Die SVG Lüneburg hat derzeit viel zu Jubeln

Mit Playoff-Ticket noch nicht satt

Punktekonto soll gegen Friedrichshafen weiter wachsen

Die Saisonverlängerung mit dem Einzug ins Playoff-Viertelfinale ist für die SVG Lüneburg perfekt, nun geht es darum, sich die bestmögliche Ausgangsposition zu verschaffen und so die Chance zu erhöhen, das Ende noch ein Stück weiter nach hinten hinauszuschieben. Platz 4 steht seit dem 3:0 (25:19, 25:17, 25:19)-Erfolg bei den Bisons Bühl am Donnerstag zu Buche – der Optimal-Fall, mehr geht nicht mehr. Um ihn zu festigen, müsste das Konto aber noch aufgestockt werden. Am besten nun gleich im letzten Heimspiel der Hauptrunde. Zu dem kommt an diesem Sonnabend (19 Uhr) der VfB Friedrichshafen in die Gellersenhalle, zu verfolgen auf sporttotal.tv im kommentierten Live-Stream.

Die LüneHünen gönnten ihren Fans mal einen entspannten Abend, buchten ihren 10. Saisonsieg in Bühl cool und souverän. Nur im Eingangssatz sah es eine zeitlang so aus, als könnte es Probleme geben. Die Süddeutschen, erstmals wieder nach langer Verletzungspause mit dem im Hinspiel so starken Argentinier Tomas Lopez in der Starting Six, begannen mutig und engagiert, nahmen sicher an, blockten gut und verwandelten ihre Angriffe konsequent – 8:5 bei der ersten und 16:13 bei der zweiten technischen Auszeit. Die SVG nahm es gelassen hin und drehte an einigen Stellschrauben der Verbesserung.

Nach dem 18:14 für Bühl kam bei der SVG Gijs van Solkema zum Aufschlag und legte eine starke Serie hin. Alejandro Kolevich, Coach der Badener, versuchte mit zwei Auszeiten gegenzusteuern, vergeblich. Erst beim 18:22 setzte van Solkema ein Service ins Aus, doch danach legte die SVG noch drei Punkte drauf, insgesamt ein 10:1-Lauf zum Satzgewinn, den Jordan Ewert nach einem Hammer-Aufschlag von Viktor Lindberg perfekt machte.

10:1-Lauf Ausgangspunkt für entspannten Abend

Was folgte waren zwei Sätze, in denen die Gäste nichts mehr anbrennen ließen und unaufgeregt ihr Spiel durchzogen, auch wenn zwischenzeitlich der meist komfortable Vorsprung mal wieder schrumpfte. Die Annahme um Libero Tyler Koslowsky (64%) war stabil, in ihr war meist Lindberg (60% positiv) beschäftigt, kam daher im Angriff nicht wie zuletzt zum Zuge. Kein Problem: Richard Peemüller auf Diagonal und die Mittelblocker lieferten mit Quoten von 50% an aufwärts – und Ewert sowieso. Er war mit 19 Punkten (Quote 62%) mal wieder bester Scorer und wurde auch MVP.

Hinzu kam ein erneut vorzügliches Blockspiel, bei dem dieses Mal Florian Krage die meisten Punkte machte (4, dazu 6 im Angriff und ein Ass). Im Service hielten sich die Fehler in Grenzen, nur 8 im gesamten Match. Es lief eben einfach. In Durchgang zwei wuchs der Vorsprung zunächst auf 6:2, dann ging es über 8:5, 12:7, 16:12 und 20:15 in die Crunchtime. Und da sorgte van Solkema für ein Highlight, als er dem Gegner einen Ball mit der Hinterhand ins Feld zauberte statt ihn einem Angreifer zuzuspielen. Erneut Ewert nach einem Lindberg-Aufschlag mit Wirkung machte den Satz zu.

