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Wenige Momente machen den Unterschied

Enges Spiel: SVG unterliegt Meister Berlin 1:3

3200 Fans in der restlos ausverkauften LKH Arena, das Duell zwischen dem Bundesliga-Ersten und seinem Verfolger – alles war bereitet für ein Volleyballfest. Und die SVG Lüneburg und die Berlin Recycling Volleys wurden dem Topspiel-Label gerecht, lieferten sich über 121 Spielminuten einen packenden Schlagabtausch. Am Ende setzten sich die Gäste durch: 1:3 (28:26, 22:25, 21:25, 23:25) hieß es aus SVG-Sicht. Berlin rückte damit punktgleich an die LüneHünen heran, die aufgrund eines Sieges mehr aber Tabellenführer bleiben.

“Wenn es so eng ist, ist man natürlich enttäuscht und erstmal bisschen frustriert”, fiel das erste Fazit von Stefan Hübner aus. Doch der SVG-Chefcoach hielt auch fest: “Es war ein sehr gutes Spiel, dieses Niveau werden wir weiter brauchen.”

Die SVG musste auf den verletzten Axel Enlund verzichten. Der Schwede konnte somit keinen Einsatz vor den Augen seines Nationalcoaches Gido Vermeulen bestreiten. Er war einer von drei Nationaltrainern, die das Topduell als Anlass für einen Besuch in der LKH Arena nutzten. Auch Volleyball-Legende und US-Trainer Karch Kiraly und Finnlands Trainer Olli Kunnari schauten vorbei, um die Spieler ihrer Teams in beiden Mannschaften unter die Lupe zu nehmen. Kiraly konnte dabei US-Libero Kyle Dagostino in Aktion sehen, der zuletzt angeschlagen war, in Lüneburg aber ebenso wieder auf dem Feld stand wie Jake Hanes.

SVG feiert Crunchtime-Coup

Die SVG sah sich zunächst lange in der Verfolgerrolle, kam aber nach ein, zwei Punkten Rückstand immer wieder heran (9:9, 13:13, 16:16). Hatten starke Aktionen die SVG-Fans schon vorher begeistert, wie Ethan Champlins Pipe-Angriff (17:18), legte die Crunchtime noch so richtig viel Spannung drauf: Berlin ging zwar mit einer Führung in die Schlussphase das Satzes (20:22), doch es folgte ein enger Schlagabtausch. Als Jackson Howe nach einer Berliner Annahme den Ball direkt auf den Boden drosch (22:22), war die Arena voll da. Einen ersten BR-Volleys-Satzball vereitelte die SVG, ein Angriff von Jake Hanes ins Aus (27:26) brachte die LüneHünen erstmals wieder in Führung. Und die nutzten die Hausherren. Vor dem Punkt zum Satzgewinn konnte man das Mitfiebern der Fans förmlich spüren: “Eins-zwei-DREI!!!” – Christopher Byam hatte die Blockfinger getroffen, ließ Team und Fans euphorisch feiern.

Im zweiten Satz legte die SVG einen guten Start hin, behauptete zunächst eine Führung (3:1, 6:4, 8:5). In dieser Phase begeisterte vor allem Jackson Howe, der per “Flug-Angriff” und Ass punktete (7:4) und bis dahin eine 100-%-Angriffsquote (5/5) vorweisen konnte. Die SVG forderte die Gäste weiter, immer wieder bissen sich die Berliner Angreifer die Zähne am SVG-Block aus. Doch die Gäste kamen nun besser ins Spiel, machten aus einem 11:12-Rückstand ein 15:13.

Wenig später lag eine erneute SVG-Führung in der Luft, doch mit einer erfolgreichen In/Out-Challenge lagen die Gäste weiter vorn (16:17). Moritz Reichert jubelte nach einem platzierten Ball vor die Linie (16:18) schon emotional über den gefühlten Durchbruch, auch wenn die SVG erneut herankam: Der eingewechselte Axel Larsen holte ein Ass, Daniel Gruvaeus legte clever vor Jake Hanes neben die Linie (21:22). Beide Teams lieferten sich packende Ballwechsel, doch ein Angriff von Hanes (22:25) brachte den Gästen den Ausgleich.

Der dritte Satz begann mit einem Schreckmoment: Jackson Howe knickte bei einem Blockversuch um und musste vom Feld, kam später im Satz aber zurück. Seine Teamkollegen sahen sich derweil schon früh im Rückstand (4:6, 9:11). Beim Byam-Ass (12:13) waren die LüneHünen nah dran, doch die Gäste setzten sich erneut ab (12:15, 14:18). Die SVG hielt das Spiel spannend (17:19, 19:21), musste die Gäste nach einem Angriff von Hanes jedoch ziehen lassen (19:23). Den Diagonalangreifer hatten die LüneHünen lange gut im Griff, doch jetzt kam der US-Boy auf Touren, holte mit dem Satzball (21:25) schon seinen 15. Punkt.

