
SVG setzt erneut auf Japan-Power
Kandai Goto kommt als bester Libero der finnischen Liga
Die Libero-Position der SVG Lüneburg bleibt auch in der kommenden Saison japanisch geprägt: Kandai Goto wird der zentrale Akteur auf der Position sein. Der 23-Jährige, der einen Einjahresvertrag erhält, kommt vom japanischen Erstligisten Tokyo Great Bears, spielte in der vergangenen Saison für den finnischen Klub Akaa Volley.
Der 1,80-Meter-Mann trug auf seiner ersten Europa-Station zu einer erfolgreichen Saison bei: Im Pokal gelang mit Akaa der Sprung ins Finale (0:3 gegen Meister Hurrikaani Loimaa). In der Mestaruusliiga ging es für den Hauptrunden-Zweiten bis ins Halbfinale gegen AC Oulu. Mit einem Golden-Set-Sieg sicherte sich Akaa schließlich gegen Savo Volley den 3. Platz. Zum fünften Mal in Folge gehörte das Team zu den drei besten Mannschaften der finnischen Liga. Zudem spielte Goto mit Akaa in der Champions-League-Qualifikation gegen TSV Hartberg (Österreich), danach im CEV-Cup gegen SK Zadruga Aich/Dob (0:3, 3:1), ebenfalls Österreich, und Jastrzebski Wegiel (1:3, 0:3).
“Dort sah es sehr gut aus”, blickt Chefcoach Stefan Hübner exemplarisch auf die Spiele gegen das polnische Topteam Wegiel. “Kandai ist einer, der mit ‘leading by example’ vorangeht. Das hat uns imponiert. Wir hoffen, dass er unsere Annahme stabilisieren kann. Er ist etwas jünger, kommt aber von einem der größten Erstligaklubs in Japan, soll hier weiter Erfahrung sammeln.” Gelassen blickt der Coach auf den japanischen Takahashi-Nachfolger im Team: “Dass wir diese Erfahrung, auch im sprachlichen Zusammenspiel, schon gemacht haben, ist gut. Wir hoffen, dass es wieder so passt.”
Goto setzt auf nächsten Schritt in starker Liga
Angesprochen auf einen gewissen “Japan-Stil” im Volleyball, überlegt Kandai Goto kurz, sagt dann: “Wir geben niemals auf! Und uns eint ein gewisses Streben nach Perfektion im Spiel.” In Finnland war er der einzige Nicht-Finne im Team, hatte sich trotzdem schnell eine Rolle als wichtiger Akteur erarbeitet. Vier Mal wurde er ins “Team of the month” berufen und stand am Saisonende im Libero-Ranking der Mestaruusliiga mit 61 Prozent guter Annahme und 33 Prozent perfekter Annahme ganz vorn – in jener Liga, die schon für Positionskollegen wie Sho Takahashi und Kyle Dagostino (USA, zuletzt Berlin) das Sprungbrett für eine spätere Bundesliga-Station war.
“Ich habe mich dort wirklich entwickelt”, fällt auch Gotos Finnland-Fazit positiv aus. Jetzt setzt er auf den nächsten Schritt, weiß um die Faktoren, die für die SVG sprechen: “Ich kann dort in der Champions League und einer starken Liga spielen. Außerdem ist auch das Umfeld noch besser als in Finnland. Das wird mir helfen, noch weiter zu wachsen.” Gotos Eindruck der Bundesliga: “Die Fan-Unterstützung sieht wirklich beeindruckend aus. In Finnland kommen die Zuschauer eher, um zuzuschauen – in Deutschland gibt’s fast für jedes Team echte Unterstützung.”
Gotos Ambitionen mit der SVG? “Wieder den Pokal holen, Meister werden – und es in der Champions League vielleicht auch über die Gruppenphase hinaus schaffen.” Seine Stärken sieht der Libero in der Annahme und der Ballverteilung. “Meine Abwehr ist noch nicht so gut”, sieht er noch Potenzial. “Daran will ich arbeiten, meine Abwehrqualität in der deutschen Liga weiter steigern.”
Japaner reisten für Goto nach Finnland
“Er ist zwar noch jung, aber ein herausragender Spieler. Er hat das natürliche Talent, als Profi-Volleyballspieler die Menschen zu begeistern”, ist Sho Nose von Goto überzeugt. Nose, Ex-Libero u. a. in Düren (2023-2025), ist inzwischen Teil des Managements des Goto-Heimatklubs Tokyo Great Bears. “Er hat viele Fans in Japan”, weiß Nose um Goto und ist sicher: “Seine Verpflichtung durch Lüneburg wird in Japan für Schlagzeilen sorgen und sicherlich dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad dieses wunderbaren Vereins in Japan zu steigern.” Das wird vielleicht sogar in der LKH Arena erkennbar, denn: “In der vergangenen Saison reisten viele Fans extra nach Finnland, um ihn anzufeuern”, betont Nose.
Goto stammt aus Matsuyama in der Präfektur Ehime, gelegen auf Shikoku, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln. Seine Volleyball-Ambitionen entwickelte er zunächst bis 2021 an der Higashiyama High School, danach am Biwako Seikei Sport College. 2023 verpflichteten ihn die Tokyo Great Bears, ein Klub der SV.League, der höchsten Volleyballliga Japans.
(gm, Foto: Akaa Volley)