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Im vierten Anlauf soll es klappen

Selbstbewusste SVG fordert Rekordgewinner Friedrichshafen

Pokalfinale. Das dritte Mal Mannheim. Das vierte Mal Friedrichshafen. Das, worauf sich die SVG und ihre Fans seit dem Halbfinalsieg gegen Düren im Dezember freuen, ist schnell umrissen.

Kaum fassbar aber ist die große Vorfreude auf ein weiteres Highlight in der jüngeren SVG-Geschichte, wenn es für die LüneHünen am Samstag (19 Uhr, live bei Dyn) im Zoi DVV-Pokalfinale gegen den VfB Friedrichshafen geht. Schätzungsweise 1200 SVG-Fans werden wohl in der Mannheimer SAP-Arena dabei sein, ein Drittel von ihnen kommt im eigens gecharterten Sonderzug – dem wohl größten der deutschen Volleyballgeschichte.

SVG: Selbstvertrauen aus der ganzen Saison

Und sportlich? Beide Teams trafen beim Liga-Cup und in der Bundesliga-Hauptrunde schon dreimal aufeinander – dreimal setzte sich die SVG klar durch (3:0, 3:0, 3:1). Für SVG-Kapitän Jesse Elser ein netter, aber längst nicht alleiniger Aspekt: “Das gibt uns schon Selbstvertrauen, aber das meiste davon kommt aus der gesamten Saison, aus der ganzen Arbeit seit August, all den Trainingseinheiten und Spielen. Es ist schön, dass wir sie schon geschlagen haben, aber alles läuft auf diesen Moment hin.”

Der Rekordpokalsieger vom Bodensee (17 Titel) hofft im erneuten Duell auf seine Chance, wird heiß sein, die jüngste Titel-Durststrecke zu beenden. Den letzten Titel gab es 2022 – im Pokal gegen die SVG. VfB-Routinier Marcus Böhme (40), schon damals dabei, betont: “Der Hunger ist gewaltig. Da kann sich jeder motivieren, in so einem gigantischen und nicht alltäglichen Ereignis nochmal etwas draufzulegen und vielleicht am Ende einen größeren Pokal mit nach Hause zu nehmen.”

Auch sonst schließt sich mit dem vierten Finalduell beider Teams ein Kreis – mal wieder: Schon das letzte Finale in Halle/Westfalen (2015) bestritten SVG und VfB, jetzt stehen beide im letzten Mannheim-Finale. Und das ist erstmals ausverkauft, 12.000 Fans werden dabei sein. “Dass wir ausverkauft sind, ist wahnsinnig gut für unseren Sport”, freut sich nicht nur Kim Oszvald-Renkema, Geschäftsführerin der Volleyball-Bundesliga.

LüneHünen sind dichter dran

Vor der erneuten Auflage des Duells zwischen SVG und VfB schwingt auch die Geschichte der vergangenen Finals mit. “Das waren immer unterschiedliche Spiele. 2015, in unserem ersten Bundesliga-Jahr, waren Welten zwischen beiden Mannschaften”, blickt Chefcoach Stefan Hübner zurück. “Beim zweiten Mal haben wir einen sehr guten Satz gespielt, im dritten Finale hatten wir im vierten Satz eine Chance, waren noch dichter dran. Wir sind gewachsen als Verein, die Qualität in der Mannschaft ist gestiegen.”

Spätestens jetzt hat die SVG die Rolle als Underdog abgeschüttelt, kommt mit Nervenstärke und erarbeitetem Selbstbewusstsein. “Dadurch, dass wir ungewohnterweise auch mal an der Tabellenspitze stehen, haben sich viele Spiele auch so angefühlt, dass man etwas verteidigt. Das hat der Mannschaft auch unheimlich gut getan.” Und dann setzt Hübner auch auf einfache Wahrscheinlichkeit: “Alle guten Dinge sind vier”, sagt er in Anspielung auf den vierten Anlauf gegen die Häfler. “Man muss sich häufig in so eine Position bringen, in Finalspiele kommen – und dann steigt auch die Chance, dass es irgendwann mal klappt.” Zudem sieht der Chefcoach Klub und Team gut vorbereitet auf den besonderen Charakter dieses Spiels: “Durch die letzten drei, vier Jahre, durch Champions League und Arena sind wir diese Rahmenbedingungen viel mehr gewöhnt. Wir haben viel mehr Do-or-Die-Spiele gespielt, auch in den vergangenen Wochen.”

