Jannik Pörner brachte sich so nach einigen mageren Wochen für die Playoffs nachhaltig in Erinnerung

LüneHünen haben Punktekonto und Selbstvertrauen nochmal aufgefrischt

Beim 2:3 in Friedrichshafen war sogar mehr drin

Das war nochmal ein dickes Ausrufezeichen, das die LüneHünen vor Beginn der Playoffs gesetzt haben: Erst zum zweiten Mal überhaupt in all den Jahren Bundesliga brachten sie etwas vom Bodensee mit, erkämpften sich einen Punkt mit einem 2:3 (21:25, 25:23, 23:25, 25:22, 9:15) beim VfB Friedrichshafen und sind damit nach der Hauptrunde Fünfte. Einen Rechenschieber war dazu wider Erwarten gar nicht mehr nötig. Frankfurt verlor überraschend in Bühl und konnte somit an Platz 5 der SVG nicht mehr rütteln. Und Herrsching auf Rang 4 vergrößerte seinen Drei-Punkte-Vorsprung mit einem Zähler in Berlin (2:3), sodass die SVG selbst bei einem klaren Erfolg auf ihrem Ausgangsplatz geblieben wäre. Somit kommt Herrsching nun am Mittwoch (19 Uhr) zum ersten Viertelfinale in die Gellersenhalle.

Nun gleich in den Playoffs gegen Herrsching

Der Druck war aber zunächst hoch, Kapitän Michel Schlien und seine Nebenleute wollten vor allem einem Duell mit Berlin aus dem Weg gehen und somit ein Absacken in der Tabelle auf jeden Fall vermeiden. So begannen sie nervös (0:4) und veranlassten Chefcoach Stefan Hübner zu einer schnellen ersten Auszeit. Nach der ersten technischen Auszeit (8:4) kamen sie langsam ins Match gegen einen Kontrahenten, der in einer völlig anderen Formation als eine Woche zuvor auflief. So war Stamm-Zuspieler Dejan Vincic wieder dabei, dazu auf Außen der französische Europameister Nicolas Marechal und der Este Martti Juhkami.

Die Akzente setzte zunächst wieder der Diagonale Linus Weber (6 Punkte). Zudem verteilte Vincic die Bälle gut, ließ die Angreifer auch per Schnellangriff und Pipe zum Zuge kommen. Bei der SVG hatten vor allem die erneut gut aufgelegten Jordan Ewert (7) und Viktor Lindberg (6) etwas entgegenzusetzen. Das war aber noch insgesamt zu wenig, um den Rekordmeister in Verlegenheit zu bringen. Näher als bis auf einen Punkt kamen die Gäste nie heran, und als es von 14:13 auf 19:13 ging, war der erste Satz verloren.

Abschnitt zwei begann ähnlich, 3:0, Auszeit Hübner. Der Coach zog kurz darauf seinen Joker, schickte im Diagonalangriff Jannik Pörner für den keinesfalls schlechten Richard Peemüller aufs Feld. Und Urgestein Pörner drehte auf, machte allein in diesem Satz noch 7 seiner 14 Punkte. Bei den Häflern war der für Weber gekommene Lukas Maase schnell im Rhythmus (5 von 14). Der 2,12-m-Mann ärgerte die SVG in der Folge auch immer wieder mit Blocks (4). Aber die LüneHünen hatten ihre Linie gefunden, waren druckvoll im Service (nur 1 Fehler, aber 2 Asse in diesem Satz) und im Angriff sowie wachsam in der Feldabwehr und entschieden immer öfter die längeren Ballwechsel für sich.

So wurde aus dem anfänglichen Rückstand nach der ersten technischen Auszeit (8:5) erstmals ein Gleichstand (14:14) und schließlich sogar aus einem 16:15 für die Süddeutschen ein 16:18 und gar ein Drei-Punkte-Abstand – als Juhkami nur die Antenne traf (19:22) -, woran selbst zwei VfB-Auszeiten in kurzer Folge nichts ändern konnten. Die SVG war im Flow und Florian Krage machte den Satz mit einem Schnellangriff nach dem bis dahin längsten Ballwechsel und einigen vergebenen SVG-Chancen unter großem Jubel zu.

