Das war´s für die Volleyballer der SVG Lüneburg in ihrer ersten Bundesliga-Saison: Im Playoff-Halbfinale verlor das Team von Trainer Stefan Hübner am Mittwochabend auch das dritte Spiel der Best-of-5-Serie beim Rekordmeister VfB Friedrichshafen, zeigte dabei aber ihre bisher beste Leistung gegen diesen übermächtigen Gegner. 1:3 (17:25, 23:25, 25:22, 21:25) hieß es nach 105 Minuten Netto-Spielzeit aus SVG-Sicht, die die Genugtuung hatte, dem VfB nach dem 1:3 in der Hauptrunde auch nun in der Entscheidungsrunde erstmals einen Satz abgenommen zu haben – für den Titelanwärter der erste Verlust überhaupt in den Playoffs.

Trainer Stefan Hübner brachte wieder Carlos Mora Sabaté als Zuspieler in die Anfangsformation, auch der zuletzt kränkelnde Libero Erik Mattson hielt dieses Mal durch. Und vom ersten Ball an spielte im Außenangriff auch Nicolas Marks, der bisher gegen den Gegner vom Bodensee stets gefallen konnte. So auch am Mittwoch: Der 20-Jährige rechtfertigte erneut das Vertrauen, war stark in Annahme und Angriff und servierte auch sicher. Zu Recht wurde er am Ende zum MVP gewählt, kam auf starke 11 Punkte knapp hinter dem besten Scorer Tijmen Laane (12) und gleichauf mit Falko Steinke (11). Diese Werte belegen: Im Angriff hatten die Gäste insgesamt gute Zahlen.

„Ich bin heute richtig stolz auf die Jungs, dass sie nochmal so ein Spiel gemacht haben. Wir waren von Anfang an aggressiv und haben guten Volleyball gespielt“, strahlte Hübner am Ende. Rechtzeitig zur Live-Übertragung im Internet, erstmals bei einem SVG-Spiel mit Kommentar und einer 5-Kamera-Produktion inklusive Zeitlupen, riefen die Gäste noch einmal ihr ganzes Potenzial ab. Den Spielern war in jeder Aktion anzusehen, welchen Spaß sie noch einmal hatten. Der schien ihnen zwar im ersten Satz zu vergehen, doch dann kamen sie immer besser in ihren Rhythmus. Zunächst jedoch dominierte wieder Friedrichshafen. Wie gewohnt war der VfB im ersten Satz vor allem im Aufschlag eine Macht – hier besonders Baptiste Geiler. Der ließ später aber nach. Stark über das gesamte Match waren die Außenangreifer Geiler (17 Punkte) und Maarten van Garderen (15), nie kaltzustellen war in der Mitte Maximiliano Gauna (12) mit seinen Schnellangriffen. Dennoch hatte das Hübner-Team schon  in Durchgang zwei die Chance zum Satzgewinn, führte lange bis zum 22:21 und zwang VfB-Trainer Stelian Moculescu erstmals dazu, zwei Auszeiten zu nehmen. Mit 25:23 gingen die Süddeutschen knapp über die Ziellinie.

Die SVG konnte jedoch überraschend noch eine Schippe drauflegen, die Moral war nicht gebrochen. Mit vier Punkten führte sie schon bei der ersten technischen Auszeit, nach Friedrichshafens zwischenzeitlicher Aufholjagd gar mit fünf Zählern am Ende (18:23). „We are doing a good job today“ – wir machen heute einen guten Job, lobte Hübner seine Mannen bei der zweiten Auszeit, die Moculescu erneut nehmen musste, dieses Mal vergebens. In Abschnitt vier war der hohe Favorit dann wieder im Spiel zurück, lag stets in Führung und machte den Finaleinzug perfekt. Moculesco bilanzierte: „Lüneburg hat sehr gut verteidigt. Aber wenn man gegen einen Gegner auch schon fünfmal gewonnen hat, wird es schwierig im Kopf. Da lässt man zwangsläufig nach, das ist ein schleichender Prozess.“

von Holger Remus