Libero Tyler Koslowsky hatte viel zu tun, glänzte aber trotzdem immer wieder mit guten Zuspielen

Der angemessene Lohn fehlt

SVG muss eigentlich mehr als einen Punkt mitbringen

„Immerhin haben wir etwas mitgenommen. Aber es ist ärgerlich, dass man sich nicht noch mehr belohnt,“ schilderte Chefcoach Stefan Hübner seine Gemütslage nach dem (nur) einen verbuchten Punkt im Nordderby. Mit einer 2:3 (19:25, 25:21, 25:23, 22:25, 6:15)-Niederlage kehrten die LüneHünen von den TSV Giesen Grizzlys zurück und zeigten dabei in Hildesheim wieder einmal eine Achterbahnfahrt auf der Leistungskurve. Der Angriff des niedersächsischen Rivalen auf den Status als Nummer 1 im Norden wurde mühsam abgewehrt, die SVG verteidigte Tabellenplatz sieben, doch der Gegner kam bis auf einen Zähler heran und hat erneut etwas für sein Prestige getan wie schon im März kurz vor dem Abbruch der alten Saison (3:0).

War vor neun Monaten für die heftig mit einer Niederlagenserie kriselnden LüneHünen die Schlappe auch in der Höhe verdient, so war nun – wieder einmal – mehr drin. Doch sie bekommen einfach keine Konstanz in ihre Leistungen. „Das war wieder ein Auf und Ab. Wir haben uns gut ins Spiel reingearbeitet, haben über weite Strecken wenig Fehler gemacht, ich habe viele tolle Sachen gesehen. Aber dieses Niveau konnten wir im vierten Satz nicht mehr halten, und im Tiebreak hat Giesen dann leider seine stärkste Phase gehabt“, fasste Hübner das Match zusammen.

LüneHünen machen lange nur wenig Fehler

Er stellte erstmals seit dessen Bänderriss Jannik Pörner in die Starting Six, steuerte aber bald dagegen, als der sich schwer tat. Richard Peemüller brauchte jedoch auch einen halben Satz Anlaufzeit, punktete erst ab Durchgang zwei, dann aber ordentlich (17, Erfolgsquote 47%). Mehr Zähler sammelte nur Jordan Ewert (19 bei 46%), der sofort auf Touren war und später auch MVP wurde. Doch seine sechs Punkte im ersten Satz reichten ebenso wenig wie eine von Beginn an gute Blockarbeit von Michel Schlien (4 von 10 Punkten).

Die SVG musste sich jeden Punkt hart erarbeiten, die Gastgeber kamen im Angriff besser ins Rollen, hatten in Stijn van Tilburg und Anton Menner (Außen) sowie Hauke Wagner (Diagonal) drei effektive Angreifer mit je 5 Punkten im Eingangssatz. Und Mittelblocker Pearson Eshenko stand ihnen kaum nach (4). Bis über die zweite technische Auszeit hinaus blieb es dennoch ausgeglichen (18:17), dann bissen die Grizzlys zu (21:17).

Die LüneHünen hielten aber in Durchgang zwei ihre geringe Fehlerquote im Service und standen weiter stabil in der Annahme, und nun kam eine größere Effektivität im Angriff dazu. Peemüller meldete sich mit 5 Punkten nachdrücklich an, Viktor Lindberg (4) war nun im Rhythmus, Schlien ohnehin und neben ihm war der für Florian Krage eingewechselte Dalton Solbrig sofort präsent, blockte bei seiner ersten Aktion Giesens Diagonalen Wagner. Aus einem 3:7 machten sie ein 10:9, der Gegner konterte auf 19:17, doch dann legte Hannes Gerken eine starke Aufschlagserie hin, die erst nach dem vorentscheidenden 19:23 endete.

In Abschnitt drei versuchte Hübners Kollege Itamar Stein, das Heft mit der Einwechselung von Jacob Kern für Wagner wieder in die Hand zu bekommen. Der neue Diagonale zündete auch sofort (4 Punkte) und wurde später mit 12 Punkten auch MVP, doch zunächst ließ sich die SVG davon nicht aus der Spur bringen. Die Fehlerquote blieb gering, auch im Service: Gerade einmal vier Aufschlagfehler (bei auch 2 Assen) standen in den ersten drei Sätzen zu Buche.

Auf der Gegenseite drehte zwar Menner auf (7) und auch Mittelblocker Magloire Mayaula war plötzlich präsent (4). Doch die LüneHünen waren gut im Rhythmus, drehten ein 7:9 in eine 10:9-Führung, der die Grizzlys in der Folge hinterherliefen. Die SVG lag immer mit einem oder zwei Punkten vorne, weil vor allem Ewert (6) und Lindberg (5) Punkte sammelten, und dies oft auch mit Geduld und Raffinesse, unter Mithilfe des gegnerischen Blocks. Denkbar knapp behaupteten die Gäste die Führung bis zum 25:23 und 2:1 nach Sätzen.

Drei Asse im Tiebreak brechen die Moral

„Dann haben wir wieder mehr Fehler gemacht, auch im Aufschlag, und Giesen hat das auch mit mehr Schnellangriffen über die Mittelblocker effektiv genutzt“, musste Hübner in Durchgang vier mit ansehen, wie das Spiel erneut kippte. Mayaula (4) und der eingewechselte Jan Seybering (3) kamen da immer wieder zum Zuge. So sprang bald eine 3-Punkte-Führung heraus (11:8), die bis in die Crunchtime hinein hielt und schließlich zum Satzausgleich führte. Im Tiebreak dann war die SVG nicht wiederzuerkennen, ging regelrecht unter, wobei auch gleich drei Giesener Asse in diesem Kurzsatz die Moral brachen. Kern (5) und Seybering (4) entschieden ihn fast alleine, bei der SVG setzte sich nur noch Peemüler (4) wirklich durch.

„Positiv ist, dass wir etwas mitgenommen haben – das tut gut, auch in der Tabelle. Sehr gut war auch die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Zeitweise haben wir endlich auch sehr clever gespielt. Wir müssen weiter Geduld bei der Entwicklung der Mannschaft haben. Und demnächst kommt ja noch ein neuer Zuspieler dazu – wobei ich sagen muss, dass es Hannes Gerken auch bei steigendem Druck wieder gut gemacht hat“, lautete Hübners Fazit.

SVG: Gerken, Lindberg, Krage, Pörner, Ewert, Schlien, Koslowsky; eingewechselt: Peemüller, Solbrig.