderator Dirk Böge beeindruckt: “Das hatten wir hier noch nie”, nahm er die Fans in einen besonderen SVG-Moment mit.
Zur Satzmitte kam auch Zweitspielrecht-Youngster Joris Backhaus ins Spiel, wurde beim Weg aufs Feld ebenso bejubelt wie Holdaway. Howe markierte sein zweites Ass (16:2) – und eine Crunchtime fiel angesichts der SVG-Dominanz aus. Selbst mit einer Blocktouch-Challenge punkteten die Hausherren noch (22:8), hatten um 17:38 Uhr schon ihren ersten Matchball. Ein Dachauer Aufschlagfehler (25:12) ließ Team und Fans schließlich über den 24. Sieg im 26. Saisonspiel jubeln.
“Der Gegner war sicher nicht so gut drauf heute. Aber wir haben auch super diszipliniert gespielt. Sho hat unglaubliche Bälle gespielt, Santi war stark auf der Position 1 … Es war einfach schwer, gegen uns Punkte zu machen”, fasste Chefcoach Hübner das Spiel im Anschluss zusammen.
Als MVP wurde Libero Sho Takahashi gekürt, der viele Bälle stark abwehrte und auf 75 Prozent perfekte Annahme kam. Topscorer war Ethan Champlin. Der Außenangreifer holte 13 Punkte – nur etwas weniger als die Gäste, die auf nur 16 Punkte aus eigenen Aktionen kamen.
SVG: Kunstmann, Välimaa, Larsen, Howe, Byam, Champlin – Takahashi; eingewechselt: Elser, Holdaway, Laumann, Enlund, Backhaus
(gm)
Weitere Stimmen zum Spiel
Santeri Välimaa (SVG Lüneburg): “Ich bin stolz auf unser Team. Wir haben einen großartigen Charakter gezeigt, haben vom Start weg viele Bälle stark verteidigt und eine richtige gute Einstellung gezeigt. Aber das ist auch etwas, das gewachsen ist. Am Saisonanfang waren wir gegen die Teams aus dem unteren Tabellenbereich noch nicht so gut, aber jetzt haben wir gelernt und verstanden, wie wir da auftreten müssen, wenn es nicht Rzeszow oder Berlin ist. Das ist jetzt aber keine Botschaft an andere – wir kümmern uns um unser Level, sollten uns nicht Gedanken darüber machen, was andere Teams tun. Wenn wir auf unserem Niveau spielen, können wir gegen jeden in dieser Liga gewinnen. Das sollten wir im Bewusstsein haben – und unser Level einfach dort halten, wo es gerade ist.”
Patrick Steuerwald (Chefcoach ASV Dachau): “Auf der einen Seite ist es menschlich verständlich, dass die letzte Spannung raus ist. Nichtsdestotrotz ist das nicht der Anspruch, den wir haben, auch nicht der Anspruch, den die Jungs haben. Lüneburg hat es natürlich gut gemacht, auch verdient in dieser Deutlichkeit gewonnen, weil wir nicht gut ins Spiel gefunden haben. Lüneburg hat uns gleich am Anfang auch den Zahn gezogen. Unser Fokus muss jetzt sein, dass wir die Saison nicht so beenden wollen – und das wäre unseres Saisonverlaufes auch nicht würdig. Jetzt müssen wir am nächsten Samstag ein anderes Gesicht zeigen, deutlich fokussierter, energetischer, mit mehr Power und Willen auftreten.”
Shane Holdaway (SVG Lüneburg): “Ich habe noch nie in meiner Volleyball-Karriere so viel Druck gespürt, als ich zu einem Aufschlag reinkam (lacht). Und dann auch noch ohne Vorwarnung. Aber das war einfach nur ein guter Moment. Der Klub, die Stadt, die Leute hier – jeder hier zeigt so viel Unterstützung. Dieser ganze Prozess war einfach ein unfassbarer Berg an Unterstützung, die ich hatte. Wenn 3200 Leute aufstehen und dich anfeuern, wenn Du zum Aufschlag gehst … ich hatte zwei Gedanken: Entweder haust Du das Ding voll rein und lässt sie mit einem Ass völlig ausflippen – aber vielleicht klappt’s auch nicht -, oder ich sauge den Moment auf, treffe die richtige Entscheidung fürs Team und mache den Aufschlag. Ich hab’ mich für den Moment entschieden und glaube, das war gut so.”