Die Hausherren versuchten es in Abschnitt drei mit einigem neuen Personal, besonders Simon Gallas brachte nochmal Schwung und wurde sogar noch MVP, zu sehr aber wollte die SVG den schnellen Sieg, führte lange klar (8:5 und 16:12) und konnte noch eine Schippe drauflegen, als es plötzlich nochmal eng wurde (15:16). Schnell war der alte Abstand wieder hergestellt (16:19), zwei Angriffe Bühls ins Aus beendeten das Match und ließen der SVG nicht einmal mehr Zeit, noch Auswechselungen vorzunehmen. „Es lief ja auch, und vorher wollte ich durch unnötige Wechsel keine Unruhe reinbringen“, drückte Chefcoach Stefan Hübner seine ganze Zufriedenheit aus. Und er bilanzierte: „Nach dem 10:1-Lauf Ende des ersten Satzes haben wir unheimlich bissig weitergespielt und Bühl nie wirklich eine Chance gelassen, wieder reinzukommen.“

SVG: van Solkema, Lindberg, Krage, Peemüller, Ewert, Schlien, Koslowsky; eingewechselt: keiner.

Letztes Hauptrunden-Heimspiel gegen Friedrichshafen

Und nun geht es, nur 48 Stunden später, sofort weiter, wenn sich an diesem Sonnabend (19 Uhr) der VfB Friedrichshafen erneut vorstellt. Ende November waren die Häfler schon einmal zum Pokalspiel hier und setzten sich 3:0 durch, wenn auch in zwei der drei Sätze erst in der Verlängerung. Dieses Duell jetzt ist ein Nachholspiel aus der Hinrunde, eine Woche später ist der VfB dann am Bodensee erneut der Gegner. Zwei Aufgaben, die vor kurzem noch alles andere als Bonusspiele waren, zu dominant war der VfB durch die Saison marschiert.

Doch dann wurden die Süddeutschen von Corona ausgebremst. Sechs positive Fälle (3 Spieler und das komplette Trainerteam) sorgten für Quarantäne und eine 14-tägige Pause. Erst seit einer Woche läuft der Trainingsbetrieb wieder, beim Comeback am Donnerstagabend tat sich der VfB schwer gegen Giesen (3:2). Immerhin aber scheinen alle Spieler gesund. Doch vor der weiten Fahrt zur SVG war ein enges 5-Satz-Match sicher nicht das Wunschergebnis.

Doch auch für die SVG sind es gerade harte Wochen, es wartet jetzt das sechste Spiel in 22 Tagen zum Abschluss des Monats Februar. Wie sagte doch kürzlich schon Kapitän Michel Schlien? „Das ist jetzt zwar ein anstrengendes Programm. Aber ich will mich nicht beklagen. Das hat Friedrichhafen ja auch. Und wir konnten im Gegensatz zu denen wenigstens trainieren. So aus dem Rhythmus gerissen zu werden, ist ja auch nicht einfach.“

NACHHOLSPIELE ZUSAMMENGEFASST

Die Erfolgsserie Dürens hält an, die powervolleys sind auf dem besten Weg, als Tabellenzweiter in die Playoffs einzuziehen. Ein 3:0 gegen Herrsching war der sechste Sieg ohne Satzverlust in Serie. Da sollte das letzte Match gegen Unterhaching nur noch eine Formsache sein. Dahinter braucht Frankfurt, spätestens im direkten Duell gegen Bühl am letzten Spieltag, theoretisch noch einen Punkt für das Playoff-Ticket.

Die Begegnungen aus dieser Woche:

Bisons Bühl – SVG Lüneburg 0:3
(19:25, 17:25, 19:25)
73 Min., 0 Zuschauer
MVP: Gallas – Ewert
Scorer: Kronthaler (10), Vaskelis (7), Lopez (6), Gallas, Jurkovics (je 5), Szabo (3), Henning (2), Stöhr (1) – Ewert (19), Peemüller (13), Krage (11), Lindberg (8), Schlien (5), van Solkema (2)

VfB Friedrichshafen – TSV Giesen Grizzlys 3:2
(25:22, 26:28, 25:23, 23:25, 15:12)
130 Min., 0 Zuschauer
MVP: Weber – Eshenko
beste Scorer: Weber (29), Juhkami (24), Balean (12), Mote (10) – Wagner (24), Menner, van Tilburg (je 15), Eshenko (11)

powervolleys Düren – WWK Volleys Herrsching 3:0
(25:21, 25:19, 27:25)
84 Min., 0 Zuschauer
MVP: van Berkel – J. Tille
beste Scorer: Gevert (15), Brand, van Berkel (je 11) – Mantha (14), Penrose (11), van der Ent (8)

NEWS AUS DER SZENE

Um in der Champions League ins Halbfinale vorzustoßen, brauchen die Berlin Volleys wohl ein Wunder. Das Viertelfinal-Hinspiel in der Max-Schmeling-Halle gegen Itas Trentino ging 1:3 (19:25, 23:25, 28:26, 17:25) verloren, die international in dieser Saison noch ungeschlagenen Italiener waren vor allem stärker im Block und im Aufschlag und hatten im holländischen Diagonalen Nimir AbdelAziz den überragenden Akteur (28 Punkte). Bester Scorer bei Berlin war Timothee Carle (18). Im letzten Newsletter hatte sich übrigens ein Schreibfehler eingeschlichen: Diagonalangreifer Benjamin Patch hat bei den Berlinern nicht bis 2026 verlängert, sondern bis 2024.