Challenge-Duell entscheidet das Spiel

Eine schier endlose Rally, die Gruvaeus von der Position 4 abschloss, begeisterte die Fans beim Auftakt in den vierten Satz. Die SVG lag zunächst noch vorn (3:2, 5:4), doch die Gäste drehten den Spielstand (5:7). Im erneut engen Rennen feierten die Fans wichtige Punkte. Joscha Kunstmann punktete doppelt, einmal clever mit kurzem Zuspiel von Santeri Välimaa eingesetzt (8:9). Doch die Berliner rissen das Momentum an sich. Nach einem Ass von Ex-LüneHüne Matthew Knigge (8:11) nahm Stefan Hübner die erste Auszeit, nach einem wuchtigen Angriff von Florian Krage-Brewitz in der Mitte (10:15) folgte schnell der zweite Lüneburger Timeout.

Doch eine Vier-Punkte-Führung der Gäste (15:19) ließ die SVG nicht aufgeben – stattdessen: emotionale Action. Aus einem 16:20 machten starke Aktionen eine 23:22-Führung – wow! Doch das Hoch der Fans, die den Punkt lautstark bejubelt hatten, hielt nur kurz: Krage-Brewitz überraschte die SVG mit einem Ass (23:24) – und dann folgte ein Challenge-Duell um den Matchpunkt: Schiedsrichter Joachim Mattner hatte beim Angriff von Byam einen Blocktouch gesehen. Berlins Coach Alexander Leal hatte mit einer Challenge gegen diese Entscheidung Erfolg – und die folgende In-/Out-Challenge von Stefan Hübner blieb erfolglos (23:25).

“Was heute gefehlt hat, waren die Bälle aus der Abwehr”, fand Stefan Hübner nach dem Spiel. “Manche kamen da einfach rüber, das hätten die Jungs besser spielen können. Das hat Berlin besser gemacht, die Bälle besser zum Angriff bekommen und druckvoller aufgeschlagen. Da hätten wir mehr konstanten Druck gebraucht. Dass die Sätze so eng ausgingen, ist bitter, aber das ist okay so – weiter geht’s!”, blickte der Chefcoach auf die anstehenden Aufgaben.

Als MVP wurde Ex-LüneHüne Florian Krage-Brewitz geehrt. Topscorer war Christopher Byam (19 Punkte), die beste Bilanz der Gäste erreichte Jake Hanes (18 Punkte).

SVG: Kunstmann, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Byam, Champlin – Takahashi; eingewechselt: Larsen, Young.

Weitere Stimmen zum Spiel:

Alexandre Leal (Chefcoach Berlin Recycling Volleys): “Es war das großartige Spiel, das man vom Ersten und Zweiten der Tabelle erwarten kann. Ich bin sehr stolz auf unser Team. Wir haben gezeigt, dass wir auf unser Top-Level und unsere beste Performance in der Liga zurückkommen wollten. Alle arbeiten jeden Tag hart, aber niemand gibt auf – wir sind immer noch da! Es war ein offenes Spiel – wie immer, wenn wir gegen Lüneburg spielen. Beide hatten die Chance zu gewinnen. Aber am Ende haben die kleinen Dinge den Unterschied gemacht. Wir konnten am Satzende mehr Druck machen. Aber diese intensiven Spiele sind immer gut für die Fans – sie sehen immer guten Volleyball.”

Christopher Byam (SVG): “Es war ein enges Spiel. Am Ende haben wir uns ein paar kleine Dinge geleistet, die den Unterschied für Berlin gemacht haben. Klar sieht man auch die positiven Dinge. Aber wir sind nicht hier, um zu verlieren – klar, dass wir erstmal enttäuscht sind. Besonders meinen letzten Ball ins Aus zu schlagen, ärgert mich. Da müssen wir sauberer agieren. Aber wir waren nicht weit weg, waren immer dran und konnten vieles gut regeln. Jetzt arbeiten wir weiter – und kommen stärker zurück!”

Florian Krage-Brewitz (BR Volleys): “Man hat gesehen, dass beide Teams durch die Champions League aktuell körperlich am Limit sind. Im ersten Satz hat es gedauert, bis wir hier in der lauten Halle angekommen sind. Hinten raus wurde es dann stabiler bei uns, auch wenn wir es im letzten Satz noch unnötig knapp haben werden lassen. Da hatten wir beim letzten Ball ein bisschen Glück. Wir waren in einer Situation, in der wir selbst Schuld sind, dass wir mit solchem Druck herumlaufen. Deshalb bin ich happy, dass wir die drei Punkte mitgenommen haben und den Job zumindest heute erledigt haben. Wäre es am Ende nicht so knapp geworden, wären wir mit einem sehr guten Gefühl nach Hause gefahren – so sind wir uns bewusst, dass wir natürlich noch weiter arbeiten müssen.”

(gm)