Hannes Gerken will seine Grenzen nach oben verschieben

Von der SVG II ins Bundesligateam

Aller guten Dinge sind drei: Nach Florian Krage und Konrad Thole in den Vorjahren hat nun ein dritter Volleyballer der SVG Lüneburg den Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft geschafft. Zuspieler Hannes Gerken bekommt nach drei guten bis überragenden Jahren für die SVG II in der 3. Liga West einen Vertrag für die Bundesligasaison 2020/21 und ist damit der zweite Neuzugang im Kader von Chefcoach Stefan Hübner.

Dabei ist die Bezeichnung Neuzugang eigentlich nicht ganz zutreffend. Denn Gerken hat schon so manche Trainingseinheit bei den Profis mitgemacht und stand im Januar 2019 sogar schon zweimal im Punktspielaufgebot. Da fiel der Kanadier Adam Schriemer aus, Gerken rückte für den Notfall, dass auch Gijs van Solkema noch etwas passieren könnte, als Backup auf. Zum Einsatz kam er aber nicht. Auch, um ihn nicht eventuell festzuspielen und so der Zweiten für den Rest der Saison zu entziehen. Sonst hätte ihm Hübner einen Schnupper-Einsatz gegönnt.

Schon jahrelang starke Leistungen in der 3. Liga

Denn beim Drittligisten hatte sich Youngster Gerken, vor kurzem 22 Jahre alt geworden, schnell unentbehrlich gemacht. 2017 vom VC Olympia Hamburg (ebenfalls 3. Liga) gekommen, führte der Zuspieler die SVG II gleich zur Meisterschaft, im Jahr darauf zur Titelverteidigung, und in der abgelaufenen Saison stand das Triple unmittelbar bevor, als der Corona bedingte Abbruch kam. „Ja, ich glaube, ich habe da einen ganz guten Job gemacht. Und ich freue mich riesig, dass die SVG sich jetzt dafür entschieden hat, mir in der Bundesliga eine Chance zu geben. Das ist eine schöne Belohnung. Ich kriege jetzt schon Gänsehaut, wenn ich zum Beispiel an die Max-Schmeling-Halle in Berlin denke,“ kann Gerken den Saisonstart kaum noch erwarten.

Allerdings wird sich der gebürtige Hamburger in Geduld üben müssen. „Seine Rolle ist relativ klar: Er ist erst einmal die Nummer 2 auf dieser Position. Der Schritt aus der 3. Liga ist groß, er muss körperlich noch eine Schippe drauflegen und wir müssen auch technisch mit ihm arbeiten, zum Beispiel im Blockspiel“, macht Hübner klar. Doch der Trainer sagt auch: „Hannes hat ein paar spannende Elemente, zum Beispiel einen guten Aufschlag. Wenn er bei uns war, hat es immer gut gepasst, die Angreifer waren zufrieden, wie Hannes sie eingesetzt hat. Und von der Trainern der Zweiten hatte ich immer die Rückmeldung, wie fleißig er war, dass er fast in jeder Einheit dabei war. Diese gute Grundeinstellung hat dann auch zu stets guten Leistungen geführt.“

Eins seiner besten Spiele machte der 22-Jährige gegen einen Erstligisten: im November 2019 im Pokal-Achtelfinale gegen die United Volleys Frankfurt (0:3). Und das, obwohl die Saison damals mit einer Verletzung begann: Im Training brach er sich den kleinen Finger und musste operiert werden. Erst kurz vor dem Pokal-Highlight war der 1,87-Meter-Mann wieder richtig fit. Nach diesem Match dürfte er wohl endgültig Blut geleckt haben. „Ich hatte schon immer Lust, noch höher zu spielen, dachte aber, dass das wegen meiner Körpergröße schwierig werden könnte. Irgendwann war ich mir dann sicher, dass ich die 2. Liga auf jeden Fall packen könnte. Bundesliga ist nun natürlich nochmal ein großer Sprung mehr. Ich weiß, wo meine Grenzen sind – aber ich glaube auch, dass ich in der Lage bin, die noch nach oben zu versetzen,“ geht Gerken die Herausforderung optimistisch an.

2017 zusammen mit Konrad Thole gekommen

Und für diese Chance, die ihm sich jetzt bietet, will der Student im Bauingenieurwesen an der Hafencity-Uni in Hamburg alles tun. „Ich werde nach Lüneburg umziehen, zumal ich gerade meine Bachelorarbeit schreibe und dann für den Master nicht mehr so viel in der Uni sein muss. Und wenn sich Volleyball und Studium dann trotzdem nur schwer vereinbaren lassen, hat Volleyball erstmal Vorrang, dann hänge ich notfalls ein Semester an. So eine Chance wie jetzt muss man nutzen im Sport, da ist ja eine Karriere altersmäßig begrenzt“, weiß der Rechtshänder.

Als Gerken 2017 aus dem Talentschuppen vom VCO Hamburg zur SVG kam, geschah das übrigens zusammen mit Ole Schwarmann – jetzt Profi in Belgien – und Konrad Thole, der erst 20-jährige Außenangreifer, der schon vor zwei Jahren ins Bundesligateam aufrückte, in der zweiten Hälfte der abgelaufenen Saison einen großen Schritt nach vorne machte und dann in der Zeit des Shutdowns seinen Vertrag verlängerte. „Es war natürlich schön, öfter und auch ab und zu länger auf dem Feld zu stehen“, blickt Thole, der seine Entwicklung über die drei gesamten Jahre positiv einschätzt, auf den Februar zurück und hofft auf eine weitere Steigerung. „Ich will weiter dafür arbeiten, dass ich der Mannschaft helfen kann“, sagt der Student des Wirtschafts- und Unternehmensrechts, der nun ebenfalls an seiner Bachelor-Arbeit schreibt.