Viktor Lindberg war mit 18 Punkten bester Scorer der SVG gegen Friedrichshafen

Die Luft ist (erstmal) raus…

Friedrichshafens Minimalaufgebot zementiert Platz 1

Die Chance schien groß wie selten, gegen den VfB Friedrichshafen big points zu holen und die gute Ausgangsposition für die Playoffs noch zu veredeln. Doch stattdessen ist der gerade erst eroberte vierte Platz schon wieder weg, nachdem die LüneHünen im letzten Heimspiel der Hauptrunde als Verlierer müde das Feld verlassen haben. Ein 1:3 (22:25, 24:26, 25:18, 17:25) in diesem Nachholspiel noch aus der Hinrunde stoppte die Serie der SVG, die bei den letzten fünf Auftritten stets gepunktet hatte. Da gleichzeitig Herrsching gewann und in der Tabelle wieder vorbeizog, läuft es nun Platz 5 oder 6 als Startpunkt ins Viertelfinale hinaus.

Dabei schien alles angerichtet für einen erfolgreichen Abend: Ein durch die letzten Erfolge selbstbewusster Gastgeber sah sich überraschend einem nur zu Acht angereisten, gebeuteltem Kontrahenten gegenüber, den die Zwangspause durch eine 14-tägige Corona-Quarantäne inklusive Champions-League-Verzicht aus dem Tritt gebracht hatte. Beim Comeback in der Halle zwei Tage zuvor musste der VfB Kräfte zehrend über fünf Sätze gehen (3:2 gegen Giesen) und hatte zudem noch die weitere Anreise als die SVG, die gleichzeitig 3:0 in Bühl triumphiert hatte.

Bei den Süddeutschen fehlten unter anderem der erste Zuspieler Dejan Vincic, der erste Libero Markus Steuerwald, die Top-Außenangreifer Martti Juhkami und Nicolas Marechal sowie die Mittelblocker Nehemiah Mote und David Fiel, die zuletzt meist eingesetzt worden waren. Wegen Trainingsrückstand oder verletzt waren sie gar nicht erst in den Bus gestiegen. Und dann blieb auch noch Linus Weber, die große deutsche Hoffnung im Diagonalangriff, der eine großartige Saison spielt, als einziger Auswechselspieler draußen.

Nur 8 von 14 Mann zeigen ihre Klasse

Doch alle Hoffnungen der SVG, ihr Punktekonto weiter aufstocken zu können, bekamen schnelle Dämpfer. Marcus Böhme und Joe Worsley setzten mit Assen gleich ein Zeichen. Ähnlich druckvoll ging es weiter, bei der ersten technischen Auszeit stand es 3:8, bei der zweiten 13:16. Die SVG brauchte offenbar mal wieder eine Anlaufzeit, nur Michel Schlien schien schon hellwach und stemmte sich mit drei direkten Blockpunkten wirkungsvoll entgegen – plus einem Schnellangriff hielt er sein Team immerhin im Spiel, trotz weiterer Asse der Gäste (3).

Als Jordan Ewert mit einem Pipe auf 19:20 verkürzte, schien die SVG langsam im Spiel. Doch das war noch zu fehlerhaft. Zudem wurde der sonstige Punktesammler gerade in engen Situationen, Ewert, vom VfB mit Aufschlägen eingedeckt und in der Annahme gebunden. Und auch Viktor Lindberg drehte erst später auf. Er wurde zunächst einmal beim Satzball zum 22:25 vom eingewechselten Weber geblockt.

Durchgang zwei, eröffnet von einem Lindberg-Ass, lief dann wesentlich besser. Die LüneHünen verbesserten sowohl ihre Annahme- als auch Angriffs-Quote erheblich und machten so den Schlagabtausch offener – gegen einen Kontrahenten, bei dem Weber-Ersatz Lukas Maase nun herausragte (8 seiner 11 Punkte). Immer häufiger kam auch Rares Balean Außen zum Abschluss und in der Mitte punktete Arno van de Velde, dem aber auf der anderen Seite des Netzes ein nun sehr präsenter Florian Krage entgegenstand (5 von insgesamt 8 Punkten). Zeitweise lag die SVG drei Punkte vorne, doch der Gegner ließ sich nicht abschütteln. Und nach dem 22:20 kippte das Geschehen sogar (22:23). Nach einem tückischen Aufschlag von Böhme auf Richard Peemüller hieß es dann 24:26 und 0:2 nach Sätzen.

Die SVG kämpfte aber – dieser dezimierte Gegner musste doch ins Wanken zu bringen sein. Lindberg ging voran, wurde nun von Zuspieler Gijs van Solkema immer häufiger gesucht und bestätigte das Vertrauen. Mit hier 8 von insgesamt 18 Punkten glänzte der spätere Topscorer. Bei den Häflern war nun Weber von Beginn an für Maase im Spiel, zündete aber noch nicht, schenkte vielmehr zwei sicher scheinende Punkte her, als er relativ unbedrängt ins Aus schmetterte: 17:15, 18:15. Ein Ball von Worsley ins Netz kam noch dazu, da zeichnete sich der kommende Satz vier ab. Den machte Lindberg mit drei seiner gefürchteten Hammer-Aufschlägen, allesamt Asse, zum Abschuss perfekt.

Böses Erwachen nach Feuerwerk

Was nach diesem Feuerwerk allerdings folgte, war ein böses Erwachen. Die Gäste gingen 4:1 in Führung und ließen sich auch nicht durch eine frühe Auszeit von Stefan Hübner und durch den Wechsel von Will Craft für Ewert und bald darauf Hannes Gerken für van Solkema stoppen. Über 8:1 und 16:7 bei den technischen Auszeiten zogen die Häfler bis auf zehn Punkte beim 21:11 davon. Zuspieler Worsley, der auch eine Aufschlagserie hinlegte, setzte immer wieder Weber (9 von insgesamt 14 Punkten) in Szene, zudem spielte er vermehrt das erste Tempo über Arno van de Velde. Der belgische Nationalspieler, im VfB-Quartett der Mittelblocker im Saisonverlauf oft hintendran, schlug so noch sechsmal zu (plus einem Block) und wurde mit 16 Punkten Topscorer seines Teams. Als MVP wurde aber Worsley, hinter dem fehlenden Vincic die Nummer 2, ausgezeichnet. MVP der SVG wurde Krage.

SVG-Chefcoach Stefan Hübner hatte sein Fazit schnell parat: „Die Jungs sind platt. Deshalb überhaupt kein Vorwurf. Wir sind schon länger am Limit mit unserer dünnen Personaldecke und den vielen Spielen im Februar, dazu die Rückkehr aus Bühl Freitag früh – heute ging einfach nicht mehr.“ Sprach’s und spendierte seinen Mannen zwei weitere Tage zum Ausspannen außer dem freien Sonntag. Der Einwand, dass ja auch Friedrichshafen schwere Wochen und eine lange Busreise in der Nacht zu Freitag in den Knochen hatte, galt insofern nicht wirklich, als dass der Spitzenreiter eben auch eine ganz andere Tiefe in seinem 14-Mann-Kader mit fast ausschließlich Nationalspielern hat.

SVG: van Solkema, Lindberg, Krage, Peemüller, Ewert, Schlien, eingewechselt: Pörner, Gerken, Craft