SVG kesselt zu einem ganz besonderen Sieg

Beim 3:0 gegen Herrsching im Block wie eine Mauer

 

Eine außergewöhnliche Mannschaft zeigt weiter außergewöhnliche Leistungen. Mit dem fünften Heimsieg im fünften Spiel bei voller Drei-Punkte-Ausbeute zementierten die LüneHünen ihren dritten Tabellenplatz und nehmen nach einem 3:0 (25:21, 25:23, 25:23) gegen die WWK Volleys Herrsching die beste Ausbeute, seit sie in der Bundesliga spielen, mit ins neue Jahr. Das Besondere an diesem 7. Sieg im 10. Spiel: Er kam zustande ohne Ryan Sclater, bisher Zweiter im Ranking der Topscorer wie auch nach der gesamten letzten Saison. Der Kanadier war zum Zeitpunkt des Spiels im Kreißsaal an der Seite seiner Frau Amy – bald nach dem Match kam dann auch die frohe Kunde: Die Sclaters wurden noch am Sonnabend Eltern einer Tochter.

 

Ryan Sclater fehlt und wird nach dem Match Vater

Der kanadische Diagonalangreifer nicht dabei, sein Vertreter Jannik Pörner seit einiger Zeit außer Gefecht (Rücken) – da schien guter Rat teuer. Cheftrainer Stefan Hübner entschied sich für Ray Szeto auf dieser Schlüsselposition und einigen taktischen Änderungen. „Das war für mich eine interessante Erfahrung“, erzählte Szeto später schmunzelnd, „ich habe da ja noch nicht so viel gespielt. Aber es ist schön, dass mir Stefan das Vertrauen geschenkt hat, und ich bin froh und glücklich, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“

Acht Punkte sammelte „Raimund“ letztlich auf der ungewohnten Position, darunter auch drei direkte Blockpunkte. Überhaupt war das Blockspiel, defensiv wie offensiv, wieder herausragend. In der Mitte setzte Hübner in der Starting Six auf Florian Krage statt Michel Schlien neben Noah Baxpöhler. Krage stoppte die Gegner viermal gewinnbringend, Baxpöhler machte 7 seiner 9 Punkte im Angriff, vor allem über das erste Tempo.

Sie alle aber übertraf noch Cody „Air“ Kessel, der buchstäblich herausragend durch die Gellersenhalle schwebte und MVP wurde. Und das nicht nur wegen seiner 17 Punkte als bester Scorer des Abends. Er riss von Beginn an im Angriff das Heft des Handelns an sich und setzte auch gleich ein Zeichen mit einem Monsterblock zum 3:1 im ersten Satz gegen Herrschings neuen Star Artem Sushko. Der hoch gelobte, vor zwei Wochen gekommene Russe blieb insgesamt blass (8 Punkte). Er hatte am Ende eine Quote von nur 30% – Kessel versenkte 12 seiner 24 Angriffe (also 50%) und sammelte zudem vier direkte Blockpunkte.

 

„Air“ Kessel überragt nicht nur wegen 17 Punkten

Das Match über 85 Minuten Netto-Spielzeit bot ein ständiges Auf und Ab. Beim Zwischenstand von 14:11 schien dann der erste Satz nach Wunsch der SVG zu laufen, doch daraus wurde ein 14:15 und dann aus einem 18:15 nochmal ein knappes 19:18, ehe der eingewechselte Schlien mit zwei Assen zum 23:18 und 24:18 alles klar machte.

Satz zwei war geprägt vom Blockspiel. Bei der SVG standen nun Baxpöhler und Krage (insgesamt 6 Punkte, davon 4 Blocks) im Blickpunkt. Krage wurde selbst offensiv auch einige Male geblockt, sodass es spannend blieb. Beim 20:15 schien alles klar, doch wenig später hieß es 20:21. Szeto glich aber mit einem seiner wichtigsten Punkte wieder aus, Kessel schwebte noch zweimal erfolgreich durch die Lüfte, dann ging es mit einem 2:0 in die Zehn-Minuten-Pause.

In Durchgang drei lief es lange auf einen vierten Abschnitt hinaus. 9:5, 9:10, 11:14, 16:16, 16:18, 19:18, 19:21 hießen die Zwischenstände, ehe die SVG unter anderem mit Blocks von Szeto und Kessel das Blatt wendete. Beim 24:23 kam Gijs van Solkema zum Service aufs Feld: Die Gäste retournierten stark, van Solkema rettete den folgenden Schmetterball spektakulär und SVG-Kapitän Matthias Pompe blieb es vorbehalten, den ersten Matchball zu nutzen, indem er Herrschings Block wuchtig anschlug – Aus, 25:23, wieder einmal Freudentänze. „Das war nicht leicht heute, auch weil Weihnachten zwischen diesem und dem letzten Spiel lag – aber wir haben gut weitertrainiert. Das war heute sicher nicht unser bestes Spiel, aber wir wollten den Sieg unbedingt und mehr als der Gegner“, unterstrich der Routinier den Erfolgshunger der LüneHünen.

 

Erfolgshunger bis zum letzten Ball 2018

Auch Stefan Hübner sah ein Spiel „auf nicht gerade hohem Niveau. Es gab viele Fehler, allerdings auf beiden Seiten. Aber unter diesen Umständen war das ein Riesen-Sieg, über den wir uns riesig freuen, in einem unheimlich schweren Spiel. Denn natürlich war im Team seit Tagen die anstehende Geburt bei den Sclaters auch ein Thema.“ Das stellte auch nochmal der Mann des Abends heraus: „Das ist ein Sieg für die Sclaters“, strahlte Cody Kessel und wehrte Komplimente für seine starke Leistung ab: „Wir sind einfach eine besondere Mannschaft, finden immer einen Weg.“

Erst am 12. Januar steht nun das nächste Spiel in Friedrichshafen an, Gelegenheit also zur Erholung – und Jung-Vater Ryan Sclater hat ein paar Tage Zeit, sich an den neuen Lebens-Rhythmus zu gewöhnen.

Das nächste Heimspiel der SVG steigt dann am Mittwoch, 23. Januar (19 Uhr) gegen die Netzhoppers KW-Bestensee. Da gilt es, sich angesichts der sehenswerten Leistungen der LüneHünen rechtzeitig Karten zu sichern – das Herrsching-Spiel war restlos ausverkauft.

 

Zunächst aber allen einen guten Rutsch, Glück und Gesundheit und auch sonst alles Gute in 2019!

 

Die SVG spielte gegen Herrsching mit: Kessel, Pompe, Szeto, Baxpöhler, Krage, Schriemer, Koslowsky; eingewechselt: Schlien, van Solkema.