Weiter, immer weiter scheint Traner Stefan Hübner seine Mannen anzufeuern

Keine Zeit für hängende Köpfe

Beim 2:3 in Berlin lag für die LüneHünen eine noch größere Überraschung in der Luft

„Wir haben gar keine Zeit, den Kopf hängen zu lassen“, lautete das Gebot der späten Stunde am Mittwochabend für Chefcoach Stefan Hübner nach dem über weite Strecken großartigen Auftritt bei den Berlin Volleys. 2:3 (25:23, 25:19, 20:25, 19:25, 14:16) hatte die SVG Lüneburg verloren und dabei nach einer 2:0-Satzführung und einem Matchball im dramatischen Tiebreak den neunten Saisonsieg nur haarscharf verpasst. Doch schon geht es nun weiter: An diesem Sonnabend (19 Uhr), zu verfolgen im kommentierten Live-Stream auf sporttotal.tv, kommen die TSV Giesen Grizzlys in die Gellersenhalle.

Was hätte das für ein Riesenschritt in die Playoffs werden können in der Max-Schmeling-Halle, wo die LüneHünen nur 2018/19 schon mal mit einem 2:3 einen Zähler ergattern konnten. „Mit dem Spiel selbst war ich sehr zufrieden, das Ergebnis wünscht man sich natürlich besser“, resümierte Hübner. Und Mittelblocker und MVP Florian Krage traf wohl in einem Kurz-Interview nach dem Match den Nagel auf den Kopf: „Im ersten Moment ist das sehr ärgerlich. Aber in zwei Stunden sieht das schon wieder anders aus. Es freut einen immer, einen Punkt mitzunehmen, vor allem in dieser Halle. Und hier zu gewinnen, ist enorm schwer, eben selbst bei einer 2:0-Führung.“

SVG gibt dem Favoriten lange viele Rätsel auf

Möglich aber war ein Sieg dieses Mal und wäre auch nicht unverdient gewesen. Denn in den ersten beiden Sätzen stellte eine glänzend aufgelegte SVG den Champions-League-Viertelfinalisten vor viele Rätsel, legte zunächst mal ein 4:1 vor und blieb auch couragiert, als Berlin ein 5:6 drehte und sein 7:6 bis auf 14:9 ausbaute. Besonders Richard Peemüller war im Eingangssatz kaum zu halten, sammelte 6 Punkte. Sein Pendant im Diagonalangriff, Ben Patch, schien dagegen am SVG-Block zu verzweifeln, punktete nur dreimal und blieb dann erst einmal auf der Bank, als ihn der gerade eingewechselte Will Craft zum 25:23-Satzball geblockt hatte. Wie schon vermehrt in den letzten Spielen hatten die LüneHünen wieder einmal in der Crunchtime zugepackt, waren beim 20:19 endlich wieder in Führung gegangen und hatten diese nicht mehr hergegeben.

In Durchgang zwei steigerten sich die Gäste dann sogar noch, Zuspieler Gijs van Solkema verteilte die Bälle äußerst variabel. Viktor Lindberg kam jetzt richtig in Fahrt (7 Punkte), Jordan Ewert (6) wurde noch durchschlagskräftiger als im ersten Satz, im Block packten die LüneHünen weiterhin effektiv zu. Zudem passte die Annahme um Libero Tyler Koslowsky ebenso wie die Feldabwehr, sodass viele lange Rallys an die SVG gingen. Über eine 8:6-Führung bei der ersten und 16:12 bei der zweiten technischen Auszeit wuchs der Vorsprung bis auf 6 Punkte (22:16). Und als der eingewechselte Jannik Pörner eine Mega-Rally inklusive Fußabwehr von Sergey Grankin mit dem 24:19 abschloss, war klar: Auch dieser Satz ging an den Außenseiter.

„In den ersten beiden Sätzen waren wir sehr gut, haben nahezu alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Aber dann hat Berlin den Aufschlagdruck erhöht und wir sind in der Annahme geschwommen“, blickte Hübner später auf den ersten Wendepunkt zurück. Für den höheren Aufschlagdruck sorgte vor allem der neu gekommene Eder – wohl dem, der einen Olympiasieger zwei Sätze lang draußen lassen kann. Der Brasilianer servierte mit Wirkung, sodass der zurückgekehrte Patch immer wieder veredeln konnte (8 Punkte).

Zwei Ex-LüneHünen bringen Berlin in die Spur

Zudem hielten zum SVG-Leidwesen auch die ehemaligen Mitspieler Cody Kessel und Anton Brehme ihr bis dahin gezeigtes Niveau und waren maßgeblich am Umschwung beteiligt. Als die SVG einen 14:16-Rückstand auf 17:16 umdrehte, keimte kurz Hoffnung auf ein schnelles Ende auf, doch Berlin war jetzt voll im Rhythmus. Und als die Gastgeber zweimal in Folge Peemüller geblockt hatten und der gleich noch einen Angriff versemmelte, war beim 21:18 alles wieder gerade gerückt. Brehmes Block gegen Ewert zum 25:20 sorgte schließlich für den vierten Satz.

