
Ein Nationalspieler mit “Trinity-Spirit”
Zuspieler Anselm Rein kommt mit Rekordbilanz und SVG-Kultur
Er kommt als Titelträger nach Lüneburg, bringt zudem eine besonders passende Kombination mit – und erfüllt sich in diesem Jahr gleich zwei Wünsche: Zuspieler Anselm Rein wird ab der kommenden Saison ein “LüneHüne”.
Der 24-jährige, der kürzlich für den VNL-Kader des DVV-Nationalteams nominiert wurde, spielte zuletzt für die Trinity Western University (Kanada), von deren Volleyballteam die SVG immer wieder ambitionierte Spieler holte. Mit den “Spartans” holte Rein in der abgelaufenen Saison den kanadischen College-Titel. Bei der SVG erhält er einen Einjahresvertrag mit der Option auf eine längere Vertragslaufzeit.
“Cool, dass wir so einen deutschen Spieler holen können. Er hat im letzten Jahr nochmal einen Schritt nach vorn gemacht, vor allem im Bereich der Zuspielqualität”, freut sich Chefcoach Stefan Hübner auf den Zugang. “Er hatte in Kanada coole Leute um sich, hat positive Aggressivität und bringt gute Energie mit.”
Erfolgreich in Kanada – und Lüneburg als “großer Traum”
Die fünf Jahre bei den “Spartans” waren für Rein äußerst erfolgreich – nicht nur aufgrund der beiden nationalen Titel 2023 und 2026. In diesem Jahr wurde er nach dem Finale (3:2 gegen British Colombia) als Meisterschafts-MVP geehrt und in die Turnier-All-Stars gewählt. Und das verdient: Mit 122 Assist-Punkten, 20 Annahmen, fünf Angriffspunkten und sechs Assen zeigte der Zuspieler in den drei Turnierspielen eine beeindruckende Effizienz. Zudem holte er im Frühjahr zweimal in Folge die Auszeichnung als “Canada West Athlete of the week” – es war das erste Mal, dass ein Volleyballer dieses “Double” holte.
Mit dem Wechsel an die Ilmenau geht für Rein, der in Bayern geboren und in Thüringen aufgewachsen ist, ein zweiter Wunsch in Erfüllung. Er wolle Bundesliga- und Nationalspieler werden, hatte er 2019 in einem Interview in der “Thüringer Allgemeine” als Karriereträume genannt – 2026 wird womöglich beides Wirklichkeit. Im DVV-Kader stand er schon 2025, bestritt bei den FISU-Games Spiele mit dem U23-Team. Als Teil des diesjährigen VNL-Kaders dürfte nun auch der erste Einsatz im A-Nationalteam warten – und danach die Karriere als Bundesliga-Profi.
“Die SVG ist mittlerweile eines der Topteams, hat allein in den letzten drei Jahren eine unglaubliche Entwicklung genommen. Daher ehrt es mich, so ein Angebot zu bekommen. Nach Lüneburg zu kommen, war ein großer Traum für mich”, betont Rein und weiß um die besondere Verbindung zwischen SVG und TWU: “Von der Trinity waren schon viele Spieler bei der SVG. Wenn man diesen Schritt schafft, ist es immer etwas Besonderes. Die SVG ist eine Riesenchance, sich weiterzuentwickeln und mit Blick auf mein Volleyball-Level den nächsten großen Schritt zu machen.”
Dass ihn bei der SVG eine anspruchsvolle Situation auf seiner Position erwartet, ist Rein bewusst. “Ich muss mich beweisen, hart an mir arbeiten. Santi ist natürlich eine große Konkurrenz. Ich habe großen Respekt für ihn. Er ist ein großartiger Spieler, mit dem ich zusammenarbeiten darf. Wir werden ein Super-Zuspielteam sein, gemeinsam diese Mannschaft anführen. Wir alle müssen hart arbeiten, an vorderster Stelle steht der Erfolg des Teams.”
