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SVG fordert den amtierenden Meister Berlin erneut heraus 

Triple-Finalist hofft auf eine spannende Finalserie

Vor dem Endspurt der Volleyballsaison 2025/26 stehen drei Dinge schon fest: 1.) sie war für die SVG Lüneburg historisch gut; 2.) mindestens zwei Heimspiele haben die LüneHünen noch; 3.) spätestens am 13. Mai, also in gut zwei Wochen, ist diese Spielzeit Geschichte. Schreibt die Mannschaft bis dahin noch ein besonderes Kapitel in dieser Geschichte? Ein Fundament dafür kann an diesem Mittwoch, ausnahmsweise eine Stunde später als sonst, also erst um 20 Uhr, geschaffen werden, wenn zum ersten Playoff-Finale die Berlin Recycling Volleys in der LKH Arena antreten.

Aktueller deutscher Pokalsieger und CEV-Cup-Finalist gegen den Titelverteidiger – Volleyball-Deutschland blickt elektrisiert auf dieses Traumfinale, das im „Best-of-5“-Modus entschieden wird. Drei Siege sind also zum Triumph nötig. Und viele halten eine Wachablösung für möglicher als je zuvor. Denn die SVG hat sich in jüngerer Vergangenheit als ein Spitzenteam etabliert, und das auch in Europa.

Auch international für SVG Anerkennung und Respekt

Zwei Vorstöße in das CEV-Cup-Finale in den letzten drei Jahren, dazwischen ein Viertelfinale in der Champions League – durchs Ausschalten von Berlin – haben auf dem Kontinent für Anerkennung und Respekt gesorgt. Und das nicht nur bei den Konkurrenten selbst, sondern auch deren Fans. So war zuletzt in Piacenza z. B. zu beobachten, wie begehrt Autogramme der LüneHünen und Selfies mit ihnen bei den italienischen Besuchern waren, in einem Land, in dem allenfalls Fußball populärer als Volleyball ist.

Das stellte auch Bernd Schlesinger, der Sportliche Leiter der SVG, nach dem Final-Rückspiel heraus: „Hier in Italien spürt man, dass Volleyball einen ganz anderen Stellenwert hat, ganz anders gelebt wird. Ich frage mich immer: Schaffen wir so etwas Ähnliches auch in Deutschland? Darauf habe ich noch keine Antwort. Aber wir haben in Lüneburg wirklich sehr viel geschafft. Ich habe zu Andreas Bahlburg gesagt: Wenn wir das vierte Mal im Finale sind, gewinnen wir! Ähnlich wie im deutschen Pokal …“

Vor Ort fieberte auch Ex-LüneHüne Erik Röhrs mit, aus dem nahen Monza angereist mit seinem Nationalteam-Kollegen Jan Zimmermann. Röhrs war 2024 ein Hauptakteur beim Siegeszug ins CEV-Cup-Endspiel, verfolgt den Lüneburger Weg weiter mit viel Interesse: „Das ist natürlich ein Verein, der mir sehr am Herzen liegt. Dieses Jahr hat die SVG eine unglaubliche Reise hinter sich. Einfach schön zu sehen, wie das Projekt Lüneburg stetig weiterwächst“, gab der 25-Jährige zu Protokoll und drückt nun auch für die Playoffs die Daumen: „Ich hoffe natürlich, dass die SVG dieses Jahr Deutscher Meister wird. Das wäre für den Verein einfach der verdiente Lohn für die Saison.“

In Berlin wird das naturgemäß etwas anders gesehen, wenn auch BRV-Kapitän Ruben Schott schon nach der Hauptrunde als Zweiter einräumte: „Wir wussten schon länger, dass es wohl der zweite Platz wird. Wir haben den Saisonstart massiv verpennt, daher ist dieser Rang in Ordnung und auch verdient. Am Ende musst du das letzte Spiel der Saison gewinnen, wenn du Deutscher Meister werden willst. Und das ist ab sofort unser einziges Ziel.“ Und weiter, anerkennend Richtung Lüneburg: „Ich sehe sie da schon so ein bisschen in der Favoritenrolle – jedenfalls auf dem Papier.“

Berlin rechtzeitig wieder in Topform?

Aussagen, wie erwähnt, Ende März, als der Titelverteidiger trotz einer Siegesserie noch seine Topform suchte. Die scheint er spätestens jetzt gefunden zu haben. Beeindruckend jedenfalls war das 3:0 im dritten Halbfinale gegen Friedrichshafen: die Annahme eine Bank (72 %), die Feldabwehr höchst aufmerksam, die Aufschläge von höchster Qualität, das Blockspiel mit den beiden Ex-Lüneburgern Florian Krage-Brewitz und Matthew Knigge hoch effizient vor allem hinsichtlich der Angriffsquoten (78 und 89 %).