Ganz neuer Pokalsieger gesucht

Showtime im DVV-Pokal: Am Sonntag werden in der Mannheimer SAP-Arena die diesjährigen Endspiele der Frauen und Männer angepfiffen, auch sie Corona bedingt ohne Zuschauer. Und erstmals seit gefühlten Ewigkeiten wird es dabei einen neuen Gewinner geben. Bei den Männern stehen mit den Netzhoppers KW-Bestensee und den United Volleys Frankfurt zwei Novizen vor dem Triumph.

Seit 1998 wird die Siegerliste dominiert von den Namen Friedrichshafen und Berlin, zwischendurch drang Haching in seiner Blütezeit in diese Phalanx ein, holte immerhin viermal den Cup (2009-2011 und 2013). Seit 2014 aber haben immer entweder Friedrichshafen oder Berlin als Pokalsieger im Konfetti-Regen gestanden. Nun also wird sich das ändern.

Die Netzhoppers brachten das Kunststück fertig, mit drei Tiebreak-Erfolgen nach Mannheim zu kommen – und jeweils nach einem 0:2-Satzrückstand. Auf ein 3:2 gegen Vorjahresfinalist Düren folgte ein noch überraschenderes 3:2 beim Titelverteidiger, bei den Berlin Volleys. Und dann folgte noch ein 3:2 gegen Herrsching. Ebenfalls durch ein Fünf-Satz-Match zog Frankfurt ins Finale ein, gewann 3:2 beim Rekord-Pokalgewinner VfB Friedrichshafen, der sich zuvor bei der SVG Lüneburg durchgesetzt hatte.

Beide Kontrahenten hatten zuletzt große Verletzungssorgen. Bei den Brandenburgeren wurde Routinier Dirk Westphal schon seit Wochen wegen Rückenproblemen Schonung verordnet und nur ganz wenig eingesetzt, noch länger und komplett fehlt sogar schon der monatelang überragende Zuspieler Byron Keturakis. Für ihn wurde wenige Stunden vor Schließung der Transferliste noch ein Ersatz verpflichtet: Der Pole Kamil Droszynski mit Erfahrung in der PlusLiga (Belchatow und Olsztyn). Im Pokalfinale ist er aber nicht spielberechtigt – das sind laut Regelwerk nur Spieler, die schon im Halbfinale zum Kader gehörten.

Beide Endspiele live im Free-TV

Diese Bestimmung trifft auf der Gegenseite auch auf Spät-Transfer Facundo Imhoff (Mittelblock) und auf Zuspieler Leon Dervisaj zu. Er, bis Ende November noch bei der SVG, wurde zum Jahreswechsel verpflichtet, als sich abzeichnete, dass der belgische National-Zuspieler Matthias Valkiers wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert werden muss. Immerhin haben die Hessen mit Mario Schmidgall noch einen erfahrenen Ersatzmann, während bei den Netzhoppers nur Grünschnabel Adrian Klooss als Ersatz zur Verfügung steht.

Eine Premiere gibt es schon vorab im Frauen-Finale (14.15 Uhr) an gleicher Stelle: Der SC Potsdam kämpft erstmals um den Cup, nachdem er im Halbfinale Vorjahresfinalist MTV Stuttgart ausgeschaltet hat. Gegner ist mit dem SSC Schwerin eine in vielen heißen Pokalfights erfahrene Mannschaft, bisher sechsfacher Gewinner (zuletzt 2019), der sich im Halbfinale gegen Titelverteidiger Dresdner SC durchsetzte. Beide Spiele werden live im Free-TV gezeigt. Sport1 beginnt die Übertragung um 14.15 Uhr mit dem Frauen-Finale und zeigt anschließend ab 17 Uhr das Männer-Finale.