Noah Baxpöhler (l.) und Cody Kessel gehörten zu den Spielern, die trotz guter Leistungen auch 2019 vergeblich nach dem Pokal griffen - hier aber greifen sie sich im Block Friedrichshafens polnischen Diagonalangreifer Bartlomiej Boladz.

Näher dran, aber noch nicht nah genug

Pokalfinal-Erinnerungen (2): Ein starker Satz reicht 2019 nicht

Der Countdown läuft, nur noch wenige Tage, dann steht die SVG Lüneburg zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte im deutschen Pokalfinale – und wie „gewohnt“ heißt der Gegner VfB Friedrichshafen. Klafften die Volleyballwelten bei der Premiere 2015 noch zu weit auseinander, so blühte 2019 das zarte Pflänzchen Hoffnung auf eine Riesen-Überraschung. Haushoher Favorit war der Rekord-Pokalsieger und -Meister sowie bis dato einzige deutsche Champions-League-Sieger natürlich dennoch.

Als David den Goliath am 24. Februar 2019 zum zweiten Mal herausforderte, machten sich deshalb per Bahn oder mit Sonderbussen immerhin auch wieder 700 Fans auf den Weg (2015 waren es 1200), dieses Mal nach Mannheim statt Halle/Westfalen. Der ständige Endspielort hatte gewechselt, hieß inzwischen SAP Arena, Fassungsvermögen bei Volleyball: 12.000. Das Event war nicht ganz ausverkauft, etwa 10.000 Besucher sorgten aber erneut für einen tollen Rahmen. So beeindrucken wie vier Jahre zuvor ließen sich die LüneHünen davon nicht mehr.

In der Bundesliga fast auf Augenhöhe

Völliges Neuland war für sie aber das 2018 für das Finale eingeführte Challenge System. In strittigen Szenen ist der Videobeweis ja sehr hilfreich, ein damit unerfahrenes Team kann es aber auch aus dem Rhythmus bringen oder insofern stören, als es mit der Challenge keinerlei technischen Auszeiten im Match gibt. Die hätten den SVG-Akteuren gelegentlich sicher gut getan. Auch wenn sie längst nicht mehr die Greenhorns von der Aufstiegssaison 2014/15 waren, sondern ein etablierter Bundesligist. Und sie hatten sechs Wochen zuvor erstmals ein Duell am Bodensee gewonnen: 3:2 zum Jahresauftakt am 12. Januar. Zum Zeitpunkt des Endspiels war sie Tabellendritter, nur vier Punkte hinter den Häflern.

Der VfB hatte nicht mehr ganz die Strahlkraft von einst, Berlin hatte von ihm die Vormachtstellung übernommen. Friedrichshafens Star neben Libero-Routinier Markus Steuerwald war vor allem der Chefcoach: Ex-Bundestrainer Vital Heynen als Nachfolger von Stelian Moculescu. Heynens Credo ist Geduld und Fehlervermeidung. Und Geduld hatte der Favorit, der anfangs seine liebe Müh und Not mit einer mutigen SVG hatte und den ersten Satz nur knapp 25:23 (nach 19:21-Rückstand) gewann. Die folgenden Sätze (25:18, 25:16) hatte der VfB dann schon zur Mitte entschieden (jeweils 16:11). Insbesondere der griechische Wirbelwind Athanasios Protopsaltis auf Außen, nur 1,86 m großes Sprungwunder, düpierte seine Gegenüber immer wieder, war mit 14 Punkten Topscorer des Tages.

Bei der SVG kam ihm Cody Kessel (13) am nächsten – einer der Halbfinal-Helden, die gegen Berlin ein 0:2 noch ins 3:2 drehten. Dieses Match blieb auch deshalb unvergessen, weil da im Tiebreak Urgestein Michel Schlien urplötzlich einen von ihm nie gesehenen Sprungaufschlag wirksam auspackte und so auch dafür sorgte, dass „Air“ Kessel den Matchball versenken konnte. Schlien überzeugte auch im Finale, seinem zweiten nach 2015, mit 71% Angriffsquote (5 Punkte von 7) und zwei Blocks ebenso wie neben ihm im Mittelblock Nationalspieler Noah Baxpöhler (67%/4 Punkte, plus noch 2 Blocks). Diagonalangreifer Ryan Sclater und Außen Ray Szeto blieben dagegen unter ihren Möglichkeiten.

Dieses Team hätte noch mehr erreichen können

Dennoch gibt es nicht wenige, die glauben, dass diese Mannschaft die stärkste war, die die SVG je hatte. Im Kader waren ja auch noch Libero Tyler Koslowsky, die Zuspieler Adam Schriemer und Gijs van Solkema – beide Jung-Nationalspieler ihrer Länder Kanada bzw. Niederlande -, der heutige Teammanager Matthias Pompe in seinem letzten Profi-Jahr, Jannik Pörner als Sclater-Konkurrent, Mittelblocker-Talent Florian Krage – inzwischen gestandener Nationalspieler – und Youngster Konrad Thole.

