Colton Cowell soll bei der SVG den Bereich Annahme stabilisieren. Foto: Warriors

Aloha, Colton Cowell – Wiedersehen mit alten Bekannten aus Hawaii

Außenangreifer feierte Erfolge mit den Worsley-Brüdern

Im Element Annahme wies die SVG in der abgelaufenen Saison einige Defizite auf, landete dort in den beiden Mannschafts-Kategorien „Quote perfekte oder gute Annahme“ und „Annahme-Effizienz“ jeweils auf dem neunten und letzten Platz. Schwachpunkt erkannt, Schwachpunkt gebannt: Ein absoluter Spezialist auf diesem Gebiet ist Neuzugang Nummer 3 dieses Sommers, der US-Amerikaner Colton Cowell für die Position Außenangriff/Annahme.

Cowell ist geboren und aufgewachsen in der Ortschaft Makawao auf der Insel Maui, Teil des Archipels Hawaii – und beim Wort „Hawaii“ werden nun wohl einige Leser aufmerken. Zu Recht. Denn Cowell spielte als Student an der dortigen Universität Volleyball für das College-Team Rainbow Warriors. Mannschaftskollegen waren u.a. die Worsley-Brüder Joe und Gage. Eine sportlich äußerst erfolgreiche Zeit mit Vize-Meisterschaft 2019 (alle drei) und Meisterschaft 2021 (Gage Worsley und Cowell). Studiert hat der 25-Jährige Wirtschaftswissenschaften, Bereich erneuerbare Energien, und im Nebenfach Soziologie.

Geboren und aufgewachsen auf der Insel Maui

Wie Libero Gage Worsley, der 2021 nach Bulgarien ging, wollte auch Außen Cowell in Europa seine Profi-Laufbahn starten, hatte bereits einen Vorvertrag bei einem französischen Zweitligisten – aber auch schon länger eine Schulterverletzung, die sich mehr und mehr verschlimmerte. Eine Operation im Sommer 2021 war nötig, das Engagement in Frankreich platzte. „Wenn alles normal gelaufen wäre, hätten wir wohl auch keine Chance gehabt, an diesen Spieler heranzukommen – dann würde er nach einer sicher guten ersten Saison nun zu einem Erstligisten in Frankreich wechseln“, glaubt SVG-Trainer Stefan Hübner.

Die Blessur samt längerer Pause schreckte den Coach aber nicht ab, Kontakt aufzunehmen. „Klar, ein gewisses Risiko bleibt, gerade eine Schulterverletzung kann für einen Volleyballer problematisch, die Folgen langwierig sein. Aber Colton tut enorm viel für seine Fitness, also auch die Schulter, muss eher gebremst als angespornt werden. Und gespielt hat er ja auch schon wieder“, ist Hübner guter Dinge. In der Tat war der Neuzugang schon im Februar wieder am Ball, spielte in Indien für die Kochi Blue Spikers. Nun ist allerdings Indien im Volleyball ein Entwicklungsland – Kochi wurde erst 2018 gegründet – und ein regelmäßiger Liga-Betrieb ist erst noch im Aufbau. Für Cowells Zwecke reichte es.

„Indien war ein Abenteuer, aber es gibt dort ein gutes Entwicklungspotenzial. Für mich war das eine wertvolle und erfreuliche Erfahrung und eine Gelegenheit zu testen, was die Schulter-Operation bewirkt hat. Und ich bin sehr zufrieden mit dem Heilungsprozess. Ich fühle mich stärker als je zuvor“, sieht der Rechtshänder diesen Schritt als genau richtig für sich an und glaubt, wieder durchstarten zu können, wenn die SVG in die Saisonvorbereitung startet. Bis dahin macht er nun in der Heimat nahezu täglich Krafttraining und regelmäßig Balltraining. „Außerdem schaue ich gerade viele Filme über Spiele in den Top-Ligen und analysiere sie“, schreibt er.

Nach Schulteroperation „stärker als je zuvor“

Im traditionell großen Uni-Kader fasste er nur schwer Fuß, zumal er lediglich 1,85 Meter groß ist und anfangs schmächtig war. „Ich habe lange gebraucht, um mir einen Stammplatz zu erkämpfen, habe dabei aber auch viel gelernt in Bezug auf Disziplin und die Verbesserung meiner Arbeitsmoral“, blickt er zurück. Heute ist er auf Hawaii ein gefeierter Star, denn noch nicht viele Spieler des Archipels haben es zu einer Profi-Karriere gebracht. „Darauf bin ich sehr stolz – wie auch generell auf meine Herkunft – und bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich dort immer, auch in schlechten Zeiten, bekommen habe. Ich genieße es, den Bundesstaat Hawaii mit ganzem Herzen zu vertreten.“

Deutschland ist nicht komplett Neuland für ihn. Im Juli 2018 nahm er in München an der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft der Universitäten teil, wurde mit seinem Partner 13. unter 32 Duos. Und Anfang 2019 startete er dann in der Halle richtig durch, wurde in jenem Sommer auch B-Nationalspieler mit Teilnahmen am PanAm-Cup in Mexiko (5.) und bei den PanAm-Spielen in Peru (6.). Zu den Qualitäten in der Annahme entwickelte der sprungkräftige Außen auch immer mehr Kreativität im Angriff. Und nun freut er sich auf die Bundesliga und die Unterstützung von den „unglaublichen Fans“ der SVG. Er hat schon einige Spiele im Stream gesehen und bescheinigt der Liga ein hohes Niveau: „Ein perfekter Ort, um meine Profi-Karriere richtig zu starten.“ Und sein Ziel bei den LüneHünen? „Mich als Spieler deutlich verbessern und so viele Spiele wie möglich gewinnen.“

