Kapiän Viktor Lindberg beim Aufschlag

Aufatmen bei den LüneHünen

Endlich ein Aufschlagdruck, der Wirkung hat

Große Erleichterung allerseits: Bei den Fans der LüneHünen, bei der Mannschaft selbst und auch im Trainerstab und Staff war ein tiefes Aufatmen unüberhörbar: Die SVG kann doch noch gewinnen – und das sogar souverän beim 3:0 (25:18, 25:10, 25:23) gegen die Netzhoppers KW-Bestensee in gerade einmal 67 Minuten Netto-Spielzeit, verbunden mit der Rückkehr in die obere Tabellenhälfte der Volleyball-Bundesliga.

Nur eins der fünf Pflichtspiele zuvor hatte die SVG gewonnen (3:2 in Herrsching), war sogar zweimal heftig zurechtgestutzt worden beim 0:3 in Pokal gegen Düren und beim 0:3 am Mittwoch in Berlin. „Dass so etwas nicht gerade das Selbstvertrauen stärkt, ist doch klar. Da tun diese Punkte natürlich ganz gut, nicht nur für die Tabelle, auch für das Selbstvertrauen“, freute sich Chefcoach Stefan Hübner auch für seine Schützlinge, die vom ersten Ball an zeigten, dass sie sich viel vorgenommen hatten.

Und das galt nicht nur für Viktor Lindberg (15 Punkte) und Blake Scheerhoorn (14), das galt auch für den überraschend in die Starting Six berufenen Mike Michelau. 13 Punkte hatte der Außenangreifer am Schluss gesammelt, darunter je drei Asse und Blocks, zudem wies er eine vorzügliche Annahmequote von 68% auf. Als vermeintliche Schwachstelle hatten ihn die Gäste auf dem Zettel und suchten meist den US-Boy bei ihren Aufschlägen.

Mike Michelau wird mit jedem Ball selbstsicherer

Eine glatte Fehlkalkulation, denn stattdessen wurde er mit jedem Ball sicherer. „Gleich meine erste Aktion war gut und erfolgreich, das hat mir zusätzlich Selbstvertrauen gegeben, das ich mir schon ein wenig im Training geholt habe. Ich freue mich, dass ich dem Team helfen konnte, nachdem die Coaches auf mich gesetzt haben“, gab Michelau ein Einblick in sein Seelenleben.

Mann des Abends war aber Lindberg. Er wurde für die Netzhoppers regelrecht zum Alptraum. Schon beim 2:0 im ersten Satz gelang dem Schweden das erste Ass, acht weitere sollten folgen, dazu eine Unmenge von Versuchen, die vom Gegner kaum verwertbar anzunehmen waren. So wünscht sich jeder Trainer die sogenannten „Aufschläge mit Wirkung“.

Nachdem der Kapitän seine Pfeile zuletzt nicht mehr so scharf übers Netz geschossen hatte wie zu Saisonbeginn, erklärte er die wiedergewonnene Stärke zufrieden lächelnd: „Meine Schulter hat sich heute wieder super angefühlt, weil unsere tollen Physios mich gut behandelt haben.“ Zur Erklärung: Lindberg hatte schon einmal eine Schulter-Operation und deshalb manchmal Probleme.

Gegen die Brandenburger war er sofort voll im Geschehen und zog die Nebenleute mit. Mit zwei weiteren frühen Assen nach dem 2:0 leitete der Schwede den Gewinn der ersten Satzes vorentscheidend ein (10:7, 11:7), war letztlich mit 15 Punkten insgesamt sowie glänzender Annahme (73%) am Ende MVP. Höchst effektiv war von Beginn an auch Diagonalangreifer Scheerhoorn mit fünf Punkten im Eingangssatz (14 gesamt, Erfolgsquote 67%).

Viktor Lindberg haut neun Asse raus

Da auch das Blockspiel funktionierte (10 Punkte insgesamt), die Annahme um Libero Tyler Koslowsky (90%!) unerschütterlich war und die SVG eher noch eine Schippe drauflegte statt nachzulassen, geriet Durchgang zwei für die Gäste zum Desaster. Die Zwischenstände von 8:1, 16:5 und 22:7 sagen dabei alles, nach nur 20 Minuten waren die Netzhoppers erlöst und durften sich in der 10-Minuten-Pause neu sammeln.

Mit dann Theo Timmermann statt des weitgehend wirkungslosen, sonstigen Hauptangreifers Casey Schouten (nur 6 Punkte bei 19 Versuchen sowie 4 von 6 versemmelten Aufschlägen) wurden die Netzhoppers gleichwertig. Timmermann kam noch auf 9 Punkte und wurde MVP, die SVG erlaubte sich zudem ein paar Aussetzer und schien den dritten Satz zu verlieren. Ein 6:8 bei der ersten technischen Auszeit drehten Lindberg & Co zwar kurzzeitig um (14:12), doch bei der zweiten technischen Auszeit lagen sie wieder zurück (14:16).

Die Gäste hielten ihren Vorsprung, beim 21:23 lag Satz vier in der Luft. Doch anders als in den Spielen zuvor, zeigte die SVG nun auch in der Crunchtime Stärke. Scheerhoorn servierte dreimal mit Wirkung, Gijs van Solkema und Michel Schlien nutzten es mit Blocks zum 24:23 und 25:23. Und Scheerhoorn freute sich: „Unser Service war sehr gut heute, auch meins. Insgesamt bin ich mit meiner Leistung recht zufrieden – es geht aber noch besser.“

„14 Asse und auch sonst unglaublicher Aufschlagdruck, das ist natürlich außergewöhnlich. Dieses Element war ja zuletzt nicht gut. Wenn wir da jetzt ein Mittelmaß finden, bin ich schon sehr zufrieden“, bilanzierte Trainer Hübner schmunzelnd und freute sich, „dass unser Angriffsspiel aus der Annahme heraus wieder sehr stabil war. Das ist eine gute Basis für die nächsten Wochen“.

Ein Sieg wie ein Befreiungsschlag

Das alles sollte in der Tat Rückenwind geben. „Das war schon so ein bisschen ein Befreiungsschlag“, wertete Mittelblocker Florian Krage den klaren Erfolg, denn: „Es war eine große Aufgabe, einerseits effektiver aufzuschlagen und gleichzeitig weniger Fehler zu machen. Das ist uns, wie ich finde, ziemlich beeindruckend gelungen.“ Wenn das am nächsten Wochenende ähnlich konzentriert möglich ist, muss der SVG selbst in Düren nicht bange sein.

Die SVG spielte mit: Lindberg, Krage, Scheerhoorn, Michelau, Schlien, van Solkema, Koslowsky; eingewechselt: Ronkainen, Thole.