Mike überzeugte in Herrsching

LüneHünen gewinnen das nächste Mammutmatch

3:2-Erfolg wie in Rottenburg auch in Herrsching

Die Spiele der LüneHünen gleichen immer noch einer Berg- und Talfahrt, die Ausschläge nach unten auf der Leistungskurve während des Matches werden aber kleiner, eine positive Entwicklung ist sichtbar. Und die führte zu einem 3:2 (18:25, 25:22, 25:18, 20:25, 15:12)-Auswärtserfolg im schweren Match bei den WWK Volleys Herrsching, dem immer wieder hart umkämpften Nord-Süd-Duell zwischen den beiden Aufsteigern von 2014.

Dass die SVG am Ammersee mühsam auf Touren kam, lag allerdings weder an ihr noch am Gegner. Das Schiedsrichtergespann brauchte offenbar eine Zeit, um in der brodelnden Nikolaushalle warm zu werden. Denn dass die ersten beiden, ins Aus gehenden Schmetterbälle von Blake Scheerhoorn durch einen Touch des gegnerischen Blocks keine Fehler, sondern eigentlich Punkte für die Gäste waren, wurde selbst im Internet-Stream deutlich. Aber alle Proteste halfen nichts, nach einem 3:0 hieß es, die Gemüter in einer ersten Auszeit zu beruhigen.

Danach mussten die Gäste sogar ein 7:1 wieder aufholen, was Mitte des Satzes gelungen war (11:11). Doch Herrsching ließ sich nicht beirren, verwertete seine Angriffe konsequent und brachte den Satz über ein 16:14 und 22:17 letztlich sicher ins Ziel, weil bei der SVG erst Viktor Lindberg und Leo Durkin wirklich im Rhythmus waren. Zuspieler Durkin hatte den Vorzug vor Gijs van Solkema bekommen, im Mittelblock spielte statt zuletzt Florian Krage wieder Urgestein Michel Schlien.

Mike Michelau bringt neuen Schwung

Zum zweiten Durchgang aber bekam Außen Michael „Mike“ Michelau statt Antti Ronkainen eine Chance – und nutzte sie. Immer besser arbeitete sich die SVG bei vielen umkämpften Bällen ins Match, Mitte des Satzes war Michelau mit Assen zum 12:14 und 12:15 maßgeblich am Umschwung beteiligt. Zudem wurde das Blockspiel immer besser – wozu auch Zuspieler Durkin bei drei seiner fünf Punkte beitrug. Schlien und Anton Brehme standen in dieser Phase wie eine Wand und kamen auch immer wieder mit Schnellangriffen durch.

So ging der Satz trotz einiger Aufschlagfehler zu viel an die Gäste, und Durchgang drei verlief dann noch deutlicher. Michelau streute sogar den bisher so selten gespielten Pipe erfolgreich ein, zudem punkteten Scheerhoorn, Lindberg und Brehme regelmäßig. Doch das hielt in Abschnitt vier nicht an, aus einem 5:6 machte Herrsching ein 9:6, die SVG hatte den Faden verloren. Denn nun blockten die Bayern gut und schlossen besonders durch den späteren MVP Dorde Ilic (insgesamt 13 Punkte) Schnellangriffe erfolgreich ab. Stark auch Jori Mantha (20) auf Außen und Jalen Penrose (19) auf Diagonal. So zeichneten sich Satzausgleich und Tiebreak bald ab.

Zwei Monsterblocks leiten Tiebreak ein

Doch die LüneHünen, inzwischen mit van Solkema als Regisseur, fanden den Weg zurück aus dem Tal. Brehme setzte mit zwei Monsterblocks erste Zeichen, Lindberg raubte den Hausherren mit einem Ass zum 0:3 den Nerv – ein Vorsprung, der aufgekommene Zweifel zerstreute. Mit breiter Brust hielt die SVG diesen 3-Punkte-Abstand bis zum letzten Seitenwechsel (8:5) und geriet auch nicht mehr ins Wanken, als das Polster in der Crunchtime von 13:10 auf 13:12 schmolz. Van Solkema punktete mit dem Zuspielertrick, dem ersten überhaupt des gesamten Matches. Und Michelau, der auch zum MVP gewählt wurde, verwandelte nach 2:06 Stunden Netto-Spielzeit den Matchball mit einem Ass.

„Er hat uns gut getan, schwierige und wichtige Punkte gemacht, gut aufgeschlagen und auch die Annahme stabilisiert,“ lobte Hübner den Mann des Abends, um aber hinterher zu schicken: „Er hat noch so viel mehr Potenzial, macht aber im Angriff noch zu viele Fehler, weil er manchmal verrückte Sachen versucht. Insgesamt ist unsere Fehlerquote im Angriff noch zu hoch, aber es entwickelt sich positiv. Im Sideout haben wir zum Beispiel einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht, das freut mich. Und in Herrsching zu gewinnen, ist immer schön, weil es da immer schwer ist.“

Die SVG spielte mit: Lindberg, Brehme, Scheerhoorn, Ronkainen, Schlien, Durkin, Koslowsky; eingewechselt: Michelau, Pörner, van Solkema.