Hübner freut sich schon auf den Hawaiianer: „Er ist ein Kraftpaket, kann richtig gut springen und hat Dampf im Arm. Sehr stark ist er aber auch in der Annahme, und das ist die eigentliche Idee hinter dieser Verpflichtung – die Hoffnung, dass er uns in diesem Bereich weiterbringt und verbessert. Bei den Warriors hat er jedenfalls zusammen mit Gage fast alleine die Annahmeachse gebildet.“

CHAMPIONS LEAGUE

Perfekte Saison für Kedzierzyn-Kozle

Polen verteidigen Titel und holen das Triple

Mehr geht nicht: Letztes Jahr nationaler Pokalsieger und die Champions League gewonnen, in dieser Saison nun das Triple – ZAKSA Kedzierzyn-Kozle aus Polen, die Stadt in Oberschlesien, jeweils 70 Kilometer westlich von Kattowitz und nördlich der Grenze zu Tschechien gelegen, ist derzeit der Mittelpunkt in der Welt des Männer-Volleyballs. ZAKSA räumt die Titel reihenweise ab. Und dazu gab es noch 500.000 Euro Prämie (neben der Vergütung aus der Gruppenphase), für den unterlegenen Finalisten 250.000.

Mit einem unerwartet klaren 3:0 (25:22, 25:20, 32:30)-Triumph gegen Trentino Itas gaben die Polen wie schon im Vorjahr den Italienern das Nachsehen. Trentino mit dem deutschen Libero Julian Zenger, der nun nach einem kurzen Urlaub noch zur Nationalmannschaft stoßen wird, enttäuschte über weite Strecken und wehrte sich nur richtig im dritten Satz, in dem erst der 7. Matchball die Entscheidung brachte – durch den MVP Kamil Semeniuk mit seinem 27. Punkt bei einer Erfolgsquote von 74%. Der Außenangreifer wechselt nun nach Perugia (Italien).

Stark bei den Polen auch der neue Zuspieler Marcin Janusz, im letzten Sommer für den französischen Olympiasieger Benjamin Toniutti gekommen und inzwischen auch im polnischen Nationalteam etabliert. Er setzte auch Diagonalangreifer Lukasz Kaczmarek (13) und Mittelblocker David Smith (USA, 9) immer wieder gut in Szene, Libero Erik Shoji (USA) sammelte in der Abwehr viele Bälle mit tollen Reaktionen ein. Bei Trentino war Außen Matey Kaziyski bester Scorer (16), Jungstar Alessandro Michieletto (13) ließ nur phasenweise sein großes Können aufblitzen. Der 20-Jährige Vielspieler wirkte ausgebrannt und konnte es – weil es bei einigen anderen nicht lief – alleine nicht richten.

Zuvor konnte bei den Frauen A. Carraro Imoco Conegliano aus Italien den Titel nicht verteidigen, VakifBank Istanbul revanchierte sich mit einem 3:1 (25:22, 25:21, 23:25, 25:21) für die Vorjahres-Niederlage. Das Team aus der Türkei steht damit zum 5. Mal in der Siegerliste.

NEWS aus der Szene

Wechsel in den Sand: Louisa Lippmann, fünffache Volleyballerin des Jahres, die kürzlich ihre glanzvolle Karriere in der Halle (vorerst?) beendet hatte, wechselt in den Beachbereich und da zur Aufnahme des Trainings zum Bundesstützpunkt Hamburg. Mit wem die 27-Jährige dann zusammenspielt, ist noch unbekannt – spekuliert wird über Laura Ludwig, die wegen der kürzlichen Geburt ihres zweiten Kindes gerade pausiert.

Paykan Tehran VC aus Irans Hauptstadt Teheran ist Gewinner der Champions League in Asien – zum 8. Mal durch ein 3:2 im Finale gegen die Suntory Sunbirds aus Japans Metropole Osaka. Teheran hatte sich für die Endrunde kurzfristig verstärkt mit Frankreichs Superstar Earvin Ngapeth und dem holländischen Diagonalen Nimir Abdel-Aiz, der mit 29 Punkten auch Topscorer im Finale war.

Beach-NEWS

Erster Platz auf dem Podium für das neu formierte Männer-Duo Nils Ehlers/Clemens Wickler im türkischen Kusadasi: Beim Turnier der Kategorie Challenge im Rahmen der „Beach Pro Tour“ wurde Wickler, der frühere Partner von Julius Thole, Dritter an der Seite des 2,10 Meter großen Blockspielers Ehlers. Darüberhinaus gab es weitere gute Plazierungen für die DVV-Paare: 4. Sandra Ittlinger/Isabel Schneider, 5. Cinja Tillmann/Svenja Müller, 5. Karla Borger/Julia Sude, Achtelfinale: Chantal Laboureur/Sarah Schulz.

Den Auftakt der German Beach Tour, erstes von zwei Turnieren hintereinander in Düsseldorf, gewannen Jonas und Benedikt Sagstetter und bei den Frauen Anna Behlen/Sarah Overländer.

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