Dalton Solbrig ist der neue Mittelblocker bei der SVG Lüneburg

Dalton Solbrig will unbedingt ins US-Nationalteam

Coach Hübner freut sich auf neue Angriffsvarianten

Der Mittelblock war schon immer ein herausragender Mannschaftsteil der LüneHünen, sowohl im Hinblick auf die Größe der handelnden Akteure als auch in Bezug auf deren Klasse. Diese Gesetzmäßigkeit bleibt auch 2020/21 bestehen. Denn für den nach Berlin abgewanderten Nationalspieler Anton Brehme hat die SVG in Dalton Solbrig (USA) einen starken Ersatz gefunden. Und Urgestein Michel Schlien sowie der ins Blickfeld des Bundestrainers gerückte Florian Krage sind ja auch noch da.

„Dalton ist aber mal ein ganz anderer Typ, als wir ihn auf dieser Position bisher immer hatten“, stellt Chefcoach Stefan Hübner klar. Und das gilt nicht nur dafür, dass ein Mittelblocker erstmals in der Bundesligageschichte der SVG nicht deutlich über zwei Meter groß ist (1,99). „Er ermöglicht uns mit seinem Spiel ein paar andere Angriffsvarianten – wobei da natürlich auch der Zuspieler gefordert sein wird, ihn entsprechend einzusetzen“, führt er weiter aus und verweist auch darauf, dass das Verständnis mit Leon Dervisaj und Hannes Gerken noch wachsen muss. „Aber er hat Feuer, hat beim Blocken ein gutes Gespür für die Hände, ist schnell auf den Beinen, hat einen schnellen Arm und eröffnet uns spannende Möglichkeiten im Angriff. So ein bisschen erinnert er mich an mich selbst früher.“

In Kroatien auch im Europacup gespielt

Dalton Solbrig spielte in der vergangenen Saison bei Mladost Ribola Kastela in Kroatien, einem 40 000-Einwohner-Ort an der kroatischen Adria, 20 Kilometer nordwestlich von Split. Der Verein gibt zusammen mit Mladost HAOK Zagreb seit langer Zeit den Ton im Land an und spielt deshalb außer in der heimischen Liga auch in der MEVZA (Middle European Volleyball Zonal Association), einer seit 2005 bestehenden grenzübergreifenden Liga der Länder Österreich, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Kroatien (zeitweise auch Tschechien). Jedes Land darf zwei Teams stellen – Bedingung: Teilnahme am Europacup. Mit dieser Konzentration der Besten sollen die Spitzenclubs mehr gefordert werden, die sonst in ihren Ligen eher unterfordert wären.

Gespielt werden eine Hin- und Rückrunde sowie Playoffs bis zum Titel. In ihren heimischen Ligen steigen die MEVZA-Starter anschließend direkt in den Playoffs ein. Kastela wurde in der MEVZA Fünfter (Meister: Ljubljana/Slowenien) und verpasste nur knapp das Final-4, in Kroatiens Superliga kam nach zwei gewonnenen Playoff-Matches das Corona bedingte Saisonaus. Solbrig gehörte bei seinem ersten Europa-Engagement stets zur Stammformation, auch im europäischen Challenge Cup, wo im Achtelfinale Mailand Endstation war. Damit erfüllte der 23-Jährige alle Erwartungen, die er zuvor geweckt hatte.

In den USA spielte er von 2016 bis 2019 stets herausragend für eins der renommiertesten Collegeteams überhaupt, die „Rainbow Warriors“ der University of Hawaii. Dort studierte er Meeresbiologie und Biochemie, will nach der Karriere noch ein Studium anhängen, um den Doktor in Veterinärmedizin zu erwerben. 2018/19 legte sein Team eine Saison der Rekorde hin, verlor 74 Sätze in Serie nicht und wurde erst im Finale der US-Meisterschaften vom Titelverteidiger Long Beach State University gestoppt (1:3). Starke Auftritte des 1,99-Meter-Mannes brachten ihm im Dezember 2018 auch eine Einladung zu den „Tryouts“ potenzieller A- und B-Nationalspieler ins Trainingszentrum Anaheim, zusammen übrigens mit dem kürzlich von der SVG verpflichteten Jordan Ewert.

Auch für Solbrig, geboren nördlich von Chicago in Lake Forest/Illionois und aufgewachsen im nahen Lindenhurst, reichte es noch nicht zu einem Länderspieleinsatz, doch dieses Ziel treibt ihn weiter an. „Zuerst einmal will ich in Lüneburg dem Team so helfen, dass es gewinnt. Aber ich möchte auch jeden Tag meine eigenen Fähigkeiten verbessern, um mich dadurch in eine bessere Position bei der Nationalmannschaft zu bringen. Mein größter Wunsch ist es, mal an Olympischen Spielen teilzunehmen“, sprüht der Rechtshänder vor Ehrgeiz und freut sich schon auf die Gellersenhalle: „Da gibt es eine großartige Unterstützung der Fans, das erinnert mich sehr an meine Zeit auf Hawaii. In so einer Atmosphäre spiele ich gerne“, weiß er aus einigen Streams. Das soll so bleiben: „Ich glaube, wir haben im Kern eine junge Mannschaft, die immer kämpft und viel Energie mitbringt.“

Deutsche Vorfahren väterlicherseits

Die Bundesliga verfolgt Solbrig schon lange intensiv, schon zu US-Zeiten, weil einige frühere Mitspieler wie Joe Worsley (Friedrichshafen) und der Neu-Giesener Stijn van Tilburg oder Gegenspieler wie Kyle Ensing und Ben Patch (beide Berlin) hier Verträge bekommen haben. „Ein starker Wettbewerb, ich wollte schon immer gerne in Deutschland spielen. Ich hatte eine tolle Zeit in Kroatien. Es war auch ein fantastischer Ort zum Leben, ich habe alles genossen. Aber es war an der Zeit, in eine stärkere Liga zu wechseln, um mich weiter zu verbessern. Und ich glaube auch, dass Trainer Stefan Hübner meine Spielweise gefällt. Meine Stärke ist sicher der Angriff und im Aufschlag habe ich mich gerade in der letzten Saison stark verbessert.“

Eingewöhnungsprobleme wird Solbrig wohl nicht haben. In der Schule hat er etwas Deutsch gelernt und auch viel über die Kultur hierzulande aufgesogen, denn: „Ich habe auch einige deutsche Vorfahren auf der Seite meines Vaters.“