Seit Anfang des Monats bereiten sich die Volleyballer der SVG Lüneburg auf ihre Premierensaison in der Bundesliga vor. Neu ist nicht nur die Spielklasse, sondern auch Trainer Stefan Hübner, der aus Solingen kam, aber aus Hamburg stammt – und als Aktiver zum Rekord-Nationalspieler mit 245 Einsätzen wurde. Die LZ sprach über die erste Trainingsphase mit dem 39-Jährigen, bevor er in seinem zweiten Job als Co-Trainer der Männer-Nationalmannschaft zu WM in Polen (30. August bis 21. September) reist.

 

Wie beurteilen Sie die erste Trainingsphase und die Fitness der Spieler, die ja für die Sommerpause auch Hausaufgaben bekommen hatten ?

Stefan Hübner: Es macht riesig Spaß, alle ziehen mit. Wir machen ja zwischendurch auch Tests zum körperlichen Zustand, um bei jedem einzelnen herauszufinden, wo es Baustellen gibt. Ich bin sehr zufrieden. Und wir trainieren ja nicht nur, ich setze mich auch regelmäßig mit Spielern bei einem Kaffee zum Einzelgespräch zusammen, um alle besser kennenzulernen. Das gehört für mich zwingend dazu.

 

 Die Mannschaft, die den Aufstieg schaffte, ist ziemlich umgebaut worden. Entspricht der Kader Ihren Vorstellungen oder hätten Sie gerne noch an der ein oder anderen Stellschraube gedreht ?

Hübner: Das, was wir mit unseren Möglichkeiten hinbekommen haben, macht mich sehr zufrieden. Wir haben eine gute Mischung. Dafür haben wir aber auch viel Zeit investiert.

 

 Philosophie der SVG ist eigentlich, auf junge, entwicklungsfähige deutsche Spieler zu setzen. Jetzt stehen Spieler aus Italien, Spanien, Kanada, den USA im Kader . ..

Hübner: Wir waren auch an zwei, drei deutschen Spielern dran, das hat aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Finanziell waren wir sogar fast auf Augenhöhe, aber aus privaten Gründen haben sie sich dann anders entschieden. Und was bringt es mir, ewig Überredungskünste anzuwenden – man muss merken, dass einer kommen will, voll dahintersteht. Wichtig war vor allem: Die Qualität muss stimmen. Und wir wollten das Gesicht der Mannschaft mit echten Typen verändern. Das ist uns, glaube ich, gelungen. Und für die Zukunft macht man am besten Werbung, indem sich herumspricht, dass es sich lohnt zur SVG zu gehen. Vielleicht fällt diese Entscheidung manch einem im nächsten Jahr leichter.

 

 Wird es nicht ein Sprachproblem geben ?

Hübner: Es ist klar, dass wir ein Team werden müssen. Damit man das werden kann, braucht man eine gemeinsame Sprache. Ich war als Spieler selbst zehn Jahre im Ausland und weiß, was es für ein blödes Gefühl ist, wenn man sprachlich in der Luft hängt. Englisch geht immer, das ist der einfachste Weg, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Englisch spricht irgendwie jeder, wenn auch nicht perfekt. Aber unsere Ausländer werden auch Deutsch-Sprachkurse bekommen, und Weihnachten schauen wir dann mal, ob wir um-switchen können.

 

 Welcher Trainer hat Sie eigentlich geprägt ?

Hübner: Sehr prägend für mich als Spieler war Stelian Moculescu (Anm. der Redaktion: heute beim VfB Friedrichshafen), unter dem ich zehn Jahre lang in der Nationalmannschaft gespielt habe. Jetzt als Trainer ist es eher der heutige Nationaltrainer Vital Heynen.

 

 Dessen Co-Trainer sind Sie ja jetzt gleichzeitig. Wie hat sich diese Doppelbelastung eingespielt ?

Hübner (überlegt lange): Ein bisschen Bauchschmerzen habe ich schon, zwischendurch wieder weg zu sein. Und ich bin mir unsicher, ob ich das immer so weitermache. Andererseits gibt es diesen tollen Coach Vital Heynen, bei dem ich jeden Tag etwas lernen kann. Aber auch in Bezug auf die Familie weiß ich noch nicht, wie lange ich mir diesen Stress mache.

 

Die Volleyball Bundesliga stellt sich gerade mit einer Image-Kampagne neu auf. Wie bewerten Sie das ?

Hübner: Die richtige Außendarstellung ist gut und wichtig, eine schillernde Liga allein nützt aber nichts, die Vereine müssen das Tempo mitgehen können. Aber wir unterstützen das natürlich und hoffen, dass es der Sportart nützt.

 

 Zum Ansehen einer Sportart trägt auch immer eine erfolgreiche Nationalmannschaft bei. Was kann man denn von der bei der WM erwarten ?

Hübner: Die Vorrunde zu überstehen, ist ohnehin Pflicht. In der Zwischenrunde kommt dann der erste dicke Brocken, aber so einen muss man dann auch mal aus dem Weg räumen. Wir gehen dahin, um eine Medaille zu holen. Es wird schwierig, aber als Fünfter der letzten Olympischen Spiele 2012 muss man sich so ein Ziel setzen.