Tiebreak-Sieg ein hartes Stück Arbeit
Starke Hachinger ringen der SVG einen Punkt ab
Das war eine Nervenprobe für die Fans: Bis in den Tiebreak konnten (oder mussten) sie mitfiebern, bis der 3:2 (21:25, 25:18, 20:25, 25:22, 15:11)-Sieg gegen den TSV Haching München feststand.
Wie eng sich beide Teams duellierten, zeigt die Statistik: Bei Angriffsquote (53:46 %), Blockpunkten (8:7) und der hohen Zahl an Aufschlagfehlern (23:23) waren die SVG und Haching fast gleichauf. Die Punktebilanz (106:101) zeigt, dass nach 116 Spielminuten nur fünf Punkte zwischen dem Tabellenführer und dem Elften lagen. “Respekt für die Leistung an Haching!”, zollte Bernd Schlesinger, der Sportliche Leiter der SVG, den Gästen nach dem Spiel Anerkennung. “Sie haben sehr gut gespielt, eine stabile Annahme gezeigt.”
Haching konsequent – und stark von der Linie
Einen Vorgeschmack darauf, wie fordernd die Aufgabe werden würde, bekamen die SVG und 2733 Fans in der LKH Arena bereits im ersten Satz. Die Hachinger, bei denen die zuletzt angeschlagenen Yoan David und Patrick Rupprecht in der Starting Six fehlten – beide kamen später als Einwechsler -, ließen die LüneHünen kaum ins Spiel kommen, hatten schon zur Satzmitte starke fünf Asse geholt (10:15). Eine SVG-Auszeit zahlte sich aus – Jackson Howe blockte zweimal in Folge (13:15), die Hausherren kamen sogar auf einen Punkt heran (16:17). Doch die Gäste zogen ihr Spiel konsequent durch, profitieren auch von manchen Fehlern auf Seiten der Lüneburger. Ein Angriff von Marko Milovanovic sicherte Haching den Satzgewinn.
“Wir sind als ganzes Team nicht ins Spiel reingekommen, waren unsauber, hatten im Kollektiv Unruhe drin”, fasste Stefan Hübner den Start seines Teams zusammen.
SVG setzt Wirkungstreffer
Vor dem zweiten Satz schien der Chefcoach die richtigen Worte gefunden zu haben: Sein Team legte einen Super-Start hin (5:0). Die Angriffe liefen nun mit mehr Konsequenz, unter anderem Ethan Champlin punktete sehenswert (6:1, 8:3). Gästecoach Mircea Dudas nahm früh schon die zweite Auszeit (14:8). Dass Milovanovic kurz darauf zwei Asse in Serie servierte (14:11), half Haching aber nicht. Zum Start in die Crunchtime hatte die SVG die Führung auf sieben Punkte ausgebaut (21:14), ein Aufschlagfehler von Rupprecht besiegelte den Satzausgleich.
Beim Start in den dritten Satz musste sich die SVG erneut eines guten Hachinger Starts erwehren, lieferte sich dann einen heißen Kampf um die Führung. Beim 8:7 rissen die LüneHünen mit Champlins Ass erstmals die Satzführung an sich – und es sollte auch die letzte bleiben. Erneut stark aufspielende Gäste und diverse Eigenfehler ließen die SVG ins Hintertreffen geraten (10:13, 11:16).
Nach der zweiten Auszeit der SVG kam Libero Sho Takahashi ins Spiel. Zuvor hatte Youngster Joris Backhaus bei seinem Starting-Six-Debüt den verletzten Routinier vertreten – und seine Sache gut gemacht, wie Coach Hübner im Anschluss betonte: “Er hat es wirklich hervorragend gemacht. Aber im Annahmeriegel ist es für die Jungs etwas anderes als mit Sho, mit dem sie schon fünf, sechs Monate Seite an Seite spielen. Sho hat sofort Stabilität und neue Energie ins Spiel gebracht.”
Vom klaren Rückstand kam die SVG jedoch nicht mehr zurück – die Gäste hatten das Momentum und gaben es nicht mehr her. Ein diagonaler Angriff von Noel Krassnig machte die erneute Satzführung der Gäste klar (20:25).
