Topduell im internationalen Fokus
Drei Nationaltrainer beim Spiel gegen Berlin in der Arena
Dass die internationale Volleyballszene gut vernetzt ist, überrascht nicht. Dass aber gleich drei Nationaltrainer zu einem Spiel in die LKH Arena kommen, gab es so noch nicht. Beim Bundesliga-Spiel gegen Berlin am vergangenen Samstag schauten Karch Kiraly (USA), Gido Vermeulen (Schweden) und Olli Kunnari (Finnland) vorbei.
Volleyball-Legende Kiraly – u. a. in der FIVB-Hall of Fame als Volleyballspieler des 20. Jahrhunderts, Olympia-Gold-Gewinner 1984 und 1988 (Halle) sowie 1996 (Beach) und als Trainer der US-Teams der Frauen und Männer erfolgreich – stand dabei besonders im Mittelpunkt. Er ist derzeit auf Europa-Tournee, schaut sich die US-Profis in den Ligen in Deutschland, Polen, Frankreich und Italien an. Beim Spiel am Samstag traf er gleich fünf von ihnen, auf SVG-Seite Ethan Champlin und den derzeit verletzten Shane Holdaway.
Schon während des Spiels gab’s von Kiraly Lob für “seine” Spieler: “Die Jungs machen das gut! Sie stehen mit ihren Teams nicht ohne Grund ganz oben, weil alle Spieler starkes Volleyball spielen – nicht nur die amerikanischen. Die Bundesliga ist eine großartige Liga für viele Amerikaner, die sich hier über die Jahre schon entwickeln konnten, wie etwa Erik Shoji.” Am Mikrofon von Arena-Moderator Dirk Böge gab’s zudem nochmal ein Gütesiegel für die Qualität der Akteure: “Wir sehen es ja heute Abend: Wenn der gegnerische Angreifer seinen besten Angriff rausholt und den Ball auf den Boden knallt … Es ist einfach spektakulär, wenn man das auf so hohem Niveau sehen kann.”
Doch nicht nur das Spiel begeisterte den US-Amerikaner. Auch mit Blick auf die Atmosphäre in der LKH Arena bekam Kiraly leuchtende Augen, geriet förmlich ins Schwärmen: “Es ist eine Ehre, hier zu sein! Das ist eine großartige Volleyballstätte, eine tolle Atmosphäre. Allein, dass die Fans die Flaggen ihrer Spieler aufhängen … Ich genieße das sehr!”
Kiraly zollte auch SVG-Chefcoach Stefan Hübner Anerkennung: “Stefan macht hier seit mehr als zehn Jahren einen wirklich großartigen Job. Man sieht, dass es sich auszahlt, wenn man auf Kontinuität setzt und nicht beim ersten Problem alles über den Haufen wirft. Jedes Jahr bekommt das Team ein neues Gesicht – und trotzdem kann die SVG auf einem sehr hohen Level spielen.”
Auch Stefan Hübner freute sich: “Wir haben uns bei dieser Gelegenheit auch privat mal getroffen, uns ausgetauscht. Das war hochspannend. Da ging es um Privates, aber wir sind auch Volleyball-Nerds, wollen alle dazulernen, neuen Input bekommen.”

Gespannt auf das Duell der deutschen Topteams war auch Schweden-Coach Gido Vermeulen (Foto links). “Es ist die Zeit, in der wir als Trainer uns auf den Sommer vorbereiten, unsere Kaderlisten erstellen. Deshalb schaue ich mir alle Spieler an. Lüneburg spielt bislang eine überragende Saison. Für mich ist es interessant, wie sie mit der Belastung Dienstag/Samstag/Dienstag/Samstag umgehen – besonders Axel Enlund als junger Spieler.”
Auch Daniel Gruvaeus, der zuletzt im Nationalteam pausierte, hatte er im Blick. “Ich freue mich, dass beide auf diesem Level spielen können. Axel macht einen richtig guten Eindruck hier. Dass er gerade verletzt ist, ist schade, gehört aber zu den Dingen, die er lernen muss. Ich bin überaus glücklich mit dem, was er hier machen kann. Ich habe das schon in Schweden gemerkt: Wenn man bessere Spieler um ihn herum stellt, sagt er: ‘Okay, ich kann sie schlagen.’ Er ist jemand, der sehr schnell besser wird. Und ich bin froh, dass ich ihn für drei Jahre in so einer stabilen Umgebung sehen kann, in der er ein richtig guter Spieler werden kann. Für Stefan (Hübner) war das ja auch ein Risiko – ich habe den Anstoß gegeben und gesagt: ‘Keine Sorge!’”, erinnert sich Vermeulen lachend daran, wie er schon früh von Enlunds Qualität überzeugt war.
“Gido kenne ich schon seit der Zeit, als Gijs van Solkema (2017-2020 und 2021, d. Red.) hier war. Wir sind ganz viel im Austausch, natürlich auch mit Blick auf Axel. Da haben wir alle gemeinsam einen Plan und schauen darauf, dass es für alle weiter gut passt. Wir haben alle ein Interesse daran, dass sich Axel mit uns in diesem Tempo entwickeln kann”, freut sich Hübner über den guten Kontakt zum Niederländer.
Für Finnland-Coach Olli Kunnari (Foto rechts) stand natürlich das Duell “seiner” Zuspieler Santeri Välimaa (SVG) und Fedor Ivanov im Fokus. “Wir haben einige finnische Spieler in Deutschland, morgen sehe ich mir ein weiteres Spiel an und am Dienstag noch eins. Dafür ist jetzt eine gute Zeit, bevor es bald mit dem Nationalteam losgeht.”
Auch er hatte schon vor dem Spiel einen positiven Eindruck: “Ich habe mir schon Videos aus Lüneburg angesehen, die Arena ist einfach beeindruckend. Klar schaue ich mir vor allem das Spiel an, aber ich werde auch die Atmosphäre hier genießen. Und danach, vielleicht nicht direkt nach dem Spiel, aber morgen oder in den nächsten Tagen, tausche ich mich auch mit unseren Jungs nochmal aus.”

Für Stefan Hübner haben die Besuche der Kollegen, die Eindrücke der SVG mitnehmen, auch noch zusätzlichen Wert. “Das sind alles kleine Botschafter. Es ist unsere Kultur, unser Umgang mit Leuten, mit denen wir überzeugen können. Auch, was hier etwa für Shane Holdaway getan wird, wird wahrgenommen und geschätzt. Da müssen wir uns mit dem Gesamtpaket nicht mehr verstecken.”
Übrigens: Nicht nur für Nationaltrainer sind die SVG und die LKH Arena ein attraktives Ziel. Zuletzt schauten beispielsweise auch die Beachvolleyball-Größen Clemens Wickler, Linda Bock und Sven Winter bei Spielen der LüneHünen vorbei.
(gm, Fotos: gm/Höfel)