Bei der SVG lief währenddessen das Training, auf dem dabei stets vorhandenen Monitor wurde das Streaming aus der Hauptstadt aber nur nebenbei verfolgt. „Wir haben unsere eigenen Themen“, merkte dazu Chefcoach Stefan Hübner an und meinte zu der Paarung, die sich ergab: „Schön. Ein toller Rahmen. Nicht so weit zu fahren. Da freuen wir uns drauf. Ich hoffe, dass es eine tolle Serie wird. Wir haben das Ziel, es enger zu gestalten als letztes Jahr.” Da setzte sich der Abonnementsmeister in drei Matches klar durch. Und zur Favoritenrolle, die der SVG von Außen gelegentlich angetragen wird, merkte er an: „Das hat für uns keine Bedeutung. Wir wissen, dass Berlin eine sehr gute Mannschaft ist. Entscheidend ist, dass wir gut spielen müssen. Die Situation war vor dem Pokalfinale genauso. Beide Teams rechnen sich Chancen aus, beide wollen gewinnen.”

Entspannte Erfolgssaison gegen permanente Unruhe

Einen Vorteil hat die SVG aber dennoch: Ihre Saison verlief wesentlich entspannter und bot den Fans viel mehr erfreuliche Highlights. Und die Mannschaft bewies oft Nervenstärke. An der Spree dagegen lagen manches Mal die Nerven blank: verpatzter Saisonstart, Kapitän Schott zeitweise zum Bankdrücker degradiert, im Januar der Wechsel von Chefcoach Joel Banks zu seinem Assistenten Alexandre Leal, verpasste Ziele im Pokal (Halbfinale) und in der Champions League (wieder nicht das lange erträumte Viertelfinale), dann im CEV Cup nach nur einer Runde raus (Viertelfinale). Dazu kam die bis heute anhaltende Kritik am neuen Zuspieler Fedor Ivanov. Ungewöhnlich auch, dass trotz zweier langzeitverletzter Mittelblocker kein neuer verpflichtet wurde.

Und dann sorgte in der letzten Woche der zweite Trainerwechsel für Aufsehen. Der Brasilianer Leal bat drei Tage vor dem entscheidenden Halbfinale gegen Friedrichshafen wegen familiärer Probleme in der Heimat überraschend um die Entbindung von seinen Aufgaben, um nach Brasilien fliegen zu können. Co-Trainer Markus Steuerwald, in der neuen Saison Chef bei den Giesen Grizzlys, übernahm. Kaum war wieder Ruhe eingekehrt, sorgte nur einen Tag nach dem Finaleinzug die Meldung eines griechischen Online-Portals (volleynews.gr) für neue Aufgeregtheit, dass Top-Punktesammler Jake Hanes zu Olympiakos Piräus wechseln wird.

Die SVG hatte zumindest seit letztem Mittwoch ein bisschen Zeit, um vor dem Saisonendspurt die Kräfte zu schonen. Ausschließlich erfreulich waren die Tage aber nicht, wie sich inzwischen wohl schon weitgehend herumgesprochen hat – Jesse Elser, schon in Piacenza nicht mehr dabei, musste seine Zelte in Lüneburg abbrechen und wegen eines medizinischen Notfalls in der Familie in die kanadische Heimat fliegen. Sorgen des so vorbildlichen Kapitäns, die natürlich auch die Mannschaft beschäftigen. „Die Jungs fühlen unheimlich mit. Ihre Gedanken sind bei Jesse und sie machen sich Gedanken, wie sie ihn unterstützen können,” weiß Trainer Stefan Hübner.

(hre/gm)

Rund ums Spiel:

Tickets: Aktuell sind alle verfügbaren Tickets vergriffen. Es kann aber kurzfristig noch Rückläufer aus dem Gäste-Kontingent geben. Schaut also gern im Online-Ticketshop vorbei, wenn ihr noch eine Chance haben wollt, dabei zu sein.

Autogrammstunde: Nach dem Spiel erfüllen Sho Takahashi und Axel Larsen Autogramm- und Selfie-Wünsche der Fans im Unterrang (hinter dem Lüneblock).

Spieltagsflyer: Am Spieltag findet ihr im digitalen Spieltagsheft „Crunchtime“ wieder alle Infos rund ums Spiel. Schaut also gern am Mittwoch in der Rubrik „Spieltagsflyer & Saisonheft“ der SVG-Website oder in der SVG-App vorbei. Dort findet ihr übrigens auch die bisherigen Ausgaben.