Berlin nicht nur für SVG einfach zu stark in dieser Saison

Erste Niederlage gegen den Meister in der CU Arena

Ein Schritt aus dem Tief, aber weitere müssen folgen – das war der allgemeine Tenor im Lager der SVG Lüneburg nach dem Gastspiel der Berlin Volleys vor 1650 Zuschauern in der CU Arena. Die LüneHünen hatten – wie so viele andere Gegner des souveränen Spitzenreiters in dieser Saison – letztlich keine Chance, kassierten mit einem 0:3 (17:25, 20:25, 16:25) ihre vierte Niederlage in Serie und rutschten auf Tabellenplatz 6 ab. Doch Licht am Ende des Tunnels war deutlich erkennbar. Für eine neuerliche Überraschung wie schon dreimal zuvor in Hamburg ist Berlin aber einfach zu stabil und zu stark und scheint auf dem Weg zur Titelverteidigung nicht aufzuhalten. Nach dem 18. Sieg im 18. Spiel ist zumindest an Hauptrundenplatz 1 kaum mehr zu rütteln. Für die SVG dagegen ist Rang 5 als Ausgangspunkt für die Playoffs das Maximum – dafür jedoch bedarf es einer weiteren großen Steigerung.  

Jugend forsch gegen internationale Routine  

„Das ist eine gute Grundlage für die Arbeit in den zwei Wochen bis zu unserem nächsten Spiel“, fand Chefcoach Stefan Hübner Gefallen an dem, was seine Schützlinge dieses Mal nach den letzten Enttäuschungen boten. „Die Körpersprache war gut, die Jungs hatten wieder Spaß und die Stimmung blieb gut, wenn auch einiges nicht geklappt hat. Insgesamt war das ein Schritt in die richtige Richtung.“ Doch er stellte auch klar: „Es bleibt schwierig, die nächsten Spiele werden knackig, das wird noch ein ordentliches Stück Arbeit bis zu den Playoffs.“  

Hübner schickte eine umgekrempelte Starting Six aufs Feld, inklusive einer handfesten Überraschung: Team-Youngster Konrad Thole bekam eine Chance und dann auch über die komplette Spielzeit – erst zum zweiten Mal überhaupt nach der Premiere im Januar 2019 im Match beim VC Olympia Berlin. Und da neben dem 20-Jährigen noch Anton Brehme (20), Gijs van Solkema (21), Florian Krage (23), Antti Ronkainen (23) und Jannik Pörner als Ältester (25) die Startformation bildeten, sprach Hübner schmunzelnd von „Jugend forsch gegen sehr, sehr viel Erfahrung“ auf Berlins Seite.  

Und die Hauptstädter gingen die Aufgabe überaus konzentriert an, schonten keinen Star im Hinblick auf anstehende Spiele in der Champions League und im Pokalfinale und zeigte eine beeindruckende Demonstration ihrer Stärke, „von der sich unsere Jungs auch noch einiges abgucken und mitnehmen konnten“, so Hübner. Schon im Eingangssatz wurde diese Klasse deutlich. Die Zuspiele von Sergey Grankin: eine Augenweide. Die Abschlussstärke im ersten Tempo von Jeffrey Jendryk und seine Qualitäten im Block (insgesamt 7 Punkte): eine Klasse für sich, er wurde mit 14 Punkten auch bester Scorer. Dann die Sprungkraft des Diagonalen Benjamin Patch (12 Punkte) und der Außenangreifer Cody Kessel und Samuele Tuia: einfach nur zum Staunen. Ex-LüneHüne Kessel machte 6 seiner 11 Punkte allein im ersten Durchgang.Der ehemalige Publikumsliebling wurde in der CU Arena dennoch gefeiert. Hinterher strahlte er: „Ich bin einfach nur sprachlos nach diesem Empfang und dieser freundlichen Behandlung.“  

LüneHünen haben wieder Spaß und machen Spaß  

Angesichts der geballten Klasse auf der anderen Seite des Netzes war Satz 1 über die Zwischenstände von 3:8, 10:16 und 13:21 bald entschieden, ohne dass die LüneHünen die Köpfe hängen ließen oder darunter die Stimmung der Fans litt. In Abschnitt zwei entstand dann sogar ein Hexenkessel, denn die SVG forderte den Favoriten richtig, machte aus einem 7:8 bei der ersten technischen Auszeit die erste Führung überhaupt (10:9), lag eine Zeitlang in Front (14:13), ehe Berlin dann doch wieder das Geschehen von 15:16 auf 15:20 drehte. Und in Satz 3 zogen die Gäste der SVG dann früh den Zahn (1:8), wenn die sich auch wieder bis auf fünf Punkte herankämpfte. Als dann aber aus einem 14:19 ein 14:23 wurde, waren die Fronten geklärt.  

Dennoch: „Es hat wieder mal Spaß gemacht, und phasenweise haben wir es auch gut gemacht, das war ein Schritt in die richtige Richtung“, befand auch Pörner, der beste Scorer (10). MVP wurde Brehme (9) mit einer starken Angriffsquote von 67%. Und Youngster Thole? Der kam immerhin auf 5 Punkte und wurde vor allem in der Annahme gefordert (39% positiv), ihn suchten die Berliner beim Aufschlag wegen seiner Unerfahrenheit konsequent. „Ja, ich hatte gut zu tun. Mit der Annahme war ich auch ganz zufrieden, an allen anderen Elementen muss und werde ich weiter fleißig arbeiten. Aber es war toll, dass ich mal wieder so lange ran durfte“, hatte Thole Spaß und bekam noch ein Lob von Trainer Hübner: „Er hat das gut und jederzeit couragiert gemacht.“  

Die SVG spielte mit: Ronkainen, Krage, Pörner, Thole, Brehme, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Scheerhoorn, Durkin, Lindberg.