Modenas Stars abgeblockt: Die SVG, hier mit Jordan Schnitzer und Joe Worsley, stemmte sich erfolgreich dem Favoriten mit dem beiden Olympiasiegern Earvin Ngapeth (beim Schmetterball) und Bruno (links daneben) entgegen. Foto: Behns

Einfach unglaubliche LüneHünen

Phantastische Leistung beim verdienten 3:2 gegen Modena

Was für ein hochklassiger, magischer Volleyballabend: Vor 2950 Zuschauern in der brodelnden LKH Arena machte die SVG Lüneburg das eigentlich Unmögliche möglich und bezwang im Hinspiel der 4. Runde des CEV Cups, eine Playoff-Runde zum Einzug ins Viertelfinale, das italienische Topteam Modena Volley mit 3:2 (25:19, 26:28, 28:26, 18:25, 17:15). Zum Rückspiel reisen die LüneHünen nun am 25. Januar sogar mit der Hoffnung, nochmals eine Runde weiter zu kommen, wenn vier „Absteiger“ aus der Champions League in diesem zweithöchsten Wettbewerb weitermachen dürfen.

Unmögliches möglich gemacht

Völlig ohne Anfangs-Nervosität gegen die großen Namen, ja sogar mutig und frech suchte die SVG ihre Chance, die sie nach der Papierform gegen die Stars auf der anderen Seite des Netzes um die Olympiasieger Bruno und Earvin Ngapeth eigentlich nicht hatte. Das hatten sich die Gäste aus der Region Emilia-Romagna anders vorgestellt. Ngapeth blieb zunächst auf der Bank, stattdessen spielte der bisher wenig eingesetzte Routinier Nicolas Marechal. In der Mitte durfte der deutsche Nationalspieler Tobias Krick statt des komplett geschonten Oldies Dragan Stankovic (37) nach langer Zeit mal wieder ran, und auch der starke Youngster Giovanni Sanguinetti durfte erstmal zusehen.

„Diese Situation wollten wir nutzen, unser erstes Ziel war, diese Leute und damit Modenas Top 6 aufs Feld zu holen – das ist ganz gut gelungen“, schmunzelte SVG-Chefcoach Stefan Hübner später. Sein Kollege Andrea Giani hatte beim Stand von 19:14 und seinen beiden verbrauchten Auszeiten genug und nahm die personellen Wechsel vor. Ohne Erfolg, die fast fehlerfrei und druckvoll aufschlagende sowie im Angriff effektive SVG ließ sich den ersten Triumph eines Satzgewinns nicht mehr nehmen. Enorm stark in dieser Phase: Colton Cowell mit 6 und Lukas Maase mit 5 Punkten.

Die beiden Genannten blieben auch in Satz 2 “on fire“, dazu Jordan Ewert (6). Aber Modena stellte nun auch die Taktik um, Zuspieler Bruno setzte immer mehr auf Schnellangriffe seines Mittelblockers Sanguinetti (5), zudem kam Ngapeth immer besser ins Spiel (6) und war der Diagonale Adis Lagumdzija häufiger zur Stelle (6). So wogte das Geschehen mit wechselnden Führungen hin und her, rissen langen Rallys mit spektakulären Abwehraktionen die Zuschauer von den Sitzen. Mit dem vierten Satzball glichen die Gäste schließlich aus.

Mutig angefangen, mutig geblieben

Durchgang 3 lief ähnlich, nun aber mit dem besseren Ende für die SVG. Bei der blieb Maase gut im Spiel (5) und ließ seine letzten durchwachsenen Auftritte vergessen, zudem war Ewert nun nicht mehr zu halten (8). Wieder lag mal Modena, mal die SVG vorne, machte eingangs der Crunchtime aus einem 19:20 ein 23:20, musste beim 24:24 nochmal den Gleichstand quittieren und machte dann seinerseits mit dem vierten Satzball, einem Ass von Cowell, den Sack zu – die Fans waren komplett aus dem Häuschen, die Arena bebte.

Der Start in Abschnitt 4 misslang dann aber komplett (1:5) und trotz unnötige Patzer wie Übertritte beim Aufschlag zog Modena davon (8:14), konterte Aufholjagden dann prompt und ließ keine Zweifel mehr aufkommen, dass es einen Tiebreak geben würde. Über 14:16 ging es auf 16:21, zum Satzende und 2:2-Ausgleich.

Zwei Matchbälle abgewehrt

Mit Tiebreaks und Dramatik hat die SVG ja Erfahrung in den letzten Wochen. Beim 4:3 gelang die erste Führung, mit 8:4 wurden ein letztes Mal die Seiten gewechselt. Bei Modena verwandelten nur noch Lagumdzija und Ngapeth ihre An griffe, bei der SVG verteilte Zuspieler Joe Worsley – selbst zweimal erfolgreich – die Bälle variabler an seine Angreifer. Dennoch war beim 10:10 wieder Gleichstand, beim 13:14 hatten die Gäste sogar ihren ersten Matchball – Cowell glich wieder aus. Das 14:15 von Ngapeth egalisierte Maase, dann sorgte Jordan Schnitzer mit einem Block für den ersten SVG-Matchball. Und als der junge Tommaso Rinaldo dann seinen Angriff ins Aus schlug (17:15), kannten Jubel, Fangesänge und La-Ola-Wellen keine Grenzen mehr.

Geradezu aufgeräumt zog Hübner später Bilanz: „Das war ein unglaublicher Fight, zeitweise auch sehr emotional, eine Riesen-Leistung von meinen Jungs. Wir haben unheimlich gut aufgeschlagen und die Annahme gut gehalten. Und wir haben auch gute Spieler, die viele Angriffslösungen finden.“ Sprach’s und genoss den Moment in vollen Zügen.

SVG: J. Worsley (5), Cowell (15), Eshenko (8), Maase (20), Ewert (20), Schnitzer (9) – G. Worsley; eingewechselt: Böhme, Ketrzynski, van de Kamp, Gerken.

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