Auke van de Kamp hat mit Groningen in den Niederlanden schon vier Pokalendspiele gespielt - und zweimal den Cup gewonnen. Foto: Behns

Geballte Ladung Pokal-Erfahrung

Auke van de Kamp hat schon 4 Finals gespielt – Schlien, Pörner, Koslowsky, Stöhr kennen das Gefühl auch bestens

15, 19, 22 – das sind nicht die ersten drei Ziffern der Lottozahlen an diesem Wochenende. Ein Glücksspiel wird es aber trotzdem, wenn die SVG Lüneburg nach 2015 und 2019 in diesem Jahr 2022 zum dritten Mal die Hand nach dem DVV-Pokal ausstreckt. Denn in einem Finale spielt immer auch das berühmte Quäntchen Glück eine große Rolle. Und wieder geht es gegen den VfB Friedrichshafen: an diesem Sonntag, 6. März, SAP Arena in Mannheim, Beginn 16.45 Uhr. Bei der Premiere war die SVG krassester denkbarer Außenseiter, auch 2019 nur Underdog. Und nun?

Dreimal innerhalb von acht Jahren im deutschen Cup-Endspiel – so eine Bilanz können sonst nur noch die beiden deutschen Schwergewichte in dieser Sportart, die Berlin Volleys und eben Friedrichshafen, vorweisen. Ein höchst beachtliches Triple in der noch jungen Vereinsgeschichte der 2006 gegründeten SVG – nun ist bei vielen Fans die Sehnsucht nach dem ersten Titel groß. Zumal die Außenseiterrolle Vergangenheit zu sein scheint. Viele, auch berufliche Volleyball-Experten, sehen dieses Finale als ein Duell auf Augenhöhe an. Wunschdenken oder Realität?

Der dritte SVG-Anlauf gegen Friedrichshafen

Sicher ist: Die SVG hat in den letzten Jahren enorm an Erfahrung zugelegt, hat in der Bundesliga – auch in Playoffs – viele enge Matches gespielt, hat den besonderen Wettbewerb Europacup mit Höhen und Tiefen erstmals durchlebt und einige Spieler im Kader, die auch schon eine eigene Pokalfinal-Geschichte haben. So waren Michel Schlien und Jannik Pörner bereits 2015 und 2019 dabei und winkt Tyler Koslowsky jetzt die zweite Chance. Und Tim Stöhr – übrigens einst im Nachwuchsteam YoungStars Friedrichshafen – erlebt Mannheim ebenfalls zum zweiten Mal, stand 2018 für die Bisons Bühl fast durchgängig auf dem Feld: ebenfalls gegen Friedrichshafen, auch klar unterlegen mit 0:3, obwohl unterstützt von hunderten eigener Fans aus dem nahen Bühl.

Einer weiß sogar, wie man einen bedeutenden Cup gewinnt: Auke van de Kamp wurde im vergangenen Jahr mit Groningen Pokalsieger in den Niederlanden, davor schon einmal 2015/16 als ganz junger Spieler in seiner ersten Profisaison, als er sogar fast durchspielte. 2020/21 war er jedoch verletzt nur Zuschauer. Darüber hinaus stand er noch 18/19 und 17/18 mit Groningen im Finale – 17/18 übrigens zusammen mit unserem früheren Zuspieler Carlos Mora Sabaté und unserem früheren Libero Erik Mattson.

Auke van de Kamp müsste nach all den Erfahrungen also wissen, wie man einen Pokal gewinnt, oder? Da lacht der Außenangreifer und meint: „Man muss vom ersten Punkt an voll da sein, voller Energie, mit Mut zum Risiko – aber auch nicht zu viel Risiko, nichts Verrücktes machen.“ Und wie sieht es mit Nervosität aus? „Das ist bei jedem anders, ich bin in solchen wichtigen Spielen trotz aller Erfahrung immer ein bisschen nervös, das brauche ich dann auch. Aber jeder muss für sich einen Plan haben, um auf dem Feld dann relaxed zu sein. Man muss wissen: Das ist nur ein Spiel, da ist alles möglich – aber du hast auch keine zweite Chance, Fehler oder einen schlechten Tag wieder gut zu machen.“

