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Frankreichs Vizemeister noch ein recht unbeschriebenes Blatt

Poitiers seit der Neugründung 2012 im Aufwind

Am kommenden Wochenende greift die SVG im Pokalfinale nach dem ersten Titel der Vereinsgeschichte (dazu in Kürze mehr), doch nur vier Tage später folgt das nächste Highlight. Im zweithöchsten europäischen Wettbewerb, dem CEV Cup, steht am 4. März, 19 Uhr, das Viertelfinal-Hinspiel im Terminplan. Zu Gast in der LKH Arena ist dann der französische Vizemeister Alterna Stade Poitevin Volley-Ball. Eine Vorstellung der Mannschaft aus der Stadt Poitiers:

Alterna Stade Poitevin Volley-Ball, oder Alterna SPVB in der Kurzform, wurde ursprünglich 1973 gegründet und dann 2012 – nach einer Zwangsauflösung wegen Überschuldung – neu ins Leben gerufen. Schon ein Jahr später stieg der Club in die Liga B auf und legte einen Durchmarsch in die Liga A hin. Seitdem spielt SPVB eine gute Rolle, erreichte stets die Playoffs und wurde 2020 Pokalsieger. Zu sonstigen Titelehren reichte es nach Meisterschaften 1999 und 2011 seit der Neugründung noch nicht wieder. Erst seit 2023 hat der Verein übrigens den Zusatz „Alterna“ vom Haupt- bzw. Namenssponsor, ein Lieferant und Produzent von grüner, lokaler und kohlenstoffarmer Energie. Der hat in diesem Winter die Partnerschaft schon vorzeitig verlängert bis 2030 und ausgedehnt auf das seit August 2025 bestehende Trainingszentrum, ebenfalls als Namenssponsor.

In der Vergangenheit hatte SPVB auch immer wieder den ein oder anderen Star in seinen Reihen wie Hollands „Punktemaschine“ Nimir Abdel-Aziz, die slowenischen Vize-Europameister Alen Pajenk und Ziga Stern oder noch früher aus dem eigenen Land Zuspieler Pierre Pujol (212 Länderspiele), aus seinen Jahren in Berlin bekannt. Gastspiele deutscher Akteure gab es durch den Diagonalen Jochen Schöps (2018/19) und Zuspieler Jan Zimmermann (2017/18) in jungen Jahren, wie generell Youngster mit Entwicklungspotenzial stets eher geholt wurden als etablierte Stars. Das ist auch heute noch so – einmal abgesehen vom Coup mit Earvin Ngapeth im letzten Sommer. Doch der zog nach wenigen Monaten weiter in die Türkei.

Radikaler Umbruch im vergangenen Sommer

Nachdem schon während der vergangenen Saison neben Ngapeth auch Tim Peter (zurück nach Friedrichshafen) nach einem Halbjahr wieder gegangen waren, verließen den Vizemeister im Sommer 2025 elf weitere Akteure, darunter Jackson Howe und Christopher Byam zur SVG. Ein riesiger Umbruch also. Wobei zum jetziger 17er-Kader auch Spieler der Jahrgänge 2005 bis 2007 aus Jugend-Akademien gehören, die bisher nur wenig eingesetzt wurden. Doch auch kaum ältere Talente, ein Jahr länger da, gehören mittlerweile zum Stamm. Chefcoach Dan Lewis, auch Trainer der kanadischen Nationalmannschaft, ist es gelungen, mit Geschäftsführer Cedric Enard an seiner Seite ein neues Spitzenteam zu formen. Enard ist hierzulande bestens bekannt als Erfolgscoach in Berlin von 2018 bis 2023.

Mit der Arbeit von Lewis, 2024 gekommen, war man in Poitiers so zufrieden, dass sein Vertrag im vergangenen November um drei Jahre verlängert wurde. In Frankreich coacht der 49-Jährige erstmals einen Verein, war vor der Übernahme der A-Nationalmannschaft Kanadas (2025) seit 2017 Trainer verschiedener Nachwuchsteams des Landes. Auch in Poitiers fördert er Talente. Bestes Beispiel ist die Zuspielposition. Für den kanadischen Routinier Brett Walsh kam im Sommer der erst 22-jährige Anatole Chaboissant als neue Nummer 1 aus Paris. Der gab im Sommer sein Debüt in der Nationalmannschaft, durfte bei vier Einsätzen in der Nations League, auch im Match gegen Deutschland, ran.

Zum neuen Verein kam Chaboissant dann verletzt und fiel lange aus. Ein Ersatz musste her. Es wurde der mazedonische Nationalspieler Gjorgi Gjorgiev nachverpflichtet. Doch nicht etwa der Routinier (33), zuvor lange in der Türkei und Polen aktiv, spielte dann – das Vertrauen bekam die eigentliche Nummer 2 Simon Gill (21), ein Talent aus einer der Nachwuchs-Akademien Frankreichs, 2024 gekommen. Der hat inzwischen 19 Spiele und 49 Punkte, vornehmlich Asse, in seiner Saisonbilanz. Seit Jahresanfang spielt nun aber Chaboissant, der ebenso gerne punktet, meist aber mit dem zweiten Ball. Gjorgiev ist wieder gegangen.

Einige alte Bekannte bilden das Gerüst

Neben dem Zuspieler bildet ein Trio mit Bundesliga-Vergangenheit das Gerüst, zwei davon trugen sogar das SVG-Trikot: die Mittelblocker Lukas Maase und Pearson Eshenko. Der Dritte ist Kevin Kobrine, Diagonalangreifer aus den USA, der in Poitiers genauso einschlug wie in der Vorsaison in Freiburg und dem serbischen Nationalspieler Dusan Nikolic schnell den Rang abgelaufen hatte. Aus der Bundesliga bekannt ist auch der im Januar gekommene Max Schulz, der nach der Internatszeit beim VCO Berlin zwei Jahre bei den Netzhoppers spielte und dann ins Ausland ging. Bisher bekam er kaum Spielzeit. Vielleicht aber darf der Außenangreifer aus dem erweiterten Kreis der deutschen Nationalmannschaft dann am 4. März in der LKH Arena länger ran.

Fest terminiert ist inzwischen auch das Rückspiel in der 90.000-Einwohner-Stadt Poitiers, 340 km südwestlich von Paris und etwa 150 km entfernt von der Atlantikküste: Dienstag, 10. März, 20 Uhr. Gespielt wird dann in der Arena „Salle Frédéric Lawson-Body“ für bis zu 3200 Besucher, die vom Verein als Volleyball-Tempel gerühmt wird und zeitnah noch modernisiert und ausgebaut werden soll. Von Alterna SPVB wird man in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch öfter hören. Am Samstag sorgte der Tabellenvierte erst einmal für ein Ausrufezeichen mit einem 3:2-Erfolg gegen den elf Punkte enteilten Spitzenreiter Tours.

>> Tickets für dieses weitere europäische Highlight gibt es im Online-Ticketshop.

(hre, Foto: CEV)