
SVG gewinnt nach starker Europa-Saison Silber
CEV-Cup-Finale: LüneHünen unterliegen Piacenza 0:3
Die beeindruckende Europa-Saison der SVG Lüneburg endete erst im Finale: Mit 0:3 (20:25, 17:25, 21:25) mussten sich die Lüneburger auch im Rückspiel (Hinspiel: 0:3) bei Gas Sales Bluenergy Piacenza geschlagen geben. Für die LüneHünen gilt: Silber gewonnen – und mit starken Auftritten erneut viele Herzen und auch Anerkennung in Volleyball-Europa gewonnen.
3450 Zuschauer im PalabancaSport, darunter auch Ex-LüneHüne Erik Röhrs und sein Nationalteam-Kollege Jan Zimmermann, erlebten einen beeindruckenden Finalabend in einer lauten Halle und mit stimmgewaltigen Fans auf beiden Seiten. Etwa 50 SVG-Fans hatten die SVG nach Italien begleitet und feierten ihr Team auch nach Spielende.
Piacenza legt mit viel Druck los
Im Startteam der SVG hatte im Vergleich zum Hinspiel Joscha Kunstmann für Cole Young im Mittelblock übernommen. Er und seine Teamkollegen sahen sich von Beginn an einem starken Auftritt der Gastgeber gegenüber. Ein Block von Simon gegen Ethan Champlin hatte das Spiel eröffnet. Der kubanische Routinier Simon sollte das Piacenza-Spiel weiter prägen und riss sein Team mit. Mit viel Druck im Aufschlag, darunter früh zwei Assen von Alessandro Bovolenta und Hinspiel-MVP Paolo Porro (12:7), sowie Konsequenz im Angriff setzte sich Piacenza ab.
Zur Satzmitte kam die SVG mit Axel Enlunds Block nochmal in Schlagdistanz heran (13:10, 15:12), doch dann wuchs der Rückstand. Ein weiteres Porro-Ass belegte den konstanten Druck im Aufschlag, nach der SVG-Annahme krachten harte Angriffe ins Feld. Die Hausherren untermauerten ihren Griff nach dem Titel deutlich – und das, obwohl die Effizienz zunächst sogar für die Gäste sprach: Sowohl in der Annahme (57:44 Prozent positiv) als auch im Angriff (64:48 Prozent) lag die SVG vorn. Nach einem Abwehrfehler ging der erste Satz an Piacenza (25:20).
Auch im zweiten Satz sah sich die SVG viel Piacenza-Druck gegenüber. Simon knallte konstant weiter die Angriffe ins Feld (5:2, 8:3), zeigte hart geschlagene, durchaus beeindruckende Aktionen. Die gab’s aber auch von SVG-Seite: Enlund antwortete ebenfalls mit Konsequenz (8:4). Dann wuchs der Vorsprung weiter, Piacenza punktete erneut aus fast allen Varianten (11:5, 18:13). Vor allem gegen Simon fanden die immer wieder anrennenden LüneHünen kaum Mittel – der Mittelblocker war stets präsent, schlug etwa hart gegen Jackson Howes Block zum Aus (20:14). Als José Miguel Gutierrez um 20:54 Uhr einen diagonalen Angriff verwandelte (25:17), war nicht nur der zweite Satz entschieden, sondern die Arena erbebte auch im Titel-Jubel: Piacenza hatte sich damit den CEV-Cup-Gewinn gesichert.
SVG wehrt sich motiviert
Im dritten Satz gab’s Spielpraxis auf höchstem Niveau für fast alle weiteren SVG-Akteure: Neo Laumann, Joris Backhaus, Shane Holdaway, Christopher Byam und Axel Larsen übernahmen nun und kamen ebenfalls zu Final-Ehren. Neben Joscha Kunstmann blieb auch Champlin auf dem Feld – im Außenangriff musste die SVG auf Jesse Elser verzichten. Der Kapitän war aus privaten Gründen zurück nach Kanada gereist und konnte nicht dabei sein.
Die Gastgeber brachten zunächst ihren zweiten Libero Pace und zwei weitere Akteure, wechselten später im Satz weiter. Mit Francesco Comparoni entfaltete einer der “Neuen” schnell Wirkung, machte schnell drei Punkte und verwandelte ein Ass (12:8). Die SVG wehrte sich weiter motiviert und hatte gute Momente, etwa Champlins über den Block gedroppten Ball (13:9). Doch Piacenza zog weiter durch: Bovolenta gelang sein drittes Ass (15:9), Simon blockte weiter stark (16:9). Der Routinier, der auf 82 Prozent Angriffsquote kam und sich nach dem Spiel emotional aus Piacenza verabschiedete, ging vorzeitig raus, bekam Standing Ovations. Es blieb bis in die Schlussphase bei der Sechs-Punkte-Führung der Gastgeber. Ein platzierter diagonaler Angriff von Gutierrez besiegelte nach 71 Spielminuten den verdienten Erfolg der Gastgeber.