Dort legte Patch weiter zu, hämmerte 9 Punkte bei einer Quote von 88% ins Feld und ließ mit seiner Sprungkraft selbst den SVG-Blocks kaum noch eine Chance. Da zudem Brehme (5 Punkte) mit seinen Schnellangriffen ein ums andere Mal zuschlug, war schnell klar: Der Abend dauert noch länger – und kann im Tiebreak kaum gut für die Gäste enden. Doch, oh Wunder: Die LüneHünen kamen mit Macht zurück. Jetzt holte Ewert noch einmal alles heraus (7 Punkte). Beim letzten Seitenwechsel führte die SVG 8:6, steckte dann auch weg, dass Berlin einen 8:10-Rückstand in ein 11:10 umdrehte, konterte auf 13:11 und hatte beim 14:13 Matchball – den Kessel abwehrte. Als der gerade eingewechselte Youngster Robin Baghdady im Block den nächsten Ewert-Angriff kassierte und Peemüller seinen nächsten Schmetterball ins Aus setzte, war auch die Hoffnung auf zwei Punkte geplatzt.

Die SVG spielte mit: van Solkema, Lindberg, Krage, Peemüller, Ewert, Schlien, Koslowsky; eingewechselt: Pörner, Gerken, Craft.

Auch gegen Giesen wieder ein 6-Punkte-Spiel

Nun kommen also am Sonnabend die Giesen Grizzlys – weit mehr als ein Prestige trächtiges Nordderby wie sonst. Mit vier Punkten weniger rangieren die Hildesheimer seit Mittwochabend auf Platz 9, als sie erstmals seit 8 Spielen beim 1:3 gegen Bühl leer ausgingen. Sonst gab es immer mindestens einen Punkt, unter anderem im Hinspiel (3:2) und gegen Berlin (2:3). Schon insgesamt 7 Tiebreak-Matches haben die Gäste absolviert, ein Zeichen, wie kampfstark sie sind. Schließlich wurde als Saisonziel auch die erstmalige Teilnahme an den Playoffs ausgegeben.

Die Chancen darauf haben in erster Linie der Diagonale Hauke Wagner und Außenangreifer Stijn van Tilburg, beide Woche für Woche die besten Scorer und auch unter den Top 10 der Bundesliga, erhalten. Nun aber wird es eng für die Grizzlys, die es aber in drei von vier Matches gegen direkte Konkurrenten noch in eigenen Händen haben, für ein Happyend zu sorgen. Wie sagte doch SVG-Coach Hübner gerade wieder? „Jedes Spiel ist jetzt wie ein Endspiel.“ Das trifft unverändert auf alle Teams der Plätze 4 bis 9 zu.

MITTWOCHSPIELE ZUSAMMENGEFASST

Die mit vier Dreiern – darunter gegen die Berlin Volleys – so fulminant in die Saison gestarteten Bisons Bühl, Tabellenführer nach dem 4. Spieltag, haben den freien Fall gestoppt. Das 3:1 am Mittwochabend in Hildesheim bei den Giesen Grizzlys ließ die Schwaben Platz 9 wieder verlassen. Ein Kurz-Comeback feierte dabei ihr argentinischer Topscorer Tomas Lopez mit zwei Einwechselungen nach langer Verletzungspause.

Das Internatsteam VC Olympia Berlin beendete die Saison bereits mit einem 0:3 daheim gegen KW-Bestensee, das mit diesen fest eingeplanten Punkten die SVG auf Rang 7 verdrängte, aber schon zwei Matches mehr ausgetragen hat

 Berlin Volleys – SVG Lüneburg 3:2
(23:25, 19:25, 25:20, 25:19, 16:14)
119 Min., 0 Zuschauer
MVP: Brehme – Krage
Scorer: Patch (26), Kessel (15), Brehme (14), Tuia (8), Eder (7), Grankin, Michelucci (je 4), Moraes (2), Baghdady (1) – Ewert, Lindberg (je 19), Krage (13), Peemüller (12), Schlien (7), Pörner (4), Craft (1)

TSV Giesen Grizzlys – Bisons Bühl 1:3
(25:22, 20:25, 24:26, 23:25)
105 Min., 0 Zuschauer
MVP: Wagner – Jurkovis
beste Scorer: Wagner (20), van Tilburg (16), Mayaula (12) – Kronthaler (21), Gallas (18), Jurkovics (14)

VC Olympia Berlin – Netzh. KW-Bestensee 0:3
(20:25, 23:25, 20:25)
87 Min., 0 Zuschauer
MVP: John – Weir
beste Scorer: Röhrs, John (je 14), Schulz (5) – Weir, Mönnich (je 12), Goralik (9)

NEWS AUS DER LIGA

Das für diesen Sonnabend vorgesehene Match Frankfurt gegen den VfB Friedrichshafen, auch als Übertragung im Free-TV auf Sport1 geplant, musste abgesagt werden. Die Häfler, die wegen sechs Coronafällen (3 Spieler und das Trainerteam) in der letzten Woche aus der Champions League aussteigen mussten, sind nach der nötigen Quarantäne gerade erst wieder mit den nicht betroffenen Spielern ins Training eingestiegen. Für die positiv Getesteten endet die Quarantäne am Wochenende, dann folgen weitere Tests und medizinische Checks, bevor auch sie wieder ins Training dürfen.

Schon die dritte Vertragsverlängerung melden die powervolleys Düren, Mittelblocker Tim Broshog hat um ein Jahr verlängert. Der 33-Jährige geht dann in seine 6. Saison in Düren.

Dürens nächstes Spiel gegen Bühl läuft an diesem Sonnabend ab 18 Uhr als Live-Spiel im Free-TV auf Sport1 gleich im Anschluss an das Match Dresden – Wiesbaden aus der Frauen-Bundesliga (ab 16.25 Uhr).