Zum Start in den vierten Satz änderte Stefan Hübner sein Team erneut, brachte auch Mittelblocker Cole Young ins Spiel. Damit hatten mit Ausnahme des verletzten Neo Laumann sowie des zuletzt angeschlagenen Jesse Elser alle Akteure des Kaders auf dem Feld gestanden. Die Hausherren starteten gut (3:2, 7:4, 10:7), sahen sich aber erneut energischen Gästen gegenüber. Krassnig punkte doppelt, Milovanovic ging clever auf die Blockhände – 11:12.
Doch die SVG kämpfte ebenso um jeden Punkt. Howe blockte zur erneuten Führung (13:12) – er war später mit fünf Punkten auch blockstärkster Akteur der SVG. Als Santeri Välimaa zum 16:14 punktete, riss es die Fans von den Sitzen – das Momentum schien nun auf Seiten der SVG. Haching glich zwar erneut aus (19:19) und lieferte den Gastgebern ein heißes Duell – doch die SVG war nun obenauf. Der im dritten Satz eingewechselte Christopher Byam baute die Führung auf drei Zähler aus (23:20), ein Aufschlagfehler von Milovanovic (25:22) besiegelte die Punkteteilung.
Auch Tiebreak lange umkämpft
Auch im Tiebreak blieb das Spiel lange offen. Die SVG lag vorn (3:1), Haching glich aus (4:4, 6:6). Die Fans waren längst angestachelt vom spannenden Duell, feierten jeden Punkt und wollten ihr Teams förmlich zum Sieg tragen. “Was für ein Spiel!” hatte mancher da wohl staunend auf den Lippen – die SVG rannte an, doch Haching warf sich erfolgreich in jeden Ball. 7:8 aus SVG-Sicht hieß es zum Seitenwechsel. Ein Howe-Block brachte die Führung zurück (9:8), Byam punktete entscheidend doppelt (11:9, 12:9). Haching nahm eine zweite Auszeit, doch ein Aufschlagfehler ebnete der SVG den Weg. Es war Cole Young, der clever den ersten Matchball holte (14:10), kurz darauf den Ball zum SVG-Sieg auf den Boden drosch (15:11).
“Es war ein sehr schwieriges Spiel heute, aber am Ende haben wir es über das Kollektiv hinbekommen”, zog Stefan Hübner ein Fazit nach dem Spiel. “Wir haben eine sehr gute Mannschaft, aber es wird nicht immer so sein, dass wir den Gegner jedes Mal in Grund und Boden spielen. Es lohnt sich, das Spiel nochmal genauer anzuschauen, um Dinge in Zukunft wieder besser zu machen.”
Als MVP wurde Jackson Howe gekürt, der nicht nur die meisten Blocks verzeichnete, sondern mit 16 Punkten auch bester Scorer war.
SVG: Champlin, Kunstmann, Välimaa, Gruvaeus, Howe, Enlund – Backhaus; eingewechselt: Larsen, Takahashi, Byam
Weitere Stimmen zum Spiel:
Christopher Byam (SVG): “In manchen Spielen läuft es so. Da läuft nicht alles für uns. Das war eines der Spiele, in denen die kleinen Dinge nicht immer zusammengepasst haben. Das passiert im Sport – und es war gut, dass wir da einen Weg gefunden haben. Wir wussten, dass Haching ein gutes Team ist und ein Minimum an Leistung nicht reichen wird, um zu gewinnen. Jeder will immer den letzten Satz gewinnen – und nach so einem Spiel ist es immer gut, als Sieger rauszugehen und zu zeigen, dass man ein Team ist, das die Top-Momente gewinnen kann.“
Mircea Dudas (Chefcoach Haching): “‘Wir haben gut gespielt, haben auch vor drei Tagen gegen Giesen schon gut gespielt. Ich finde, unser Niveau war höher als am Sonntag – und das ist gut für mich als Trainer, dass unsere Mannschaft gegen die ersten Vier der Tabelle gut spielen kann. Trotz des Ergebnisses war ich heute zufrieden. Für das nächste wichtige Spiel gegen Freiburg werden wir uns damit gut vorbereiten können.”
(gm)