“Der Unterschied war der Aufschlag, das war heute ein anderes Niveau auf der anderen Seite”, machte Stefan Hübner im Anschluss einen der zentralen Aspekte aus – die Gastgeber hatten allein bei den Assen mit 6:0 die Nase vorn. “Piacenca hat unheimlich viel Druck gemacht, hatte Variationen dazu. Sobald wir den Ball im Spiel hatten, haben wir es gut gemacht, in der Block-Feldverteidigung gut gearbeitet. Sobald wir ein bisschen Effekt hatten, der Zuspieler drüben nicht am Netz war, war es gut.” Doch aus SVG-Sicht rückte Hübner schnell das Erreichte in den Vordergrund: “Der Stolz darauf ist unheimlich groß. Irre, innerhalb von drei Jahren zweimal im Finale zu sein. Das wird man in ein paar Jahren erst richtig einschätzen können.”
Als MVP wurde Simon ausgezeichnet, der auch auf die zweitbeste Scorerbilanz (11 Punkte) kam. Topscorer war Alessandro Bovolenta (12 Punkte), die beste SVG-Ausbeute holte Axel Enlund (10 Punkte).
SVG: Kunstmann (3), Välimaa, Gruvaeus (8), Howe (6), Enlund (10), Champlin (6) – Takahashi; eingewechselt: Larsen (3), Holdaway (2), Byam (1), Backhaus, Laumann
Weitere Stimmen zum Spiel:
Dante Boninfante (Chefcoach Gas Sales Bluenergy Piacenza): “In diesem zweiten Spiel haben wir sehr stark begonnen. Lüneburg hat versucht, im Spiel zu bleiben. Aber auch mit unserer Kulisse im Rücken war es für sie nicht möglich, ins Spiel zurückzukommen. Wir haben mit dem Titel ein großes Ziel erreicht. Aber ich möchte auch Lüneburg gratulieren – ein toller Klub mit tollen Leuten, tollen Fans, einem tollen Coach! Sie haben einen großartigen Job gemacht und können stolz darauf sein.”
Cole Young (SVG Lüneburg): “Ein schweres Spiel. Nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben, aber in so einem Spiel um den 1. Platz ist es hart. Ich bin einfach stolz auf die Jungs, wie sie gekämpft haben – und der 2. Platz ist ebenfalls großartig. Und jetzt schaffen wir ein gutes Momentum, um in die Bundesliga-Finalspiele zu gehen.”
Ethan Champlin (SVG Lüneburg): “Das war das 51. Spiel der Saison für uns. Aber wir können uns damit rühmen, es in mehrere Finals geschafft zu haben. In anderen Spielen war das Ergebnis ein anderes, aber wir können diesen Moment genießen. Hier gegen ein großartiges Team zu spielen, das spätestens nach dem Hinspiel auch Respekt vor uns hatte – darauf können wir definitiv stolz sein. Es bedeutet mir sehr viel, mit diesem Team guten Volleyball zu spielen. Wir sind eines der besten Teams in der Welt, die SVG ist ein überragender Klub – und das alles wäre ohne meine Teamkollegen nicht möglich gewesen. ”
Santeri Välimaa (SVG Lüneburg): “Es ist eine unfassbare Erfahrung, überhaupt hier gewesen zu sein. Als Kind habe ich solche Spiele angeschaut und hätte nie gedacht, dass ich da mal selbst auf dem Feld stehen werde. Und als Team können wir einfach stolz auf das sein, was wir erreicht haben. Und der Stolz überwiegt ganz klar – es gibt viele, viele gute Teams, die wir hinter uns gelassen haben. Wenn man gegen ein besseres Team verliert, ist es nicht ganz so schlimm. Piacenza ist ein großartiges Team, sie waren einfach besser.”
Bernd Schlesinger (Sportlicher Leiter SVG Lüneburg): “Es war auf jeden Fall ein schönes Erlebnis. Schade, dass wir eine sehr aufschlagstarke Mannschaft gegenüber hatten. Wir haben es leider versäumt, im Hinspiel einen oder zwei Sätze zu gewinnen. Das hätte uns nochmal ein bisschen mehr Selbstvertrauen gegeben. Aber die Mannschaft, alle Spieler, die auf dem Feld standen, haben bis zum letzten Ball gefightet und gewollt. Piacenza ist in Italien Vierter geworden – das ist absolutes Spitzenniveau. Gratulation – und wir freuen uns auch über eine Silbermedaille.”
(gm)

Silber! Die SVG zählt als Finalist in Europas zweithöchstem Klub-Wettbewerb zu den Top-Teams des Kontinents. Und das mit Teamgeist, wie die Trikots von Jesse Elser und Tyler Koslowsky zeigen, die bei einem der Saison-Höhepunkte nicht dabei sein konnten. Foto: SVG/Höfel