Was in einer Presse-Runde mit allen Finalteams aber auffiel: Anders als beim Frauenfinale, für das Suhl-Coach László Hollósy die Favoritenrolle launig wie überdeutlich zu Gegner Stuttgart schob, fiel das Wort “Favorit” rund ums Duell SVG – VfB gar nicht. Musste es auch nicht, denn beide Seiten wissen um die Qualität des Gegenübers. “Es wird darauf ankommen, welche Mannschaft länger zusammenhalten kann, länger auf dem höchsten Niveau performen kann”, ist VfB-Sportdirektor Radomir Vemic überzeugt. ”Mit Adam und Stefan stehen sich zwei sehr gute Trainer gegenüber. Ich bin mir sehr sicher, dass beide ihre Mannschaft bestmöglich vorbereiten werden. Am Ende sind es immer zwei, drei Bälle, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.” Klar, dass der Häfler auf sein Team setzt: “Diese Momente müssen wir besser für uns nutzen.“

Die SVG, die am Freitagmorgen nach Mannheim startet, setzt auf gewohnte Abläufe. ‘Alles wie immer’, ist das Credo. “Ich sage dem Team noch ein, zwei Sätze in der Kabine, wie immer”, sagt Stefan Hübner. Den Impuls zur Einstimmung auf das Finale gab’s seit Wochenbeginn im Training, sachlich, unaufgeregt.

Gruvaeus hat schon Mannheim-Erfahrung

Im aktuellen SVG-Kader hat nur ein Akteur Mannheim-Erfahrung: Daniel Gruvaeus schaffte es 2024 mit Herrsching ins Finale. Die Erinnerungen sind noch da: “Eine großartige Atmosphäre, eine große Arena. Definitiv etwas völlig Neues für alle von uns”, sagt der 26-jährige Schwede, der schon in seiner Heimat (3x) und Serbien (2023) den Pokal gewann. “Die Atmosphäre in Mannheim ist definitiv die beste! Leider haben wir verloren, es war ein kurzes Spiel”, blickt er auf das 0:3 gegen Berlin zurück.

Doch der Blick geht ohnehin nach vorn, die Vorfreude auf Mannheim ist groß: “Wir haben die Chance, einen Titel zu holen – und ich hoffe, wir können das schaffen.” Was es ihm bedeutet, mit dem aktuellen Team im Finale zu stehen? “Hoffentlich etwas Historisches”, sagt Gruvaeus lächelnd, wissend um die Bedeutung eines möglichen Titels für die ganze SVG. Als “Mannheim-Erfahrener” will er den Teamkollegen nur wenig mitgeben. “Da ist nicht Spezielles. Wir gehen raus, zeigen unser Bestes – und schauen dann, wohin uns das bringt.”

Falls es mit einem Titel klappt, wäre das auch für den als Spieler äußerst erfolgreichen Stefan Hübner die Premiere als Coach. “Natürlich träumen viele davon, auch die Fans, die ganzen Ehrenamtlichen und das ganze Umfeld. Da wäre es für alle toll, so etwas zu erleben und etwas zurückzubekommen”, weiß er um die Bedeutung. “Meine eigene Arbeit definiere ich gar nicht so sehr über Ergebnisse. Das verändert nicht, wie ich mich als Trainer sehe. Aber klar: Jeder gewinnt gern, und bei so einem Finale mal ganz oben zu stehen, wäre toll.”

Beim VfB sind die starken Routiniers zurück

Personell können beide Teams wohl auf den gesamten Kader setzen. Bei den LüneHünen gab der von Rückenbeschwerden geplagte Kapitän Jesse Elser zum Wochenstart ein “Go” (“Mir geht’s gut, ich fühle mich fit”). Und auf VfB-Seite löste sich die Anspannung etwas, als beim jüngsten Bundesliga-3:0 gegen Ludwigsburg Tim Peter sein Comeback gab. Der Außenangreifer musste im Halbfinale gegen Berlin mit einem Ermüdungsbruch im Mittelfuß vom Feld, hatte seitdem pausieren müssen. Ebenfalls wieder dabei: Kapitän und Zuspieler Aleksa Batak, der im Saisonverlauf aufgrund von Rückenproblemen immer wieder mal aussetzte, gegen Ludwigsburg eine starke Leistung zeigte.