Ist so viel Erfahrung hilfreich? „Auf jeden Fall“, ist Chefcoach Stefan Hübner überzeugt, „nicht nur für den jeweiligen Spieler, sondern auch als Verein. Alle lernen jedes Mal dazu: die Organisation rund ums Spiel, die Abläufe am Tag selbst vor allem, wie gehe ich generell mit dem Thema Endspiel um, zum Beispiel mit der verstärkten Aufmerksamkeit und Berichterstattung im Vorfeld. Nun ist alles deutlich entspannter, auch weil wir einige Trainingseinheiten in der LKH Arena hatten – das war natürlich super. Vor drei Jahren sind wir vorher im Stützpunkt Heidelberg gewesen, um uns da im Training an die Umstellung von der Gellersenhalle an höhere Hallen gewöhnen zu können.“

VfB-Coach Lebedew dreimal Meister, aber nie Cupsieger

Hübner selbst hat wie der Sportliche Leiter Bernd Schlesinger und Teammanager Matthias Pompe, 2019 auch noch als Spieler dabei, Endspiel-Erfahrung. Und Hübner außer als Coach auch als Aktiver, gewann den DVV-Pokal im Jahr 2000 mit dem SCC Berlin aus Charlottenburg (die heutigen Berlin Volleys) gegen Wuppertal. Da ist er seinem Kollegen beim VfB, Mark Lebedew, in diesem Wettbewerb einen Schritt voraus. Der Australier, der mit Berlin als Coach immerhin dreimal Meister wurde, ist trotz höchst erfolgreicher Trainerkarriere heiß auf Mannheim.„Ich will jetzt diesen Pokal“, sagte er entschlossen nach dem grandiosen Halbfinale, als Friedrichshafen die Hauptstädter 3:2 bezwang und ihnen die erste Saisonniederlage überhaupt zufügte.

Doch Lebedew sagte nach diesem überraschenden Coup auch: „Im Pokal kann jeder jeden schlagen. Zu glauben, dass das Berlin-Spiel schon das vorgezogene Finale gewesen sein sollte, wäre ein großer Fehler.“ Anschließend warf er entgegen sonstiger Gepflogenheiten die Rotationsmaschine an. Einerseits bekamen Akteure mit sonst wenig Einsatzzeit, Beispiel der 2. Diagonale Lukas Maase, viele Bewährungschancen. Andererseits bekamen hoch belastete oder leicht angeschlagene Spieler Erholungspausen (Simon Hirsch, Marcus Böhme, Lucas van Berkel), teils sogar in der Champions League (Dejan Vincic, Vojin Cacic).

Zwangsweise verzichten musste Lebedew zudem nach Libero Blair Bann (Hüft-OP) auch auf den brasilianischen Außenangreifer Daniel Muniz: Knie-OP. Für den sprang dann wochenlang der junge Argentinier Luciano Vicentin eindrucksvoll in die Bresche, gehörte oft zu den Besten. Der erst spät verpflichtete Serbe Nikola Pekovic ist im Finale laut deutschem Pokal-Reglement nicht spielberechtigt. Da wird also der 2. Libero Avery Aylsworth auflaufen. Ansonsten ist personell vieles offen.

Das Match ist zu sehen auf Twitch, im Kanal Spontent (www.twitch.tv/spontent) mit Vorberichterstattung ab 15.45 Uhr.

SVG-NEWS in Kürze

Die Würfel sind gefallen, die Playoff-Viertelfinals stehen fest und sind auch schon terminiert: Die SVG trifft endgültig auf die United Volleys Frankfurt. Da das noch ausstehende Spiel der Frankfurter gegen Düren, ursprünglich vorgesehen für diesen Sonnabend, wegen zu vieler Coronafälle bei Düren ausfallen muss und auch nicht mehr im Terminkorridor der Zwischenrunde bis 9. März aus genanntem Grund neu angesetzt werden kann, hat die Volleyball-Bundesliga (VBL) mittels Quotientenregel die endgültige Rangfolge der Gruppe A gebildet. Auf diese Regularien hatten sich alle Vereine schon bei Abbruch der Hauptrunde festgelegt. So steht nun Friedrichshafen als Dritter und United als Vierter und somit SVG-Gegner fest. Und da beginnen die LüneHünen am 13. März (15 Uhr) in Frankfurt. Das Heimspiel steigt am 19. März (20 Uhr), ein eventuelles 3. Match der best-of-3-Serie am 27. März (15 Uhr) wieder am Main.

Eine Entscheidung ist auch für das am 26. Februar ausgefallene Spiel der SVG gegen Giesen wegen Coronafällen bei Giesen gefallen. Das ohnehin für die Tabelle bedeutungslose Match wird im Einvernehmen beider Teams gegen beide mit 0:3 gewertet und nicht neu angesetzt.

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