Duell der Diagonalangreifer

LüneHünen unter druckvollem Aufschlag-Dauerfeuer

Fast genau acht Jahre liegt es zurück, dass die SVG Lüneburg so früh im DVV-Pokal ausschied: Wie am 9. November 2011 war auch jetzt das Achtelfinale Endstation, nun mit einem ernüchternden 0:3 (20:25, 20:25, 21:25) gegen die powervolleys Düren. Damals hieß es erwartungsgemäß 0:3 gegen Bundesligist Moers, da war die SVG noch Zweitligist. Auf Augenhöhe waren die LüneHünen auch dieses Mal nicht mit ihrem Gegner, Düren war in allen Belangen besser.

„Das war ein sehr schwieriges Spiel, wir waren von Anfang an enorm unter Druck. Besonders den Bereich Aufschlag/Annahme haben die für sich entschieden, da waren sie sehr konstant und haben uns so nie richtig ins Spiel kommen lassen“, fasste Urgestein Michel Schlien, der schon einiges erlebt hat und auch 2011 gegen Moers dabei war, diese Abfuhr in nur 78 Minuten Netto-Spielzeit zusammen.

Die LüneHünen fanden vor 700 Zuschauern nie ihren Rhythmus, zu stark trumpften die Nordrhein-Westfalen auf und ließen hoch motiviert erkennen, dass sie ihre 0:3-Pleite am Mittwoch in der Bundesliga gegen Frankfurt wieder gutmachen wollten. Besonders der Diagonale Sebastian Gevert wirkte wie aufgedreht und machte der SVG nicht zum ersten Mal schwer zu schaffen. Auf 7 Punkte kam er schon im 1. Satz, auf 18 insgesamt.

Gevert läuft mal wieder zu ganz großer Form auf

7 Zähler (9 insgesamt) sammelte auf der anderen Seite des Netzes im Eingangssatz aber auch Jannik Pörner, der statt Blake Scheerhoorn im Diagonalangriff begann und eineinhalb Sätze lang Düren zusetzte, bevor er für den Kanadier Platz machte. „Die haben gut aufgeschlagen, immer viel Druck auf unseren Annahmeriegel ausgeübt und selbst nur sehr wenige Fehler gemacht. Da brauchst du schon einen Glanztag, um bestehen zu können“, sah sich nicht nur Pörner letztlich einem zumindest am Sonnabend übermächtigen Gegner gegenüber.

Denn außer Gevert lief auch der 38-jährige Björn Andrae im Außenangriff (12 Punkte) und in der Annahme (62 %) zu großer Form auf und wurde MVP. Zudem zeigten die routinierten Mittelblocker Tim Broshog und Michael Andrei, dass sie immer noch Länderspielform erreichen können. Broshog machte 7 seiner insgesamt 11 Punkte durch Blocks gegen die SVG-Angreifer. So nahm schon im ersten Satz das Unheil schnell seinen Lauf. 8:5 und 16:10 hieß es für die Gäste zu den technischen Auszeiten, trotz gelegentlicher Highlights (je 2 Asse und Monsterblocks) fand die SVG einfach nichts ins Spiel.

In Durchgang zwei änderte sich daran wenig, obwohl die SVG zunächst führte (3:1). Düren gab sich unbeeindruckt, jagte seine Aufschläge mit frappierender Härte und Konstanz übers Netz, während bei de Hausherren hier die Fehlerquote stieg und selbst das sonst so gefürchtete Service des neuen Kapitäns Viktor Lindberg nicht die bisherige Wirkung hatte. Zudem hatte Düren längst seinen einzigen kleinen Schwachpunkt behoben: Für Niklas Seppänen war nun im Außenangriff Egor Bogachev auf dem Feld, überzeugte in Annahme, Angriff und Aufschlag gleichermaßen.

Kurzer Hoffnungsschimmer im dritten Satz

Da zudem Zuspieler Tomas Kocian seine Angreifer sehr variabel einsetzte, zog Düren nach nur knapper Führung in der ersten technischen Auszeit (8:7) wieder davon (16:12, 21:17), weder die nie erlahmende Unterstützung von den Rängen noch Personalwechsel konnten das stoppen. Chefcoach Stefan Hübner versuchte es mit neuem Gespann Zuspieler/Diagonalangreifer, brachte Leo Durkin und Scheerhoorn statt Gijs van Solkema und Pörner, zudem kam Außen Antti Ronkainen für Mike Michelau und in der Mitte Florian Krage für Anton Brehme.

Das zeigte aber erst spät im dritten Satz Wirkung. Nach frühem 0:3 und gar 8:13 hatten die LüneHünen vor allem dank fünf Scheerhoorn-Punkten und zwei Ronkainen-Assen den Rückstand beim 14:15 fast aufgeholt. Doch Gevert – wer sonst – antwortete prompt. Und beim 17:18 dämpfte Andrae aufkommende Hoffnungen mit einem Ass. Es lief eben einfach für Düren, das auf alles eine Antwort hatte.

„Vor allem haben sie die Aufschlag-Annahme-Battle, wie wir sagen, haushoch gewonnen“, benannte Hübner den Hauptgrund für die Niederlage. „Wir waren bei deren Aufschlag permanent unter Dauerfeuer und konnten selbst in diesem Element kaum Druck aufbauen. Hie und da ein Ass reicht da nicht. Wenn man dann im Side-out, beim Angriff aus der eigenen Annahme heraus, auch noch dem Gegner unterlegen ist, ist es fast aussichtslos.“

Die SVG spielte mit: Lindberg, Brehme, Pörner, Michelau, Schlien, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Ronkainen, Durkin, Scheerhoorn, Krage.