Das ist kein Schmankerl á la Berlin oder Friedrichshafen – aber auch die Netzhoppers KW-Bestensee sind ein reizvoller Gegner für die Volleyballer der SVG Lüneburg im letzten Heimspiel des Jahres. Und die Brandenburger bringen einen der deutschen Stars schlechthin mit: Björn Andrae. Der 280-fache Ex-Nationalspieler am Sonnabend (20 Uhr, Gellersenhalle) soll die SVG jedoch nicht daran hindern, die nächsten drei Punkte einzusammeln.
Der 0:3-Dämpfer gegen United RheinMain, vor allem im dritten Satz (12:25), ist verdaut, „jetzt gilt es, wieder Fahrt aufzunehmen und gute und stabile Leistungen zu zeigen,“ schärft SVG-Trainer Stefan Hübner seinen Mannen die Sinne. „Wir haben nochmal zusammen Video geschaut, das Spiel ausführlich analysiert. United war außerordentlich gut, aber wir selbst müssen trotzdem einiges verbessern.“ Dass so etwas passieren kann, zeigte auch das Match zwischen Friedrichshafen und Bühl am Mittwoch, in dem Bühl im dritten Satz ebenfalls 12:25 unterging.
Hübner „Man kann verlieren, aber so wie im dritten Satz war das natürlich besonders schmerzlich – und sollte nicht so oft vorkommen. Die Jungs sind aber gut damit umgegangen, haben das nicht einfach so abgehakt, sondern sind gleich selbst in den Analyse-Modus gegangen. Zum Beispiel unser Angriffssystem, der Spielaufbau: Die Abstimmung war nicht gut, die Laufwege und das erste Tempo haben nicht gestimmt. Das war nicht das, was wir eigentlich spielen wollen. Aber im Laufe einer Saison schleichen sich manchmal solche Dinge ein. Zusammen haben wir daran gefeilt, dass das wieder besser wird.“
Womit noch nicht garantiert ist, dass das sofort fruchtet, schließlich sind die Gäste nicht zu unterschätzen. „Klar stehen die in der Tabelle hinter uns und haben noch nicht so viele Punkte. Sie haben aber schon gezeigt, das sie auch auf sehr gutem Niveau spielen und gegen die Mannschaften aus dem mittleren Bereich mithalten können. Was sie zum Beispiel gefährlich macht, ist, dass sie jederzeit eine Aufschlagserie hinlegen können. Und Björn Andrae sorgt natürlich für eine besondere Qualität“, urteilt Hübner über den Gegner. Der SVG-Coach bestritt viele seiner 245 Länderspiele an der Seite des Außenangreifers, nahm mit ihm zusammen auch an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teil.
Nach mehr als einem Jahrzehnt im europäischen Ausland kehrte Andrae vor der vergangenen Saison zurück, spielte unter Coach Moculescu in Friedrichshafen, der ihn schon im Jahr 2000 erstmals an den Bodensee gelotst hatte. Nun lässt der 35-jährige Berliner seine Karriere vor den Toren der Hauptstadt ausklingen. Er wollte in der Heimat endlich sesshaft werden, baut dort auch ein Haus. Nur so war es Underdog KW möglich, so einen Star zu verpflichten. „Für KW war das ein großer Schritt, um die Ära nach Rieke einzuläuten“, weiß Hübner.
Lediglich auf Durchreise war dagegen Nationalspieler Dirk Westphal, der noch vor dem ersten Punktspiel weiterzog, als er ein lukratives Angebot aus dem Iran bekam. In den vergangenen Jahren war Zuspieler Manuel Rieke das prägende Gesicht von Bestensee, er ist in die Trainerbranche gewechselt. Neuer Zuspieler ist der US-Amerikaner Taylor Hammond, neu ist auch Diagonalangreifer Filip Gavenda – der Slowake taucht im Ranking der Topscorer an Nummer 12 auf, hat also bestens eingeschlagen.
Da kommt also durchaus eine Aufgabe auf die SVG zu, die alles andere als leicht ist. Für die aber wohl der komplette 14-Mann-Kader zur Verfügung steht.