Michel Schlien glänzte im ersten Spiel gegen Groningen als bester Scorer und Blocker und war auch im zweiten Vergleich einer der Besten

Noch viel Luft nach oben

SVG 0:4 und 2:2 – Hygienekonzept bewährt sich

Das Hygienekonzept passt, die sportliche Leistung noch nicht: Vier Wochen vor dem ersten Bundesligaspiel sind die LüneHünen in zwei Testspielen – vereinbart über je vier Sätze – gegen das holländische Spitzenteam Lycurgus Groningen sieglos geblieben, aber der aufgrund von Corona-Auflagen schwierige Premieren-Auftritt vor Zuschauern hat ebenso wichtige Erkenntnisse gebracht.

Während es an den Vorgaben für den organisatorischen und gesundheitlich notwendigen Ablauf eines Matches mit Fans nur noch an Kleinigkeiten zu feilen gibt, liegt vor der Mannschaft noch einige Arbeit. Der erste Vergleich am Sonnabend offenbarte beim 0:4 (26:28, 20:25, 22:25, 21:25) Schwächen in allen Bereichen: fehlerhafte Annahme, Aufschläge meist nicht druckvoll genug, Angriffsquote mit Luft nach oben – sehr durchwachsen eben. Überzeugend war eigentlich nur das Blockspiel, defensiv wie offensiv. Insgesamt herausragender Spieler war so auch Michel Schlien, der mit 15 Punkten bester Scorer war, dabei 67 Prozent seiner Angriffe versenkte und starke sechs Blocks gegen die Angreifer setzte. Neben ihm steuerte Florian Krage vier zu den insgesamt zwölf Blocks bei.

Durch Verletzungen und Krankheiten geschwächt

Neben den beiden standen noch Jannik Pörner, Konrad Thole, Jordan Ewert und Zuspieler Hannes Gerken in der Starting Six, dazu spielte Libero Tyler Koslowsky. Später erhielten Will Craft, Dalton Solbrig und Richard Peemüller längere Einsatzzeiten. Nur beim Einspielen war Leon Dervisaj nach überstandener Verletzung dabei, Viktor Lindberg war nach einer im letzten Test zugezogenen Oberschenkelzerrung nur Zuschauer. Gar nicht in der Halle war Trainer Stefan Hübner, der auch noch länger fehlen wird: Pfeiffer’sches Drüsenfieber. Co-Trainer Bernd Schlesinger weilt derzeit im Urlaub. Das Coachen übernahm Teammanager Matthias Pompe, unterstützt von Lindberg auf der Bank sowie von Scout und Co-Trainer Christian Knospe.

Was sie sahen, war auch ein Team, das geschwächt war, weil unter der Woche einige Spieler mit Grippe zu kämpfen hatten. Und deutlich wurde auch, dass Groningen in der Vorbereitung weiter ist. In Holland fängt die Saison eine Woche früher an, die Gäste hatten schon einige Testspiele mehr absolviert und dementsprechend eine bessere Abstimmung. So hatte die SVG eigentlich nur zu Beginn die Chance auf einen Satzgewinn, als sie aus einem 13:16 ein 17:17 machte und dann zum 24:23 in Führung ging.

In den übrigen Sätzen stieg dann bei allem Kampfgeist die Eigenfehlerquote, sodass mehrmals wett gemachte klare Rückstände wieder anwuchsen. Daran änderten auch Craft (statt Ewert), Peemüller (statt Pörner) und Solbrig (statt Krage) nichts mehr. Peemüller zeigte immerhin große Präsenz und verwandelte zehn seiner 19 Angriffe.

Der Mittelblock bleibt das Glanzstück

Am Sonntag Mittag standen sich beide Teams – ohne Zuschauer – erneut gegenüber, dieses Mal erkämpften sich die LüneHünen wenigstens ein 2:2 (25:21, 23:25, 21:25, 25:22) gegen Groningen, das anschließend wieder auf die Heimreise ging. Im Vergleich zum Vortag begannen Peemüller, Craft und Solbrig zusammen mit Gerken, Schlien, Ewert und Koslowky. Der gesundheitlich angeschlagene Pörner setzte ganz aus, Krage und Thole bekamen später längere Einsatzzeiten.

Die Annahme war dieses Mal stabiler, die Erfolgsquote im Angriff besser. Bester Scorer war Peemüller mit 22 Punkten (53%) vor Ewert (13 bei 44%). Erneut stark trumpfte Schlien mit 8 von 9 verwandelten Bällen (insgesamt 11 Punkte) auf, neben ihm zeigte Solbrig (8 Punkte, davon 4 Blocks) im ersten Fulltime-Einsatz seit seiner auskurierten Fußverletzung, was noch von ihm zu erwarten ist.

Insgesamt aber gibt es noch einige Baustellen – an denen soll nun an diesem Mittwoch in einem weiteren Test bei den Berlin Volleys gearbeitet werden. Und neben der Behebung der rein sportlichen Mankos bleibt zu hoffen, dass die Aktion #MeinPlatz gut angenommen wird und die auf „Pappkameraden“ aufgedruckten Konterfeis von Fans die gähnenden Lücken in der Halle zwischen den Stühlen und Tribünenbänken schließen – damit wieder mehr Atmosphäre in die „Gellersenhölle“ kommt. Die etwa 80 Fans, die am Sonnabend dabei waren, gaben zwar alles, um für Stimmung zu sorgen. Doch die weit verstreut sitzenden Besucher waren schon ein bedrückender Anblick.