Grandioses 3:1 in Frankfurt und als Lohn ein Heimspiel gegen Berlin

Von Frankfurt nach Mannheim sind es nur etwas mehr als 80 Kilometer, die LüneHünen müssen aber den Umweg über Hamburg nehmen. Dort steht auf dem Weg zum Traumziel Pokal-Endspiel noch die Hürde Berlin Volleys. Mit einer grandiosen Leistung, gekrönt von einem 3:1 (25:14, 25:22, 17:25, 25:19)-Triumph bei den United Volleys Frankfurt, begeisterte die SVG Lüneburg im Viertelfinale und bekam anschließend die Belohnung mit dem Traumlos Berlin – das erste Heimspiel im Pokal-Wettbewerb seit drei Jahren.

Besser als im ersten Satz geht es kaum

Frankfurt war mal so etwas wie der Angstgegner. Diese Zeiten dürften spätestens jetzt vorbei sein. Mit einem couragierten, vom ersten Ball an hoch konzentrierten und willensstarken Auftritt in der hessischen Metropole zeigte die SVG, zu was sie fähig ist. Trainer Stefan Hübner beeilte sich aber, ein wenig auf die Euphoriebremse zu treten. „Zunächst einmal mein Respekt vor der Frankfurter Leistung. Die haben durch die Champions League und vorab mit der Qualifikation und den weiten Reisen in den letzten Wochen ein Mörder-Programm gehabt, waren zudem krankheitsgeschwächt. Wie sie uns dennoch, gerade im dritten Satz, unter Druck gesetzt haben, davor kann ich nur den Hut ziehen. Wir haben zweifellos ein gutes Spiel mit nur sehr wenigen Eigenfehlern gemacht, das ist aber kein Grund, jetzt abzuheben. Wir haben gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben, sind aber weiter in einem Entwicklungsprozess.“
Was seine Schützlinge allerdings im Eingangssatz aufs Feld zauberten, war nahe an der Perfektion und in dieser Güte seit der Bundesliga-Zugehörigkeit wohl noch nicht zu sehen. Hören und Sehen verging aber den Gastgebern. Der erste Punkt gelang ihnen zum 1:7, über 5:16 ging es auf 8:20 – ein Debakel, dass Trainer Stelio DeRocco weder mit zwei Auszeiten (0:4 und 8:20) noch Wechseln aufhalten konnte. Klar, ihm fehlte nach den langzeitverletzten Leistungsträgern Tobias Krick und Patrick Steuerwald kurzfristig mit Außenangreifer Moritz Karlitzek eine weitere wichtige Stütze. Aber vor allem blieb gegen die entfesselt startende SVG nur ungläubiges Staunen.

Ideenreicher Zuspieler, große Spielfreude

Der Aufschlag-Druck der LüneHünen war immens (nur fünf Fehler im gesamten Match!), die Angriffsquoten waren außergewöhnlich gut, Annahme und Feldabwehr vorzüglich, das Blockspiel in Abwehr und Angriff einfach Klasse. Das alles wurde garniert von einer selten gesehenen Spielfreude. Zuspieler Adam Schriemer servierte seinen Nebenleuten die Bälle geradezu maßgeschneidert auf dem Silber-Tablett, ob Außen oder auf Diagonal, ob über die Mitte im ersten Tempo oder für einen Pipe.
Seine herausragende Form der letzten Wochen bestätigte dabei vor allem Ryan Sclater mit einer weiteren Steigerung. Ihm gelang nahezu alles. 63 Prozent erfolgreiche Angriffe sind für einen Diagonalangreifer, der ja in der Regel die schwierigsten Bälle bekommt, eine ungewöhnlich starke Quote. Mit 23 Punkten, darunter auch fünf Asse, war er folglich bester Scorer und wurde später zum MVP gewählt. Ihm standen Cody „Air“ Kessel, der mit seiner Sprungkraft förmlich durch die Fraport-Arena schwebte, und Noah Baxpöhler nur wenig nach. Kessel kam auf 16 Punkte, Baxpöhler auf 10 bei einer Quote von 80 %. Und dann gab es da noch Routinier Matthias Pompe. Der Kapitän rückte für den am Rücken maladen Ray Szeto in die Anfangssechs, sammelte elf Punkte. Und der 34-Jährige dürfte sich auch über die Bemerkung des Hallensprechers gefreut haben: „Der trumpft ja auf wie ein 20-Jähriger.“

Uniteds Aufbäumen nur ein Strohfeuer

Klar, dass es nach dem ersten Satz so nicht weitergehen konnte. Nun wehrte sich United nach Kräften, ging 3:1 in Führung, egalisierte ein 10:14 und auch ein 14:16 wieder, führte gar 19:17, ehe die SVG in der Crunchtime vorentscheidend von 21:21 auf 23:21 aus ihrer Sicht stellte. „Das freut mich besonders, wie wir das noch umgebogen haben – und wie wir nach dem dritten Satz zurückgekommen sind. Das zeigt, dass die Mannschaft doch inzwischen recht gefestigt ist“, stellte der Sportliche Leiter Bernd Schlesinger heraus.
Satz drei ging nach der Zehn-Minuten-Pause an Frankfurt, das sich speziell in Person des serbischen Diagonalen Milija Mrdak (25 Punkte, Silber-MVP) aufbäumte. Als sich abzeichnete, dass dieser Durchgang an United gehen würde (16:11 bei der zweiten technischen Auszeit), gab Hübner nacheinander Pompe, Michel Schlien (3 gewinnbringende Blocks), Schriemer und Sclater Zeit zum Verschnaufen und ließ dabei auch Youngster Konrad Thole ran, der seine Sache vor allem in der Annahme gut machte. In Durchgang vier war die SVG dann aber wieder voll da, ließ United nur bis zum 11:11 gleichwertig aussehen und zog über 11:13, 13:16, 15:19 und 16:23 bis zum umjubelten, verwandelten Matchball von Kessel davon.

Noch einmal Siegestaumel nach der Auslosung

Im Siegestaumel vergaßen dann viele die bevorstehende Halbfinal-Auslosung, Scout Malte Stolley aber verfolgte mit zwei Spielern den Facebook-Auftritt an seinem Smartphone. Als die SVG-Kugel zuerst gezogen wurde, brandete noch einmal bei herbei eilenden Spielern, Trainern und Fans Riesen-Jubel auf – Heimspiel, endlich mal wieder! Und dann der Gegner: Berlin – noch einmal Hochstimmung. Gegen den Meister der letzten drei Jahre ist ja schon so mancher Coup gelungen. Und im Kreis der letzten Vier gibt es ohnehin keinen leichten Gegner mehr. Also trotzdem ein Traumlos!

SVG: Sclater, Kessel, Pompe, Schriemer, Schlien, Baxpöhler, Koslowsky; eingewechselt: Thole, Pörner, van Solkema, Krage.

Mehr zum Halbfinal-Kracher gibt es schon in Kürze – auf jeden Fall heißt es schon mal: SAVE THE DATE – 13.12., 18 Uhr!