Auch Durchgang drei lief dann auf Augenhöhe mit mehrfach wechselnden Führungen. Beim Hübner-Team punkteten Ewert (5), Lindberg und Pörner (je 4) weiter zuverlässig, nur die Mittelblocker Krage und Michel Schlien hatten die Häfler durch ihren eigenen starken Mittelblock im Griff. Aus dem stach insgesamt Nationalteam-Routinier Marcus Böhme heraus, der nicht nur auf 13 Punkte kam, sondern auch immer wieder den Weg frei machte zu Pipes. Nach langem Hin und Her ging die SVG schließlich mit einem 20:18 in die Crunchtime, doch der Gegner drehte den Spieß noch einmal um.

Inzwischen war bekannt, dass im Fernduell Frankfurt in Bühl 0:2 zurücklag und die SVG nicht mehr überholen konnte. Also wechselte Hübner für den vierten Satz, gönnte Lindberg und Zuspieler Gijs van Solkema Pausen und brachte Will Craft und Hannes Gerken, der Ende des zweiten Satzes schon einmal eine gute Aufschlagserie hingelegt hatte. Und auch mit den frischen Kräften lief es, wenn auch mit ein paar Abstimmungsproblemen, die aus einer frühen Führung bis zum 6:5 in einen Rückstand führten. Beim 15:11 (nach 11:11) und 19:16 sah es nicht gut aus, Hübner entschloss sich, auch Theo Mohwinkel noch Einsatzzeit zu gönnen und warf den sonstigen Zuspieler der 2. Mannschaft zum Service ins kalte Wasser.

Besonderes Debüt eines Youngsters

Und der 18-Jährige schwamm. Der Youngster, seit Wochen regelmäßig im Training und auch bei den Spielen dabei, um das durch Verletzungen dezimierte Aufgebot auf wenigstens 11 Spieler aufzustocken, brachte nicht nur seinen ersten Aufschlag gut übers Netz, sondern vier weitere. Aus dem 16:19 war ein 21:19 geworden, Mohwinkel durfte bleiben und lieferte noch gute Zuspiele wie beim Schnellangriff von Krage zum 25:22. Was für ein Debüt!

Somit hieß es 2:2 – war da im Tiebreak noch mehr drin? Nein, Friedrichshafen, für das es ja bezüglich Platz 1 um nichts mehr ging, war so ehrgeizig, sich noch einmal zusammen zu reißen und die Serie von bis dahin 18 Siegen am Stück zu verteidigen. Über 3:0 und 5:2 ging es beim 8:4 zum letzten Seitenwechsel. Beim 10:5 zog Hübner noch eine Auszeit und schickte erneut Mohwinkel und Craft (für Pörner und Gerken) aufs Feld, doch die Entscheidung war gefallen.

Der Coach war dennoch zufrieden: „Dieses Spiel gibt auf jeden Fall ein gutes Gefühl, die Stimmung ist hervorragend. Wir wollten hier punkten und es besser machen als letzte Woche, dieser absolute Wille war jederzeit zu sehen. Was wir uns vorgenommen hatten, hat weitgehend gut funktioniert. Wir haben meist sehr gut angegriffen, mit guter Abwehr den Ball im Spiel gehalten und lange Rallys oft für uns entschieden.“ So war der hochkarätige Gegner nur in zwei Elementen besser: in der Annahme und – ganz ungewohnt – im Block (17:8 direkte Blockpunkte für den VfB).

Beste Scorer waren Ewert (19), der auch MVP wurde, und Lindberg mit 17 Punkten in nur drei gespielten Sätzen. Bei Friedrichshafen sammelten Marechal (18) und Maase (14) die meisten Punkte, MVP wurde Böhme mit 13 Zählern bei einer starken Quote von 67%.

SVG: Lindberg, Schlien, Peemüller, Ewert, Krage, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Pörner, Gerken, Craft, Mohwinkel.