Diese Mannschaft hätte sicher noch mehr erreichen können, wenn sie zusammengeblieben wäre. Doch Kessel ging nach drei Jahren SVG nach Berlin, Sclater und Baxpöhler nach je zwei Jahren nach Frankreich (Montpellier bzw. Toulouse), Szeto nach zwei Jahren nach Bahrein, Schriemer nach nur einer Saison zurück nach Kanada. Vorher aber erreichte Chefcoach Stefan Hübner mit seinem Team noch das Playoff-Halbfinale – gegen Friedrichshafen. Eine doppelte Parallele zu 2015.

Und dieses Mal? Auf jeden Fall werden – schon wegen der Folgen der Corona-Pandemie – weniger Besucher live in der SAP Arena sein (4000 sind, Stand derzeit, zugelassen), auch weniger Fans der SVG Lüneburg. Tickets gibt es aber noch auf mehreren Portalen, auch über einen Link auf der SVG-Homepage: https://tickets.saparena.de/shop/125

Bundesliga-Spieltag zusammengefasst

Der Gegner der SVG Lüneburg im Playoff-Viertelfinale heißt endgültig Friedrichshafen. Die Häfler, selbst nicht in Bestbesetzung, verloren ihr letztes Zwischenrundenspiel gegen eine Berliner 1b-Mannschaft (2. Zuspieler, 2. Diagonaler, 2. Libero, zudem der reaktivierte Mittelblocker Georg Klein) und blieben Vierter. Platz zwei sicherte sich endgültig Düren mit einem 3:1 gegen Frankfurt, das noch ausstehende Rückspiel am kommenden Sonnabend hat damit nur noch statistische Bedeutung.

In der Gruppe B feierte Herrsching seinen 5. Sieg im 6. Spiel, trifft nun auf seinen Wunschgegner Frankfurt und hat das Halbfinale als Ziel ausgegeben. Die Viertelfinal-Playoffs („best of 3“) laufen am 12./13. März, 19./20. März und, falls nötig, 26./27. März, beginnend beim jeweils besser platzierten Team – heißt für die SVG: zunächst auswärts und am 19./20. daheim. Die genaue Terminierung wird jetzt abgestimmt. Alle Viertelfinals:

Berlin Recycling Volleys – TSV Giesen Grizzlys

powervolleys Düren – Netzhoppers KW-Bestensee

United Volleys Frankfurt – WWK Volleys Herrsching

VfB Friedrichshafen – SVG Lüneburg

Die Wochenend-Spiele im Stenogramm:

Gruppe A:

VfB Friedrichshafen – Berlin Recycling Volleys 1:3

(18:25, 25:23, 20:25, 23:25)

113 Min., 534 Zuschauer (in Ulm)

MVP: Vincic – Tuia

Beste Scorer: Maase (14), Cacic (13), Bonin (12) – Sotola (19), Tuia (18), Klein (10)

powervolleys Düren – United Volleys Frankfurt 3:1

(25:17, 26:24, 16:25, 26:24)

116 Min., 750 Zuschauer

MVP: M. Andrei – Lindberg

Beste Scorer: Brand, M. Andrei (je 14), Gevert (10), Ernastowicz (9) – Staples (17), Schöps (15), Weir (12), Baxpöhler, Lindberg (je 11)

Gruppe B:

SVG Lüneburg – TSV Giesen Grizzlyes abgesagt

WWK Volleys Herrsching – Netzhoppers KW-Bestensee 3:0

(25:21, 30:28, 25:21)

86 Min., 700 Zuschauer (in München)

MVP: Herr – Schmidgall

Beste Scorer: Ferragut, Peter, Kaminski (je 13) – Rattray (14), Kaliberda (10), Timmermann (7)

NEWS aus der Liga

Der Ex-LüneHüne Noah Baxpöhler (28) hat seinen Vertrag bei den United Volleys Frankfurt für die nächste Saison verlängert. Der Mittelblocker bleibt damit ein drittes Jahr bei den Hessen.

NEWS aus der Szene

Der europäische Verband CEV hat auf den Einmarsch Russlands in der Ukraine regiert und verkündet, dass in den Europapokal-Wettbewerben alle noch beteiligten russischen Clubs ihre Heimspiele auf neutralem Boden austragen müssen. Der Weltverband FIVB hat verkündet, dass zwei im Sommer in Russland vorgesehene Turniere der Nations League verlegt werden – Ersatz-Austragungsstätten sind aber noch nicht bekannt. Ob auch die Männer-WM (ab 26. August) Russland entzogen wird, hat die FIVB noch nicht entschieden. Polen hat sich aber angeboten, als Ersatz einzuspringen.

VK České Budějovice ist zum 3. Mal in Folge (und zum 8. Mal überhaupt) Pokalsieger in Tschechien durch ein 3:2 gegen ČEZ Karlovarsko. In Belgien holte sich Außenseiter VDK Gent erstmals den Cup durch ein 3:1 gegen Lindemans Aalst. Auch in Spanien gab es eine Premiere: Melilla SC, eine Exklave auf dem afrikanischen Kontinent an der Grenze Marokkos, wurde erstmals Pokalsieger mit einem 3:1 gegen Unicaja Almeria. In Polen dagegen verteidigte ZAKSA Kedzierzyn-Kozle den Titel mit einem 3:0 gegen Jastrzebski Wegiel und ist mit neun Titeln nun Rekord-Cupsieger.

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