Dabei setzt der Neuzugang auf seine Erfahrungen in Kanada. “Was die TWU ausmacht, ist eine extrem fokussierte Technik- und Taktikarbeit. Sowas habe ich in Deutschland nie erlebt. Alles ist orientiert daran, Spieler weiterzubringen, den nächsten Schritt zu machen, sich an großen Spielern zu orientieren. Da steht immer das Ziel, dass man erfolgreich ist – nicht irgendwie, sondern mit Köpfchen. Das ist sehr physisch, sehr taktisch – das wird mir in Lüneburg helfen, weil ich die Spielidee schon kenne.” Sein Kanada-Fazit: “Entwicklungsmäßig war es der richtige Schritt, ich habe die perfekte Entwicklung genommen.”

Rein überholte Ex-LüneHüne Schriemer und TWU-Legende Ben Ball
Eines der Bindeglieder für Rein war sein Coach Adam Schriemer, der als Aktiver 2018/19 – ebenfalls als Zuspieler – für die LüneHünen spielte und weiter einen engen Austausch mit Stefan Hübner pflegt. Der SVG-Chefcoach freut sich über den guten Vorlauf: “Für Anselm wird es relativ einfach sein, er kennt unsere Spielidee und Kultur schon.” Auch der Zugang hatte nach den Gesprächen mit Hübner den gleichen Eindruck: “Die Connection war sofort da. Die Philosophie ist die gleiche wie bei Adam (Schriemer) und Ben Josephson, das kommt ganz automatisch.”
An der Trinity musste TWU-Coach Schriemer bereits 2024 eine eigene Bestmarke an Rein abgeben. Da holte der Thüringer in einem Vier-Satz-Spiel 57 Assist-Punkte – mehr als die 53 Punkte, mit denen sich Schriemer 2016 als drittbester Akteur in die TWU-Historie eingetragen hatte. In diesem Frühjahr legte Rein nach: Mit 2821 Assist-Punkten während seiner Uni-Laufbahn überholte er die TWU-Legende und aktuellen Co-Trainer Ben Ball (2742), holte damit die zweitbeste Bilanz der Trinity-Geschichte.
In Kanada hatte Rein ein in SVG-Kreisen bestens bekanntes Vorbild: 2021 bis 2023 spielte er bei den Spartans mit Jesse Elser, LüneHüne 2023/24 und in der abgelaufenen Saison. “Ich hatte großes Glück, dass er mein Kapitän war”, blickt Rein zurück. Später wuchs er selbst in die Rolle als Teamleader, weiß vor dem Schritt zur SVG aber auch: “In der nächsten Saison wartet eher eine andere Rolle, da werde ich mich erstmal einordnen, Erfahrung sammeln und schauen, was die Mannschaft von mir braucht.”
Das Umfeld der TWU lässt ihn allerdings nur ungern gehen: “Anselm can’t leave now. He’s no longer German. He’s all Canadian”, textete etwa ein Fan bei Instagram. Für Rein bleibt jedenfalls viel hängen: “Die fünf Jahre waren eine sehr besondere Zeit, das ist schon etwas anderes als ein Auslandsjahr. Kanada ist ein ganz tiefer Teil von mir, meine Freundin ist Kanadierin. Ein Voll-Kanadier werde ich sicher nicht, will immer noch gern ins deutsche Nationalteam – aber so 50/50 ist es bestimmt.”
Als Kind hatte Rein zunächst Handball gespielt. Über “Jugend trainiert für Olympia” fand er den Weg zum Volleyball, startete mit 14 Jahren beim Erfurter VC. Nach einem halben Jahr war er schon in der Thüringer Landesauswahl und mit 16 Jahren bereits Junioren-Nationalspieler. Bei der Nominierung für die U19-WM 2019 war Rein einer von nur drei Spielern, die nicht in einem der Jugendausbildungszentren in Berlin, Frankfurt/M. oder Friedrichshafen trainierten. Von 2018 bis 2021 spielte er für den Zweitligisten Blue Volleys Gotha.
An der Trinity University absolvierte Rein ein Bachelor-Studium in Biologie. “Ich habe Spaß daran”, begründet er diesen Themenfokus, “auch wenn es mit der Arbeit im Labor und der Uni mehr Aufwand bedeutet als ein Business-Studium.”
(gm, Foto oben: TWU/Edwin Tam)