Wenn die Volleyballer der SVG Lüneburg in dreieinhalb Wochen ihre Premiere in der Bundesliga geben, dann ist nur noch die Hälfte des Aufstiegskaders dabei. Das hat teils sportliche Gründe – Verstärkungen waren unabdingbar. Das hat aber auch berufliche Ursachen, ein Vollzeitjob und der nötige erhöhte Trainingsaufwand ist in der Beletage nicht mehr unter einen Hut zu bringen.

Ein Trio aber hat es geschafft, die Gewichte zu verschieben: Patrick Kruse, Michel Schlien und Immo Brüggemann richten den Fokus nun verstärkt auf den Sport. Patrick Kruse, ein Eigengewächs des Vereins, hat den Weg durch die Ligen mitgemacht und wollte nun natürlich nicht zurückstehen, als der Traum von der Bundesliga wahr wurde. Dafür wechselte der 26-Jährige sogar den Arbeitgeber. „Ich habe das Glück gehabt, dass ich eine Anstellung bei der Firma Campus Management bekommen habe, mit 25 Stunden wöchentlich“, erzählt der Elektroniker, der beim bisherigen Arbeitgeber im Kundendienst tätig war. „Da hätte ich natürlich nicht sagen können: Morgen ist Training, da komme ich erst nachmittags. Jetzt kann ich mir anhand der Trainingspläne die Arbeitszeit flexibel einteilen.“ Schließlich hat Campus- Geschäftsführer Klaus Hoppe ein Herz für die Volleyballer, ist einer der Premium-Sponsoren. Die höhere Trainingsintensität zeigt schon Wirkung: „Die Übungseinheiten haben jetzt eine ganz andere Qualität, man kann Sachen viel gezielter und intensiver trainieren. Anfangs hatte ich aber jeden Tag Muskelkater, und zwischendurch auch mal ein kleines Tief“, zieht Kruse ein erstes Fazit.

Sein Nebenmann als Mittelblocker, Michel Schlien, studiert im Hamburg Pharmazie, hat gerade sein erstes Staatsexamen bestanden. „Dieser erste Schritt war mir wichtig“, wollte er die ersten vier von acht Semestern unbedingt abrunden, um jetzt zugunsten Bundesliga-Volleyball das Studium weitgehend  ruhen zu lassen: „So eine Chance muss man einfach wahrnehmen. Ich freue mich total, wenn es endlich losgeht.“ Zur Abwechslung will der 22-Jährige aber „noch ab und zu eine Vorlesung besuchen. Ich finde es ganz angenehm, sich nicht nur auf Sport zu konzentrieren, auch noch mal etwas anderes zu tun“. Wie lange Schlien diesen Weg geht, hängt davon ab, wie er sich in der Bundesliga etabliert. „Ich glaube, wir alle haben noch Potenzial für mehr. Mir hilft besonders die sofortige Videoanalyse im Training, um meinen Bewegungsablauf zu korrigieren.“

Ebenfalls Student (Wirtschafts-Ingenieurwesen) ist Immo Brüggemann. „Ich bin so gut wie durch, habe nur noch ein, zwei Klausuren offen und muss meine Bachelor-Arbeit zu Ende schreiben“, erzählt der Libero. So passt es gut, jetzt kürzer zu treten. „Bevor ich meinen Master mache, wäre ich sonst ohnehin für ein halbes Jahr nach Australien gegangen. Aber das aufzuschieben und sich ganz für Volleyball zu entscheiden, ist nicht schwer gewesen. Ich war ohnehin überrascht, dass ich diese Chance bekommen habe“, fiebert auch der 23-Jährige Gegnern wie den Berlin Volleys oder Friedrichshafen entgegen. Und er ist optimistisch, auch diesen Sprung zu packen. „Es ist eine große Umstellung, das ist klar. Auch, weil die Pendelei zwischen Hamburg und Lüneburg mehr geworden ist.“ Aber das erledigt er in einer Fahrgemeinschaft mit Michel Schlien.

Weiterhin Vollzeit arbeiten muss dagegen Stefan Köhler, der gerade erst seine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen hat, in Lüneburg wohnt und in Hamburg beschäftigt ist. Das Training kommt da oft zu kurz. „Ich versuche trotzdem, das Team zu unterstützen, habe ja auch schon mal zwei Jahre erste Liga gespielt und kann meine Erfahrung einbringen“, sagt der Kapitän, der damit leben kann, nicht mehr erste Wahl zu sein: „Klar habe ich einen riesigen Trainingsnachteil. Ich freue mich trotzdem riesig auf die Saison. Für mich persönlich rechne ich mir nicht allzu viel aus, aber sobald meine Hilfe gebraucht wird, werde ich da sein.“