
Um 22:09 war der C(o)up perfekt
SVG gewinnt das Pokalfinale gegen Friedrichshafen
Das war der Abend für die Geschichtsbücher der SVG, der Hansestadt Lüneburg und einer ganzen Region: Mit dem 3:2 (27:25, 21:25, 25:16, 21:25, 15:8)-Sieg gegen den VfB Friedrichshafen sicherte sich die SVG Lüneburg im Finale des Zoi DVV-Pokals den ersten Titel ihrer Klubgeschichte.
12.508 Fans kamen beim erstmals ausverkauften Finale in der Mannheimer SAP Arena über 129 Minuten voll auf ihre Kosten. Um 22:09 Uhr konnten die etwa 1200 Fans der LüneHünen jubeln – und angesichts des historischen Momentes auch so manche Träne vergießen.
Von Beginn an ein enges Duell
Beide Teams lieferten sich von Beginn an ein intensives Duell. Eines der ersten Highlights: Ein Doppelpack von Jackson Howe. Erst knallte der Mittelblocker den Ball mit Wucht in der Mitte auf den Boden – der Auftakt zu einer starken Bilanz von 64 % Angriffsquote (9 aus 14) -, legte dann das erste Ass des Spiels nach (6:5). Damit setzte sich die SVG ab und hielt bis in die Crunchtime fast durchweg einen Zwei-Punkte-Vorsprung. Mittendrin: eine weitere starke Szene beim Monsterblock von Cole Young gegen Louis Kunstmann (15:12). Chefcoach Stefan Hübner hatte im Mittelbock auf Young statt Joscha Kunstmann gesetzt. “Es war jetzt die Momentaufnahme. Er war gut drauf, schon in den letzten Spielen und in den Trainings, hat jetzt ein sehr gutes Spiel gemacht”, sagte Hübner im Anschluss.
Die SVG zeigte eine gute Spielkontrolle, wirkte souverän-unaufgeregt – auch dann, als die Häfler ausglichen (21:21) und der Kampf um den ersten Satz richtig packend wurde. Immer wieder gefährlich: VfB-Außen Vojin Cacic, der beim 23:23 schon seinen vierten harten Angriff zum Punkt machte. Daniel Gruvaeus machte zwei wichtige Punkte (25:24, 26:25), ein Angriff von Jonas van Huizen, der im Aus landete, sicherte den ersten Satzgewinn der SVG.
Das enge Duell setzte sich im zweiten Satz fort. Erneut blieb das Spiel lange ausgeglichen (9:9, 14:14). Und wieder begeisterte die SVG: “Oh-mein-Gott!”, entfuhr es dem Hallenmoderator beeindruckt, als Howe erneut einen Ball aus großer Höhe auf den Boden knallte, damit seine Quote zwischenzeitlich auf 80 Prozent schraubte. Auch Cole Young zeigte sich weiter stark, machte seinen dritten Blockpunkt (15:14) – Auszeit Friedrichshafen. Die SVG setzte sich zunächst noch ab (17:14), doch dann drehte der VfB auf, holte sich mit fünf Punkten in Folge das Momentum (17:19) und behauptete das bis zum Schluss des Satzes. Ein Block von Cacic gegen Christopher Byam sorgte für den Satzausgleich (21:25).
Auch im dritten Satz das gleiche Bild: Beide Teams im engen Schlagabtausch. Auf Häfler Seite wurden nun neben dem starken Cacic auch van Huizen und der Diagonale Parker van Buren zu den zentralen Akteuren, nahmen die SVG mit starken Angriffen förmlich in die Zange. Doch die LüneHünen hielten gegen. Ethan Champlins Punkt zum 11:10 war der Wirkungstreffer, es folgten Highlight-Momente bei zwei Byam-Assen in Folge (16:12) und Youngs wuchtigem Angriff (17:13). Doch nicht nur Angriff und Aufschlag bauten die Führung aus, auch die Abwehr fand gegen die harten Angriffe gute Mittel. Als Daniel Gruvaeus die Blockfinger erwischte (23:15), feierten Teams und Fans schon emotional den erwartbaren Satzgewinn. Der war bei Aleksa Bataks Aufschlagfehler im Kasten.
Friedrichshafen erzwingt den Tiebreak
Dass sie einen 3:1-Sieg der Lüneburger verhindern wollten, machten die Häfler im vierten Satz früh deutlich. Mit einem druckvollen Start – van Huizen hatte beim 2:5 schon drei Punkte gemacht – erarbeitete sich das Team von Chefcoach Adam Swaczyna eine klare Führung (5:9, 6:11). Die Lüneburger hielten motiviert mit, auch mit einem starken Einstand von Axel Enlund, der für Chris Byam die Diagonalposition übernahm. Der junge Schwede kam rein, machte das 10:14 und legte gleich nach (11:15). Doch näher als auf drei Punkte kam die SVG nicht mehr heran. Als Enlunds Angriff die Blockfinger verpasste, hatte sich der VfB den Tiebreak erzwungen.
Im Entscheidungssatz marschierte die SVG konsequent los und setzte sich früh ab (5:1, 7:2, 9:4, 12:6). Und das auch überaus sehenswert, etwa mit Youngs starkem Block und zwei cleveren Angriffen von Gruvaeus. Auch die Blockbilanz bauten die LüneHünen aus, lagen am Spielende hier mit 9:7 Punkten vorn. Es lief jetzt einfach alles für die SVG. Byams Ass, Enlunds Angriff zum Block-Aus und ein Pipe-Angriff von Champlin ebneten den Weg zum Titel. Der historische Moment gehörte Daniel Gruvaeus. Der Schwede, der auch schon im Halbfinale gegen Düren den Matchball verwandelt hatte, klärte erst per Fuß-Abwehr, legte den Ball danach clever ins Feld (15:8).
Es folgten unfassbarer Jubel, emotionale Szenen – und die Pokaltrophäe, die Kapitän Jesse Elser in den Glitter-Regen der SAP Arena stemmen konnte. Noch bis Mitternacht feierten die Pokalhelden feucht-fröhlich in der Kabine.
Als MVP des Finales wurde SVG-Zuspieler Santeri Välimaa geehrt. Bester Scorer war Jonas van Huizen (24 Punkte), bei der SVG kam Ethan Champlin auf die beste Bilanz (20 Punkte). Stark: Gleich sechs SVG-Akteure kamen auf gute Angriffsquoten von über 50 Prozent. Neben dem Vorteil im Block (9:7) lagen die LüneHünen auch im Aufschlag (5:2 Asse) und der Annahme (56:45 % Positiv-Quote) deutlich vorn.
SVG: Champlin, Young, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Byam – Takahashi, eingewechselt: Larsen, Elser, Enlund
>> Hier sind die Stimmen zum Pokaltriumph

Emotional: Immer wieder feierte die SVG – hier Christopher Byam – ihre Punktgewinne euphorisch.

Pokal-Highlight: Beim letzten DVV-Pokalfinale in der Mannheimer SAP Arena sorgten 12.508 Fans für eine Ausverkauft-Kulisse. Mittendrin: Etwa 1200 Fans der LüneHünen.