Die verrückteste Variante aus dem Schlag-Repertoire von Earvin Ngapeth (r.): Mit dem Rücken zum Netz. Foto: YouTube

Der Mann mit den besonderen Schlägen

Modenas Ngapeth kann Spiele ganz allein entscheiden

Für Männer wie ihn ist einst wohl einst der Begriff „Unterschiedsspieler“ geprägt worden – besondere Akteure, die eine ganz spezielle Klasse haben, durch besondere Aktionen auffallen und ein Spiel ganz alleine entscheiden können. In diese Kategorie fällt ohne jeden Zweifel auch der Franzose Earvin Ngapeth (Schreibweise auch: N’Gapeth), Außenangreifer von Modena Volley, dem kommenden Gegner der SVG im CEV Cup. Seit 2021 ist er – nach 2013 bis 2018 – wieder in Modena.

Geradezu Legenden-Status hat Ngapeth durch eine Angriffsvariante erreicht, die in dieser Perfektion kein anderer praktiziert und zu Punkten veredeln versteht: mit dem Rücken zum Netz hochspringen, den Ball überkopf schlagen und so die gegnerische Mannschaft überraschen und düpieren. Ähnlich wirkungsvoll, aber nicht ganz so „verrückt“ ist die Variante, wenn er mit der linken Schulter im 90-Grad-Winkel zum Netz springt und mit weit ausholendem Arm den Ball aus der rechten Schulter heraus über den Block löffelt. Wirkungsvoll ist auch die Variante, mit dem rechten Hand anzutäuschen und dann mit links zu schlagen. Und gern deutet der Rechtshänder auch einem Schmetterschlag an, liefert dann aber im Sprung ein Zuspiel auf einen Nebenmann – aber das kennen wir ja auch von den LüneHünen Jordan Ewert und Colton Cowell.

Viele persönliche Auszeichnungen

Solche unberechenbaren Einfälle und Aktionen – wenn gelungen mit einem strahlenden, zufriedenen Lächeln quittiert – schmücken aber nur sein Spiel. Der im Februar 32 Jahre alt werdende Ausnahmekönner kann ein Match auch nahezu im Alleingang entscheiden, scheut sich nicht, selbst bei etwas schwächerer Tagesform Verantwortung zu übernehmen. Gute Beispiele lieferte dafür das gerade abgelaufene Jahr und vor allem 2021. Beim 8er-Finalturnier der Nations League 2022 war Ngapeth im Endspiel gegen die USA (3:2) mit Abstand der Topscorer (22 Punkte). Nachdem er gut begonnen hatte und zwischendurch abgetaucht war, drehte er im Tiebreak nochmal auf und sorgte für die Entscheidung – Frankreichs erster Sieg in diesem Wettbewerb, und der Außen wurde als MVP des Turniers ausgezeichnet wie schon in den Jahren 2015 und 2017 im Vorgänger-Wettbewerb World League.

Noch auffälliger war Ngapeths Auftritt im Finale der Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Beim 3:2 gegen Russland machte keiner mehr Punkte als er (26), auch da ließ er zwischendrin nach, um denn im Tiebreak noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. So wurde er auch nach den Wochen in Tokio als Zweibester der Topscorer-Liste der Gesamt-MVP und landete als bester Außenangreifer im Dreamteam. Beim Qualifikationsturnier zu Olympia 2021 in Berlin war im Januar 2020 übrigens das deutsche Team leidtragend – Ngapeth verwandelte im Finale (3:0) den Matchball und brachte Frankreich so letztlich nach Tokio.

Ein gutes Beispiel für Siegeswillen im Vereinstrikot war das Champions-League-Finale 2018. Neben außergewöhnlichen Könnern bei Zenit Kazan wie Maxim Mikhaylov, Matt Anderson oder Artem Volkov stach der Franzose, der Vorfahren im Kamerun hat, gegen Civitanova (Italien) noch heraus, ohne aber letztlich die 1:3-Niederlage verhindern zu können. Dabei verletzte er sich im vierten Satz bei einer akrobatischen Rettungsaktion, knallte mit der Hüfte gegen die LED-Bande, spielte deutlich angeschlagen weiter und machte trotzdem noch paar wichtige seiner 14 Punkte.

Noch ehrgeizig wie immer

So einen Stellenwert hatte Ngapeth bei allem Talent nicht immer. Bei der WM 2010 wurde er von Frankreichs Nationaltrainer aus disziplinarischen Gründen ausgeschlossen und nach Hause geschickt, war dann aber ein Jahr später bei der EM wieder an Bord. In jungen Jahren war der 1,94-m-Mann, der in Sachen Haarmode gerne extravagant auftritt, sich ein Glatze scheren oder die eigentlich schwarzen Haare mal blau, rötlich oder blond färbt, ein „enfant terrible“. Sich mit ihm am Netz anzulegen oder einen dummen Spruch zu stecken, kommt noch heute nicht gut. Dann zahlt er mit Punkten und provokantem Gehabe, gerade nach gelungenen Aktionen, zurück.

Aber nachdem er gereift ist und mittlerweile fast alle wichtigen Titel gewonnen hat, ist Ngapeth auch ruhiger geworden, ist sogar Markenbotschafter von adidas. Und unverändert heiß auf Erfolge ist er weiterhin. Auf diesen Ehrgeiz angesprochen antwortete er in einem Interview: „Die Motivation ist die Quintessenz des Sports. Ob man nun verliert oder gewinnt, ein Wettkämpfer ist immer von dem Wunsch beseelt, noch mehr zu erreichen. Das hört nie auf. Man wird nie satt. Du erreichst ein Ziel, und dann kommt schon das nächste.“

Mit Unterstützung unseres Hauptsponsors Landeskrankenhilfe (LKH) wird das Spiel am Mittwoch auf sportdeutschland.tv gestreamt, allerdings ohne Kommentierung.           

NEWS von der SVG

Vor der Kür noch die Pflicht

Bundesliga-Heimspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen Haching München

Vor der Kür am kommenden Mittwoch im CEV Cup gegen Modena steht noch die Bundesliga-Pflicht an: Am Sonntag (15 Uhr) gastiert Kellerkind TSV Haching München in der LKH Arena. Für den Tabellenvorletzten aus Unterhaching, eine Randgemeinde der bayrischen Landeshauptstadt, ist das schon das letzte Auswärtsspiel der Hauptrunde.

Nach danach zwei Heimauftritten geht es dann im Februar in die unteren Hälfte der sich anschließenden Zwischenrunde. Das steht schon fest, denn die Gäste konnten bisher erst 4 Punkte holen – beim einzigen Sieg gegen VC Olympia Berlin (3:0) und bei einem 2:3, ebenfalls auswärts, bei den Netzhoppers KW-Bestensee. Diese beiden Gegner warten nach dem Spiel in Lüneburg noch auf die Hachinger, da könnten sie ihren 8. Platz noch verbessern.

Stabiler geworden sind zuletzt jedenfalls schon die Leistungen. Gingen anfangs der Saison alle Matches 0:3 verloren (auch wegen Verletzungssorgen), so hat vor allem das Spiel bei KW einen Schub gegeben. Danach wurden die Satzergebnisse knapper und sprang auch mal ein Satzgewinn heraus wie gegen Düren, Giesen und zuletzt im bayrischen Derby gegen Herrsching. Das ist Warnung genug für die SVG, die das Hinspiel 3:0 gewann und so einen glatten Gang auch jetzt anstrebt, auch, um für Mittwoch Kräfte zu sparen.

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