Peters Ausfall hatte den VfB-Kader rotieren lassen: Kyle Hobus war von der Diagonal- auf die Außenposition gerückt, bis Zugang Jonas Van Huizen sich so richtig etabliert hatte. Jener Van Huizen, der gerade gegen Ludwigsburg zauberte und sich als “Mann der Stunde” in Finalform zeigte. „Es war wichtig, gewonnen zu haben”, freute sich auch Adam Swaczyna über den Sieg. “Es zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Diese Leistung würde aber nicht reichen. Lüneburg ist ein sehr starkes Team“, sagte der VfB-Chefcoach der “Schwäbischen Zeitung”.

Auf die Probleme im Außenangriff hatte Friedrichshafen zu Monatsbeginn mit der Verpflichtung von Corey Chavers reagiert. Der 26-Jährige US-Boy aus Puerto Rico wird beim Finale allerdings nur auf der Tribüne sitzen. Laut Regelwerk muss jeder Finalteilnehmer bereits zum Zeitpunkt des Halbfinals unter Vertrag gestanden haben – Chavers kam erst nach dem Häfler 3:2 gegen Berlin.

(gm)

Rund ums Spiel

Sonderzug: Damit es für alle eine entspannte Tour wird, beachtet bitte folgende Hinweise:

  • Bitte bringt Becher mit und nutzt sie gern mehrmals.
  • Bitte informiert euch vorab auf der Website der SAP Arena über erlaubte und nicht erlaubte Dinge, bspw. die maximale Größe von Taschen.
  • Taschen und weiteres könnt ihr während des Spiels im Zug lassen – aber: bitte nehmt Wertsachen mit in die Arena, dafür wird keinerlei Gewähr/Haftung übernommen.
  • Die Kapazität des Zuges ist voll belegt. Es können keine Plätze reserviert werden. Mit einer gewissen „Dynamik“ bei der Belegung der Plätze ist zu rechnen.
  • Geplanter Treff für die Rückfahrt: 22:20 Uhr an Gleis 1 des Bahnhofs an der SAP Arena.
  • Bitte haltet euch im Whatsapp-Kanal der SVG über Updates oder bzgl. Verspätungen auf dem Laufenden.

Vor Ort: Statt Klatschpappen-Power wollen die SVG-Fans diesmal “farbig” begeistern. Auf die Fans warten farbige Folien für Choreographie und Unterstützung – dazu gibt’s vom Lüneblock eine Bitte: “Nehmt die Folien nach dem Spiel bitte mit oder entsorgt sie in den Mülleimern. Wir wollen vor Ort einen guten Eindruck hinterlassen.”

Nicht dabei? Wer nicht in Mannheim vor Ort sein kann, sollte beim Public Viewing vorbeischauen. In der Cafeteria “Klippo” im Leuphana-Zentralgebäude (Universitätsallee) lädt SVG-Medienpartner LZ gemeinsam mit Kreissportbund, Hansestadt, Landkreis und Sparkasse direkt nach der Sportlerehrung zum gemeinsamen Pokalerlebnis ein. Der Eintritt ist frei.

Europa-Highlight: Nur vier Tage nach dem Finale in Mannheim wartet der nächste Höhepunkt: Im Viertelfinal-Hinspiel des CEV-Cups will die SVG am nächsten Mittwoch (19 Uhr) gegen Alterna SPVB Poitiers eine gute Basis für das Rückspiel schaffen. Wer das Spiel sehen will, sollte unbedingt live dabei sein – es wird diesmal keinen Stream geben. Tickets gibt’s im Online-Ticketshop.

Rückblick: Wenn ihr euch nochmal an die beiden vergangenen Finalduelle erinnern wollt, schaut gern in die Berichte von 2019 und 2022.