Der Block stand auch wieder im Nordderby gegen Giesen

Wichtige Punkte durch Derbysieg

Diese zwei Punkte sind Gold wert

3:2 gegen Giesen ein großer Schritt Richtung Playoffs

Im seit langem erbitterten Ringen um die Playoff-Teilnahme ist die SVG Lüneburg der Gewinner des Wochenendes. Während die Rivalen Bühl und KW-Bestensee leer ausgingen, landete die SVG den neunten Saisonsieg gegen einen weiteren Konkurrenten. Dass das 3:2 (16:25, 25:22, 25:18, 21:25, 15:12) gegen die Giesen Grizzlys dazu ein Erfolg im stets prestigeträchtigen Nordderby war, war dieses Mal aber nur ein Nebenaspekt. Viel wichtiger waren die Punkte, die Chefcoach Stefan Hübner frohlocken ließen: „Für die Playoffs sieht es jetzt für uns nicht so schlecht aus.“ Bei nun fünf Zählern Abstand auf Platz 9, der das Aus nach der Hauptrunde am 6. März bedeutet, ist allerdings noch längst nicht alles klar, zumal das Restprogramm noch zwei Vergleiche gegen Spitzenreiter Friedrichshafen bereit hält. Zuvor aber geht es am Donnerstag nach Bühl.

Das, was am Sonnabend in der Gellersenhalle zu sehen war, bezeichnet man in der heutigen Sportlersprache als „dreckigen Sieg“, wahrlich nicht schön anzusehen. Der SVG kann es egal sein, zwei wichtige Punkte sind auf dem Konto. Am Mittwoch zuvor war es nur einer nach einer starken, auch spielerisch sehr ansehnlichen Vorstellung beim 2:3 in Berlin. Dieses Match hatte zwar dem ohnehin gewachsenen Selbstvertrauen nochmal einen Schub gegeben. Doch davon war gegen Giesen zunächst nichts zu sehen, eher Nervosität angesichts der Bedeutung dieses Derbys prägte anfangs das Geschehen.

Nicht schön, aber erfolgreich als Fazit

Im ersten Satz fand die SVG schlicht nicht statt. Der schnelle Rückstand (2:5) schwoll geradezu bedrohlich bis auf zehn Punkte an (7:11, 7:14, 12:18, 12:22), die Grizzlys nahmen die LüneHünen regelrecht in die Zange und punkteten durch den Diagonalen Hauke Wagner und Außen Stijn van Tilburg (je 7) fast nach Belieben. „Im ersten Satz war unsere Abwehr sehr schlecht, da waren wir noch nicht wach“, musste Hübner konstatieren und versuchte eine Erklärung: „Man darf nicht vergessen, dass unser Kader seit Wochen von 12 auf 10 Spieler geschrumpft ist und wir quasi alle drei Tage spielen. Das geht an die Substanz, das merkt man jetzt schon hier und da. Deshalb ein Riesenkompliment an die Jungs, wie sie dieses Spiel noch gedreht haben.“

Der Startpunkt dazu war ein erhöhter Aufschlagdruck im zweiten Satz, den Viktor Lindberg mit einem Ass eröffnete. Gijs van Solkema (zum 8:6) und der nach dem ersten Satz für Jannik Pörner eingewechselte Richard Peemüller (12:11) ließen später noch zwei Asse folgen, bei insgesamt 25 Aufschlägen gab es nur zwei Fehler. Zudem kam Jordan Ewert zunehmend auf Touren (5 Punkte) und der Block packte nun schon fünfmal zu. Da Giesen aber nun verstärkt das 1. Tempo über Mittelblocker Magloire Mayaula einsetzte, bog die SVG erst spät auf den Erfolgspfad ein, als sie aus einem 18:20 ein 21:20 machte. Und dann stach wie schon zuletzt zum Satzgewinn in Berlin der Joker: Der gerade eingewechselte Will Craft sorgte für das vorentscheidende 24:21.

