Die Konkurrenten um die begehrtesten Plätze in der Volleyball-Bundesliga atmen auf: Die SVG Lüneburg ist doch noch schlagbar. Nach neun Siegen am Stück verlor der Klassenneuling erstmals wieder seit dem 14. Dezember, bleibt aber trotz des 1:3 (20:25, 23:25, 25:17, 20:25) gegen die SWD powervolleys Düren auf Rang vier. Der dahinter lauernde TV Bühl, drei Spiele im Rückstand, ließ mit einem knappen 3:2 in Herrsching überraschend einen Punkt liegen, kann aber bis zum direkten Duell in zwei Wochen durch zwei Siege mit der SVG gleichziehen.
Während die Hausherren von ihren Fans trotz der gerissenen Serie bejubelt wurden, aber mit gesenkten Häuptern vom Parkett gingen, feierte Düren mit seinen Fans den Triumph wie einen Titel. Denn ein Platz unter den ersten Vier, der in den Playoffs den Beginn mit einem Heimspiel bedeutet, ist den Nordrhein-Westfalen nun kaum noch zu nehmen. Und wie hoch sie die SVG einschätzen, ließ ihr Trainer Michael Mücke später durchblicken, als er bei der Verabschiedung „vielleicht bis bald“ antwortete: „Hoffentlich erst in der nächsten Saison.“
Enorm  schwer schien es für sie in der brodelnden „Gellersenhölle“ zu werden, denn die SVG war sofort auf Betriebstemperatur und legte schnell eine 7:3-Führung vor. Doch ebenso schnell fingen sich die Gäste, gestützt auf eine enorme Aufschlagstärke und vorzügliche Blockarbeit. Und weil die SVG ihrerseits viel mehr Aufschlag- und Annahmefehler als gewohnt produzierte, wendete sich das Blatt ebenso schnell – schon bis zur ersten technischen Auszeit (7:8). Und nach der zweiten Unterbrechung (14:16) hatten sie dann stets drei bis vier Punkte Vorsprung.
Im zweiten Satz hielt Düren sein Niveau, im Aufschlag glänzte Jan-Philipp Marks – älterer Bruder von SVG-Spieler Nicolas Marks – mit vier Assen, die Angreifer punkteten zuverlässig, der Block stand wie eine Wand, Libero Blair Bann (91% gute Annahmen) lieferte sich mit seinem kanadischen Landsmann auf SVG-Seite, Erik Mattson (90%), ein Fernduell auf Augenhöhe. Mattson konnte sich später damit trösten, zum MVP gewählt zu werden. Erst gegen Ende dieses Durchgangs, als Nikolas Marks eingewechselt worden war, schnupperte die SVG an einer Wende.
Die schien dann doch noch im dritten Satz möglich. Plötzlich lief es bei der SVG, die in Jannik Pörner ihren besten Scorer hatte (18), dicht gefolgt von Scott Kevorken, der auf für einen Mittelblocker sensationelle 17 Punkte kam und nahezu fehlerlos spielte. Nun kam auch endlich Tijmen Laane zum Zuge, blieb aber insgesamt mit zehn Punkten unter seinen Möglichkeiten. Dagegen sorgte Marks in Annahme und Block für Stabilität. Äußerst deutlich mit 25:17 verkürzte die SVG auf 1:2 und ließ die Fans wieder hoffen.
Doch Düren hatte an diesem Abend einen Mann, der den Unterschied ausmachte: den Chilenen Sebastián Gevert. Der Diagonalangreifer war im vierten Satz nicht mehr zu halten, wurde zum Matchwinnner, auch emotional. Er pushte sein Team zum Sieg, ihm gelang buchstäblich alles. 19 Punkte hatte er am Ende in der Bilanz, gefühlt waren es aber 59. Gevert traf einfach alles, ob Schmetterball oder Service – gegen diese Hammer-Schläge war kein Kraut gewachsen. „Er ist eben Südamerikaner – wenn die heiß laufen, gibt‘s kein Halten“, schmunzelte sein Trainer Mücke.
Kollege Stefan Hübner sah den Grund für die Niederlage aber nicht nur in der Klasse von Gevert. „Das war alles andere als ein schlechtes Spiel von uns, aber Düren war besser. Die haben in Aufschlag und Annahme auf sehr, sehr hohem Niveau gespielt und uns permanent unter Druck gesetzt, während bei uns das Verhältnis Asse zu Fehlern, das in den letzten Wochen sensationell war, dieses Mal nicht so gut war“, zog er Bilanz und blickte noch einmal auf die letzten Wochen zurück: „Der Januar war mit sieben Spielen sehr intensiv, und wir haben ihn ganz gut gemeistert. Jetzt ist es sicher gut, dass wir alle mal durchschnaufen können. In den zwei Wochen bis zum nächsten Spiel versuchen wir, ein wenig aufzutanken.“