Blake Scheerhoorn im Angriff

Ein Match mit Wow-Effekt

LüneHünen mit rundum starkem Auftritt in Düren

Auch im sechsten Jahr Volleyball-Bundesliga sorgen die LüneHünen noch für faustdicke Überraschungen, ja sogar Premieren. In Düren haben sie bisher erst einmal gewonnen, im Playoff-Viertelfinale der Saison 2015/16 mit einem 3:1. In der Hauptrunde nahmen sie erst einmal einen Punkt mit, 2:3 in der vorigen Spielzeit. Und nun folgte ein glanzvolles 3:0 (25:16, 25:22, 25:23) bei den SWD Powervolleys. Platz 4 steht damit nach acht Spieltagen zu Buche, eine Zwischenbilanz, die auch den letzten Skeptiker nach dem Umbruch im Sommer überzeugen sollte.

Schon einige heiße Schlachten haben die beiden Rivalen geschlagen, ungewöhnlich laufen die Vergleiche derzeit. Erst vor drei Wochen warfen die Nordrhein-Westfalen die SVG mit einem deutlichen 3:0 aus dem Pokal, nun wurde es für die hoch ambitionierten Dürener, die um Titel mitspielen wollen, ähnlich schmerzlich – aus SVG-Sicht ein Match mit Wow-Effekt. Denn so ein selbstbewusstes, gelöstes Auftreten war selbst bei größtem Optimismus nicht zu erwarten.

Erstmals drei Punkte beim Dauerrivalen

Doch Kapitän Viktor Lindberg & Co. zeigten von Beginn an, dass sie sich enorm viel vorgenommen hatten. „Und es hat einfach ganz viel gepasst heute. Die Kurve zeigt bei allen deutlich nach oben“, brachte es Florian Krage auf den Punkt. Der Mittelblocker stand dafür exemplarisch und wurde schließlich auch verdient MVP. Er sorgte für 4 der insgesamt 12 Blockpunkte, schloss 5 Angriffe erfolgreich ab (71%) und steuerte so insgesamt 10 Zähler bei. Sogar im Aufschlag, bisher nicht seine schärfste Waffe, bereitete er den Gastgebern große Probleme inklusive eines Asses.

Krage streute schon im ersten Satz zwei Aufschlagserien ein, die den Gegner deutlich verunsicherten. So wurde aus einem 8:4 und 16:9 bei den technischen Auszeiten für die SVG ein 23:12, das die 1400 Zuschauer sich die Augen reiben ließ. Neben Krage mit 5 Punkten ragte auch sein Mittelblocker-Kollege Michel Schlien mit 4 heraus, zudem kamen Blake Scheerhoorn (6) und Antti Ronkainen (3) immer wieder zum Zuge. Beim Gegner dagegen suchte das frühere SVG-Schreckgespenst Sebastian Gevert vergebens seinen Rhythmus (insgesamt nur 10 Punkte). Selbst Oldie Björn Andrae, im Pokalduell noch so stark, bewirkte nur wenig, nachdem er für den anfangs spielenden Egor Bogachev aufs Feld kam.

LüneHünen lassen niemals locker

In Abschnitt zwei mussten die Hausherren schnell ein Doppel-Ass von Ronkainen schlucken (4:6, 4:7) und versuchten es ab dem 7:11 ohne den frustrierten Gevert. Zwar kamen sie wieder heran (10:11), doch die LüneHünen ließen nie locker und spielten einen entscheidenden Trumpf aus: ihr schon zuletzt so starkes Angriffsspiel aus der eigenen Annahme und dies besonders, wenn es eng wurde.

Dann punktete vor allem Diagonalangreifer Scheerhoorn immer wieder zuverlässig. Er war am Ende bester Scorer mit 17 Punkten vor Ronkainen (16), dessen Ausbeute Düren zusätzlich überraschte. Denn der Finne ist sonst mehr in der Annahme gefordert. Nun schlüpfte er in die Rolle von Lindberg, auf den Düren viel aufschlug und ihn so versuchte, aus dem Spiel zu halten.

Mehrmals kämpften sich die Hausherren heran, ohne je ausgleichen zu können. Lange hatten sie die Hoffnung auf eine Wende, bis schließlich Scheerhoorn mit seinem achten Punkt allein in diesem Satz auf 0:2 stellte.

Durchgang drei zeigte, dass die SVG-Auftritte auch immer konstanter werden. Düren versuchte es wieder mit Gevert und bald auch mit einem neuen Zuspieler (Youngster Eric Burggräf für Routinier Tomas Kocian), außer einem späten Gleichstand beim 18:18 brachte das wenig. 8:7 und 16:13 hieß es für die LüneHünen bei den technischen Auszeiten, mühsam kämpften sich die Hausherren immer wieder heran, doch dann schlugen die SVG-Mittelblocker zu, machten förmlich Tempo Richtung Spielende mit dem ersten Tempo: Schlien schloss diese Angriffsvariante zum 21:19 und 22:20 ab, Krage war so zum 24:22 und beim Matchball zum stürmisch gefeierten 25:23 erfolgreich.

MVP Florian Krage verwandelt Matchball

„Wir haben heute viel besser angenommen als im Pokal, und wenn die Bälle so präzise nach vorne kommen, kann man auch die Angreifer gut einsetzen“, freute sich Zuspieler Gijs van Solkema über das Lob für sein variables Spiel und verteilte selbst weiteren verbalen Beifall: „Das Blockspiel hat sehr gut funktioniert und unsere Aufschläge hatten Wirkung.“ Cheftrainer Stefan Hübner konnte sich da nur anschließen: „Side-out, Aufschlag, Block: alles richtig, richtig gut. Und die Angreifer sind sehr clever vorgegangen, waren geduldig, haben notfalls neu aufgebaut und haben immer wieder die Fingerspitzen in Dürens Block angeschlagen. Wir haben ein richtig schönes Spiel gemacht.“

Das Niedersachsen-Derby am kommenden Sonnabend (19 Uhr) gegen die Giesen Grizzlys kann also kommen. Da aus Hildesheim eine große Schar an Fans zu erwarten ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig Tickets zu besorgen. Die SVG spielte mit: Lindberg, Krage, Scheerhoorn, Ronkainen, Schlien, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Michelau.