Van Solkema mit Aufschlagserie und Schlien-Blocks in Serie

Die Mannen um Libero Tyler Koslowsky, der viele Meter machte und längst verlorene geglaubte Bälle noch rettete, schienen wieder in der Spur und beherrschten Satz 3 klar. Zumal Zuspieler van Solkema nun auch zu Schnellangriffen servierte und zudem eine Aufschlagserie mit Wirkung inklusive seines zweiten Asses hinlegte. Und dann gab es da ja noch Monster-Blocker Michel Schlien, der wieder einmal insgesamt sieben direkte Punkte (plus 4 im Angriff) auf sein Konto buchte, 5 allein in diesem Satz. Die Führung war gerade von 16:14 auf 20:14 angewachsen, da packte der Kapitän zweimal in Folge zu. Und dann legte er beim 24:18 und 25:18 noch zweimal nach.

Doch der Niedersachsenrivale gab noch lange nicht klein bei, neues Personal sorgte für neuen Schwung, das Match blieb völlig offen, die Führung wechselte oftmals hin und her, obwohl bei den Hausherren Lindberg (6), Ewert und Peemüller (je 4) zuverlässig punkteten. Beim 17:15 durch ein Lindberg-Ass sah es noch gut aus für die SVG, doch dann drehte Giesen das Ergebnis auf 18:19 und gab die Führung nicht mehr her. Der eingewechselte Jacob Kern sorgte schließlich für den Tiebreak – mit einem Ass per Netzroller, insgesamt das vierte Ass der Gäste auf diese Art. Das passte zu einem rundum merkwürdigen Spiel wie die Unterbrechung beim 17:17, als ein Teil des Lichtes erlosch, weil sich jemand gegen den Schalter lehnte; oder eine längere Pause schon im ersten Satz, als der PC am Schreibertisch abstürzte; oder auch viele strittige Bälle und emotionale Diskussionen.

Jordan Ewert läuft im Tiebreak nochmal heiß

Sei’s drum, auf dem Feld wurde weiter hart gearbeitet, die Teams schenkten sich nichts. Als es zum Tiebreak aufs Feld ging, wirkte einer besonders entschlossen: Jordan Ewert. Und der 23-Jährige, letztlich mit 21 Punkten wieder einmal bester Scorer der LüneHünen, bei dem man ja nie weiß, auf was aus seinem vielfältigen Schlagrepertoire er beim nächsten Angriff zurückgreift, wurde von dem Mitspielern noch einmal heiß gemacht. 3:3, 5:4, 6:4, 7:4 – diese vier Punkte setzte der US-Amerikaner dem Gegner allein bis zum letzten Seitenwechsel (8:7) ins Feld. Als Florian Krage und Gijs van Solkema dann auch noch zwei Asse auspackten und die SVG 11:8 führte, war die Vorentscheidung gefallen. Ewert blieb es vorbehalten, den Deckel drauf zu machen – geradezu wütend im zweiten Versuch, nachdem er im ersten noch geblockt wurde. MVP wurde aber Peemüller (16 Punkte), bei den Gästen Mittelblocker Pearson Eshenko mit 7 Zählern und einer starken Angriffsquote von 78%. Mehr Punkte sammelten jedoch, wie fast immer bei Giesen, Wagner (22) und van Tilburg (20).

„Das sind zwei wichtige Punkte gegen einen guten Gegner, der nie aufgegeben hat – schon ein echter Playoff-Fight, in dem schon zu sehen war, dass wir in der heißen Phase der Hauptrunde sind. Für uns geht es jetzt wegen der vielen Spiele mit kleinerem Kader auch darum, gut zu regenerieren und trotzdem den Rhythmus und das Niveau zu halten, um weitere Punkte zu sammeln“, freute sich Hübner, dass die Erfolgsbilanz der letzten Wochen eine Fortsetzung fand.

SVG: Schlien, van Solkema, Lindberg, Krage, Pörner, Ewert, Koslowsky; eingewechselt: Peemüller, Gerken, Craft.

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